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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.04.2025

Träumerisch, berührend, aber ...

Das kleine Café der zweiten Chancen
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Die seelisch verletzte und einsame Misaki begegnet auf ihrem Weg zur neuen Schule Sugiura-San, die ihr Mut macht und sie unterstützt, sich gegen Mobbing und unfreundliche Mitschüler zu wappnen. Nach einem ...

Die seelisch verletzte und einsame Misaki begegnet auf ihrem Weg zur neuen Schule Sugiura-San, die ihr Mut macht und sie unterstützt, sich gegen Mobbing und unfreundliche Mitschüler zu wappnen. Nach einem angenehmen ersten Schultag verbringt Misaki einen harmonischen Nachmittag bei Sugiura. Misaki fühlt sich angenommen und geborgen. Zum Abschied erhält sie von Sugiura den Rat das Café Tacet Yuguredo (das Café der zweiten Chancen) zu besuchen.
Am nächsten Tag ist Sugiura-San verschwunden. Misaki versucht im Café Tacet das Erlebte zu ergründen.


Dieser Roman ist in einer zurückgenommenen, vielleicht sogar demütigen Sprache geschrieben, sicher der japanischen Mentalität geschuldet. Mit den Namen und dieser Erzählweise hatte ich anfänglich Schwierigkeiten. Manchmal, wenn die Freundin Tsukiko beschrieben wurde, kam mir das ziemlich kitschig vor.
Die Nöte und auch zwischenzeitlichen Glücksgefühle von Misaki sind eindringlich beschrieben worden. Aber trotzdem konnte ich die Atmosphäre nicht ganz nachvollziehen. Die ständigen Demütigungen seitens der Mutter und auch seitens der Schwester, ist das in Japan heute immer noch so üblich oder spielt der Roman in einer anderer Zeit.
Das Café der zweiten Chancen ist fiktiv. Das ist klar, aber das Verhalten der Protagonisten untereinander erschien mir genauso fiktiv und nichtsagend. Die Geschichte als solche erschien mir reizvoll, aber die Umsetzung überzeugt mich nicht. Die Grundstimmung in diesem Roman ist traurig und bedrückt. Ich vermisse einen Hoffnungsschimmer für Misaki. So lässt mich das Buch traurig zurück.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Katastrophales Wochenende

Nachtwald
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Lizzie hat ein albtraumhaftes Wochenende vor sich.
Gerade aus einer Entzugsklinik entlassen, soll sie im Haus des neuen Ehemanns ihrer Mutter deren Hochzeit nachfeiern. Mit dabei ist ihr Bruder, dem sie, ...

Lizzie hat ein albtraumhaftes Wochenende vor sich.
Gerade aus einer Entzugsklinik entlassen, soll sie im Haus des neuen Ehemanns ihrer Mutter deren Hochzeit nachfeiern. Mit dabei ist ihr Bruder, dem sie, während ihrer Suchtphase übel mitgespielt hat. Die Fahrt zum Haus ist alles andere als harmonisch, insbesondere als sie den letzten Kilometer zu Fuß durch einen dichten, düsteren Wald zurücklegen müssen und dabei feststellen müssen, dass sie keinen Handy-Empfang mehr haben.
Am ersten Abend findet noch jemand den Weg zum Haus. Er überrumpelt und verunsichert alle Anwesenden und bedroht die Familienzusammenführung.


