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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2025

Die wichtigsten Freiheitskämpferinnen aus allen fünf Kontinenten

Revolutionärinnen. Frauen, die Geschichte schrieben
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Historikerin Alexandra Bleyer, die sich neben ihrem Lieblingsthema Propaganda, den Biografien von Kämpferinnen für Frauenrechte verschrieben hat, erzählt in diesem Buch von 20 Frauen, die unter Einsatz ...

Historikerin Alexandra Bleyer, die sich neben ihrem Lieblingsthema Propaganda, den Biografien von Kämpferinnen für Frauenrechte verschrieben hat, erzählt in diesem Buch von 20 Frauen, die unter Einsatz ihres Lebens, dafür eingetreten sind. Sie legt den Fokus auf Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts. Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Frauen, die für ihre Überzeugung, Frauen müssen Männern gleich gestellt sein, mit Repressalien wie Gefängnis, behördliche Abnahme der Kinder oder gar einer Hinrichtung ausgesetzt waren. Nicht alle können in diesem Buch Aufnahme finden. Wie ich die Autorin kenne, ist ihr die Wahl sehr schwer gefallen.

Einige, wie Olympe de Gouges, Bertha von Suttner, Louise Otto-Peters, Rosa Luxemburg, George Sand oder Alexandra Kollontai sind durchaus bekannt. Andere wiederum kennen nur Insiderinnen. Zum einem, weil sie auf einem anderen Kontinent oder wie Sojouner Truth (USA) zusätzlich noch von schwarzen Sklaven abstammten. Namen von Feministinnen wie Pandita Ramabai (Indien), Kishida Toshiko (Japan) oder Emine Semiye (Türkei) sind hier Mitteleuropa kaum bekannt.

Natürlich können in einem rund 300 Seiten umfassenden Buch keine ausführlichen Biografien dargestellt werden. Sie machen allerdings Lust, sich mit den Frauen näher zu beschäftigen. Alexandra Bleyer ist bekannt dafür, das Wesentliche auf nur wenigen Seiten anschaulich ihrer Leserschaft näherzubringen. So ist es ihr gelungen, Aufstieg und Fall von Napoleon Bonaparte in der Reclam-Reihe „100 Seiten“ auf ebenso viele zusammenzufassen.

Wer mehr über Revolutionen, vor allem über jene von 1848/49 lesen möchte, dem sei Alexandra Bleyer Buch „1848. Eine gescheiterte Revolution“ ebenfalls im Reclam-Verlag erschienen, empfohlen. Hier geht die Autorin ebenfalls auf die weibliche Sicht der Revolutionen ein.

Eine an den Verlag gerichtete Anmerkung möchte ich auch noch anbringen: Die Schriftgröße im gedruckten Buch ist unglücklich gewählt, weil sie für ein angenehmes Lesen viel zu klein ist. Ursprünglich war das Buch ja mit 400 Seiten ne gekündigt worden. Geht das Schonen von Ressourcen nun auf Kosten der Lesefreundlichkeit?

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Überblick über revolutionäre Frauen, der zahlreiche Anregungen bietet, sich mit einer der genannten Frauen näher zu beschäftigen, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.02.2025

Reiner Wein, oder doch nicht?

Weinstraßenbetrug
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Einige Jahre sind nun ins Land, genauer in die Pfalz, gezogen- Sowohl Staatsanwalt Benjamin Röder als auch KHK Gerald Steiner rücken dem Pensionsalter immer näher. Man könnte glauben, dass sie nun ein ...

Einige Jahre sind nun ins Land, genauer in die Pfalz, gezogen- Sowohl Staatsanwalt Benjamin Röder als auch KHK Gerald Steiner rücken dem Pensionsalter immer näher. Man könnte glauben, dass sie nun ein wenig gesetzter agieren würden. Doch nein, die Kameradschaft aus den Zeiten der Bundeswehrzeit hat sichtlich alle Stürme überdauert.

Als Röders Jugendfreund und Schwerenöter, der Starwinzer Achim Hellinger, verdächtigt wird, der Kopf einer internationalen Weinfälscherbande zu sein, dürfen die beiden wegen Befangenheit nicht ermitteln.

Doch KHK Gelderer, der beauftragte Ermittler, gilt als schlampig, aber karrieregeil und ist ausgerechnet ein Freund eines bekannten Politikers. Ein Schelm, der sich hierbei nichts oder doch etwas denkt. Dass hat Achim blöderweise mit der Politiker-Ehefrau gerade ein Pantscherl hat, ist der Sache auch nicht wirklich dienlich.

Gleichzeitig kommen mehrere Winzer bei Arbeitsunfällen zu Tode, die sich recht bald als vorgetäuscht herausstellen.

Um Achim aus der Patsche zu helfen, aktivieren Röder und Steiner ihre Beziehungen zu ihren Kollegen in anderen Dienststellen und können ein mehrdimensionales kriminelles Netzwerk enttarnen.

