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AndyRiedl

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.04.2025

Thomas Mann als Orientierung in komplexen Zeiten

Heimweh im Paradies
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homas Mann ist einer der großen Literaten, die Deutschland hervorgebracht hat. 1875 geboren, war er schon älter, als er sich durch die Nazis zuerst gezwungen sah, in die Schweiz und von dort aus dann in ...

homas Mann ist einer der großen Literaten, die Deutschland hervorgebracht hat. 1875 geboren, war er schon älter, als er sich durch die Nazis zuerst gezwungen sah, in die Schweiz und von dort aus dann in die USA zu emigrieren. Martin Mittelmeier hat sich mit seinem Roman „Heimweh im Paradies“ mit Manns Jahren in den USA auseinandergesetzt. Wie erging es diesem – auch in den USA – berühmten Schriftsteller? Was hat ihn umgetrieben? Wie hat er sich eingebracht und was waren seine Beweggründe?
Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass die Angelegenheit der Lektüre dieses Buchs eher eine trockene werden würde. Zur Lektüre entscheid ich mich dann erst, als das Buch von einem von mir geschätzten Bookstagramer hoch bewertet wurde. Hat es sich gelohnt dieser Empfehlung zu folgen? Ich hatte mich mit Thomas Mann schon seit längerem nicht mehr beschäftigt und werde dies in Zukunft wieder vermehrt tun. Ich mochte die Buddenbrooks damals und Mann hat ein Gespür für den Zeitgeist, aber auch für zeitlose Entwicklungen. Mittelmeiers Roman hatte in diesem Zusammenhang viele interessante Nuggets auf Lager. Diese passen sogar überaus passend in diese Zeiten, in denen wir uns befinden und mache historische und heutige Entwicklungen begreifbarer. Der Wert des Buchs in diesem Zusammenhang ist unschätzbar. Was nun erleichternd dazu kommt: man muss für die Nuggets nun auch nicht tief graben. Sprachliche präzise, nicht ausschweifend, ist die Lektüre als sachlich aber nicht trocken zu bewerten. Ich habe das Buch auf Reisen gelesen und mir scheint dies ein perfekter Anlass zu sein, weil auch Mann einige Reisen unternimmt. Insgesamt sehr passend und empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 29.03.2025

Atmosphärische und spannende Berliner Räubergeschichte

Skin City
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Johannes Groschupfs Skin City ist kein klassischer Krimi oder Thriller und das ist gut so. Das Buch besticht einerseits dadurch, dass es im Genrevergleich kurz ist. Es wird durch Groschupfs Erzählkünste ...

Johannes Groschupfs Skin City ist kein klassischer Krimi oder Thriller und das ist gut so. Das Buch besticht einerseits dadurch, dass es im Genrevergleich kurz ist. Es wird durch Groschupfs Erzählkünste eine dichte Atmosphäre geschaffen, und eine Geschichte rund um 3 Hauptpersonen gewebt, deren Erzählperspektive Groschupf changierend einnimmt. Das Ganze spielt dabei in Berlin und an sich ist Skin City damit auch eine Ode an die Facetten der Hauptstadt.
Skin City hat mir dabei insgesamt sehr gut gefallen. Einerseits, weil es ein recht unbeschönigtes Bild der Realität zeichnet. Andererseits, weil es in diesem sehr schönen, bildlichen Kontext eine Geschichte erzählt, welche nicht langweilig oder ausgelatscht ist. Einen Haken hat das Buch dabei aber für mich, wenn man Groschupf durchgehen lässt, dass er manch logische Herleitbarkeit der knappen Erzählstruktur opfert (was funktioniert). Groschupfs Geschichte rankt sich um vorurteilsbelastete Personengruppen. Die Auseinandersetzung mit diesen Vorurteilen ist äußerst schwer in der Erzählstruktur, bei mir bleibt subjektiv jedoch hängen, wie schlecht die einzelnen Mitglieder der Gruppen teilweise wegkommen. Hier hätte ich mir einen aufgeklärteren Blick gewünscht. Das Buch habe ich dennoch gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Freudvolle Auszüge einer Jugend

Das Leben fing im Sommer an
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Ich würde ja auch gerne meine Klischees nicht wahrnehmen bzw. den Dingen offen gegenüber stehen. Im Falle von Christoph Kramers Debütroman ist mir das nicht gelungen. Ich hatte das Buch einige Zeit im ...

