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Veröffentlicht am 25.02.2025

Ein eindringlicher Roman über Isolation und Umweltzerstörung

Rosa Schleim
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Meine Meinung und Inhalt

In Rosa Schleim entführt die uruguayische Autorin Fernanda Trías die Leser:innen in eine namenlose Hafenstadt, die von einer mysteriösen Umweltkatastrophe heimgesucht wird. Ein ...

Meine Meinung und Inhalt

In Rosa Schleim entführt die uruguayische Autorin Fernanda Trías die Leser:innen in eine namenlose Hafenstadt, die von einer mysteriösen Umweltkatastrophe heimgesucht wird. Ein roter Wind trägt eine Krankheit vom Meer ins Landesinnere, was zu einem massiven Fischsterben und dem Zusammenbruch der städtischen Infrastruktur führt. Inmitten dieses Chaos begleitet man eine namenlose Ich-Erzählerin, die zwischen ihrer isolierten Mutter, ihrem erkrankten Ex-Mann und einem Kind, das nicht ihr eigenes ist, hin- und hergerissen ist. Dieses Kind leidet an einer seltenen Krankheit, die ständigen Hunger verursacht, was die ohnehin angespannte Situation weiter kompliziert.

Trías gelingt es meisterhaft, die düstere Atmosphäre einer Stadt im Niedergang mit poetischer Sprache zu vermitteln. Die Protagonistin reflektiert über ihre zerbrochenen Beziehungen und die bröckelnde Welt um sie herum, während sie versucht, in einer zunehmend feindlichen Umgebung zu überleben. Der Titel "Rosa Schleim" bezieht sich auf ein künstliches Nahrungsmittel, das in der Krise zur Hauptnahrungsquelle wird und symbolisiert die Dekadenz und den Verfall der Gesellschaft.

Obwohl der Roman vor der COVID--Pandemie geschrieben wurde, weist er bemerkenswerte Parallelen zu aktuellen globalen Krisen auf, insbesondere in Bezug auf Isolation, Angst und den Umgang mit unbekannten Bedrohungen. Trías' Fähigkeit, eine solch bedrückende Thematik mit lyrischer Eleganz zu behandeln, macht Rosa Schleim zu einem herausragenden Werk der zeitgenössischen Literatur.

Für Leser:innen, die sich für dystopische Szenarien und tiefgründige Charakterstudien interessieren, bietet dieser Roman eine fesselnde und nachdenklich stimmende Lektüre.


Über die Autorin

Fernanda Trías, geboren 1976 in Montevideo, lebte im Rahmen von Stipendien und Forschungsaufenthalten im Süden Frankreichs, in London, Berlin und Buenos Aires. An der New York University studierte sie Kreatives Schreiben. Für Rosa Schleim wurde sie 2021 mit dem Sor Juana Inés de la Cruz Preis ausgezeichnet. Derzeit lehrt sie Kreatives Schreiben an der Universidad de los Andes in Bogotá, Kolumbien.


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Veröffentlicht am 25.02.2025

Einfühlsam und intensiv

Luftpolster
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Meine Meinung und Inhalt

In Luftpolster nimmt Lena-Marie Biertimpel die Leser:innen mit auf eine emotionale Reise durch die Gedankenwelt einer jungen Frau, die in einer psychiatrischen Klinik aufgenommen ...

Meine Meinung und Inhalt

In Luftpolster nimmt Lena-Marie Biertimpel die Leser:innen mit auf eine emotionale Reise durch die Gedankenwelt einer jungen Frau, die in einer psychiatrischen Klinik aufgenommen wird. In kurzen, eindringlichen Szenen schildert die Autorin den Alltag auf der Station, Begegnungen mit Mitpatient:innen und das Ringen mit der eigenen Vergangenheit.

Der Roman ist in einer schnörkellosen, direkten Sprache geschrieben, die die Intensität der Gefühle verstärkt. Die Hauptfigur reflektiert über ihre Kindheit, ihre Familie und frühere Beziehungen – immer auf der Suche nach Halt und Verständnis. Dabei gelingt es Biertimpel, psychische Erkrankungen nicht klischeehaft, sondern authentisch und vielschichtig darzustellen.

