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Veröffentlicht am 18.06.2025

Familiendrama trifft Psychothriller

Die Insel - einer kennt die ganze Wahrheit
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Der neue Thriller von Ulf Kvensler, Die Insel – einer kennt die ganze Wahrheit, erschienen bei Pinguin im Juni 2025, entführt die Leser auf die schwedische Ostseeinsel Gotland. Einen Ort, der so idyllisch ...

Der neue Thriller von Ulf Kvensler, Die Insel – einer kennt die ganze Wahrheit, erschienen bei Pinguin im Juni 2025, entführt die Leser auf die schwedische Ostseeinsel Gotland. Einen Ort, der so idyllisch wie geheimnisvoll ist und zur perfekten Kulisse für diese psychologisch dichten Spannungsroman wird.

Im Mittelpunkt steh Isak, ein junger Mann der ein bescheidenes und bodenständiges Leben in Småland führt. Dort arbeitet er in der häuslichen Pflege und lebt mit seiner Freundin Madde zusammen in einer kleinen Wohnung. Aufgewachsen ist er bei seinem Großvater Anders. Eines Tages wird Isaks Leben durch den Anruf seines Vaters Fredrik, einem der anerkanntesten und teuersten schwedischen Künstler, völlig auf den Kopf gestellt. Nach Jahren der Funkstille möchte der Vater wieder den Kontakt zu Isak herstellen. Dieser zögert kurz, doch schließlich bricht er gemeinsam mit Madde nach Gotland auf, wo Vater und Sohn sich nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder treffen. Schnell wird jedoch klar, dass es um mehr geht als nur familiäre Versöhnung.

Kvensler verwebt geschickt unterschiedliche Handlungsebenen und -stränge. So wechseln die Zeitebenen immer wieder zwischen den Ereignissen auf Gotland, einem traumatischen Kindheitserlebnis und Isaks späterem Gefängnisaufenthalt hin und her. Diese Perspektivwechsel bringt zusätzliche Spannung in den ohnehin fesselnden Plot und bis zum Ende ist beispielsweise nicht klar, welchen Verbrechens Isak beschuldigt wird.

Die Insel ist ein fesselnder Pageturner, der nicht nur durch seine psychologische Tiefe überzeugt, sondern auch mit einem Hauch von Mystik und einem Gespür für die dunklen Seiten der menschlichen Seele. Eine klare Empfehlung für alle Thriller-Fans, die komplexe Figuren und atmosphärische Settings schätzen.

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Ein Roman, der bewegt

Am Meer ist es schön
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Barbara Leciejewskis neuer Roman, “Am Meer ist es schön” (erschienen bei List am 30.Mai 2025)) erzählt die tief berührende Geschichte von Susanne, die als Kind zur Kur in ein sogenanntes Verschickungsheim ...

Barbara Leciejewskis neuer Roman, “Am Meer ist es schön” (erschienen bei List am 30.Mai 2025)) erzählt die tief berührende Geschichte von Susanne, die als Kind zur Kur in ein sogenanntes Verschickungsheim nach St. Peter-Ording geschickt wurde – ein Aufenthalt, der ihr Leben nachhaltig prägen sollte.

Die Erzählung erstreckt sich über zwei Zeitebenen: In der Gegenwart liegt Susannes Mutter Luise in einer Seniorenresidenz im Sterben. Am Sterbebett sitzen Susanne und ihre Tochter Julia, als Luise plötzlich um Entschuldigung bittet – dafür, dass sie ihrer Tochter damals nicht geglaubt hat, als diese von den schrecklichen Erfahrungen in der Kur berichtete. Diese unerwartete Reue eröffnet den Raum für Erinnerungen: Susanne beginnt, ihrer Familie die lange verdrängten traumatischen Erlebnisse aus dem Sommer 1969 zu schildern.

Manche Erlebnisse prägen und überschatten ein ganzes Leben. So auch für Susanne die Kinderverschickung nach St.Peter-Ording im Sommer 1969. Eindringlich schildert die Autorin, wie die Gefühle der kindlichen Protagonistin. Damals noch “Susi” durchlebt Angst und Verzweiflung, Resignation und Hoffnung. Die erlebt schlimme Ungerechtigkeit und muss mit ansehen, “Tanten” mit Willkür und Härte das Verschickungsheim führen. Die Schildungen sind erschütternd und tief berührend. Der Spannungsbogen bleibt durchweg hoch, denn man ahnt, dass die Geschichte auf eine zentrale Katastrophe hinsteuert.

Auch auf der Beziehungsebene hat der Roman einiges zu bieten: Die Zeit am Sterbebett führt nicht nur zu Versöhnung zwischen Mutter und Tochter, verdrängte Erinnerung und sorgsam gehütete Geheimnisse wieder zum Vorschein sondern bringt auch die seit Jahren entfremdeten Geschwister Susanne, Edith und Wolfgang wieder näher zusammen.

