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Veröffentlicht am 20.03.2025

Ganz große Geschwisterliebe

Hawaii forever?!
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In seinem humorvoll geschriebenen Buch “Hawaii forever” hat der bekannte Autor Tim Milan eine heitere Geschichte über die Liebe zwischen zwei Schwestern und das Vermissen geschrieben. Das fröhlich gestaltete ...

In seinem humorvoll geschriebenen Buch “Hawaii forever” hat der bekannte Autor Tim Milan eine heitere Geschichte über die Liebe zwischen zwei Schwestern und das Vermissen geschrieben. Das fröhlich gestaltete Hardcover zeigt Hannah, deren Traum es schon seit Jahren ist, Hawaii kennen zu lernen sowie ihre Schwester Zoey, die das unbedingt verhindern will.

Hannah ist sechzehn Jahre alt und will für ein halbes Jahr nach Hawaii, dieser Schüleraustausch ist ihr absoluter Traum. Verzweifelt ist ihre kleine Schwester Zoey- wie soll sie nur so lange ohne Hannah auskommen? Also muss sie verhindern, dass Hannah fliegt. Doch nur noch sieben Tage bis zur Abreise, da sind gute Ideen gefragt. Und Zoey ist einfallsreich: Sie versteckt Reisepass und Koffer, simuliert einen Flugzeugabsturz und meldet Hannah zu einem Erste Hilfe Kurs an, der erst nach ihrer Abreise beginnt. Denn Zoey fürchtet, Hannah könnte “forever” in Hawaii bleiben, sie hat doch das Wort “forever” in einem Telefonat verwendet. Unterstützt wird Zoey bei ihren Plänen von ihrer Freundin Minze, die einen kleinen, nervigen Bruder hat, um den sie sich kümmern muss. So ganz kann sie Zoey daher nicht verstehen.

Doch nicht nur Zoey ist traurig, auch Hannas Freund Fernando würde sie gerne hier behalten und sieht erst langsam ein, dass man Träumen folgen sollte und Distanz zwischen zwei Verliebten nicht das Ende der Beziehung bedeuten muss.

“Hawaii forever” ist eine witzig und lebhaft erzählte Geschichte über die Verbundenheit zwischen zwei Schwestern, große Freundschaft und das Entstehen von Missverständnissen. Erst langsam erkennt Zoey, dass sie sich eigentlich für Hannah freuen sollte und dass der Abschied nur auf Zeit ist. Die flotte Schreibweise, die größere Schrift und kurze Kapitel machen den Text gut lesbar, so dass Kinder zwischen neun und zwölf Jahren Freude an dieser lustigen Geschichte haben werden. Die gelungenen schwarz- weiß Illustrationen von Friederike Ablang machen die Erzählung anschaulich. Das Buch eignet sich sehr gut als Ferienlektüre, aber auch dazu, sich nach Hawaii weg zu träumen. Und wer würde das nicht gerne tun? Daher gibt es von mir eine fröhliche Leseempfehlung für diese gelungene Wohlfühlgeschichte.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Stehlen, um zu überleben

Die Meisterdiebin
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Mit “Die Meister-Diebin” hat die bekannte Autorin Christine Jaeggi einen Roman geschrieben, der anhand historisch belegter Fakten das Leben einer jungen Jüdin nachvollzieht, die alles verloren hat und ...

Mit “Die Meister-Diebin” hat die bekannte Autorin Christine Jaeggi einen Roman geschrieben, der anhand historisch belegter Fakten das Leben einer jungen Jüdin nachvollzieht, die alles verloren hat und aus Deutschland fliehen muss. Unter dem Hut auf dem modisch sehr gelungenen Cover könnte sich die Hauptfigur Elise genau so verbergen wie ihr reales Pendant, Erika Böhm.

