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Veröffentlicht am 17.03.2025

Brutaler Grenzland-Thriller

Niemand hört dich
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Karen Inge Nielsen hat es geschafft, dieser Verlagsankündigung (gedruckte Version von Piper) gerecht zu werden: "Wer Jens Hendrik Jensen, Stieg Larsson und Ethan Cross mag, wird Karen Inge Nielsen lieben!".
Ich ...

Karen Inge Nielsen hat es geschafft, dieser Verlagsankündigung (gedruckte Version von Piper) gerecht zu werden: "Wer Jens Hendrik Jensen, Stieg Larsson und Ethan Cross mag, wird Karen Inge Nielsen lieben!".
Ich habe das Hörbuch gehört und bin tatsächlich hin- und hergerissen zwischen begeistert und schockiert, zwischen grausigen Ereignissen und wirklich spannender Ermittlungsstory. "Niemand hört dich" ist der Auftakt zur Grenzland-Thriller-Trilogie. Wenn die folgenden zwei Thriller ebenso hart und unterhaltsam sind, dann werde ich gratulieren.
Im ersten Teil lernt man den mitten aus seiner Urlaubsvorfreude gerissenen Kommissar Mads Lindstrøm aus Dänemark und wenig später seinen Kollegen aus Deutschland, Thomas Beckmann kennen. Beide sind Mordermittler aus der Grenzregion und es ergibt sich eine rege, aber unheimliche Zusammenarbeit. Nach dem Fund der ersten Leiche an der deutschen Küste vor Nieby beginnt die fieberhafte Suche nach einem Mörder, der bald noch mehr Unheil anrichten wird. Über 7 Stunden habe ich fast atemlos und nur von dringenden Arbeiten unterbrochen, diesem Thriller zugehört. Der renommierte Sprecher Mark Bremer (ich kenne ihn schon von den Peter-Lundt-Hörspielen) liest souverän, aber manchmal etwas zu unaufgeregt. Die Übersetzung von Günther Frauenlob ist wie immer gut gelungen, er bringt in den Krimi den "skandinavischen" Stil hervorragend ein.
Fazit: Einige Stellen verursachen Gänsehaut, die Pathologie hat einen hohen Stellenwert in diesem Thriller. Wer sich davon nicht abhalten lässt, erlebt einen überraschend guten und spannenden Fall mit.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Generationen im Konflikt

Vor hundert Sommern
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Die Autorin Katharina Fuchs ist mir seit Jahren durch ihre, immer mit historischen Ereignissen verbundenen Romane bekannt. Der Ausgangspunkt dieses Romans ist die Entrümpelung einer Wohnung. Anjas Mutter ...

Die Autorin Katharina Fuchs ist mir seit Jahren durch ihre, immer mit historischen Ereignissen verbundenen Romane bekannt. Der Ausgangspunkt dieses Romans ist die Entrümpelung einer Wohnung. Anjas Mutter ist in einem Pflegeheim gelandet und hat erkannt, dass es von dort keinen Weg zurück in die eigene Wohnung mehr gibt. So gibt sie grünes Licht für diese Aufräumaktion, einiges soll auch noch bei ihr im Zimmer seinen Dienst tun, damit sie sich mehr zu Hause fühlt, der alte Sessel zum Beispiel ist dafür auserkoren. Anja sinniert bei jedem Stück, das sie in die Hand nimmt, als ihre Tochter Lena eintrifft, verdoppelt sich gefühlt die Zeit für jedes einzelne Teil. Dass Anja auch noch einen Hund anschleppt, den sie verweist im Tiergarten gefunden hat, macht das Unternehmen nicht leichter. Ich musste bei der Beschreibung dieses Romanbeginns an meine eigenen Mutter und die Entrümpelungsaktion in ihrer Wohnung denken. Es ist wahrlich makaber, wenn die Mutter oder Großmutter noch lebt, aber alles betrachtet wird als wäre sie längst tot und bräuchte nichts mehr.
Aus dieser Anfangssituation, aus den Hinterlassenschaften der Mutter und Großmutter und aus Stücken, die an die Großtante bzw. Urgroßtante Clara erinnern, entwickelt die Autorin einen Roman, der an Ereignissen reich ist, an Rückblicken auf die Zeit vor hundert Sommern. Wie in vielen Familien gibt es Geheimnisse, aus Schuldgefühlen, Scham oder Angst wird oftmals Schweigen, das auf den nachfolgenden Generationen lastet, bis sich endlich jemand an die Lösung heranwagt.
Es ist spannend, das alles zu lesen, aber die Autorin hat es mir mit ihrem Schreibstil auch nicht leicht gemacht.
Fazit: eine interessante Familiengeschichte mit vielen Überraschungen. Empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Snø - Schnee - Kokain.