Diese Erzählung dauert über mehrere Tage und im Verlauf tauchen auch Susannes Geschwister Wolfgang und Edith auf. Die Geschwister haben sie sehr voneinander entfremdet, doch die Zeit am Sterbebett der Mutter und die Erzählung von Susanne lässt sie wieder näher zusammenrücken. So wird aus der persönlichen Aufarbeitung einer Kindheitstraumatisierung zugleich ein bewegender Familienroman über Zusammenhalt, Vergebung und die Kraft der Erinnerung.

Barbara Leciejewski verwebt die beiden Zeitebenen meisterhaft und mit großer Eleganz. Ihre Sprache ist dabei stets einfühlsam und dennoch kraftvoll. Die Charaktere sind authentisch und vielschichtig. Die Protagonistin überzeugt sowohl als erwachsene Susanne wie auch als kindliche Susi.

Ein zutiefst berührender Roman über ein lange tabuisiertes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, der mich emotional tief bewegt und zum Nachdenken gebracht hat. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und vergebe voller Überzeugung: 5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Zurück in Flohall – spannender, magischer, reifer

Sepia 2: Sepia und die Verschwörung von Flohall
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„Sepia und die Verschwörung von Flohall“, erschienen im März 2025 im Thienemann Verlag, ist der zweite Band der Phantasy-Abenteuer-Trilogie rund um das Waisenmädchen Sepia und ihre Freunde Niki und Sanzio. ...

„Sepia und die Verschwörung von Flohall“, erschienen im März 2025 im Thienemann Verlag, ist der zweite Band der Phantasy-Abenteuer-Trilogie rund um das Waisenmädchen Sepia und ihre Freunde Niki und Sanzio. Nach dem gelungenen Auftakt „Sepia und das Erwachen der Tintenmagie“ knüpft dieser Band nahtlos an die Ereignisse an und steht seinem Vorgänger in Spannung und Ideenreichtum in nichts nach.
Wir kehren zurück in die geheimnisvolle Stadt Flohall, in der Handwerksgilden die täglichen Geschicke lenken. Sepa hat sich dort inzwischen gut eingelebt und die Freundschaft zu Niki und Sanzio ist noch enger geworden - die Drei bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Doch natürlich warten auch diesmal wieder Tintenwesen und unheimliche Kreaturen auf sie. Zusätzlich steht die erste Lehrlingsprüfung an und dafür muss natürlich schwer gebüffelt werden. Dennoch versuchen Sepia, Niki und Sanzio dem Geheimnis des „Herzens von Flohall“ auf die Spur zu kommen, um herauszufinden, was es mit dem alten und geheimnisvollen Buch auf sich hat.
Mein Lieblingszitat aus dem Buch stammt von einem Gardisten der sagt: „Na gut sie [die Meister] sind vielleicht Alchemisten, aber ganz ehrlich, fast jeder hat doch irgendwann mal Alchemie in der Familie. Was ist denn schon dabei?“ (Seite 328). Dieser beiläufige Kommentar steht sinnbildlich für die tolerante Grundhaltung, die vielen Figuren eigen ist. Die Selbstverständlichkeit, mit der der junge Gardist Andersartigkeit akzeptiert, hat mich besonders berührt.
Der Schreibstil von Theres Bell ist spannend und mitreißend. Auch wenn Sie in Ihrer Danksagung gesteht, dass Ihr dieser Band besonders schwer gefallen sein, hat sich Ihre Mühe allemal gelohnt. Der Roman ist fantasievoll, kurzweilig und liebevoll gestaltet. Zwar lassen sich gelegentlich Parallelen zu bekannten Genrewerken wie Harry Potter erkennen, doch das ist vermutlich unvermeidbar und hat mich auch nicht gestört.
Besonders hervorheben möchte ich die gelungene Gestaltung des Buches mit Illustrationen von Eva Schöffmann-Davidov. Einband und Cover passen in Farbe und Ausgestaltung ausgezeichnet zum ersten Band und machen sich daher auch gut im Regal. Zu Beginn eines jeden Kapitels gibt es wieder eine kleine schwarz-weiß-Illustration, die eine Szene aus dem bevorstehenden Kapitel illustriert. Die Art der Darstellungen und die Ausführungen passen sehr gut in die Welt von Flohall.
Die ersten beide Bände der Trilogie sind eine echte Leseempfehlung für Fans des Genres – nicht nur für Kinder ab 10 Jahren. Ich bin gespannt und freue mich schon jetzt auf das große Finale im dritten Band.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Ein Buch, das lange begeistert

tiptoi® - Kennst du diese Tiergeräusche?
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Nachdem wir den tiptoi-Manager auf den Laptop geladen haben und dann dort das Buch „Kennst Du diese Tiergeräusche“ (Ravensburger, März 2025) gesucht und gefunden haben, ging der Download der Audio-Datei ...