Ich würde ja auch gerne meine Klischees nicht wahrnehmen bzw. den Dingen offen gegenüber stehen. Im Falle von Christoph Kramers Debütroman ist mir das nicht gelungen. Ich hatte das Buch einige Zeit im Regal liegen, bevor ich es zur Hand nahm, weil ich eine große Enttäuschung erwartete. Ich mag Kramer und ich mag es grundsätzlich, wenn Fußballer etwas über den Rasen hinaus wirken. Das tut Kramer seit langem, indem er nicht mehr nur auf dem Rasen selbst glänzte sondern schon zu seiner aktiven Zeit als Analyst im Fernsehen eine gute Figur abgab. Mir war äußerst suspekt, dass dieser Kerl nun auch noch Bücher schreiben können sollte. Dazu gab er freimütig Christian Hubers „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ als Inspiration an. Das fand ich sehr gelungen und Kramer legte die Latte damit noch höher.
Und so nahm ich dieses Buch mit diesem wunderbaren Cover dann misstrauisch in die Hand und begann sorgenvoll die Lektüre. Und umso mehr ich mich in das Buch hinein las, umso mehr fragte ich mich, wann denn der Einsturz kommen möge. Kramers Hauptfigur, die seinen Namen trägt und einen wundern lässt, wie viel der Geschichte autobiografisch ist. Sehr geschickt, weil diese Verwunderung Humor beweist und den Lesespaß erhöht. Und mit Lesespaß geizt der Roman grundsätzlich nicht. Man baut mit den Charakteren schnell eine Verbindung auf, sie haben alle ihre Macken, sind aber dennoch sympathisch. Sprachlich einfach und klar führt der Roman durch die Geschichte mehrerer Tage von Chris Kramer & Friends und ich erkenne sofort die Parallelen zu meiner Jugendzeit und fühle mich nostalgisch verbunden. Das die Geschichte dabei wenig verkopft ist, freut mich zusätzlich. Und so werde ich das Buch freundlich weiterverleihen und empfehlen und es wird nicht nur mir Freude bereiten.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Gelungene Kohle-Dystopie für die Jugend

Lichterloh - Stadt unter Ruß
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Wenn man in Cleos Welt landet, dann fragt man sich schlagartig, was hier wohl schief läuft. Menschen leiden unter dem Kapitalismus. Energieversorgung, die nur über Kohle funktioniert, ist das gesellschaftlich ...

Wenn man in Cleos Welt landet, dann fragt man sich schlagartig, was hier wohl schief läuft. Menschen leiden unter dem Kapitalismus. Energieversorgung, die nur über Kohle funktioniert, ist das gesellschaftlich prägendste Thema. Und in dieser Welt folgt man einer Jugendlichen, Cleo, deren Hoffnung, die Welt zu verbessern, dem Roman seine Spannungskurve gibt. Der Roman weißt dabei einige wohl gewollte Parallelen zu unserer Gesellschaft auf und lädt das jüngere Zielpublikum hierüber gezielt dazu ein, die ein oder andere echte gesellschaftliche Entwicklung zu hinterfragen bzw. sich vielleicht überhaupt damit zu beschäftigen.
Aber deswegen liest man, besser: ich, ja keine Bücher. Zumindest nicht in erster Instanz. Ich lese Bücher, weil mich schnell ein Erzählstil anspricht und ich eine Identifikationsebene mit den Charakteren finde. Bei Cleo ist es ihre helfende Art und ihr Optimismus, die mich sie schnell ins Herz schließen haben lassen. Cleos Geschichte ist zudem spannend und originell genug erzählt, so dass ich gerne am Ball geblieben bin. Der einzige Wermutstropfen, bei diesem insgesamt sehr guten Buch, ist das aus meiner Sicht etwas zu langsame Erzähltempo. Dies mag aber auch dem Fakt geschuldet sein, dass ich nicht Teil der Kern-Zielgruppe bin. Ich empfehle das Buch in jedem Fall gerne weiter.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Spaß und Spannung in Hollywood

Not your Darling
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Loretta ist eine Power-Frau. Als sie nach Los Angeles kommt, weiß sie das noch nicht. Ihre Geschichte, die von Katherine Blake erzählt wird, ist ein modernes Märchen. Sie muss unterschiedlichste Widrigkeiten ...

Loretta ist eine Power-Frau. Als sie nach Los Angeles kommt, weiß sie das noch nicht. Ihre Geschichte, die von Katherine Blake erzählt wird, ist ein modernes Märchen. Sie muss unterschiedlichste Widrigkeiten überwinden. Nachdem die Handlung nach einer Weile – und das Buch hat am Anfang seine Längen – in Schwung gekommen ist, surft man auf der Spannungskurve mit. Lorette gerät immer wieder in unangenehme und verzwickte Situationen, als sie sich im Machtgefüge von Hollywood versucht zu bewegen. Hinter den glänzenden Fassaden steckt viel Lug und Betrug.
Die klare Erzählweise, die gerade in der zweiten Hälfte die Spannung hoch hält hat mir gut gefallen. Ich habe das Buch als gelungene Unterhaltung und Ablenkung vom Alltag wahrgenommen und bin am Ende im Lesestrudel gelandet, weil ich unbedingt wissen wollte wie es weitergeht. Ich mochte Loretta. Ich mochte auch die antikapitalistischen und anti-patriarchalen Töne im Buch. Die große Gesellschaftskritik ist es nicht. Aber originell und auch ein bisschen böse. Ich empfehle es für das Lesevergnügen am Wochenende gerne weiter.

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