Das Buch, das sich an einen historisch belegten Kriminalfall anlehnt, beginnt fulminant mit einem Beutezug der Meister-Diebin Elise, die in einem Tagebuch sowohl die gestohlenen Sachen wie die Orte ihrer Diebstähle in Geheimschrift vermerkt hat. Diesen Code hat ihr verstorbener Zwillingsbruder entwickelt, an dessen Tod sich Elise sehr lange die Schuld gibt. In eine gut situierte jüdische Kaufmannsfamilie hineingeboren lebt Elise in gehobenen bürgerlichen Kreisen. Das Verhältnis zu ihrer Mutter Selma ist angespannt, ihre Schwester Adele behindert. Schon als Kind ist Elise fasziniert von der Goldschmiedewerkstatt ihres geliebten Großvaters, wo sie mit edlen Materialien umzugehen und handwerkliches Geschick lernt. Beides wird ihr bei später nützen.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten veranlasst Elise nach langem Zögern, in die Schweiz zu emigrieren. Doch sie hat alles verloren, ihr gesamtes Vermögen und das ihrer Familie wurde von den Nazis enteignet. Dazu kommen schwere persönliche Schicksalsschläge. Um aus der Schweiz nicht abgeschoben zu werden braucht Elise Geld. Ab diesem Moment sinnt sie auf Rache: Sie wird reiche Nationalsozialisten und ihre Ehefrauen bestehlen, die in der Schweiz Urlaub machen. Doch wie lange kann sie unentdeckt bleiben?

In “Die Meister-Diebin” beschreibt Christine Jaeggi den Aufstieg der Nationalsozialisten. Lange wollen Elise, ihre Mutter Selma und ihre behinderte Schwester Adele diese schreckliche Entwicklung nicht zur Kenntnis nehmen, obwohl sie selbst betroffen sind, ihr Kaufhaus geplündert wird und sie immer wieder Zeuge der abscheulichsten Erniedrigungen werden, die Juden erdulden müssen. So werden die Gräueltaten der Vorkriegs- und Kriegszeit in die Geschichte der Emigrantin eingewoben, ebenso wie schwierig und mit welchem finanziellen Aufwand es verbunden war, eine Aufenthaltsgenehmigung oder ein Visum für ein Zielland zu bekommen. Da auch die Schweiz Emigranten nur duldete, wenn diese selbst für ihren Unterhalt sorgen konnten und Flüchtlinge nicht arbeiten durften, kann man nachvollziehen, dass Elise durch ihre Not gezwungen war, zur Diebin zu werden.

Treffend zeichnet die Autorin ihre Protagonisten. Elise selbst erkennt letztlich, dass es zur Emigration keine Alternative gibt. Zielstrebig überlegt sie, wie sie überleben kann, von Wut und Hass auf ihre Peiniger getrieben. Geschickt wählt sie ihre Opfer aus, die mit Juwelen und Geld prassen, das sie sich durch verbrecherische Taten angeeignet haben. Auch sorgt sie dafür, dass Mutter und Schwester ebenso in die Schweiz fliehen können. Diese beiden Frauen dienen als Beispiel dafür, dass viele jüdische Familien viel zu lange die Augen vor dem entsetzlichen Geschehen verschlossen haben. In realitätsnahen Dialogen und einer eindringlichen Sprache wird der Zwiespalt der Protagonistinnen beschrieben, der Erzählstil ist spannend und bildhaft, so dass die Lesenden direkt in das Geschehen hineingezogen werden.

Geschickt verwebt die Autorin die Gräueltaten des Nationalsozialismus, die historischen Tatsachen und ihre Romanfiguren, die durch die furchtbaren Entwicklungen der Vorkriegs- und Kriegszeit gezwungen waren, eine Möglichkeit des Überlebens zu finden. Im Nachwort zum historischen Hintergrund des Romans wird die Geschichte der Erika Böhm beleuchtet, die von 1936 bis 1946 zahlreiche Diebstähle in noblen Schweitzer Hotels verübte und die als Vorbild für die Figur der Elise dient.

