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Veröffentlicht am 25.03.2025

Familie und Trauma

Vor hundert Sommern
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Hundert Sommer: das sind vier Generationen Historie. Wie schafft man es, das in fünfhundert Seiten unterzubringen?
Tatsächlich erzählt Katharina Fuchs, wie drei Frauen die Gegenwart (er-)leben - Großmutter ...

Hundert Sommer: das sind vier Generationen Historie. Wie schafft man es, das in fünfhundert Seiten unterzubringen?
Tatsächlich erzählt Katharina Fuchs, wie drei Frauen die Gegenwart (er-)leben - Großmutter Elisabeth, Mutter Anja und die Töchter Lena und Anabel. Elisabeth wird von ihrer Enkelin Lena sanft dazu gedrängt, ihre Erinnerungen an das Schicksal ihrer Mutter und deren Schwester, der Tante Clara, an sie weiterzugeben. Auslöser ist dabei der Verkauf von Mathildes Wohnung; denn während der Haushaltsauflösung finden sich etliche Gegenstände, die Anja und Lena Rätsel aufgeben, Elisabeths Gedächtnis aber auffrischen.
So wechseln sich Abschnitte über das aktuelle Geschehen im Jahr 2024 ab mit Erzählungen aus der Vergangenheit, beginnend mit dem Jahr 1924. Die Gegenüberstellung der Zeiten empfinde ich als durchaus gelungen; Parallelen und Unterschiede in Alltagsleben, Politik und Gesellschaft schildert die Autorin in leichtem Erzählton, so dass sie jeder versteht. Sie bleibt sachlich, schnörkellos und zeichnet ein Generationen übergreifendes Familienbild, das leider den Lebensweg von Großmutter Elisabeth etwas vernachlässigt; denn der Fokus liegt klar auf auf der Lebenszeit (Groß-)Tante Claras und der aktuellen Lebenssituation Anjas und vor allem ihrer Tochter Lena, die sich nirgendwo wirklich akzeptiert fühlt.
Obwohl der Roman den Menschen, „…denen das Gefühl, nicht dazuzugehören, ein ständiger Begleiter ist“, gewidmet ist, wird das schwierige Thema „transgenerationale Traumatisierung" nur angerissen. Das Problem weiterdenken muss der Leser selbst.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Mit Herz und Witz

Ungeheuer schleimig (Band 2)
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Grüner Schleim ist nicht nur eklig, findet Ludwig, sondern vermutlich auch das äußerst sichtbare Anzeichen einer Krankheit. Daher macht er sich große Sorgen um sein lilafarbenes Monster, das Unmengen an ...

Grüner Schleim ist nicht nur eklig, findet Ludwig, sondern vermutlich auch das äußerst sichtbare Anzeichen einer Krankheit. Daher macht er sich große Sorgen um sein lilafarbenes Monster, das Unmengen an Schleim produziert. Wie kann er ihm helfen? Gemeinsam mit seiner kleinen Schwester Carla begibt er sich in Professor Schuhmanns Labor, um ein Medikament für "Prinzessin Knuddelwuff" alias "Lupus brutalicus“zu finden - gar nicht so leicht und obendrein nicht ungefährlich…
In gewohnt lockerem Ton und sprachlich auf ihr junges Lesepublikum ausgerichtet erzählt Kaiblinger die Geschichte von Ludwig, Carla und ihrem lebendigen Mülltonnenfund, den sie heimlich adoptiert haben und nun liebevoll pflegen. Die Autorin spricht stets aktuelle Themen an wie Wissensdurst und Umwelt, Freundschaft und Zusammenhalt, ohne die Probleme nicht so einfach bewältigt werden können. Mit viel Humor und ohne pädagogischen Zeigefinger werden sie als selbstverständliche Werte in den Roman integriert.
Die frechen Illustrationen von Der Anton greifen Kaiblingers Witz auf und setzen ihre Ideen fantasievoll grafisch um. Die comicartigen Bilder unterstreichen den Text der Geschichte und wirken wie das sprichwörtliche i-Tüpfelchen.
Auch Kinder, die eher „Lesemuffel“ sind, werden sich bestimmt von der bunt-saloppen Aufmachung des Buches überzeugen lassen.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Musik und Gefühle

Für Polina
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Hannes ist das ungewöhnliche Kind einer unkonventionellen jungen Mutter. Er zeigt autistische Züge und ist ganz auf das (ruhige) Leben mit Mama Fritzi und dem vertraulichen Zusammensein mit Polina, der ...

