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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2025

Ein Fall für zwei

»Wenn Ende gut, dann alles«
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Da rumpelt Tommi mit seinem alten Wohnmobil über die Landstraße und entdeckt ein kleines einsames Mädchen am Straßenrand. Er wäre ja weitergefahren, aber mit an Board hat er seine Putzfee Svetlana und ...

Da rumpelt Tommi mit seinem alten Wohnmobil über die Landstraße und entdeckt ein kleines einsames Mädchen am Straßenrand. Er wäre ja weitergefahren, aber mit an Board hat er seine Putzfee Svetlana und die kennt da nix. Mit ihrer dominant- charmanten Art bringt sie Tommi dazu zu wenden und sich dem Mädchen anzunehmen. Und schon stecken die beiden in einem mysteriösen Fall. Denn niemand scheint dieses Mädchen zu kennen, geschweige denn zu wissen, wo es hingehört. Bereits nach den ersten Seiten war ich schockverliebt. In die Charaktere, den Schreibstil und die ganze Story. Tommi ist ein etwas weltfremder Träumer, Svetlana eine resolute, taffe Ukrainerin. Die Dialoge haben mir ein Dauergrinsen aufs Gesicht gezaubert. Während Svetlana Sprichwörter und Redewendungen verbal brutal vermöbelt, ist Tommi damit etwas überfordert. Daraus spinnen sich herrliche Gespräche, über die man einfach nur lachen kann. Auch Tommis Vater ist der Knaller. Der hat sich mal eben in einer Seniorenresidenz häuslich niedergelassen und lässt dort bei den Damen nichts anbrennen. Sehr zum Leidwesen seines Sohnes. Denn Tommi möchte einfach nur in Ruhe seine Thriller schreiben. Ideen hat er so einige, die stoßen bei Svetlana jedoch auf wenig Gegenliebe. Und auch als Leser ist man sich nicht so sicher, ob sich Tommi zum Bestsellerautor eignet. Dies war nun Volker Klüpfels erstes Solowerk und dazu gebe ich überschwänglich Standing Ovation. Bitte noch ganz viel mehr von Tommi und Svetlana. Das ist genau meins!

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Nah und fern

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
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Ziellos irrt die 27-jährige Hannah durch ihr Leben. Bis auf ihre Großmutter Evelyn ist niemand mehr von Hannahs Familie übriggeblieben. Und auch Evelyn ist bereits hoch betagt. Als sie einen Brief erhält, ...

Ziellos irrt die 27-jährige Hannah durch ihr Leben. Bis auf ihre Großmutter Evelyn ist niemand mehr von Hannahs Familie übriggeblieben. Und auch Evelyn ist bereits hoch betagt. Als sie einen Brief erhält, in dem es um ihr verschollenes Erbe geht, möchte sie nichts davon wissen. Hannah jedoch wird neugierig und nimmt das Erbe zum Anlass ihre Familiengeschichte zu erforschen. Bei Evelyn stößt sie jedoch auf stures Schweigen.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Wir lernen die junge Promotionsstudentin Hannah und ihre Großmutter Evelyn kennen. Aber auch deren Mutter Senta zur Zeit der 30er und 40er Jahren in Nazideutschland. Beide Geschichten sind spannend und wunderschön erzählt. Von der ersten Seite an habe ich das Buch geliebt. Senta habe ich als taffe Frau erfahren, die mit ihrer Liebe zur Freiheit, leider auch unverzeihliche Opfer bringen musste. Durch die zerrissene Familie wird der Nationalsozialismus sowohl von der Opfer- als auch von der Täterseite dargestellt und macht immer noch sprach- und fassungslos. Das Buch spart mit überraschendem Twist, und ist dennoch ehrlich und nahbar. Mir hat es richtig gut gefallen. Ich habe die Entwicklung der Figuren mit Spannung verfolgt und empfand sie zu jederzeit als realistisch. Ein wirklich sehr gut Buch, dass ich nur empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Gegen den Alleingang

Die Stunde, in der Europa erwachte
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Der Erste Weltkrieg ist gerade zu Ende gegangen. Langsam beginnt wieder Leben in die verwüsteten Landstriche einzuziehen. Im nördlichen Frankreich beginnen die Aufräumarbeiten. In einem kleinen Dorf inmitten ...