Als ein atmosphärischer Thriller aus Irland angekündigt, kam die Spannung aber erst langsam in Gang. Zu viele Verletzungen, Brüche und Wunden mussten erklärt und beleuchtet werden. Trauer, Missverständnisse, überforderte Vergebungen, Trotz und immer wieder schlechtes Gewissen waren mir an Lizzies Emotionen zu viel und zu betont.
Gegen Mitte des Thrillers wurde es endlich spannend. Fassaden bröckelten, Geheimnisse wurden erahnt, um dann ganz anders gelüftet zu werden. Jeder misstraute jedem und rundherum der tiefe, fast undurchdringliche Wald. Das war schon gruselig.
Lizzie war offensichtlich die Einzige, die Schlüsse aus ihren Beobachtung ziehen konnte. Dabei war sie aber sehr sprunghaft und impulsiv.
Ich konnte mit keinem Protagonisten warm werden. Irgendwie waren alle außer Lizzie nicht fassbar und nicht einzuschätzen.
Nach vielen Wendungen und Verdächtigungen erschien mir das Ende konstruiert und unglaubwürdig.
Trotzdem war der Showdown spannend und Gänsehaut bildend geschrieben.
Alles in allem bei einigen Schwächen doch lesenswert.

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Zu viele Akteure, zu komplex

Wir finden Mörder (We Solve Murders-Serie 1)
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Sophie Wheeler arbeitet als Bodyguard für eine berühmte Thriller Autorin.
Sie hält täglich telefonischen Kontakt mit ihrem Schwiegervater Steve Wheeler, einem ehemaligen Polizisten. Ihn zieht sie sofort ...

Sophie Wheeler arbeitet als Bodyguard für eine berühmte Thriller Autorin.
Sie hält täglich telefonischen Kontakt mit ihrem Schwiegervater Steve Wheeler, einem ehemaligen Polizisten. Ihn zieht sie sofort zu Rate, als mehrere Klienten, die von ihrer Personenschutzagentur vertreten werden, wegen Geldschmuggels verhaftet werden und Mordanschlägen ausgesetzt werden.
Als auch der Chef der Agentur schwer verletzt und entführt wird, machen sich Sophie, Steve und die Thriller Autorin gemeinsam auf eine abenteuerliche Ermittlungsreise.


Als Fan des Donnerstagsmordclubs, den ich zum Teil gehört und auch gelesen habe, bin ich von der neuen Reihe enttäuscht.
Die Sprecher Richard Barenberg und Wolfgang Wagner passen sehr gut in Richard Osmans Cosi-Krimi-Kosmos und zogen mich mit ihrer Sprechweise und ihren Stimmen in diesen Cosi-Krimi. Aber schon nach wenigen Minuten wurde ich mit so vielen verschiedenen Akteuren überhäuft, dass ich immer wieder den Faden verlor. Im Buch kann man immer noch zurückblättern, um wieder neue Personen richtig einordnen zu können. Im Hörbuch war ich machtlos.
Dieses Mal war ich überfordert mit diesem komplexen und vollgepackten Plot und konnte nicht den skurrilen britischen Humor genießen, den ich sonst an Osman Krimis schätze.
Trotzdem werde ich dem nächsten Cosi-Krimi von Richard Osman eine Chance geben.

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Veröffentlicht am 21.02.2025

Hat mich leider nicht erreicht

Gebt mir etwas Zeit
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Während der Pandemie hat Hape Kerkeling Ahnenforschung betrieben und lässt uns an der abwechslungsreichen Geschichte seiner Vorfahren teilhaben.
Gleichzeitig gibt er uns einen tiefen Einblick in entscheidende ...

Während der Pandemie hat Hape Kerkeling Ahnenforschung betrieben und lässt uns an der abwechslungsreichen Geschichte seiner Vorfahren teilhaben.
Gleichzeitig gibt er uns einen tiefen Einblick in entscheidende Etappen seines privaten und beruflichen Lebens.
Es ist eine besondere Form einer Autobiographie.


