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Veröffentlicht am 01.05.2025

Erfrischend!

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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Am College in Oxford wird eine junge Frau in der Wohnung des Provosts ermordet aufgefunden. Aufgrund einer Namensverwechslung wird der neue DI Ryan Wilkins noch in der Nacht zum Tatort gerufen und gerät ...

Am College in Oxford wird eine junge Frau in der Wohnung des Provosts ermordet aufgefunden. Aufgrund einer Namensverwechslung wird der neue DI Ryan Wilkins noch in der Nacht zum Tatort gerufen und gerät mit seiner prolligen Art sogleich mit dem Uni-Beamten aneinander. Um die Situation zu retten, lässt die Chefin ihn gemeinsam mit ihrem besten Mann, DI Raymond Wilkins, ermitteln, einem jungen, schwarzen Überflieger, der umsichtig und wortgewandt ist, also das absolute Gegenteil von Ryan. Obwohl sich beide nicht leiden können, ergänzen sie sich bei den unübersichtlichen Ermittlungen, bei denen nicht einmal die Identität der Toten geklärt werden kann. Bis Ryan wieder einmal Opfer seiner Agressionen wird ....

"Ein Mord im November" ist der erste Fall für das explosive neue Ermittlerpaar aus der Feder des britischen Autors Simon Mason und der einzige, der bereits auf Deutsch erschienen ist, während auf Englisch bereits drei weitere Romane vorliegen.

Zentraler Schauplatz der Handlung ist die ehrwürdige Universität Oxford, an der sowohl der Autor als auch seine Figur Raymond Wilkins studierten. Einige von den in diesem Zusammenhang genannten Begriffen sind mir nicht geläufig, so dass ich diese anderweitig nachschlagen musste (wie eben z.B. "Provost"). Die verwinkelten Räumlichkeiten schaffen eine authentische und höchst britische elitäre Atmosphäre, in die der in einem Trailer-Park aufgewachsene Ryan in keinster Weise passt und folgerichtig aneckt.

Die Spannungskurve steigt zunächst langsam an und der Leser tappt gemeinsam mit den Detectives lange Zeit im Dunkeln bei der Suche nach der Identität des Opfers; trotzdem bleibt die Handlung lebhaft und einnehmend. Nach überraschenden Wendungen kommt es schließlich zu einem atemberaubenden Showdown, in dem alle aufgekommenen Fragen schlüssig beantwortet werden.

Für mich brilliert der Kriminalroman durch die erfrischende Zeichnung des DI Ryan Wilkins mit seinen doch mangelhaften Umgangsformen und seinen Aggressionen, die jedoch mit einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe und großer Intelligenz versehen ist. Berührend zeichnet der Autor die von Schicksal und Privatleben benachteiligte Figur so glaubhaft, dass ich intensiv mit ihm fühlte und litt. Diese ganz neue Figur in der Welt der Ermittler machte in seiner besonderen und aufsehenerregenden Art einfach Spaß. Dazu trugen auch die Spannungen bei, die daraus natürlich im Verhältnis zu dem stets korrekten und erfolgreichen Raymond entstanden. Auch, wenn die einzelnen Figuren vielleicht etwas überzeichnet waren, trugen sie zu einem höchst unterhaltsamen Lesevergnügen bei.
Simon Mason gelingt es, dass derdie LeserIn auch bei einem spannenden Fall immer wieder schmunzeln muss - und das trotz oder gerade wegen der politischen Unkorrektheit in den Dialogen; eine Leichtigkeit, die bei Deutschen Autoren kaum zu finden ist. Auch die kurzen ruhigen Abschnitte, in denen der teils so asozial wirkende Ryan Gespräche mit seinem zweijährigen Sohn führt (der für sein Alter ziemlich reif wirkt), schaffen Tiefe und berühren auf besondere Art.

Dass auch Ryan für sein Fehlverhalten bestraft wird, bleibt natürlich nicht aus. DIe Handlung, in der nicht nur ein Fall gelöst, sondern auch das Miteinander des ungleichen Paares sich verbesserte, bietet noch viel Potential für die weitere Entwicklung der Figuren und ihr Verhältnis zueinander und ich freue mich auf baldige Veröffentlichung der Nachfolgebände.

