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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld
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Dass ausgerechnet im berüchtigten „Hotel Silber“, dem ehemaligen Sitz der Stuttgarter Gestapo, die neue Kriminalpolizei ihre Heimstatt haben soll, ist wohl ein Treppenwitz der Geschichte, denn noch wenige ...

Dass ausgerechnet im berüchtigten „Hotel Silber“, dem ehemaligen Sitz der Stuttgarter Gestapo, die neue Kriminalpolizei ihre Heimstatt haben soll, ist wohl ein Treppenwitz der Geschichte, denn noch wenige Tage vor dem Kriegsende haben die Schergen des NS-Regime Dutzende Menschen dort gefangen gehalten, gefoltert und ermordet.

Einer davon ist Paul Kramer, ehemaliger Polizist und Sozialist, der gerade noch mit dem Leben davon gekommen ist und daher von der US-Army prädestiniert ist, hier mitzuwirken. Natürlich sind Ideologie und Indoktrination nicht über Nacht verschwunden und die Entnazifizierungsverfahren sind mehr Schein als Sein. So trifft Paul Kramer wieder auf seine Widersacher und Peiniger, die alles daran setzen, sowohl ihn einzuschüchtern als auch ihre Verbrechen zu vertuschen.

So wird die Aufklärung des Mordes an Vera Wallner, die gemeinsam mit ihrer Familie fliehen wollte und verraten worden ist, die erste Bewährungsprobe für Paul Kramer.

Hilfe bei seiner Arbeit erhält Paul Kramer von Hilde, der Tochter eines eingefleischten Nazis, die sich von ihrer Familie lossagt, und als Schreibkraft bei der US-Army arbeitet.

Meine Meinung:

Autor Kai Bliesener lässt uns Leser in eine Zeit eintauchen, in der das Alte noch nicht wirklich weg ist und das Neue noch nicht Fuß gefasst hat. Doch wenn ich mit die aktuellen Nachrichten Nachrichten ansehe, scheint es, als hätte das ewig Gestrige nur einen Winterschlaf gehalten, um nun wieder sein böses Haupt zu erheben.

Sowie in Stuttgart das „Hotel Silber“ als Hauptquartier der Gestapo diente, war es in Wien das „Hotel Metropol“, das von 1938 bis 1945 als Haus des Schreckens bekannt war, mit dem Unterschied, dass es nach zahlreichen Beschädigungen durch alliierte Bombenangriffe im Jahr 1948 abgerissen worden ist. Die von Kai Bliesener penibel recherchierten und erschreckend realistisch beschriebenen Szenen haben sich so oder so ähnlich in allen anderen Städten des Deutschen Reiches abgespielt.

Das dunkle Cover mit dem imposanten Gebäude vermittelt schon ein beängstigendes Gefühl.

Fazit:

Diesem sauber aufgelösten, historischen Krimi gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 23.02.2025

Hier ist wenig, wie es scheint

Haus der Geister
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Als Kriminalrat Gustav Heller und sein Assistent Schrumm in die baufällige Villa der Witwe Adele Blumfeld gerufen werden, um zu überprüfen, ob es beim plötzlichen Tod von Adam Wilhelm Gust mit rechten ...

Als Kriminalrat Gustav Heller und sein Assistent Schrumm in die baufällige Villa der Witwe Adele Blumfeld gerufen werden, um zu überprüfen, ob es beim plötzlichen Tod von Adam Wilhelm Gust mit rechten Dingen zugegangen ist, wissen sie noch nicht, welche Abgründe sich hier auftun und Heller beinahe selbst das Leben kosten werden.

Gust ist, oder war vielmehr, Teilnehmer einer Séance bei Adele Blumfeld, die in Dresden als Medium bekannt ist. Während Heller keinen Augenblick an Geister glaubt, ist Schrumm ein wenig verunsichert, ob es nicht doch welche gibt. Dazu trägt der morbide Charme der großen Villa, in der die Blumfeld mit ihrer stummen und entstellten Dienerin Hermina lebt, bei. Beide scheinen mehrere Geheimnisse zu haben.

Als dann mehrmals das Gerücht vom „Roten Verlies“ auftaucht, und Adam Wilhelm Gust nicht der einzige Tote bleiben wird, beschließt Gustav Heller an einer Séance teilzunehmen

Meine Meinung:

Frank Goldammer ist mit diesem 2. Fall für Kriminal Gustav Heller und seinen Assistenten Schrumm ein fesselnder und komplexer Kriminalroman gelungen. Stellenweise läuft einem ein wohlig-gruseliger Schauer über den Rücken, obwohl schnell klar ist, dass die Erscheinungen in der Villa von Menschen gemacht sind.