Nachdem wir den tiptoi-Manager auf den Laptop geladen haben und dann dort das Buch „Kennst Du diese Tiergeräusche“ (Ravensburger, März 2025) gesucht und gefunden haben, ging der Download der Audio-Datei auf den Stift wie von selbst und der (Vor-)Lesespaß konnte beginnen. Die Handhabung des Stiftes ist - im wahrsten Sinne des Wortes – kinderleicht, auch für die Jüngste
Auf elf Doppelseiten werden Tiere unterschiedlichster Lebensräume und Kontinente vorgestellt. Wenn man mit dem Stift auf die Bezeichnung des Tieres tippt, gibt es immer eine kleine Erzählung über das Tier, was an ihm besonders ist, wo es lebt und was es frisst. Berührt man hingegen mit dem Stift die Tiere selbst, erklingen die Geräusche, die die Tiere machen. In der unteren rechten Buchecke gibt es jeweils drei bis vier interaktive Symbole: ein Musiknoten-Symbol für ein Kinderlied zu den dargestellten Tieren, ein Würfel für ein Geräuschrätsel, einen Wiederholungspfeil für vorherige Töne und eine Tür, um die Audiowiedergabe zu beenden.
Die Ausarbeitung ist super hochwertig und präzise. Wir fanden zum Beispiel sehr spannend, dass der Taipan aus Australien ein anderes Geräusch macht als die Schlange bei den Haustieren. Toll sind auch die wahnsinnig schnellen Libellenflügel und das Brummen der Biene.
Ein Buch, mit dem Kinder lange Zeit beschäftigt sind, da es über 150 verscheiden Tiere und deren Geräusche zu entdecken und kennenzulernen gibt. Darunter bekannt Tiere, wie Hund, Katze, Maus, aber auch Exoten, wie Yak, Wombat und Possum.
Natürlich kann man das Buch auch klassisch durchblättern, ohne den Stift zu nutzen. Egal, ob mit oder ohne Stift – Kennst Du diese Tiergeräusche? ist ein tolles, interaktives Buch, das Kinder lange beschäftigt. Klare 5/5 Sterne!

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Demokratie für Kinder erklärt: wer zu laut brüllt, hat nicht immer recht

Das Trumpeltier
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Das Trumpeltier – nicht mit uns von Thea Dorn, mit Illustrationen von Nadine Reitz, erschienen bei Bastei Lübbe 2024, ist ein farbenfrohes und unterhaltsames, doch auch ein nachdenkliches Kinderbuch über ...

Das Trumpeltier – nicht mit uns von Thea Dorn, mit Illustrationen von Nadine Reitz, erschienen bei Bastei Lübbe 2024, ist ein farbenfrohes und unterhaltsames, doch auch ein nachdenkliches Kinderbuch über Demokratie, Gerechtigkeit und Wahrheit.

Der kleine Makake Maki und die anderen Tiere des Dschungels begegnen eines Morgens einem riesigen, orangehaarigen Orang-Utan – dem Trumpeltier. Durch geschickte Manipulation und Lügen bringt er die Tiere dazu, ihn zum König des Urwalds zu machen. Kaum an der Macht, zwingt er sie, für ihn zu arbeiten und eine hohe Mauer um den Dschungel zu errichten, um die „Bohner“ der Steppe und Wüste fernzuhalten. Maki wird misstrauisch und spürt, dass etwas nicht stimmt. Doch erst als sich die Tiere gemeinsam gegen das Trumpeltier erheben, gelingt es ihnen, gerechte Anführer zu bestimmen, die das Wohl aller im Blick haben.

Die humorvollen und bunten Illustrationen von Nadine Reitz lassen den Text von Thea Dorn zum Leben erwachen. Es macht großen Spaß, die detailreichen Seiten zu erkunden und die unterschiedlichen Tiere zu entdecken.

Das Buch vermittelt Kindern eine wichtige Botschaft: man darf nicht alles ungeprüft glauben und sollte die Aussagen anderer durchaus auch mal hinterfragen. Denn Betrüger gibt es immer wieder. Ist wirklich der derjenige der Stärkste, der es lautstark von sich behauptet? Oder bringt ein echtes Kräftemessen die Wahrheit ans Licht?

Doch auch für Erwachsene ist diese kleine Fabel nicht nur lustig anzuschauen, sondern weckt Hoffnung. Man hofft, dass sich auf der Weltbühne auch die Menschen zusammentun. Damit nicht die Lautesten und Skrupellosesten vermeintlich Recht haben und Könige werden, sondern diejenigen, die am geeignetsten sind. Diejenigen, die für das Allgemeinwohl eintreten und diejenigen, die großherzig und menschenfreundlich sind.

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