Snø - Ohne jeden Zeugen: Ein Fall für Snø
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Wer kommt nicht sofort auf diese Synonyme? Snø offensichtlich nicht, obwohl das ihr Spitzname ist, benötigt sie eine Weile, um die Zusammenhang herzustellen. Snø ist eine junge norwegische Polizistin mit ...

Wer kommt nicht sofort auf diese Synonyme? Snø offensichtlich nicht, obwohl das ihr Spitzname ist, benötigt sie eine Weile, um die Zusammenhang herzustellen. Snø ist eine junge norwegische Polizistin mit einem nicht ganz einfachen Familienhintergrund, mit einer Kollegin, die ihr nicht gerade wohlgesonnen ist, und mit einem Kriminalfall, der erst gar keiner zu sein scheint. Aber Snø ist hartnäckig und nachdenklich, einfühlsam und manchmal nahe am Weinen. Snø, das ist der ganze Kriminalroman, Snø ist die Hauptperson in einem zuerst ungeordneten Suchen nach dem wahren Verbrechen. Ihr gelingen dabei Entdeckungen, die sie kaum wagt, mitzuteilen und die den Kollegen Kopfzerbrechen oder Kopfschütteln verursachen.

Zwischen den Polizeiszenen schaut der Hörer/Leser in das Innere der Ölindustrie Norwegens und da sieht es gar nicht so gut aus, Vertuschungen und Verbrechen liegen nahe beieinander. Dass Snø bei allen Ermittlungen immer noch zusätzlich ihre Kindheit und Jugend, ihre Eltern und den verstorbenen Bruder Lars im Kopf hat, macht ihr das Leben nicht leichter. Jetzt ein Minispoiler: Vom toten Bruder erhält sie plötzlich Nachrichten.

Wie sich Morde, das Verschwinden von Menschen und die zwischenmenschlichen Beziehungen weiterentwickeln, das muss jeder selbst hören oder lesen. Mir hat die Entwicklung der Geschichte von Anfang bis Ende gute Unterhaltung geboten, teilweise war es sehr spannend, nur die ausufernden Erklärungen über Meeresboden und Ölförderung etc. waren mir zu lang.

Manchmal fand ich die Sprache etwas holprig, aber insgesamt konnte ich gut zuhören. Die Stimme von Lisa Boos hat mir gut gefallen, manchmal neigt sie zwar zu etwas lauteren Tönen, aber insgesamt war das Hörbuch angenehm. Das Cover bringt die düstere Grundstimmung des Krimis auch gut zur Geltung.

Fazit: Ich kann das Hörbuch/Buch guten Gewissens weiterempfehlen und würde mich über einen nächsten Teil freuen. Gute vier Sterne.

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Ein wirklich großes Reisebuch

KUNTH Unterwegs in Bayern
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Bei den Vorbereitungen der nächsten Reise nach Bayern wird mir dieses Buch gute Dienste leisten. Es heißt im Untertitel nicht umsonst Das große Reisebuch! Da ich bereits einige Male in Bayern war, wenn ...