Adele Blumfeld ist ein intrigante und abscheuliche Person, die nicht leicht zu überführen ist, zumal so manche höher gestellte Persönlichkeit Dresdens ihre Aktivitäten deckt. Blumfelds scheinbare Mildtätigkeit verdeckt nur die eigene Grausamkeit. Ich habe mich mehrmals gefragt, warum sie der stummen, 16-jährigen Dienerin, die weder Lesen und Schreiben kann, was mehrmals extra betont wird, nicht dasselbe beigebracht hat? Wollte sie Hermina künstlich im Ungewissen lassen?

Es dauert eine geraume Zeit bis Heller hinter die Machenschaften der Blumfeld kommt. Seine ermittlungen wirken sich auch auf sein Familienleben aus.

Der Krimi ist spannend und besticht zur zahlreiche unerwartete Wendungen, die uns Leser dazu bringt, neue Theorien aufzustellen. Ich habe kurz an eine Zwillingsschwester von Hermina gedacht, doch die Auflösung ist so einfach wie komplex.

Gut gefällt mir, dass sich Kriminalrat Heller auch um seinen Assistenten Schrumm kümmert, der allen Anschein nach von seiner Zimmerwirtin übers Ohr gehauen wird.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem komplexen 2. Fall für Kriminalrat Gustav Heller 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.02.2025

EIne Leseempfehlung!

Wie Diktatoren stürzen
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Als Milizionäre am 8. Dezember 2024 die Einnahme von Syriens Hauptstadt Damaskus verkünden, ist eine langjährige Diktatur kollabiert. Während über dem Palast von Bashar al-Asad dunkle Rauchwolken hochstiegen, ...

Als Milizionäre am 8. Dezember 2024 die Einnahme von Syriens Hauptstadt Damaskus verkünden, ist eine langjährige Diktatur kollabiert. Während über dem Palast von Bashar al-Asad dunkle Rauchwolken hochstiegen, feierte am anderen Ende von Damaskus eine Menschenmenge die Flucht des verhassten Diktators. Vor der fahnengeschmückten Umayyaden-Moschee tönt es aus einem Lautsprecher:

«Wir verkünden euch den Sieg der großen syrischen Revolution! Der Sieg nach dreizehn Jahren Geduld und Opfer!»

Die bange Frage, die sich zahlreiche Minderheiten und vor allem die Frauen stellen ist: Was kommt danach? Eine Demokratie, wie wir sie aus West- und Mitteleuropa kennen, vermutlich nicht.

Ist der Fall des Diktators wirklich überraschend? Wieso geschieht der Fall meist abrupt? Und weshalb ist das brutalste Regime der Welt (Nordkorea) nach 77 Jahren immer noch an der Macht?

Marcel Dirsus zeigt in diesem Buch, wovon es abhängt, dass eine Alleinherrschaft implodiert. Dazu hat er akribisch geforscht und unter anderem mit Anführern von Revolutionen, mit Rebellen und Soldaten auf der ganzen Welt Gespräche geführt.

In den folgenden zehn Kapiteln gewährt er seinen Lesern einen Blick in das Innere der Machtstrukturen von Diktaturen. Gleichzeitige erklärt er, welche Faktoren den Sturz eines Diktators auslösen.

Einleitung: The Golden Gun
Die Tretmühle des Diktators
Der Feind im eigenen Haus
Das Militär schwächen
Rebellen, Waffen und Geld
Feinde im In- und Ausland
Wer schießt, verliert
Keine andere Option
Vorsicht vor dem, was man sich wünscht
Wie man Diktatoren stürzt

Anhand von Beispielen aus der Gegenwart und der Geschichte entwickelt er eine Systematik, die es erlaubt, den Mechanismus der Macht zu verstehen.

Für Diktatoren gibt es kaum Ausstiegsszenarien: Macht oder deren Verlust, der häufig mit Exil oder Tod endet. Dass ein autoritärer Machthaber gefangen genommen wird wie Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic, kommt eher selten vor. Beide wurden unter anderem wegen Völkermords vor Gericht gestellt. Hussein verurteilt und hingerichtet. Milosevic erlebt das Ende des Prozesses nicht mehr.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem interessanten Sachbuch, das sich eingehend mit dem Sturz von Diktaturen beschäftigt, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.02.2025

Macht Lust auf Spargel & Erdbeeren

Spargel & Erdbeeren
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Ich kann es jedes Jahr kaum erwarten, bis die Spargel- und Erdbeersaison beginnt. Nachdem ich am Stadtrand von Wien, nahe den Spargel- und Erdbeerfeldern wohne, habe ich es zu den erntefrischen Köstlichkeiten ...