Auch wenn gerade sehr viel über die Vorkriegs- und Kriegszeit geschrieben wird, ist dieser Roman absolut lesenswert., denn er zeigt anhand eines jüdischen Frauenschicksals den Ungeist der Zeit. Daher eine Leseempfehlung von mir für dieses Buch, das historische Geschehnisse mit einem spannenden Kriminalfall verknüpft und auf jeden Fall viereinhalb Sterne verdient.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Das Schweigen

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Was ich Dir nicht sagen wollte…. So könnte das Buch der bekannten Autorin Rabea Edel beginnen, denn das Schweigen zieht sich durch diese Geschichte über vier Generationen, über vier Frauenleben, die alle ...

Was ich Dir nicht sagen wollte…. So könnte das Buch der bekannten Autorin Rabea Edel beginnen, denn das Schweigen zieht sich durch diese Geschichte über vier Generationen, über vier Frauenleben, die alle im Schweigen gefangen waren. Das gelungene Hardcover dieses hochwertig ausgestatteten Buches zeigt als Frauenfigur wahrscheinlich die im Titel genannte Mutter, die den Lesenden den Rücken zuwendet und uns, die wir Wissen und Verstehen suchen, mit kalter Schulter gegenüber tritt.

In diesem Roman, der die Familiengeschichte von Raisa, am Beginn des Buches noch Kind, und vor allem ihrer Mutter Martha behandelt, ist das Schweigen das vorherrschende Thema. Erst langsam erschließt sich den Lesenden, welche furchtbaren Ereignisse sich in den Familien und den unterschiedlichen Zeiten zugetragen haben. Denn das Buch springt zwischen verschiedenen Zeitebenen und den Protagonisten, wobei ein Stammbaum gleich am Beginn des Romans zwar die Orientierung erleichtert, aber auch oft zu Rate gezogen werden muss.

Zuerst lernen wir das Kind Raisa kennen, das mit seiner Mutter ständig von Ort zu Ort zieht, die Mutter scheint vor ihrer Vergangenheit zu fliehen, sich nicht erklären zu wollen, das Kind nicht erklären zu wollen. Für Raisa eine fröhliche, bunte Zeit. Erst als die Beiden sich niederlassen, beginnt das Schweigen, Raisa ist älter, sie fragt. Nach den Großeltern, nach dem Vater. Doch die Mutter sagt immer wieder, dass es böse Menschen gebe, mit denen sie nichts zu tun haben. Im Verlauf der Handlung ergibt sich, dass Martha unter furchtbaren Umständen gezeugt und geboren wurde, nicht einmal ein Name war ihr anfänglich vergönnt. “TrotzAllem” nannte sie ihre Mutter Selma. Und darüber will Martha nicht sprechen, nicht darüber, wie sie misshandelt wurde, nicht über ihre Angst. Und obwohl bei Marthas Geburt der Krieg fast vorbei war, ist er doch ein wesentliches Thema dieses Romans.

“Porträt meiner Mutter mit Geistern” ist ein vielschichtiges Buch, denn hier wird Geschichte erzählt und Schicht für Schicht abgetragen. Unter der Oberfläche bleibt Leid und Schmerz, Worte dringen nicht hervor. Da ist kein Trost in den Leben, die waren, und kein Sinn in Leiden und Tod. Stumm stehen die Protagonisten in ihrem Schicksal, gefangen in unmenschlichen Zeiten und unermesslichem Unglück. Wo vielleicht Hoffnung war, ist nur Erinnerung, schemenhaft, dunkel, sprachlos. Wo ist der Mut geblieben, dem Leben die Stirn zu bieten? Verloren in Krematorien, zerschlagen vor verlassenen Gräbern, verflogen wie ein Gedanke, dass auch Glück eine Option wäre.