Mich hat der inspirierende Erste Fall für DI Wilkins hervorragend unterhalten und ich empfehle ihn unbedingt weiter an Freunde britischer Kriminalromane, die auch unperfekte Ermittler mögen und die in einem einzigen Buch durch die unterschiedlichsten Gefühle gehen möchten.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Hochspannend mit Tiefe

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
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Art Mayer sucht immer noch nach der verschwundenen Dana Karasch. Ihre Tochter Milla, die bei ihrer dementen Großmutter lebt, hat er ins Herz geschlossen. Als ein Richter tot aufgefunden wird und auch noch ...

Art Mayer sucht immer noch nach der verschwundenen Dana Karasch. Ihre Tochter Milla, die bei ihrer dementen Großmutter lebt, hat er ins Herz geschlossen. Als ein Richter tot aufgefunden wird und auch noch MIlla verschwindet, ermittelt Art, der von dem Fall entbunden ist, gemeinsam mit seiner Partnerin Nele Tschaikowski, die eigentlich im Mutterschutz ist, und stößt auf immer mehr Ungereimtheiten, in die offenbar auch Kollegen involviert sind ...

Der deutsche Schriftsteller Marc Raabe legt mit "DIe Nacht" den dritten Thriler aus seiner "Art-Mayer-Serie" vor, der in sich abgeschlossen ist und sich problemlos ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände lesen lässt - allerdings verpasst der Leser dann die Weiterentwicklung der privaten Beziehungen und eine Menge Lesevergnügen.

Raabe Schreibstil ist bildhaft und äüßerst rasant. DIe aktuellen Entwicklungen wechseln sich ab mit den Geschehnissen in der Vergangenheit; kurze Kapitel mit Cliffhangern führen zu höchster Spannung, die auf hohem Level die Seiten fast von selbst umblättert. Überraschende Wendungen halten das Tempo weiterhin hoch und führen schließlich zu einem positiven Abschluss.
Auch, wenn ich normalerweise jedes Detail geklärt haben möchte, versetzte der Autor mich in Erstaunen mit einem befriedigenden Ende: „In einer perfekten Welt gäbe es eine perfekte Erklärung. Aber in der Wirklichkeit gibt es immer diese merkwürdigen Unschärfen…. Aber die Wirklichkeit ist halt kein Raster. Und das lässt uns immer etwas ratlos zurück.“

Marc Raabe lässt viel Psychologie und einige psychologischen Störungen in die Handlungen einfließen und bereitet seinen Leser*Innen damit teilweise heftiges Kopfkino und der Story weitere Tiefe. Zunächst kaum vorstellbar, wie allein die Erwähnung "der Schachtel" bei allen Figuren Panik auslösen kann, um ein Beispiel zu nennen...

DIe Figuren um den angeschlagenen Ermittler Art Mayer, der sich trotz seines Einzelgängertums und seiner Regelbrüche wohltuend von dem Klischee des "lonely wolfs" abhebt, konnten mich überzeugen. Besonders in Herz geschlossen habe ich die achtjährige Milla, die ihr Schicksal annimmt und trotzdem Kind bleibt.

(Auch, wenn bei einem Thriller mit verstörenden Themen zu rechnen ist, möchte ich eine Triggerwarnung aussprechen für: Alkohol- und Drogenmissbrauch, Vergewaltigung, psychischer und körperlicher Gewalt, KIndsmord und auch Hunde kommen zu Tode.)

Ich empfehle diesen großartigen Thriller unbedingt weiter und freue mich bereits auf den vierten Band um den legendären Art Mayer und die junge Nele Tschaikowski, der unter dem Titel "Im Morgengrauen" für das Frühjahr 2026 angekündigt ist.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Zwei starke Frauen, Kunstmalerei, Tanz und das unvergleichliche Montmartre

Montmartre - Licht und Schatten
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Am 20. Juni 1866 werden im Pariser Stadtteil Montmartre zwei Mädchen geboren: Elise Lambert, Tochter einer Wäscherin, wächst in Armut auf und muss mit harter Arbeit früh zum Einkommen beitragen; Valérie ...