Meine Meinung:

Ich habe ja in letzter Zeit mehrere Krimis aus dieser Pfalz-Krimi-Reihe gelesen. War in den früheren Bänden der Pfälzer Dialekt sparsam eingesetzt, so ist er diesmal für mich persönlich ein wenig zu oft verwendet worden. Andere Leser mögen das vielleicht recht gerne.

Interessant, weil nicht so präsent, ist die Produktpiraterie, die auch vor Wein nicht Halt macht. Dabei sind es nicht nur die exklusiven Rothschild-Weine, die hurtig ge- und verfälscht werden, sondern auch das mittelpreisige Segment im gut sortierten Supermarkt oder Fachhandel. Hier sind zwar die Margen pro Flasche geringer, aber die Menge bringt ordentlich Gewinn. Die Moral von der Geschichte: Kaufe deinen Wein nur beim Winzer deines Vertrauens direkt ab Hof. Dieser Einblick in das Weinpantsch-Business hat mir gut gefallen!

Wieder siegt das Gute über das Böse und das mit dem Ruhestand müssen sich Röder und Steiner noch einmal überlegen. Die beiden feiern ohnehin erst ihren 60iger.

Fazit:

Ein typischer Krimi mit viel Lokalkolorit und viel Interessantes über das Weinbusiness. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 25.02.2025

Der dritte Mann lässt grüßen ...

Internationale Zone
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Der 1984 gegründet Picus Verlag bringt jedes Jahr ca. 35 Bücher heraus. Dabei sind auch einige Neuausgaben wie dieses gemeinsam Buch von Milo Dor (1923 - 2005) & Reinhard Federmann (1923 - 1976) „Internationale ...

Der 1984 gegründet Picus Verlag bringt jedes Jahr ca. 35 Bücher heraus. Dabei sind auch einige Neuausgaben wie dieses gemeinsam Buch von Milo Dor (1923 - 2005) & Reinhard Federmann (1923 - 1976) „Internationale Zone“, dabei. Der Roman ist in gediegener Aufmachung in Leinen und Lesebändchen wieder auf dem Markt gebracht werden.

Das Autoren-Duo hat einen fesselnden Roman verfasst, dessen Story sich so, oder so ähnlich im Wien von 1950 abgespielt haben kann.

Die ersten Jahre des blühenden Schwarzmarktes sind vorbei. Schieber, Straßenhändler und Profiteure der Nachkriegs(un)ordnung müssen sich nach anderen Einnahmequellen umsehen. Da kommen ihnen die unterschiedlichen Eigeninteressen der vier Besatzungsmächte gerade recht.

Nur, was ist nur die aktuell interessante Ware? Nun zuerst einmal Informationen, denn die Alliierten trauen einander nicht über den Weg. In weiterer Folge ist Menschenhandel im Auftrag einer der vier Besatzungsmächte ein lukrativer Job. Passieren darf allerdings nichts, sonst ist das gefährliche Geschäft hinfällig. Das müssen auch die Protagonisten leidvoll lernen, als ihnen eine für die Russen gesuchte Person unterwegs stirbt.

Wer sich nun von Klappentext und Cover an den „Dritten Mann“ von Graham Greene und den gleichnamigen Film erinnert fühlt, liegt richtig. Das Wien von 1950 ist, wie der Rest von Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt, und im ersten Bezirk, der „Interalliierten oder Interantionalen Zone“, fahren die „Vier im Jeep“ gemeinsam Streife.

Der Schreibstil erinnert an amerikanische Hard Boild-Krimis. Kurze Sätze, schneller Szenenwechsel - im Film als „harter Schnitt“ bezeichnet.

Fazit:

Mir hat dieser Roman aus dem Nachkriegs-Wien sehr gut gefallen. Die eine oder andere diesbezügliche Andeutung haben meine Großeltern fallen lassen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 23.02.2025

Ein wichtiges Buch!

Die Kurden
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Dieses Buch schildert umfassend die Geschichte der Kurden vom 7. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Der Schreibstil ist sehr detailliert und zeigt die wechselhafte Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. ...

Dieses Buch schildert umfassend die Geschichte der Kurden vom 7. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Der Schreibstil ist sehr detailliert und zeigt die wechselhafte Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches wurde das Siedlungsgebiet der groteils nomadisch lebenden Kurden durch zahlreiche Staatsgrenzen durchtrennt. Ein staatenbildendes Volk der Kurden gibt es demnach nicht. Die Angst davor, sorgt bei jenen Staaten, in den Kurden leben, also in der Türkei, im Nahen Osten und Mittleren Osten, für Unterdrückung ihrer Sprache und Kultur. Manchmal scheint eine Autonomie in greifbarer Nähe zu sein, bis sich wieder zerschlägt.

Schon der häufig verwendete Begriff Kurdistan, der vielen von uns als 2. Buch von Karl May „Durchs wilde Kurdistan“ bekannt ist, ist irreführend. Dennoch verwendet das Autoren-Duo diese Bezeichnung der Einfachheit halber.

