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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2025

Zwischen Schein und Sein

Hier draußen
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Mit Hier draußen hat Martina Behm einen Debütroman vorgelegt, der die Vorstellung einer vermeintlichen Dorfromantik mal genauer unter die Lupe nimmt. Und das, soviel darf ich vorwegnehmen, ist ...

Mit Hier draußen hat Martina Behm einen Debütroman vorgelegt, der die Vorstellung einer vermeintlichen Dorfromantik mal genauer unter die Lupe nimmt. Und das, soviel darf ich vorwegnehmen, ist ihr hervorragend gelungen.
Ingo und Lara haben Schwierigkeiten, sich in Fehrdorf einzuleben, während die Dorfgemeinschaft fest in ihren Rollen verankert scheint. Doch als Ingo eine weiße Hirschkuh anfährt, sorgt der Aberglaube um ihren Tod für Unruhe und bringt auch die anderen Dorfbewohner zum Nachdenken über ihr Leben auf dem Land.
Martina Behm nimmt uns mit ins Dorfleben und lässt uns hinter die Fassaden verschiedener Höfe, Landwirte, Familien und Ehepaare blicken. Dabei wird deutlich, dass nicht alles so rosig und idyllisch ist, wie es scheint, und dass so mancher Städter das Landleben wohl stärker romantisiert, als es den Tatsachen entspricht. Starre Strukturen, die Angst zu versagen, Sorgen um die Hof-Nachfolge und die Frage nach der eigenen Identität machen den Bewohner:innen das Leben oft schwerer als nötig.
Mit ihren detailgenauen Beschreibungen und dem eindrucksvollen Wissen über Landwirtschaft und Jagd und mit der Skizzierung der einzelnen Figuren fesselt Martina Behm die Leserinnen und Leser auf knapp 500 Seiten und lässt sie das Dorfleben aus einer ganz neuen Perspektive betrachten. Mit all seinem Für und Wider.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Herzlich, witzig, unerwartet

Das Leben fing im Sommer an
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Als ich gehört habe, dass Christoph Kramer einen Roman geschrieben hat, war ich zunächst einmal überrascht, denn es gehört ja nicht unbedingt zur Tagesordnung, dass (ehemalige) Fußballspieler ...

Als ich gehört habe, dass Christoph Kramer einen Roman geschrieben hat, war ich zunächst einmal überrascht, denn es gehört ja nicht unbedingt zur Tagesordnung, dass (ehemalige) Fußballspieler Romane schreiben. Gerade deshalb war ich sehr gespannt darauf, sein Debüt „Das Leben fing im Sommer an“ zu lesen. Außerdem hat mich die Gestaltung des Covers sofort begeistert. Es versprüht einfach ein positives Lebensgefühl.
In dem Coming-of-Age-Roman geht es um den 15-jährigen Chris, der kurz vor den Sommerferien steht und einen ganz besonderen Sommer vor sich hat, nicht nur wegen der WM im eigenen Land, vielmehr ist dieser Sommer geprägt von großen Gefühlen, ersten Malen, Freundschaft, Zusammenhalt, verrückten Ideen, Enttäuschung, Wut und unerwarteten Überraschungen. Dinge, die mir selbst aus der eigenen Jugend mehr als bekannt vorkommen und die mich oft haben mitfühlen lassen, wenn Chris zum Beispiel sehnsüchtig auf die sms seines Schwarms wartete. Dass die Geschichte autofiktional ist, lässt sich nicht leugnen und hat mich doch an einigen Stellen überrascht. Denn sie zeigt eine Seite des Fußballstars, die nahbar, gefühlsbetont und unerwartet ist. Das macht Christoph Kramer mit seinem Schreibstil und seiner Wortwahl deutlich. Denn er schreibt witzig, herzlich, spannend und präsentiert damit die perfekte Lektüre für alle, die ein bisschen Sommerfeeling und jugendliche Leichtigkeit erfahren wollen. Weil das wirklich gelungen ist, gibt es von mir eine große Leseempfehlung für das Buch.
Im Interview, das dem Buch vorausgeht, stellt sich Christoph Kramer übrigens die Frage, ob das möglicherweise sein einziges Buch bleiben wird. Ich kann nur sagen, ich hoffe nicht.

