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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2025

Plötzlich allein

Von hier aus weiter
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Nach 30 Ehejahren mit Rolf steht Marlene plötzlich alleine da und ist furchtbar wütend. Ihr Mann war schwer krank,und da es keine Aussicht auf Heilung gab, hat er sich das Leben genommen. Doch Marlene ...

Nach 30 Ehejahren mit Rolf steht Marlene plötzlich alleine da und ist furchtbar wütend. Ihr Mann war schwer krank,und da es keine Aussicht auf Heilung gab, hat er sich das Leben genommen. Doch Marlene wollte mit ihm gehen und das hat Rolf zu verhindern gewusst. Sie fühlt sich betrogen und muss doch weitermachen. Der Wunsch vom eigenen Suizid ist noch da, aber erst mal muss sie funktionieren und die Beerdigung überstehen.

Susanne Pásztor schreibt überraschenderweise leicht und humorvoll über das schwere Thema Trauer und Verlust. Ihre Protagonistin mochte ich gleich, war sie doch eine Person, die über sich selbst auch lachen konnte. Zum Glück gibt Marlene‘s Umfeld keine Ruhe und kümmert sich wunderbar und gar nicht aufdringlich um die selbstmordgefährdete Witwe. Selbst der Klempner, den sie rufen muss, als ihre Dusche nicht funktioniert, ist ihr zugetan. Er entpuppt sich als ein ehemaliger Schüler, und da er selbst in einer Lebenskrise steckt, helfen sich die beiden gegenseitig.

Ich mochte diesen ruhigen, unterhaltsamem Roman, der später noch einen Roadtrip beinhaltet sehr. Das Hörbuch wurde gelesen von Ruth Reinecke, die der Protagonist die perfekte Stimme geliehen hat.

Lediglich das Ende war mir etwas zu abrupt. So schnell wollte ich mich noch gar nicht von der Geschichte verabschieden.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Es gibt noch viel zu tun in der Frauenbewegung

Was wir Frauen wollen
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Die 1942 in Lima geborene und in Chile aufgewachsene Schriftstellerin und Journalistin Isabel Allende hat sich tatsächlich schon von Kindesbeinen an für Frauenrechte interessiert. Dies ist sicherlich den ...

Die 1942 in Lima geborene und in Chile aufgewachsene Schriftstellerin und Journalistin Isabel Allende hat sich tatsächlich schon von Kindesbeinen an für Frauenrechte interessiert. Dies ist sicherlich den Umständen geschuldet, dass ihre Mutter Panchita vom Ehemann mit zwei Säuglingen und einem Kleinkind sitzengelassen wurde. Aufgewachsen ist die Autorin dann im Haus der Großeltern, wo sie ihre Mutter, sowie die weiblichen Hausangestellten als Opfer des Patriarchats erlebte, was später dazu führte, dass sie sich aktiv für Frauenrechte stark machte.

„ Das -Wer zahlt, sagt wo‘s langgeht-, meines Großvaters wurde zum ersten Lehrsatz in meinem erwachenden Feminismus.“ S. 134

„Was wir Frauen wollen“ ist sowohl ein Rückblick auf das bewegte Leben dieser tollen Frau, als auch ein Plädoyer für Frauenrechte zu kämpfen und sich mit anderen Frauen zu solidarisieren, denn es gibt nach wie vor noch viel zu tun.
Die Tonalität ihres inspirierenden Textes ist locker, leicht und humorvoll . Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und sehr gemocht.

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Unterhaltsamer 3. Teil der Cassie Raven Reihe

Tote klagen an
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Die ersten beiden Bände dieser sehr besonderen Reihe mochte ich sehr. Die Protagonistinnen Cassie Raven, Assistentin der Rechtsmedizin mit provokantem Gothik-Stiling und Polizistin DS Phyllida Flyte sind ...