Bei den Vorbereitungen der nächsten Reise nach Bayern wird mir dieses Buch gute Dienste leisten. Es heißt im Untertitel nicht umsonst Das große Reisebuch! Da ich bereits einige Male in Bayern war, wenn auch immer nur kurz, habe ich zuerst mir bekannte Ort angesehen. So bekam ich ein Gefühl dafür, was den Autoren und Gestaltern besonders am Herzen liegt.
Als erstes Beispiel möchte ich hier Nürnberg herausgreifen, es liegt in der Region Nordbayern/Mittelfranken. Nach einer kleinen Einführung und versehen mit einem Stadtplanausschnitt kann man sich den kurzen und präzisen Erklärungen der Sehenswürdigkeiten widmen. Die kleinen Nummern helfen, schnell im Stadtplan den Standort zu finden. Anstatt die abschließende Doppelseite „Stadt der Reichsparteitage“ zu nennen, wäre „Stadt der Erinnerungskultur“ aus meiner Sicht zeitgemäßer.
Mit besonderer Freude habe ich den Teil Südbayern, mit München, gelesen und auch angeschaut. So viele wunderschöne Sehenswürdigkeiten, Naturwunder und Ausflugsziele hat wohl kaum eine Landschaft auf so kleinem Raum vereint. Es ist nicht übertrieben, München scheint wirklich die nördlichste Stadt Italiens zu sein. Man weiß kaum, wofür man sich entscheiden soll, natürlich muss man in den Englischen Garten gehen, und jede Kirche empfängt den Besucher mit Glanz und Übersinnlichem. Gerade hier im Münchener Abschnitt hätte ich mir ein Foto vom Inneren z. B. von St. Peter als Doppelseite gewünscht. Auf dem kleinen Foto auf S. 271 verschwinden die fantastischen Details leider völlig. Mein Liebling in München ist das Lenbachhaus, nicht nur, weil es ein so „pompöses Stadtschlösschen“ ist, sondern auch, weil sich dort meine Lieblingsmaler Münter und Kandinsky mit den Blauen Reitern ein Stelldichein geben. Mit der Doppelseite des wunderschönen Schlosses Nymphenburg endet dann schon fast der Reigen der Städte und Ziele.
Ohne einen einzigen Schritt vor die Tür bin ich stundenlang in Bayern unterwegs gewesen. Insgesamt hat mir dieser Ausflug wunderbar gefallen, ob Rothenburg oder Regensburg, ob Chiemsee oder Kochelsee, ob Obersalzberg oder Dachau, alles ist erwähnt. Mit besonderer Hingabe wurden wohl die Fotos rund ums „Schwäbische Meer“ ausgesucht, einfach zum Verlieben.
Zum Abschluss werden noch fünf verschiedene Routen präsentiert, die gut und gerne Jahresurlaube füllen könnten. Wer nicht so viel Zeit hat, kann sie natürlich auch teilen oder einfach etwas auslassen. Wobei die Entscheidung auch schwerfallen könnte. Gute Ideen werden jedenfalls auf jeder Seite präsentiert.
Auf Anschriften, Öffnungszeiten, Hotels, Internetadressen etc. wurde zu Gunsten der Fülle an Zielen verständlicherweise verzichtet. Einerseits ändert sich vieles schneller, als dass eine Nachauflage es berichtigen könnte. Andererseits ist jeder heute mit dem Internet schnell an der richtigen Stelle und findet gewünschte Auskünfte. Ein bisschen Arbeit muss man sich als Reisender eben dann doch machen, wenn man seinen Urlaub genau planen will. Ein hilfreicher Begleiter bei der Vorbereitung ist das Buch auf jeden Fall. Zum Mitnehmen ist es vielleicht für Leute mit Caravan oder SUV geeignet. Ich ziehe dann doch einen kleinen Reiseführer oder mein iPhone für die Handtasche vor.
Einige (auch kritische) Worte zur Gestaltung: Der Bundsteg ist recht eng bemessen, so dass bereits beim Inhaltsverzeichnis auf der linken Seite die Seitenzahlen kaum vollständig lesbar sind. Apropos Inhaltsverzeichnis: etwas ausführlicher hätte ich es mir gewünscht. München ist als einzige Stadt verzeichnet. Zu jeder Landschaft drei, vier Städte oder besondere Ziele würden es dem Nichtbayern (ich bin aus Norddeutschland, Geografieunterricht liegt weit zurück) etwas leichter machen bei der Orientierung auf den ersten Seiten.
Dank Fadenheftung lässt es sich gut aufklappen, ohne Seiten zu verlieren. Für ein fortlaufendes Lesen ist der Fließtext recht klein, die Überschriften und Vorspanntexte sind angenehm lesbar. Die doppelseitigen Ansichten von besonderen Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten lassen das Auge immer mal ausruhen. Die „Mehr entdecken“-Doppelseiten fallen durch ihre wuchtige Gestaltung etwas aus dem Rahmen. Ganz am Ende benötigt man für das Register dann doch noch eine Lupe oder zumindest eine starke Lesebrille. Dagegen ist die Ortslegende für den Reiseatlas ein wahrer Augenschmaus.
Der Einband ist biegsam, dadurch wird das Buch auch etwas leichter. Auf der Rückseite ist der Titel sehr ansprechend. Auf der Titelseite ist „Unterwegs in“ sehr schlecht lesbar, durch den halbtransparenten Druck verliert der Titel insgesamt die Aufmerksamkeit, die er eigentlich erreichen will. Das untere Foto mag bayerntypisch sein, lockt mich aber nicht so sehr.
Fazit: ein allumfassender Reiseratgeber für Bayern, kurze, präzise und angenehm zu lesende Texte, eine Fülle an Fotos, einige Stadtpläne, Routenpläne und ein Reiseatlas lassen kaum Wünsche offen. Ich glaube, nichts wurde vergessen in diesem Reisebuch! Beste Vorbereitung auf einen Urlaub – egal ob kurz oder lang.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Unterhaltsamer Ausflug