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Anders und doch gleich

Halbe Leben
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Die Geschichte in "Halbe Leben" von Susanne Gregor wird von hinten aufgerollt. Klara ist tot und bei ihr war nur Paulina. Was ist passiert? Der Frage nähert sich der Roman Stück für Stück an. ...

Die Geschichte in "Halbe Leben" von Susanne Gregor wird von hinten aufgerollt. Klara ist tot und bei ihr war nur Paulina. Was ist passiert? Der Frage nähert sich der Roman Stück für Stück an. Es geht um die Leben zweier Frauen, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Zumindest auf den ersten Blick, denn ihre beiden Leben sind miteinander verbunden, und je tiefer man in die Geschichte eintaucht, desto mehr Ähnlichkeiten sind erkennbar. Pauline ist Pflegefachkraft und arbeitet im Auftrag von Klara. Sie pflegt Klaras Mutter Irene in dem Haus, wo sie alle gemeinsam wohnen: Klara mit ihrem Mann Jakob, ihrer Tochter Ada und eben Irene. Paulina zieht in das Gästezimmer und ist immer zwei Wochen lang zuständig für Irene. Dann wechselt sie sich mit ihrem Kollegen Radek ab. Paulina macht einen guten Job, ist aber ständig hin und hergerissen zwischen ihrem Leben bei Klara in Österreich und ihrem Leben mit ihren zwei Söhnen im Teenageralter, die bei der Großmutter in der Slowakei geblieben sind.
Der Roman behandelt ein klassisches Beispiel von Pflegemigration. Dabei werden die Grenzen und Bedürfnisse der Protagonistinnen besonders in den Vordergrund gerückt. Denn nicht selten werden sie übergangen und ignoriert. Das gilt sowohl für Paulina als auch für Klara. Bei beiden ist es häufig die Arbeit, die dazu führt, nicht genug für sich selbst einzustehen. Nach außen hin scheint Klara zwar die bessere Position zu haben, da sie über mehr Geld verfügt und die unangenehmere Aufgaben an Pauline abgeben kann. Allerdings wird sie von ihrem Chef, ihrem Mann und ihrer Tochter auch gerne als Spielball benutzt und lässt das mit sich machen. Gleiches gilt für Paulina.
Gegenseitige Abhängigkeiten, Machtgefälle und egozentrische Entscheidungen spielen bei all dem eine große Rolle und ließen mich nicht selten fassungslos zurück. Susanne Gregor gelang es dabei gut, das Gleichgewicht zwischen den beiden Frauen zu halten. So wechselte meine Sympathie für beide hin und her und gerne hätte ich sie beide zur Seite genommen und gefragt, warum sie so manche Dinge mit sich machen lassen. Wohl wissend, dass sie sich dessen wahrscheinlich selbst bewusst sind, aber nicht aus ihrer Haut können. Ein starker Roman, der die Zerrissenheit zweier Frauen widerspiegelt und ein dramatisches Ende findet.

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Veröffentlicht am 28.11.2024

Kein Allheilmittel, aber ein guter Anfang

Die Lösung für alle deine Probleme: Gibt’s nicht
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Schon der Titel „Die Lösung für alle deine Probleme - Gibt’s nicht“ ist so schön ehrlich, dass ich dieses Buch von Verena Fiebiger mit Sina Haghiri einfach lesen musste. Grundsätzlich glaube ...