Besonders eindrucksvoll ist die Atmosphäre des Buches: Die Isolation, die Routinen der Klinik und die Gespräche mit anderen Patient:innen lassen den Leser tief in die innere Zerrissenheit der Protagonistin eintauchen. Luftpolster ist kein leichtes Buch, aber ein wichtiges, das zeigt, wie schwer und gleichzeitig hoffnungsvoll der Weg zur Heilung sein kann.

Ein berührender, poetischer Roman, der nachwirkt und zum Nachdenken anregt.

Über die Autorin

Lena-Marie Biertimpel, 1991 in Hamburg geboren, lebt in Wien und studiert Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst. Sie schreibt Theatertexte und Prosa, veröffentlichte in Literaturzeitschriften und Anthologien. »Luftpolster« ist ihr erster Roman, für den sie das Start-Stipendium des österreichischen Bundeskanzleramts erhielt.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Die Süße der Erinnerung

Candy Haus
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Candy Haus entführt Jennifer Egan die Leser in eine Zukunft, in der Technologie und menschliche Erinnerungen miteinander verschmelzen. Geschichte dreht sich um Bix Bouton, einen ...

Meine Meinung und Inhalt


Candy Haus entführt Jennifer Egan die Leser in eine Zukunft, in der Technologie und menschliche Erinnerungen miteinander verschmelzen. Geschichte dreht sich um Bix Bouton, einen erfolgreichen Unternehmer, der eine Plattform entwickelt, die es den Nutzern ermöglicht, ihre Erinnerungen zu teilen und so Zugang zu den Gedanken aller zu erhalten. DiInnovation wirft tiefgreifende Fragen über Privatsphäre, Identität und die Natur des menschlichen Bewusstseins auf.

Derm ist in Form von miteinander verbundenen Erzählungen aufgebaut, die verschiedene Charaktere und Perspektiven beleuchten. Diese Stur ermöglicht es, die Auswirkungen der Technologie auf das Leben der Menschen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und die Komplexität der menschlichen Erfahrung zu erforschen.

Jenniferagelingt es meisterhaft, die Leser in eine Welt zu entführen, die sowohl vertraut als auch fremd erscheint. Ihr Schreibsist präzise und fesselnd, wodurch die Themen des Romans lebendig und nachdenklich stimmend präsentiert werden.

Insgesamt istay Haus* ein tiefgründiger und provokativer Roman, der die Leser dazu anregt, über die Zukunft der Menschheit und die Rolle der Technologie in unserem Leben nachzudenken. Egan schafft es, Geschichte zu erzählen, die sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt.


Über die Autorin

Die amerikanische Autorin Jennifer Egan wurde 1962 in Chicago geboren, aber wuchs in San Francisco auf. Nach ihrem Studium an der Universität von Pennsylvania und dem St. John's College in Cambridge, hat sie angefangen Romane und Kurzgeschichten zu schreiben. Außerdem verfasst sie Artikel für den New Yorker und die New York Times Magazine und lehrt Kreatives Schreiben an der Columbia University. Ihr Roman "Look at me" wurde für den National Book Awards nominiert und 2011 wurde sie für "Der größere Teil der Welt" mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Egan lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Brooklyn, New York.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Die Zeremonie des Lebens

Zeremonie des Lebens
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Meine Meinung und Inhalt

In Zeremonie des Lebens erzählt Sayaka Murata zwölf Kurzgeschichten, die das Alltägliche auf überraschende Weise in Frage stellen. Sie nimmt uns mit in eine Welt, in der nichts ...

Meine Meinung und Inhalt

In Zeremonie des Lebens erzählt Sayaka Murata zwölf Kurzgeschichten, die das Alltägliche auf überraschende Weise in Frage stellen. Sie nimmt uns mit in eine Welt, in der nichts so ist, wie es scheint. Murata verbindet das Gewöhnliche mit dem Unheimlichen und lässt ihre Figuren auf seltsame, manchmal sogar beunruhigende Weise mit ihren eigenen Gefühlen und der Gesellschaft konfrontiert werden.

Die Geschichten zeigen oft, wie schwer es für Menschen ist, sich in einer Gesellschaft zurechtzufinden, die sie immer wieder in bestimmte Rollen drängt. Murata bricht mit diesen Erwartungen und lässt ihre Charaktere auf unerwartete Weise reagieren. Sie behandelt Themen wie Isolation, Identität und gesellschaftliche Normen – immer mit einem Hauch von Absurdität.