Ich kann es jedes Jahr kaum erwarten, bis die Spargel- und Erdbeersaison beginnt. Nachdem ich am Stadtrand von Wien, nahe den Spargel- und Erdbeerfeldern wohne, habe ich es zu den erntefrischen Köstlichkeiten nicht allzu weit. Deshalb bin ich immer auf der Suche nach Anregungen, wie ich Spargel & Erdbeeren auf den Teller bringen kann.

Dieses Kochbuch von Gräfe & Unzer hat mich nicht enttäuscht. Allerdings haben sich einige Rezepte, die weder mit Spargel noch mit Erdbeeren in Zusammenhang stehen, hineingeschmuggelt (z. B. Karotten/Möhren-Muffins, Topfenknödel mit Rhabarberkompott oder gebackene Hollerblüten).

Ausprobieren werden ich jedenfalls die Parmesansuppe (S. 15), Spargeltempura (S. 33), Kartoffel-Spargel-Curry (S. 37) sowie die Hähnchenbrust mit Spargelfülle (S. 65) allerdings ohne Erdäpfelpüree ausprobieren. Der Spargelsalat mit Erdbeeren (S. 127) vereint beides und klingt köstlich. Das Erdbeer-Tiramisu schmeckt hoffentlich besser als das Bild aussieht (S.136). Der auf Seite 140 abgebildete Klassiker Erdbeer-Biskuit-Schnitte hat schon lange den Eingang in unsere Küche gefunden.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Kochbuch, das Lust sowohl auf Spargel als auch auf Erdbeeren macht, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 08.02.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Die mysteriöse Tote vom Montmartre
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Es ist Herbst geworden in Paris, weshalb am Montmartre das beliebte Weinfest stattfindet. Auch die Familie Morel ist aus Südfrankreich angereist, um einerseits Geneviève und Olivia „Mamie“ Morel zu besuchen ...

Es ist Herbst geworden in Paris, weshalb am Montmartre das beliebte Weinfest stattfindet. Auch die Familie Morel ist aus Südfrankreich angereist, um einerseits Geneviève und Olivia „Mamie“ Morel zu besuchen und andererseits sich dem Trubel um das Weinfest hinzugeben. Die Führung rund um den kleinen Weinberg mitten in der Großstadt Paris wird jäh unterbrochen, als eine neugierige Besucherin aus Österreich eine Plane lüpft und eine tote Frau im Weinbottich entdeckt.

Es dauert ein wenig, bis die Identität der Toten geklärt ist. Die Ermittlungen führen zunächst Madame le Commissaire Geneviève Morel wenig später auch ihr Team in die Champagne, wo man sich nicht nur mit der Erzeugung von Champagner beschäftigt.

Gleichzeitig hat Genevièves Großmutter Olivia einen neuen Verehrer. Dass Olivia mit einer charmanten männlichen Begleitung unterwegs ist, ist nichts Ungewöhnliches, ist sie doch eine attraktive Frau. Stutzig wird Geneviève nur, dass er ausgerechnet der Kurator der aktuell laufenden Picasso-Ausstellung ist und in Mamies Alter ist. Üblicherweise sind deren Liebhaber wesentlich jünger. Geneviève ist sich sicher, dass ihre geliebte Großmutter wieder etwas im Schilde führt. Nur was?

Meine Meinung:
Dieser dritte Krimi aus der Reihe rund um Geneviève Morel, der Polizistin mit krimineller Familie, hat mir sehr gut gefallen. Autor René Laffite, hinter dem der österreichische Autor Christian Schleifer steckt, verzichtet diesmal auf eine besonders grausliche Zur-Schaustellung „seiner“ Leiche, die die einzige bleiben wird. Das Rundherum um die Tote ist gefinkelt angelegt, so dass es eine geraume Zeit braucht, bis sowohl Geneviève als auch die Leser die Zusammenhänge erkennen.

Witzig finde ich, dass der werte Herr Autor die Charaktere seiner Perchtoldsdorfer Krimi-Reihe einen Besuch des Weinfestes in Paris gönnt. Bei ihrem Auftritt wirken die Nöhrers ein wenig, nun ja, aufdringlich.

Schmunzeln musste ich wieder über Olivia Morel, die ihre kriminelle Energie gekonnt und nonchalant einsetzt. Entzückend gleich zu Beginn die Szene mit Pascal, dem jugendlichen Taschendieb, der versucht, ausgerechnet Olivia, der ungekrönten Königin der Taschendiebin, zu bestehlen.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.