Schon der Titel „Die Lösung für alle deine Probleme - Gibt’s nicht“ ist so schön ehrlich, dass ich dieses Buch von Verena Fiebiger mit Sina Haghiri einfach lesen musste. Grundsätzlich glaube ich, dass es immer gut ist, etwas für seine Psyche und das eigene Wohlbefinden zu tun, allerdings ohne zu viele Erwartungen dabei zu haben. Denn es gibt sicherlich keine Wundermittel, aber durchaus Tipps und Tricks, die helfen können, und solche Tipps und Tricks werden in diesem Sachbuch vermittelt. Dazu ist es unterteilt in zwei größere Abschnitte, der eine heißt Lassen, der andere Machen. Darin geht es folglich darum, was wir lassen beziehungsweise vermeiden sollten und was wir fördern und machen sollten. Beispielhaft werden Themen wie Dauerstress und Perfektionismus besprochen, aber auch Schlafen und Selbstfürsorge. Zu jedem Kapitel gibt es sowohl wissenschaftliche Fakten als auch persönliche Anekdoten aus dem Leben der Autorin, worauf dann verschiedene Impulse und Anregungen folgen, das eigene Wohlbefinden hinsichtlich der entsprechenden Problematik zu verbessern. Nicht alles war neu für mich, aber doch einige Punkte, die mir so noch nicht klar oder bewusst waren und dieses Buch ist besonders schön geeignet, um nachzuschlagen, wenn einen bestimmte „Wehwehchen“ plagen. Ich würde es deshalb als hilfreiches, kleines Nachschlagewerk sehen.
Ziel dieses Buches war laut den Autor:innen, Denkmuster und Verhaltensweisen zu erklären, die unserer psychischen Gesundheit schaden und Bereiche zu zeigen, um die wir uns kümmern dürfen und das haben sie mit diesem Sachbuch gut erfüllt.

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Veröffentlicht am 16.11.2024

Genussvoll und herzerwärmend

Das kleine Café der zweiten Chancen
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Was wenn du Momente aus der eigenen Vergangenheit noch einmal ändern könntest? “Im kleinen Café der zweiten Chancen“ von Shiori Ota geht das. Denn dieses kleine Café im japanischen Sapporo bietet ...

Was wenn du Momente aus der eigenen Vergangenheit noch einmal ändern könntest? “Im kleinen Café der zweiten Chancen“ von Shiori Ota geht das. Denn dieses kleine Café im japanischen Sapporo bietet seinen Gästen genau diese Möglichkeit: Für 4 Minuten und 33 Sekunden – die Zeit, die für eine Tasse Kaffee nötig ist – können sie in die Vergangenheit reisen, um eine Entscheidung zu korrigieren. So rettet ein Gast Leben, findet die Liebe oder trifft eine bessere Wahl. Himari ist die Hauptperson der Geschichte, ein Mädchen, das die Mittelschule besucht und eine sogenannte Zeitwächterin ist, das heißt, sie kann anderen Menschen helfen, die Vergangenheit zu ändern. Ebenso wie die Besitzer des Cafés Hayari und Herr Higure.
Als Leserinnen und Leser begleiten wir Himari, deren eigenes Leben bisher nicht ganz so wie gewünscht verlaufen ist, bis zu dem Punkt, an dem sie Tsukko kennenlernt. Aber auch die Freude über diese Freundschaft ist nicht von allzu langer Dauer.
Insgesamt handelt es sich bei der Geschichte um eine herzerwärmende und magische Erzählung mit außergewöhnlichen Charakteren. Allerdings habe ich das Gefühl, dass dem Buch ein paar Seiten mehr gutgetan hätten, denn so hätten einige Situationen ausführlicher geschildert und die einzelnen Personen noch detaillierter vorgestellt werden können. Das Potenzial dafür wäre vorhanden, so hätte ich z. B. gerne mehr über Herrn Higure und Hayari erfahren und auch wie sich die schwierige Beziehung zwischen Himari und ihrer Mutter weiterentwickelt. Dass noch einiges offen ist, könnte aber auch auf eine Fortsetzung hindeuten. Ich würde sie gerne lesen, denn die magische Geschichte um Himari hat mir gut gefallen und ich habe sogar noch etwas über Kaffee gelernt, denn auch das ist ein zentrales Thema des Buches.
Wer also Kaffee und Fantasy mag, kann „Im kleinen Café der zweiten Chancen“ große Freude haben.

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