Eine Gardinenpredigt für das Arschgesicht
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Dieser unterhaltsame Ausflug in die Geschichte (der Redewendungen und der Menschheit) sei sehr empfohlen. Ich hatte viele Jahre Auszubildende, die mit vielen, unbedacht benutzten Redewendungen überhaupt ...

Dieser unterhaltsame Ausflug in die Geschichte (der Redewendungen und der Menschheit) sei sehr empfohlen. Ich hatte viele Jahre Auszubildende, die mit vielen, unbedacht benutzten Redewendungen überhaupt nichts anfangen konnte. Die Herkunft der Redewendungen zu wissen, das war ihnen auch nicht wichtig. In meinem Alter (ü70) ist das noch etwas anders, wir hatten Großeltern, Lehrer und andere ältere Bezugspersonen, die die Herkunft gleich mitlieferten, wenn man etwas nicht verstand. Das hat sich bei mir so sehr eingeprägt, dass ich nur wenig Neues und Überraschendes in diesem Büchlein fand. Aber eine gute Auffrischung war die Lektüre allemal. Der Beitrag z. B. zu den Rabeneltern geht weit über den bekannten Begriff hinaus, ich fand diesen und einige andere (Leseratte, Unter aller Kanone) wirklich amüsant und gleichzeitig lehrreich. Einzig „08/15“ hat mir in der Aufzählung tatsächlich gefehlt.
Der Autor benutzt eine fröhlich-ironische Umgangssprache und nimmt so dem Leser das Gefühl, er habe keine Ahnung.
Für den Autor habe ich noch eine Idee für die Nachauflage: „Bademantel“ sollte als umgangssprachliche Warnung vor der Polizei aufgeführt werden. Für Erklärungen dazu wenden Sie sich doch bitte an Don Alphonso von der WELT.
Mir hat das Buch Freude gemacht, ich kann es sehr empfehlen.

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