Der Erste Weltkrieg ist gerade zu Ende gegangen. Langsam beginnt wieder Leben in die verwüsteten Landstriche einzuziehen. Im nördlichen Frankreich beginnen die Aufräumarbeiten. In einem kleinen Dorf inmitten einer zerstörten Landschaft, treffen sich zufällig mehrere Menschen verschiedener Nationen. Der blutjunge Minot reist als Vorhut seiner Familie in das Dorf, um zu schauen, ob die Heimat noch bewohnbar ist. In einem Gasthof bewirtet er behelfsmäßig die Durchreisenden und die Gestrandeten. Ein deutsches Ehepaar wagt sich ins ehemalige Feindesland, um ihren toten Sohn nach Hause zu bringen. Die Britin Elsie, möchte das Trauma ihres Mannes verstehen und heilen und sich den Schauplatz der Schlacht selbst ansehen. Aber auch ein Spanier und Pole treffen im Gasthof ein, denn sie leben von dem, was sie auf dem Schlachtfeld finden. Nun sitzen sie gemeinsam in einem heruntergekommenen Gasthof, die unterschiedlichen Nationen, die gerade noch Krieg miteinander geführt haben und können aufgrund ihrer unterschiedlichen Sprachen nicht mal ein Gespräch miteinander führen. Und dennoch verstehen sie sich, denn sie sind Menschen mit ähnlichen Problemen und vor allem gleichen Gefühlen. Kurt Oesterle versteht es durch diese Geschichte, das Wesentliche auf den Punkt zu bringen. Die Unterschiede die uns nicht voneinander trennen sollten. Die Kraft, die von der Gemeinschaft ausgeht und die Hoffnung für die Zukunft macht. Ein Europa, in dem wir alle das gleiche wollen, nämlich in Frieden leben. Gerade heute sollten wir uns darauf besinnen und die Gemeinschaft als Chance begreifen. Ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit!

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Ein Highlight

Was man von hier aus sehen kann
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Immer wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt ein ihr bekannter Mensch. Mit dieser etwas bizarren Tatsche beginnt dieses wunderbare Buch. Selma ist die Großmutter von Luise. Diese wächst in einem kleinen ...

Immer wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt ein ihr bekannter Mensch. Mit dieser etwas bizarren Tatsche beginnt dieses wunderbare Buch. Selma ist die Großmutter von Luise. Diese wächst in einem kleinen Dorf auf. Um sie herum liebe, aber sehr spezielle Menschen. Luise versucht ihren Platz im Leben zu finden und das Leben zu verstehen. Doch einfach ist es nicht, denn der eine will nicht loslassen, der andere unbedingt die Welt hereinlassen und ein Dritter läuft stets gegen die Zeit an. Das Buch lebt von den sehr speziellen Charakteren mit ihren Bedürfnissen und ihrer Beziehung zueinander. Da ist der Optiker, der mehr Vaterfigur für Luise ist als der eigene Vater. Da ist die meckernde Marlis, die trotz ihrer permanenten schlechten Laune, von ihren Nachbarn doch liebevoll behandelt wird, oder die abergläubige Lisbeth, die die aberwitzigsten Rituale kennt, um das Leben zu kontrollieren. Ich habe sie alle lieben gelernt. Ich habe mit ihnen gelacht und mit ihnen getrauert. Dieses Buch ist wortgewaltig, tiefsinnig und doch leise. Es erzählt, ohne sich aufzudrängen und hat mich damit auf ganz intensive Weise berührt. Ein Buch, dass ich nicht vergessen werde und das jetzt schon mein erstes Jahreshighlight geworden ist.

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Veröffentlicht am 17.02.2025

Ruhiges Grauen

Weil niemand sie sah
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Die 15-jährige Ellie verschwindet eines Tages spurlos. Ihre Familie ist verzweifelt. Besonders ihre Mutter Laurel lässt das Verschwinden ihrer über alles geliebten Tochter keine Ruhe. Selbst nach 10 Jahren ...

Die 15-jährige Ellie verschwindet eines Tages spurlos. Ihre Familie ist verzweifelt. Besonders ihre Mutter Laurel lässt das Verschwinden ihrer über alles geliebten Tochter keine Ruhe. Selbst nach 10 Jahren lebt sie mehr in der Vergangenheit als im Hier und Jetzt. Ihre Familie zerbricht daran. Als sie einen neuen Mann kennenlernt und dessen 9-jähre Tochter, ist sie geschockt. Denn das Mädchen sieht ihrer verschwundenen Tochter zum Verwechseln ähnlich.
Der Schreibstil der Autorin hat mir richtig gut gefallen. Er strahlt Ruhe und Ordnung aus. Mit wenigen Worten und diffizil gestreuten Äußerungen der Protagonisten erzeugt sie Gänsehaut. Die Handlung selbst war spannend, jedoch ohne raffinierten Twist. Es war eher alles absehbar, jedoch gut durchdacht und erklärt. Mir hat dieses Buch gut gefallen, dennoch ist es für mich kein Highlight. Als Roman würde ich es aber in keinem Fall bezeichnen. Es war definitiv ein Thriller.

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