Am 20. Juni 1866 werden im Pariser Stadtteil Montmartre zwei Mädchen geboren: Elise Lambert, Tochter einer Wäscherin, wächst in Armut auf und muss mit harter Arbeit früh zum Einkommen beitragen; Valérie Dumas, Tochter eines angesehenen Kunsthändlers, kennt keine Geldsorgen und wächst behütet auf. Doch beide vereinen die großen Träume, die die Mädchen haben:: Elise möchte Tänzerin werden, die begabte Valérie strebt nach einem Studium an der Kunstakademie. Beide Frauen kämpfen für ihr Glück, während ihnen immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, Kummer und Bedrängnis und selbst die Liebe ihren Weg zu Selbstbestimmung und Ruhm behindern.

Marie Lacrosse, Synonym der deutschen Autorin Marita Spang für ihre historischen Romane, legt mit "Montmartre - LIcht und Schatten" den ersten Teil einer Dilogie über zwei starke Frauen vor, die im ausgehenden 19. Jahrhundert ihren Träumen folgen und dabei einige Schicksalsschläge überwinden müssen - LIcht und Schatten eben.

Im Mittelpunkt der Dilogie steht der zunächst noch ländliche Pariser Stadtteil Montmartre, der erst 1859 von Paris eingemeindet wurde. DIeser zog neben Bürgern aus der Pariser Kernstadt, die sich hier amüsieren wollten, auch zahlreiche Künstler an, die sich ein freieres und billigeres Leben als im Zentrum der Stadt versprachen, wie Vincent Van Gogh, Suzanne Valadon, Paul Gauguin, Edgar Degas und viele mehr. Und auch der Bau des Wahrzeichens dieses Viertels, die Basilika Sacré-Cœur, der 1876 begann, fließt in die Geschichte ein.
Hier, in diesem Bezirk, lagen bittere Armut und wohlhabendes Leben in krassem Gegensatz direkt nebeneinander.

Marie Lacrosse hat hervorragend recherchiert und verwebt unglaublich viel Detailwissen trotz einer Themenfülle zu einer vollauf harmonischen und sehr gut und flüssig lesbaren Story. So ist "Montmartre" ein Sittengemälde seiner Zeit, das das Pariser Leben vor gut 150 Jahren greifbar macht und gleichzeitig eine Geschichte der Kunst und ihrer Ausübenden seiner Zeit; spannend, wie der akademische Realismus abgelöst wurde von - oder auch verteidigt gegen - neue Stile wie dem bekannteren Impressionismus,, dem Post-Impressionismus, Cloisonismus, dem Synthetismus, dem Pointillismus usw. Immer wieder hatte ich das Bedürfnis, die im Buch genannten Künstler und ihre Werke im Internet nachzuschlagen, um sie mit eigenen Augen sehen zu können.
Daneben spielt auch der Tanz, der neu aufkommende Cancan (und diesbezüglich die Sittenwächter), Prostitution und andere "Vergnügungen" eine Rolle. Nicht zu vergessen zahlreiche andere Entwicklungen, die die Welt im Kleinen und Großen veränderten, wie beispielsweise die Weltausstellung 1900 mit dem eigens hierfür entworfenen Eiffelturm, der Bau des Suez- und Panamakanals, die architektonischen Umwälzungen durch den Stadtplaner Georges-Eugène Haussmann, ja sogar der politische Gedanke der Anarchie und viele weitere, so dass ich neben der höchst unterhaltsamen Lektüre auch eine Menge lernen konnte!