Hannes ist das ungewöhnliche Kind einer unkonventionellen jungen Mutter. Er zeigt autistische Züge und ist ganz auf das (ruhige) Leben mit Mama Fritzi und dem vertraulichen Zusammensein mit Polina, der gleichaltrigen Tochter von Fritzis Freundin, eingestellt. Sein ganz besonderes musikalisches Talent und seine Kreativität mag er nicht in der Öffentlichkeit präsentieren. Dass er dennoch als Erwachsener Konzerte gibt, geschieht nicht der Gage wegen, sondern aus Liebe - und Verzweiflung.

Würger wählt für seinen Roman einen ruhigen, sachlichen Stil, passend zum Charakter seines Protagonisten; denn nüchtern und kommentarlos beobachtet Hannes seine Umwelt und reagiert auf sie. Der Autor schreibt einfühlsam, bleibt dabei aber distanziert und wird niemals melodramatisch. Er greift mehrere Themen auf, doch Freundschaft und Liebe stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Um sie und die (Klavier-)Musik dreht sich alles in Hannes´ Leben. Was er nicht in Worten ausdrücken kann, das sagt er mit seiner Musik - und niemand kann ihrer Kraft widerstehen.

„Für Polina“ erweist sich als eindrucksvoller Roman, dessen Protagonist nicht so leicht in Vergessenheit gerät; wirklich lesenswert.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Eindrucksvoll

Wünsche
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Es sind schmerzliche Erfahrungen, die das Kind Mượn Thị Văn während der Flucht aus Vietnam macht. Der Aufbruch in eine ungewisse Zukunft, das Zurücklassen der Heimat und des geliebten Großvaters, die ...

Es sind schmerzliche Erfahrungen, die das Kind Mượn Thị Văn während der Flucht aus Vietnam macht. Der Aufbruch in eine ungewisse Zukunft, das Zurücklassen der Heimat und des geliebten Großvaters, die stets gegenwärtige Lebensgefahr - all das versteht die Autorin auf eindrückliche Weise dem Leser zu vermitteln. In nur wenigen Sätzen kommt die ganze Dramatik einer Flucht zum Ausdruck, wobei das Kind seine eigenen Wünsche auf die Dinge seiner Umgebung überträgt: "Die See wünschte, sie wäre ruhiger." Jeder einzelne Satz ist eingebettet in ganzseitige Illustrationen. Sehr eindrucksvoll, aber farblich zurückhaltend erzählen die Bilder der Illustratorin Victo Ngai von der Flucht, den Gefahren und Emotionen der Menschen, erweitern und interpretieren den Text.
Mit dem Bilderbuch „Wünsche“, geschrieben aus Kindersicht, lässt sich Kindern das Thema Flucht und Flüchtlinge gut verständlich vermitteln.


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Veröffentlicht am 15.08.2024

Frei wie ein Vogel

Wie ein Vogel
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Vögel spielen im Leben der kleinen Gerda und ihrer Familie eine große Rolle. Manche werden in Käfigen gehalten, andere wiederum können frei umherfliegen - auch über die Mauer, die Deutschland während ...

Vögel spielen im Leben der kleinen Gerda und ihrer Familie eine große Rolle. Manche werden in Käfigen gehalten, andere wiederum können frei umherfliegen - auch über die Mauer, die Deutschland während Gerdas Kinderzeit in zwei unterschiedliche Staaten teilt. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte, wie eine Metapher für die Bewohner der beiden deutschen Republiken.
Zu Beginn ihrer Erzählung macht Gerda uns mit ihrer Familie bekannt, in Schwarz-Weiß-Bildern, wie sie lange Zeit noch in der DDR als Fotos üblich waren. Doch der Alltag des kleinen Mädchens besteht nicht nur aus Grau- und Weißtönen, sondern vor allem aus farbigen Erlebnissen und einem liebevollen Miteinander in der Familie.
Aus der Sicht des Kindes beschreibt Raidt ihr Leben in Ostberlin. Politik spielt für sie noch keine Rolle; sie erlebt ihren Kindergarten- und später Schulalltag mit seinen negativen und positiven Aspekten, unangenehmen und schönen Erlebnissen und schließlich den Tag der Maueröffnung. Die zahlreichen, teilweise ganzseitigen Illustrationen verdeutlichen den Text und vermitteln einen guten Einblick in Gerdas Umgebung. Die Aufmachung des Buches erinnert an ein Schulheft oder -Kladde, eine Art kindliche Erinnerungsbuch.
Am Schluss des Büchleins erklärt eine kurze, für Kinder leicht zu verstehende Passage in wenigen Sätzen die Situation der beiden deutschen Staaten; eine passende Gelegenheit für den Vorleser, eigene Erfahrungen hinzuzufügen oder auf Fragen einzugehen.



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