Das Schweigen nach dem Krieg
Die Schwestern von KrakauWohl behütet und im Wohlstand lebten die zwei Schwestern Helene und Lili Wagner in ihrer Heimatstadt Krakau. Auch als 1939 die Deutschen die Stadt erobern, fehlt es der Familie Wagner an nichts. Als Volksdeutsche ...
Wohl behütet und im Wohlstand lebten die zwei Schwestern Helene und Lili Wagner in ihrer Heimatstadt Krakau. Auch als 1939 die Deutschen die Stadt erobern, fehlt es der Familie Wagner an nichts. Als Volksdeutsche genießen sie alle Privilegien und können ihr Leben wie gewöhnt weiterführen.
Trotzdem verließt die rebellische Helena ihre Familie und geht plötzlich nach Paris, um dort ein Fuß in der Modebranche zu fassen. Seitdem verliert sich jede Spur von ihr, die ganze Familie leidet sehr darunter.
Lilo bleibt mit den Eltern und dem Hausmädchen Zofia in Krakau. Trotz aller Vorbehalte ihres Vaters arbeitet Lilo weiterhin in der polnischen Apotheke „Pod Orłem“. Ziemlich schnell begreift sie, welche Rolle die Apotheke und ihr Inhaber Pankiewicz in dem jüdischen Widerstand spielen.
Erst viele Jahre nach dem Krieg erfährt Tatjana, Lilos Enkelin, was damals wirklich in der Familie Wagner geschah. Den Anlass für Tatjanas Recherchen gab ein Anruf von Édith, deren Vater vor kurzem in Paris verstarb. In seinem Nachlass entdeckte Édith die Hinweise auf seine Herkunft und die Verbindung zur Tatjanas Familie.
In ihrem neuesten Roman „Die Schwestern von Krakau“ erzählt Bettina Storks eine bewegende Familiengeschichte, die im Frühjahr 1941 in Krakau beginnt. Sie beschreibt nicht nur das Leben der privilegierten Volksdeutschen während der Kriegszeit. In ihrem Roman nehmen viel Platz die jüdischen Bewohner der Stadt. Stadt ist hier eigentlich zu viel gesagt, denn sie dürften nur in dem für sie eingerichteten Ghetto leben, von der übrigen Bevölkerung abgetrennt. Bettina Storks erzählt über den jüdischen Widerstand, über ihre Kämpfer, die bereit waren für die Freiheit ihr Leben jederzeit zu opfern.
Als Apothekerin in der Apotheke „Pod Orłem“, die sich in der Nähe vom Ghetto befand, wurde Lilo tagtäglich mit dem Verbrechen an Juden konfrontiert.
Aber auch sie und ihre Familie mussten in der schweren Kriegszeit einige Schicksalsschläge hinnehmen. Kein Wunder also, dass Lilo über diese schwere Zeit nie sprechen wollte.
Sehr spannend verlaufen die Recherchen von Tatjana und Edith. Während Tatjana sich an die Spurensuche in Krakau begibt, versucht Edith in Paris die Familiengeheimnisse zu entschlüsseln. Beide Reisen in die Vergangenheit enthüllen nicht nur die verschwiegenen Wahrheiten. Sie bringen die Gräueltaten der Besatzer ans Licht, erzählen über deren Ausmaß und die Auswirkungen auf das Leben der Bevölkerung. Auch auf das Leben nach dem Krieg.
Bettina Storks Roman beruht auf wahren Begebenheiten; viele historische Figuren spielen darin eine wichtige Rolle, die wahren Ereignisse wurden authentisch dargestellt.
„Die Schwestern von Krakau“ ist ein bewegender Roman über Menschenschicksale in einer unmenschlichen Zeit. Ein Buch gegen das Vergessen!
Unbedingt lesen!