Rabea Edel hat ihr Buch in einer sehr sachlichen Sprache verfasst, selten dringen Emotionen hervor, die Gefühle entstehen bei den Lesenden selbst. Mit wenigen Sätzen erzeugt die Autorin Mitleid, Ekel, Abscheu, Angst. Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen, die beschriebenen Schicksale loszulassen, denn da muss wohl ein Sinn hinter dem Schweigen stehen. Einerseits werden die Leben der Protagonisten schmerzhaft deutlich gezeichnet, andererseits bleiben viele Fäden der Handlung lose und man hätte gerne Antworten, denn die Autorin lässt viele Fragen offen.
Dieses Buch fordert die Lesenden, es fordert ihre Zeit und ihre Aufmerksamkeit sowie ihre Geduld, das Schweigen auszuhalten und nur langsam zu hinterfragen. Es ist ein Buch, das sich vielleicht zur Gänze erst beim nochmaligen Lesen erschließt, wenn man nicht mehr von Neugier getrieben ist und nicht mehr dringend nach Zusammenhängen und Antworten sucht. Dennoch endet das Buch positiv. Erst durch Raisas Kind heilen langsam die Wunden der Vergangenheit, auch wenn Narben bleiben.

“Portrait meiner Mutter mit Geistern” ist ein gelungener in die Tiefe gehender Roman, den man unbedingt lesen und über den man keinesfalls schweigen sollte.

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Veröffentlicht am 11.01.2025

Berührend und bestürzend: Wer ist hier Täter, wer ist Opfer?

Schon immer tot
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In ihrem Thriller hat die erfolgreiche Autorin T.M. Paine ein Szenario beschrieben, das die Lesenden in einen Konflikt stürzt und sie immer wieder zwingt, die Täter- und Opferrolle zu hinterfragen. Schon ...

In ihrem Thriller hat die erfolgreiche Autorin T.M. Paine ein Szenario beschrieben, das die Lesenden in einen Konflikt stürzt und sie immer wieder zwingt, die Täter- und Opferrolle zu hinterfragen. Schon das gelungene Cover hat “blutrot” als Signalfarbe, und genau so entspinnt sich auch die Handlung.

Ein Mord ist geschehen, ohne Leiche. So muss es wohl sein, denkt DI Sheridan Holler, als sie den Cold Case zum Fall Daniel Parks wieder aufnimmt. Es gibt viele ungeklärte Fragen, der Vater von Daniel war zwar des Mordes angeklagt, wurde aber freigesprochen. Und Daniels Schwester Jennifer hat diesen Prozess akribisch verfolgt.

Nunmehr versuchen Sheridan und ihre Kollegin Anna neue Spuren zu finden, wieder geraten die Eltern ins Visier, doch sie können nicht mehr viel beitragen, denn sie werden selbst Opfer- grausam ermordet. Und Jennifer leidet. Sheridan Holler kennt diesen Zustand, denn auch ihr Bruder wurde vor Jahrzehnten ermordet, der Täter nicht gefunden. Daher verbeißt sich Sheridan in diesen Fall, bei dem sich bald ein Verdächtiger, ein Freund der Familie, heraus kristallisiert. Aber ist er wirklich der Täter?

Im Laufe dieses flüssig und spannend erzählten Thrillers zeigt sich, dass Täuschung und Manipulation eine große Rolle spielen. Und dass im Verborgenen, in der Familie der Ermordeten, furchtbare Verbrechen begangen wurden, die es den Lesenden nicht einfach machen, die Täter- und die Opferrollen eindeutig zuzuordnen. Hin und hergerissen zwischen Ekel, Abscheu und Mitleid verfolgt man als Leser*in gebannt das Geschehen, bringt Verständnis für die Täter auf, die selbst Opfer waren. Und muss sich entscheiden, ob man dem Recht oder der Gerechtigkeit den Vorzug geben möchte.

Der Roman “Schon immer tot” lebt von starken Frauencharakteren und dem erzählten Schicksal dieser Figuren:

Sheridan ist eine geschickte und durchsetzungsfähige Ermittlerin, die niemals den Versuch aufgeben wird, den Tod des eigenen Bruders aufzuklären. Ihr ist wenigstens persönliches Glück an der Seite ihrer Partnerin Sam vergönnt.

