✎ Ole & Nils König - Kleine Redner, große Worte
Kleine Redner, große WorteDas Buch „Kleine Redner, große Worte: Präsentieren und Reden lernen für Kinder (mit Spaß!)“ von Ole & Nils König möchte Kindern im Alter von 8 bis 13 Jahren spielerisch beibringen, wie sie selbstbewusst ...
Das Buch „Kleine Redner, große Worte: Präsentieren und Reden lernen für Kinder (mit Spaß!)“ von Ole & Nils König möchte Kindern im Alter von 8 bis 13 Jahren spielerisch beibringen, wie sie selbstbewusst präsentieren und vor Publikum sprechen können. Ein großartiges Ziel - schließlich werden Kommunikationsfähigkeiten schon in der Schule immer wichtiger. Doch erfüllt das Buch diesen Anspruch wirklich?
Der Ratgeber ist in zehn Kapitel gegliedert, die Schritt für Schritt durch den Präsentationsprozess führen - von der Themenwahl über den Aufbau bis hin zur Reflexion nach dem Vortrag. Auch Bereiche wie Technik (PowerPoint & Co.), Lampenfieber oder Zielgruppenanalyse werden behandelt.
Inhaltlich bietet das Buch damit eine umfassende Grundlage für Kinder, die ihre ersten Schritte als Rednerinnen machen wollen. Es enthält auch hilfreiche Übungen und Spielideen, um das Gelernte zu festigen - ein echter Pluspunkt, denn Praxisbezug ist gerade bei jungen Lernenden entscheidend.
Allerdings: Beim Lesen wird schnell klar - der Text ist ziemlich textlastig. Für ein Kinderbuch fehlt es an visuellen Ankerpunkten. Wenig Absätze, kaum Hervorhebungen oder farbige Infokästen – das erschwert das Verständnis und fordert selbst erwachsene Leserinnen heraus. Für ein altersgerechtes Lernbuch wäre mehr didaktische Auflockerung wünschenswert gewesen.
Das Buch wurde offiziell für Kinder ab acht Jahren geschrieben. Doch in der Praxis wirkt es eher wie ein Leitfaden für begleitende Erwachsene - seien es Lehrkräfte, Eltern oder pädagogische Fachkräfte. Viele Inhalte sind sprachlich oder konzeptionell so aufbereitet, dass sie ohne Hilfe kaum verständlich sind. Damit wird die Zielgruppe leider etwas verfehlt.
Es wäre schön gewesen, wenn Kinder das Buch selbstständig durchblättern, lesen und verinnerlichen könnten - mit klaren Zusammenfassungen am Kapitelende oder kleinen Reflexionsseiten, auf denen sie ihre Gedanken notieren. So entsteht der Eindruck, dass Kinder zwar adressiert, aber nicht wirklich als eigenständige Leserinnen ernst genommen werden.
Auch in Sachen Gestaltung zeigt sich Verbesserungspotenzial. Der äußere Buchrand ist zwar großzügig, innen aber lässt sich nur schwer etwas markieren oder notieren. Für ein Arbeitsbuch, das zur aktiven Auseinandersetzung einlädt, ist das eher unpraktisch. Das Format wirkt insgesamt etwas unhandlich - nicht unbedingt ideal für Kinderhände.
Ein Glossar ist grundsätzlich eine sinnvolle Ergänzung. Hier allerdings wirken einige Begriffe überflüssig erklärt. Dass Kinder in diesem Alter bereits wissen, was „Applaus“, „Pause“ oder „Zuhörer“ bedeutet, darf man voraussetzen. Eine stärkere Auswahl an Begriffen, die wirklich erklärungsbedürftig sind hätte hier deutlich mehr Mehrwert geboten.
„Kleine Redner, große Worte“ verfolgt ein wichtiges und wertvolles Ziel: Kindern Mut zu machen, sich auszudrücken, vor Gruppen zu sprechen und ihre Ideen überzeugend zu präsentieren. Die Inhalte sind fundiert, praxisnah und bieten viele gute Ansätze.
Doch das Buch bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück, weil es seine junge Zielgruppe nicht genug in den Fokus rückt. Statt kindgerechter Aufbereitung und motivierender Gestaltung setzt es auf ausführlichen Fließtext, der ohne erwachsene Unterstützung schwer zu bewältigen ist.
Für Eltern, Lehrkräfte oder Trainerinnen kann es dennoch ein wertvolles Werkzeug sein - besonders, wenn sie Kinder beim Präsentieren aktiv begleiten möchten. Wer allerdings auf ein Buch hofft, das Kinder eigenständig durch das Abenteuer „Reden lernen“ führt, wird hier eher enttäuscht.
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