Muratas Schreibstil ist präzise und eindrucksvoll, sodass die Geschichten schnell lebendig werden und zum Nachdenken anregen. Sie nimmt uns mit auf eine Reise durch die seltsameren Seiten des Lebens und stellt uns die Frage, was wirklich normal ist.

Zeremonie des Lebens ist eine Sammlung, die zeigt, wie vielseitig und tiefgründig Muratas Schreiben ist. Ihre Erzählungen sind einzigartig, manchmal unheimlich, aber immer faszinierend. Sie regen dazu an, die eigene Wahrnehmung der Realität zu hinterfragen.

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Veröffentlicht am 05.11.2024

Reglos

Mimikry
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Meine Meinung und Inhalt


"Die Bezeichnung Mimikry ist abgeleitet von englisch mimicry (= „Nachahmung“), was wiederum abgeleitet ist von to mimic: „nachahmen, mimen“ + Suffix -ry (entsprechend dt)." ...

Meine Meinung und Inhalt


"Die Bezeichnung Mimikry ist abgeleitet von englisch mimicry (= „Nachahmung“), was wiederum abgeleitet ist von to mimic: „nachahmen, mimen“ + Suffix -ry (entsprechend dt)."



"Drei Stunden nachdem sich der Mann ohne Regung auf den Bahnhofsvorplatz
gestellt hat, trägt er schon sieben verschiedene Bezeichnungen, aber keiner
kennt seinen Namen."" (ZITAT)


Ein junger Mann, der acht Stunden regungslos im Zentrum einer Stadt steht. Verängstigte Passant:innen rufen die Polizei.

Seine Hände hält er in den Hosentaschen vergraben. Wer weiß, vielleicht ist er bewaffnet. Er spricht nicht, reagiert nicht, zeigt keine Gefühlsäußerung, auch nicht, als ein Sonderkommando ihn festnimmt. Psychisch krank sei er wohl, heißt es in einer Nachricht, die an diesem Rekordsommer herausgeht. Wie kann es sein? Keiner scheint ihn zu kennen.

Drei Protagonist:innen erzählen die Geschichte einer Person nach, die entschieden hat, bei einem gesellschaftlichen Platzkampf nicht mitzumachen. Eine Person, die versucht, zu verschwinden, getarnt in der Anonymität der Stadt und selbstzentrierten Personen, die sie umgeben.


" Mit einem Piepen bleibt die Bahn stehen, die Türen schwingen auf. Sobald die Menschen auf diesem Platz stehen, hängen sie an einer Blickrichtung fest, hängen an einem chronischen Hunger, der sie von A nach B schleust. Sie ziehen ihre hektischen Schatten mit sich. Mittendrin: ein Schatten, der gar nichts tut. Spätestens, wenn sie die Straße überqueren, bleibt ihr Blick an dem Mann haften. Sie können gar nicht anders. Die Neugierde verlangsamt die Menschen auf dem Bahnhofsvorplatz, zurrt sie zusammen zu Grüppchen, in
denen sie tuscheln. Sie sind abgekommen von dem Weg zur Arbeit. Es scheint ihnen gemeinsam egal zu sein." (ZITAT)


Ich fand das Buch unglaublich fesselnd, allen voran deswegen, weil mich die Neugierge gepackt hat, was mit dem Mann ist. Wer ist er. Was hat er vor. Damian, Hendrika, Johanna - sie kennen sich nicht und sind noch mit dem Fremden - Arda / Joshua verbunden.

Die Schilderungen aus den unterschiedlichen Perspektiven fand ich sehr gut dargestellt, ebenso mochte ich die Covergestaltung sowie den klar verständlichen Schreibstil der Autorin.


Für mich ist "Mimikry" ein sehr interessanter und außergewöhnlicher Debütroman.






Ann Esswein ist Autorin und Journalistin.Sie veröffentlicht u. a. in Die Zeit,Süddeutsche Zeitung oder taz, in Anthologie-und Literaturmagazinen und produziertHörfunkstücke. 2019 war sie Stipendiatinder Werkstatt für Junge Literatur in Graz,2021 auf der Shortlist des Deutschen Kurzgeschichtenwettbewerbs,Finalistin des 29.open mike und eineinhalb Jahre lang Teilnehmerinan der Romanwerkstatt »Die GroßeTour« am Literaturhaus München. »Mimikry«ist ihr Debütroman.

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