Anna, Sheridans Freundin und Kollegin, die in ihren Beruf engagiert und konsequent handelt, zögert in ihrem Privatleben aber lange, die Konsequenzen aus dem verbrecherischen Handeln ihres Ehepartners zu ziehen. Lange erhält sie die Maske des persönlichen Glücks aufrecht und das Buch findet für diese Figur noch keinen befriedigenden Abschluss.

DCI Hill Knowles, die Chefin von Sheridan und Anna, gibt sich abweisend und sarkastisch. Spät erkennen Sheridan und Anna die Gründe für dieses Verhalten und versuchen, das Arbeitsklima zu verbessern. Außerdem läuft eine Wette im Revier: Heißt sie wirklich Hill?

Jennifer, die Schwester von Daniel Parks, die augenscheinlich alles tut, um der Polizei bei ihren Nachforschungen zu helfen, gerät immer mehr ins Visier der Ermittlerinnen. Sie scheint nach den Morden an den Mitgliedern ihrer Familie seelisch gebrochen, dennoch ist Sheridan Holler zunehmend überzeugt, dass sie nachhaltig in die schrecklichen Geschehnisse verstrickt ist. Welche Rolle spielt Jennifer wirklich in diesem Drama? Und welche Rolle spielt ihr Bruder Daniel in ihrem Leben?

Die gute Lesbarkeit dieses Thrillers ist auch den sehr kurzen Kapiteln geschuldet, die es einfach machen, der Handlung zu folgen. Und erst spät im Fortgang des Geschehens erschließt sich die Wahrheit über so viele abscheuliche Verbrechen. Wer sich nicht scheut, hinter die Fassade einer angeblich heilen Familie zu blicken und zu überlegen, ob die Täter hier Sympathie oder doch die Rache der Justiz verdienen, dem empfehle ich dieses gut geschriebene, manchmal berührende und oft auch verstörende Buch- eine spannende Lektüre zum Nachdenken!

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Hinter der glanzvollen Fassade New Yorks hebt sich das Böse aus dem Schatten

Diviners – Aller Anfang ist böse
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Die bekannte Romanautorin Libba Bray (”Der geheime Zirkel”, “Ohne.Ende.Leben”) hat mit dem Auftaktroman zur Diviner- Serie die Handlung in den Roaring Twenties vor der schillernden Fassade New Yorks angesiedelt, ...

Die bekannte Romanautorin Libba Bray (”Der geheime Zirkel”, “Ohne.Ende.Leben”) hat mit dem Auftaktroman zur Diviner- Serie die Handlung in den Roaring Twenties vor der schillernden Fassade New Yorks angesiedelt, wo das Nachtleben in illegalen Clubs blüht und trotz der Prohibition der Alkohol in Strömen fließt. Doch aus der Dunkelheit in einem verfallenen Haus erhebt sich schon die Bestie, die furchtbare Verbrechen begehen wird.

Heldin des Buches ist Evie, eine junge Frau aus der Provinz, die die besondere Gabe besitzt, aus Gegenständen, die sie in der Hand hält, das Leben ihrer Eigentümer lesen zu können. Damit hat sie sich zu Hause in Schwierigkeiten gebracht, sie wird zu ihrem Onkel Will, der das Museum für Amerikanisches Volkstum, Aberglauben und Okkultes leitet, nach New York geschickt. Evie ist unkonventionell, frech, von sich überzeugt und würde für einen Moment im Rampenlicht alles tun. Als sie sieht, dass das Museum schlecht läuft, verbündet sie sich mit einem Journalisten, der über das Museum schreiben soll. Und über die Morde, die die Bestie mittlerweile begeht und die Evie und Onkel Will zu den Tatorten führen, denn es sind übernatürliche Kräfte im Spiel.