Die im Zentrum stehenden jungen Frauen Elise und Valérie sind authentisch und mehrdimensional ausgearbeitet und ich konnte sehr gut mit ihnen fühlen, mitfiebern und mitleiden. Doch auch die weiteren Figuren sind anschaulich und in mehreren Facetten gezeichnet, so dass ich sie fast schon selbst zu kennen glaubte. Das feine Gespür der Autorin für ihre Figuren und deren Handlungen schafft einen wahren Genuss bei der Lektüre. Gut gefiel mir auch, wie die Autorin immer mehr Berührungspunkte schaffte zwischen den Frauen aus so unterschiedlicher Herkunft und Geschichte. und so aus Gegensätzen Gemeinsamkeiten wurden.

Abgerundet wird der Roman von einer Karte des Montmartre um 1880, einem Personenverzeichnis, in dem die historischen Personen gekennzeichnet wurden (und sogar genannt wurde, an welche historischen Personen fiktive angelehnt sind, großes Kompliment dafür), einer Gegenüberstellung von Wahrheit und Fiktion von der Autorin, einer kurzen Erklärung der im Buch erwähnten Stilrichtungen der Malerei, einer Liste der erwähnten Kunstwerke, einem Quellenverzeichnis und einiger Zitate berühmter Persönlichkeiten im ZUsammenhang mit Themen des Romans. Gerade diese zusätzlichen (Hintergrund-)Informationen machen einen historischen Roman für mich erst richtig wertvoll. Ein besonderes Dankeschön hierfür an Marie Lacrosse!

Mich konnte "Montmartre - LIcht und Schatten" vollauf begeistern und ich freue mich schon sehr auf den zweiten abschließenden Teil der Dilogie "Montmartre - Traum und Schicksal", der für November 2025 angekündigt ist.
Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Fesselnder Jugend-Mystery-Krimi auch für Erwachsene

Tod im Samtmantel
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Die 13jährige Grace kauft in einem Secondhand-Laden einen wunderschönen Samtmantel - und wird plötzlich von VIsionen heimgesucht, in denen sie durch die Augen eines gleichaltrigen Mädchen in die Vergangenheit ...

Die 13jährige Grace kauft in einem Secondhand-Laden einen wunderschönen Samtmantel - und wird plötzlich von VIsionen heimgesucht, in denen sie durch die Augen eines gleichaltrigen Mädchen in die Vergangenheit schauen kann. Als sie zusehen muss, wie das Mädchen ermordet wird, macht sie sich sogleich daran, in Sachen dieses "Cold-Case" zu ermitteln und gerät dabei selbst in Lebensgefahr ...

Sarah Wynne ist eine englische Autorin, die über 10 Jahre als Grundschulpädagogin gearbeitet hat - und so verwundert es nicht, dass sie sich mit der Gefühlswelt von KIndern und Jugendlichen gut auskennt - und bei genauem Hinsehen auch einige pädagogische Hinweise einstreut.

"Tod im Samtmantel" ist ein überaus spannender Mysterie-Thriller mit einer gelungenen Spannungskurve und einem dramatischen Showdown, bevor es zu einem Ende kommt, in dem alle Fragen geklärt werden. Die Mysterie-Elemente passen zur Geschichte, ohne zu übertreiben und bringen die Handlung voran.

Sarah Wynne schreibt in einem anschaulichen, locker-leichten Stil; die Kapitel sind kurz. Die eigentliche Handlung ist unterbrochen von kursiven gestalteten Einschüben aus Verbrechersicht. Das Geschehen ist nachvollziehbar und wirkt in jeder Hinsicht authentisch.Es gibt Freundschaften, aber auch Mobbing und Schulprobleme sowie eine durch Arbeit oft abwesende Mutter, was aber nie zu einem Drama führt.

Die Figuren sind nachvollziehbar beschrieben und die beiden Mädchen Grace und ihre Freundin Suzy hatte ich sofort ins Herz geschlossen. Mir gefällt sehr, dass Grace sicher sehr clever und mutig ist, aber ihr Verhalten und ihr Umfeld realistisch und nicht abgehoben ist.

Obwohl es sich um ein Jugendbuch handelt, konnte "Tod im Samtmantel" auch mich fesseln und ich empfehle es gerne weiter!

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Veröffentlicht am 21.02.2025

Wer war Robespierre wirklich?