Das besonders gute und schöne Hörerlebnis, wenn Hape Kerkelings sein neustes Buch präsentiert, hatte ich schon einmal vor vielen Jahren. „Ich bin dann mal weg“ hat mich schlicht begeistert und abgeholt. Hape Kerkeling hatte seine Erfahrungen und Beschwernisse so lebhaft geschildert, dass man sich mit ihm auf dem Jakobsweg wähnte.
Dem entsprechend neugierig war ich auf seine angekündigte Ahnengeschichte. Leider ist seine Ahnengeschichte sehr kompliziert und umfangreich. Zudem hat er einige familiäre Dialoge und Ereignisse dazu phantasiert, um Zusammenhänge und gesellschaftliche Modalitäten zu verdeutlichen. Zusätzlich wurde seine Ahnengeschichte mit autobiographischen Einschüben unterbrochen, was mich vollends durcheinandergebracht hat. Ich hatte den Eindruck, dass kein Erzählstrang richtig zur Geltung gekommen ist.
Hatte ich mich gerade im Amsterdam des 17. Jahrhunderts eingefühlt, wechselte Hape Kerkeling zur ersten großen Liebe seines Lebens, um daran anschließend seinem Ururgroßvater seine Liebe wegen falscher Religionszugehörigkeit verbieten zu lassen.
Die Wechsel waren mir zu abrupt und zu häufig. Dazu gesellten sich noch die nicht glaubwürdigen Erzählungen seiner dementen Großmutter, die sich später doch als richtig entpuppten. Ich fürchte, weniger wäre mehr gewesen.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Starke Story, mit einigen Längen

Anna O.
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Der renommierte Psychologe und Experte für Verbrechen, die während Schlafwandeln begangen werden, Dr. Benedict Prince, erhält vom Justizministerium eine brisante Aufgabe zugewiesen. Er soll Anna O. eine ...

Der renommierte Psychologe und Experte für Verbrechen, die während Schlafwandeln begangen werden, Dr. Benedict Prince, erhält vom Justizministerium eine brisante Aufgabe zugewiesen. Er soll Anna O. eine mutmaßliche Mörderin, die ihre beiden besten Freunde während eines Wochenendausflugs im Schlaf getötet haben soll, aus einem 4-jährigen komatösen Schlaf, von dem Resignationssyndrom verursacht, zu erwecken.
Seiner gewagten Theorie folgend macht Ben sich ans Werk, unter stetigen Druck und Beobachtung vom Justizministerium und seiner Ex-Frau, die als Kommissarin damals als Erste am Tatort eingetroffen ist, von Annas Mutter, die vor der Tat ihrer Tochter eine einflussreiche Politikerin war, sowie einer Bloggerin, die Annas Tagebuch besitzt.
Ben verstrickt sich immer mehr in Annas Leben und merkt nicht, in welcher Gefahr er schwebt.


Anna O. ist eine starke und fesselnde Story mit Emotionen, Gänsehaut-Situationen, Richtungswechsel und Zweifel an Annas Schuldfähigkeit, aber leider auch vielen langatmigen oder langweiligen Stellen.
In der ersten Hälfte des Thriller irritierten mich die langatmigen Befindlichkeiten von Dr. Prince, seine ambivalente Einstellung zu Anna, sowie die ausführliche Darstellung seiner Probleme im familiären Bereich.
Die zweite Hälfte war rasanter und wechselhafter. Da konnte ich das Buch schon nicht mehr aus der Hand legen. Leider fand ich auch in diesem Teil nicht alles schlüssig, manchmal auch zu oberflächlich.
Das Ende hätte ich mir insofern anders gewünscht, dass zumindest in der zweiten Hälfte kleine Hinweise in die richtige Richtung aufgetaucht wären. Wenn im letzten Kapitel eine andere Personen die Geschehnisse aus einer anderen Perspektive neu erzählt, erscheint mir das so frustrierend, wie die Krimis, in denen am Ende ein Täter aus der Hutschachtel gezogen wird. Es wird zwar ein Aha-Effekt erzielt, aber ich fühle mich gefrustet, weil ich mich durch die langweiligen Passagen des Buches gequält habe, ohne dabei dem Täter oder der Täterin auf die Spur gekommen zu sein.
Das hätte man sicher besser erzählen können.

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