Im Zuge der Mordermittlungen greift die Polizei auf die Expertise von Will zurück, der ahnt, dass der Hintergrund der Taten in einer religiösen Sekte zu finden ist. Aber nicht das allein beunruhigt ihn, denn er ist überzeugt und wird von weiteren Eingeweihten darauf hingewiesen, dass “der Sturm” droht. Und auch andere Protagonisten des Buches, die meisten ebenso wie Evie mit einer besonderen paranormalen Gabe ausgestattet, sehen voraus, dass sich furchtbares Unheil anbahnt. In ihren Albträumen geht ein dürrer Mann über das Land, alles hinter ihm verbrennt zu Asche. Und da ist immer wieder das Auge, darunter ein Blitz. Angst und Gefahr droht, auch wenn sich das Unheil im Moment nicht benennen lässt.

Dem gegenüber steht das flirrende Leben in New York der Zwanziger Jahre, verkörpert einerseits durch Mabel, Evies beste Freundin, deren Eltern in der Arbeiterbewegung verwurzelt sind, andererseits durch Theta, ein Showgirl der Ziegfeld Follies. Sie träumt davon, berühmt zu werden und schwärmt für Memphis, einen kleinen Gauner, der für einen Glückspiel-Clan den Leuten das Geld abnimmt und nachts auf dem Friedhof Gedichte schreibt. Sam, ein kleiner Dieb, wird Evie durch seine übernatürlichen Kräfte noch nützlich sein.

Erst spät bahnt sich zwischen Evie und dem Assistenten ihres Onkels Will, Jericho Jones, der ebenso ein Geheimnis verbirgt, eine zarte Romanze an. Aber auch wenn Evie im Moment glücklich ist, ahnt sie, dass etwas Schreckliches geschehen wird. Und davor fürchtet sie sich.

Als das letzte Opfer des Ungeheuers den Tod finden soll, lässt sich Evie allein auf den Kampf mit der Bestie ein. Dabei vertraut sie in größter Bedrängnis auf ihren Anhänger, den sie immer um den Hals trägt und der ihr viel bedeutet. Er ist ein Geschenk ihres Bruders James, der vor Jahren in Frankreich gefallen ist und den Evie immer wieder in ihren Albträumen sieht. Wird ihr dieser Anhänger in einer ausweglosen Situation helfen?

Libba Bray erzählt mit ihrem Buch, dessen Zielgruppe Jugendliche und junge Erwachsene sind, nicht nur eine Geschichte über religiösen Fanatismus, die Sinnlosigkeit des Krieges und den “Heldentod“, sondern ihre Protagonisten sind mit vielen weiteren Problemen konfrontiert. Gewalt in der Ehe, Abtreibung, Rassenhass, Eugenik und medizinische Experimente an Menschen werden ebenso geschildert wie die grausamen Verbrechen der Bestie, die die Stadt in Angst versetzt. Zweifellos ist “Diviners- Aller Anfang ist böse” kein Buch für schwache Nerven. In ihrer oft poetischen Sprache, die diese von Magie heimgesuchte Stadt sanft umarmt, wenn der Wind seit undenklichen Zeiten durch ihre Straßen weht und bereits alles gesehen hat, Reichtum und Armut, Glanz und Elend, Glück und Verzweiflung, leitet die Autorin zu den furchtbaren Verbrechen über, wobei sie das Grauen der Opfer so eindringlich beschreibt, dass man direkt in die Geschehnisse hineingezogen wird.

Der Roman, dessen wunderschönes Cover an ein Gemälde erinnert, firmiert als historische Romantasy. Doch dahinter verbirgt sich ein von Magie und Mystik durchdrungener Thriller, der niemals an Spannung verliert und viele interessante Charaktere beschreibt, die in diesem Band noch nicht endgültig zu ihrer Bestimmung gefunden haben. Das Unheil hat gerade erst begonnen, Band zwei wird daher von den Lesenden mit Spannung erwartet.


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