Das Autoren-Duo, Martin Strohmeier und Lale Yalçin-Heckmann nimmt uns in vier Abschnitten auf eine Reise nach Kurdistan mit, die uns durch die Türkei, Syrien, Libanon, Iran und Irak führt. Dabei kommen die Einmischungen ausländischer Mächte wie Großbritannien, die USA und die Sowjetunion (inklusive ihrer Nachfolgestaaten) zum Vorschein.

Sprachen und Kulturen
Geschichte der Kurden bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts
Die Kurden im 20. und 21. Jahrhundert
Wirtschaft und Gesellschaft am Beispiel Südost-Anatoliens

Eine ausführliche Einleitung sowie Erläuterungen, Landkarten und weiterführende Literatur ergänzen das überarbeitete und aktualisierte Buch, das inzwischen seine 6. Auflage erfahren hat.

Martin Strohmeier ist Professor für Türkische Sprache, Kultur und Geschichte an der University of Cyprus in Nikosia/Zypern. Lale Yalçin-Heckmann ist Ethnologin und Privatdozentin an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg.

Meine Meinung:

Gleich vorweg - das Buch ist auf Grund seines Detailreichtums nichts für Zwischendurch. Hier ist konzentriertes Lesen angebracht. Zudem ist der Schreibstil wissenschaftlich. Manchmal sind die notwendigen Erklärungen nicht ganz konsistent angeführt. Einerseits sofort in Klammer gesetzt, andererseits erst im Anhang erklärt.

Trotzdem hat mich das Buch über die Kurden gefesselt. Spannend zu lesen ist Sicht der jeweiligen Gruppe z.B. aus der Türkei oder dem Iran oder dem Irak.

Ich habe vor einiger Zeit das Buch „Die Kurden - Ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion“ von Kerem Schamberger und Michael Meyen gelesen, das sich ebenfalls mit der aktuellen Situation der Kurden beschäftigt. Beide Bücher ergänzen sich sehr sehr gut.

Fazit:

Ein wichtiges Buch, das zum Verständnis der Lage der Kurden beiträgt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 23.02.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld
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Dass ausgerechnet im berüchtigten „Hotel Silber“, dem ehemaligen Sitz der Stuttgarter Gestapo, die neue Kriminalpolizei ihre Heimstatt haben soll, ist wohl ein Treppenwitz der Geschichte, denn noch wenige ...

Dass ausgerechnet im berüchtigten „Hotel Silber“, dem ehemaligen Sitz der Stuttgarter Gestapo, die neue Kriminalpolizei ihre Heimstatt haben soll, ist wohl ein Treppenwitz der Geschichte, denn noch wenige Tage vor dem Kriegsende haben die Schergen des NS-Regime Dutzende Menschen dort gefangen gehalten, gefoltert und ermordet.

Einer davon ist Paul Kramer, ehemaliger Polizist und Sozialist, der gerade noch mit dem Leben davon gekommen ist und daher von der US-Army prädestiniert ist, hier mitzuwirken. Natürlich sind Ideologie und Indoktrination nicht über Nacht verschwunden und die Entnazifizierungsverfahren sind mehr Schein als Sein. So trifft Paul Kramer wieder auf seine Widersacher und Peiniger, die alles daran setzen, sowohl ihn einzuschüchtern als auch ihre Verbrechen zu vertuschen.

So wird die Aufklärung des Mordes an Vera Wallner, die gemeinsam mit ihrer Familie fliehen wollte und verraten worden ist, die erste Bewährungsprobe für Paul Kramer.

Hilfe bei seiner Arbeit erhält Paul Kramer von Hilde, der Tochter eines eingefleischten Nazis, die sich von ihrer Familie lossagt, und als Schreibkraft bei der US-Army arbeitet.

Meine Meinung:

Autor Kai Bliesener lässt uns Leser in eine Zeit eintauchen, in der das Alte noch nicht wirklich weg ist und das Neue noch nicht Fuß gefasst hat. Doch wenn ich mit die aktuellen Nachrichten Nachrichten ansehe, scheint es, als hätte das ewig Gestrige nur einen Winterschlaf gehalten, um nun wieder sein böses Haupt zu erheben.

Sowie in Stuttgart das „Hotel Silber“ als Hauptquartier der Gestapo diente, war es in Wien das „Hotel Metropol“, das von 1938 bis 1945 als Haus des Schreckens bekannt war, mit dem Unterschied, dass es nach zahlreichen Beschädigungen durch alliierte Bombenangriffe im Jahr 1948 abgerissen worden ist. Die von Kai Bliesener penibel recherchierten und erschreckend realistisch beschriebenen Szenen haben sich so oder so ähnlich in allen anderen Städten des Deutschen Reiches abgespielt.

Das dunkle Cover mit dem imposanten Gebäude vermittelt schon ein beängstigendes Gefühl.

Fazit:

Diesem sauber aufgelösten, historischen Krimi gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.