Die Farben der Revolution. Éléonore und Robespierre
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Die Französische Revolution dauert bereits einige Jahre, als die Schwestern Éléonore und Babette Duplay nur knapp dem Tod bei dem berüchtigten "Massaker auf dem Champ de Mars" entgehen. SIe flüchten in ...

Die Französische Revolution dauert bereits einige Jahre, als die Schwestern Éléonore und Babette Duplay nur knapp dem Tod bei dem berüchtigten "Massaker auf dem Champ de Mars" entgehen. SIe flüchten in den Jakobinerclub, dem ihr Vater angehört und Èléonore begegnet zum ersten Mal dem charismatischen Revolutionsführer Maximilien de Robespierre. DIeser zieht als Mieter in das Haus der Familie Duplay und beide verlieben sich ineinander. Während Éléonore sich für Freiheit und Gleichheit der Frau einsetzt und ihrem Traum, Malerin zu werden, folgt, unterstützt und streitet sie mit ihrem späteren Verlobten ....

"Die Farben der Revolution" ist das zweite Werk der deutschen Autorin Jeanette Limbeck, deren KIndheitstraum es bereits war, über die Französische Revolution zu schreiben. Das Initial hierzu gab schließlich ihr Besuch im Pariser Musée Carnavalet, wo sie zwei nebeneinander hängende Portraits von Èléonore und Maximilien entdeckte und dieses Erlebnis auch als kleine Rahmenhandlung der historischen Geschichte beigefügt hat.

Jeanette Limbeck hat außergewöhnlich akribisch recherchiert und verbindet ein höchst umfangreichen Geschichtswissen mit einer lebendig und mitreißend erzählten Geschichte, die ihre Leser*Innen nicht nur schnell in die Geschichte hineinzieht, sondern auch viele Informationen und Erkenntnisse vermittelt. So kann ich von mir durchaus behaupten, dass mir durch die Lektüre viele Details und HIntergründe verdeutlicht wurden, ohne dass ich jemals mit trockenen Fakten zu kämpfen hatte.

Limbeck gelingt es wie kaum einem anderen, die historischen Personen zum Leben zu erwecken, so dass man meint, man wäre live dabei gewesen bei den großen Ereignissen der Weltgeschichte und hätte aktiv an der Französischen Revolution teilgenommen. Insbesondere der offiziell zumeist als grausam und rücksichtslos dargestellte Revolutionsführer ist durch die Autorin so mehrdimensional dargestellt, dass auch andere Facetten in den Vordergund treten, wie seine Bescheidenheit, seine Unbestechlichkeit und vor allem seine Forderung nach absoluter Gerechtigkeit. Für mich erschien, gerade durch die Augen seiner willensstarken Verlobten betrachtet, Robespierre in einem völlig neuen LIcht und ich lernte ihn als eine spannende Persönlichkeit kennen, die durchaus verkannt wurde.
Aber auch die real existierende Èléonore Duplay, von der ich vorher niemals gehört hatte, wuchs mir ans Herz, ohne dass ich sie rundum sympathisch fand. Sie war eine absolut willensstarke Persönlichkeit, die offen ihre Ansichten vertrat und damit durchaus Feindschaften entstehen ließ. Mit ihrer Forderung nach Freiheit und Gleichheit für die Frauen war sie ein Vorbild der Emanzipation und stieß gerade damit bei den Revolutionären auf Widerstand, die den Frauen wenig bis gar keine Rechte zubilligten. Ganz nebenbei ist durch ihre Figur auch noch eine Menge über die Malerei und die Künstler zur Zeit der Romantik (und die untergeordnete Stellung von Künstlerinnen) zu erfahren.

Ein Personenverzeichnis (mit Kennzeichnung der fiktiven Charaktere), ein Glossar, Quellennachweise, eine Bibliografie und vor allem Anmerkungen zur historischen Genauigkeit runden das Buch auf perfekte Weise ab.

Selten hat mich ein historischer Roman, der dermaßen vor HIstoriografie strotzt, dermaßen gepackt und ich empfehle ihn uneingeschränkt weiter. Für mich ein "außergewöhnlich" mit 5 Sternen.

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