Ein eindringlicher Roman über Isolation und Umweltzerstörung
Rosa SchleimMeine Meinung und Inhalt
In Rosa Schleim entführt die uruguayische Autorin Fernanda Trías die Leser:innen in eine namenlose Hafenstadt, die von einer mysteriösen Umweltkatastrophe heimgesucht wird. Ein ...
Meine Meinung und Inhalt
In Rosa Schleim entführt die uruguayische Autorin Fernanda Trías die Leser:innen in eine namenlose Hafenstadt, die von einer mysteriösen Umweltkatastrophe heimgesucht wird. Ein roter Wind trägt eine Krankheit vom Meer ins Landesinnere, was zu einem massiven Fischsterben und dem Zusammenbruch der städtischen Infrastruktur führt. Inmitten dieses Chaos begleitet man eine namenlose Ich-Erzählerin, die zwischen ihrer isolierten Mutter, ihrem erkrankten Ex-Mann und einem Kind, das nicht ihr eigenes ist, hin- und hergerissen ist. Dieses Kind leidet an einer seltenen Krankheit, die ständigen Hunger verursacht, was die ohnehin angespannte Situation weiter kompliziert.
Trías gelingt es meisterhaft, die düstere Atmosphäre einer Stadt im Niedergang mit poetischer Sprache zu vermitteln. Die Protagonistin reflektiert über ihre zerbrochenen Beziehungen und die bröckelnde Welt um sie herum, während sie versucht, in einer zunehmend feindlichen Umgebung zu überleben. Der Titel "Rosa Schleim" bezieht sich auf ein künstliches Nahrungsmittel, das in der Krise zur Hauptnahrungsquelle wird und symbolisiert die Dekadenz und den Verfall der Gesellschaft.
Obwohl der Roman vor der COVID--Pandemie geschrieben wurde, weist er bemerkenswerte Parallelen zu aktuellen globalen Krisen auf, insbesondere in Bezug auf Isolation, Angst und den Umgang mit unbekannten Bedrohungen. Trías' Fähigkeit, eine solch bedrückende Thematik mit lyrischer Eleganz zu behandeln, macht Rosa Schleim zu einem herausragenden Werk der zeitgenössischen Literatur.
Für Leser:innen, die sich für dystopische Szenarien und tiefgründige Charakterstudien interessieren, bietet dieser Roman eine fesselnde und nachdenklich stimmende Lektüre.
Über die Autorin
Fernanda Trías, geboren 1976 in Montevideo, lebte im Rahmen von Stipendien und Forschungsaufenthalten im Süden Frankreichs, in London, Berlin und Buenos Aires. An der New York University studierte sie Kreatives Schreiben. Für Rosa Schleim wurde sie 2021 mit dem Sor Juana Inés de la Cruz Preis ausgezeichnet. Derzeit lehrt sie Kreatives Schreiben an der Universidad de los Andes in Bogotá, Kolumbien.