Die ersten beiden Bände dieser sehr besonderen Reihe mochte ich sehr. Die Protagonistinnen Cassie Raven, Assistentin der Rechtsmedizin mit provokantem Gothik-Stiling und Polizistin DS Phyllida Flyte sind mir schon irgendwie ans Herz gewachsen.So habe ich mich auch sehr gefreut, dass die Geschichte weitergeht.

Cassie steckt zu Beginn des Buches in einer tiefen Krise. Einerseits gibt es familiär und beziehungstechnisch einiges aufzuarbeiten. Andererseits scheint Ihre Gabe, intuitiv einen letzten Gedanken ihrer „Gäste“ in der Leichenhalle zu erahnen, wenn sie mit ihnen spricht, verloren gegangen zu sein. Damit erscheint ihr ihre Profession fast sinnlos, bis eines Tages eine Wasserleiche an ihr Hausboot getrieben wird, um die sie sich kümmern soll. Es macht Cassie zu schaffen, dass der Tote nicht identifiziert werden kann. Nichts ist schlimmer, als wenn ein Mensch begraben wird, ohne dass sich seine Angehörigen von ihm verabschieden können. Die Autorin beschreibt Cassie‘s gewissenhafte Arbeit in der Pathologie ausführlich und offensichtlich gut recherchiert. Dieser Fall führt Cassie auch wieder mit DS Phyllida Flyte zusammen, der der Tote irgendwie bekannt vorkommt.

Auch Phyllida ist mental etwas angeschlagen, hat sie doch den Tod ihres Baby‘s immer noch nicht verkraftet. Gleichzeitig will sie sich nicht eingestehen, wie anziehend sie Cassie findet. Außerdem ist sie in die Abteilung für Gewaltverbrechen gewechselt und die einzige Frau im Team. Dort herrscht ein anderes Klima und es ist nicht einfach für die leicht spröde aber sensible Phyllida sich zu behaupten.

Dass es in dem Wasserleichen - Fall auch um Homophobie in Polizeikreisen geht, macht es nicht einfacher für sie.

Ich fühlte mich auch in Band 3 wieder bestens unterhalten, fand diesen Teil aber etwas schwächer als die ersten beiden Bücher. Die Handlung trat manchmal etwas auf der Stelle, dafür erfahren wir viel über die einzelnen Charaktere. Ich hatte einen vagen Verdacht, wer der Täter sein könnte und habe dann doch falsch gelegen. Es gab also einen kleinen Überraschungsmoment am Schluss, was mir natürlich gefallen hat.

Ich hoffe sehr auf ein Wiedersehen mit den Protagonistinnen in einem 4.Band, wenn es denn einen geben sollte

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Nordic Noir

Der Polarkreis
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Liza Marklund ist mir schon von ihren Annika Bengtzon Krimis bekannt, die ich vor etlichen Jahren gerne gelesen habe. Jetzt ist etwas Neues von der Autorin herausgekommen, und ich war sehr neugierig, wie ...

Liza Marklund ist mir schon von ihren Annika Bengtzon Krimis bekannt, die ich vor etlichen Jahren gerne gelesen habe. Jetzt ist etwas Neues von der Autorin herausgekommen, und ich war sehr neugierig, wie es mir gefallen würde.

Bei Bauarbeiten an einem Brückenpfeiler wird eine weibliche, kopflose Leiche gefunden. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Sofia Hellsten handelt, ein junges Mädchen, dass an einem Abend im Jahr 1980 spurlos verschwand.

Sofia gehörte dem Buchclub „Polarkreis“ an, bei dem sich 5 Schülerinnen regelmäßig trafen und über ihre Lieblingsbücher diskutierten. Das letzte dieser Treffen endete im Streit, und danach wurde Sofia nie wieder gesehen. Die Autorin wechselt in ihrer Erzählung zwischen Gegenwart und Vergangenheit. 40 Jahre sind inzwischen vergangen und es ist interessant zu sehen, wie sich die früheren Mitschülerinnen weiterentwickelt haben. Interessanterweise ist der heute ermittelnde Polizeichef Wiking früher der Schwarm vieler Mädchen seiner Schule gewesen.

Die Buchclubmädchen sind nicht nur charakterlich sehr unterschiedlich, sie stammen auch aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten. Jedes der Mädchen hat seine Geheimnisse. Die Konflikte die sie miteinander hatten, waren, wie sich herausstellt, dann aber wohl tiefer, als zunächst gedacht.

Das Setting liegt in einer Kleinstadt in Nordschweden. Die Winter sind hart. Das fehlende Licht wirkt sich auf die Psyche der Menschen aus.

Die schwedisch - amerikanische Raketenstation bietet zumindest ein paar zusätzliche Arbeitsplätze. Insgesamt ist es recht trostlos hier und nicht wenige der jungen Leute ziehen weg, sobald sie volljährig sind.

Neben einem spannenden, gut strukturierten Kriminalfall mit Überraschungsmoment am Ende, gibt Liza Marklund auch tiefere Einblicke in die Gesellschaftsstruktur. Sie ist selbst in Nordschweden aufgewachsen und weiß wovon sie schreibt.

Ich hatte zu Beginn ein paar Schwierigkeiten in die Geschichte hineinzufinden, da es wirklich viele Personen sind , die man erst einmal auseinanderhalten und kennenlernen muß. Dann entwickelte dieser Krimi aber einen Sog, der mich immer wieder schnell zum Buch greifen ließ.

Ich habe diesen ruhigen und dennoch spannenden Krimi wirklich gerne gelesen und freue mich auf die Fortsetzung, denn dies war erst der 1.Teil einer Triologie.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Aus dem Leben einer Strafverteidigerin

Dunkle Momente
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Elisa Hoven, Professorin für Strafrecht und Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof befasst sich in ihrem als Roman betitelten Buch „ Dunkle Momente“ mit den moralischen Dilemmata ihrer Protagonistin, ...

Elisa Hoven, Professorin für Strafrecht und Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof befasst sich in ihrem als Roman betitelten Buch „ Dunkle Momente“ mit den moralischen Dilemmata ihrer Protagonistin, der Strafverteidigerin Eva Herbergen, die nach 30 Jahren im Beruf ihre Anwaltszulassung zurückgibt.

Nachfolgend werden besonders eindrückliche Fälle der Strafverteidigerin geschildert, die zunächst glasklar erscheinen, sich dann aber in eine ganz andere Richtung entwickeln und wesentlich komplexer sind, als ursprünglich gedacht.

Beim Lesen hat man zunächst nicht das Gefühl wirklich einen Roman zu lesen. Die verschiedenen Fälle reihen sich aneinander wie Kurzgeschichten, locker ummantelt mit einer kleinen Rahmenhandlung.

Das Gefühl ändert sich aber zum Ende des Buches, denn das letzte Kapitel liest sich wie ein Finale oder ein Showdown in einem Thriller. Die Juristin hat in ihrer Berufszeit, in dem Glauben das Richtige zu tun, ein paar gravierende Fehler begangen. Diesen letzten Fall im Buch bewertet Eva Herbergen aber tatsächlich als ihren dunkelsten Moment.

Die insgesamt 9 Fälle sind spannend und wendungsreich erzählt und bieten reichlich Stoff zum Nachdenken.

Es werden in dem Roman wirklich die Grenzen der Rechtssprechung ausgelotet. Auf den eigenen moralischen und ethischen Kompass ist wohl leider nicht immer Verlass.

Es geht unter anderem um Notwehr, Vergewaltigung, Kannibalismus, Kindersoldaten, das perfekte Verbrechen und Korruption.

Der Sprachstil war recht nüchtern und sachlich. Jeder neue Fall konnte mich fesseln und überraschen. Die Mischung der Geschichten fand ich sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus für Menschen, die mal einen authentischen Einblick in den Alltag von Strafverteidigern bekommen möchten.



Viele der erzählten Geschichten sind ausdrücklich von wahren Fällen inspiriert.

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