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Veröffentlicht am 19.04.2025

Auch ohne Audienz gelungen

Hans Zimmer
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Nachdem ich im Vorwort gelesen hatte, dass der Autor dieser „Werkbiografischen Betrachtungen“, Andreas Mäckler, gern mit Hans Zimmer persönlich gesprochen hätte, aber keine Audienz bekommen hat, konnte ...

Nachdem ich im Vorwort gelesen hatte, dass der Autor dieser „Werkbiografischen Betrachtungen“, Andreas Mäckler, gern mit Hans Zimmer persönlich gesprochen hätte, aber keine Audienz bekommen hat, konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass das Buch gelingen könnte. Aber ich habe mich gern eines Besseren belehren lassen.
Mäckler hat, wie er schreibt, „zahlreiche Rezensionen für dieses Buch verwendet, großteils in eigene Worte umgewandelt, und Interviewteile szenisch passend mit kurzen emotionalen Handlungen verbunden…“
Ich wusste zwar, dass Hans Zimmer ein bedeutender Musiker ist, aber über seine Werke und sein Leben war mir wenig bekannt. Darum war ich froh, dass mir der Aufbau des Buches auf Anhieb gefiel. Durch die chronologische Gliederung und Mäcklers Erzählart hatte ich keine Probleme, dem Buch zu folgen, sondern bin im Gegenteil erstaunt darüber, wie leicht und interessant sich das Buch lesen lässt.
Sehr sympathisch fand ich, dass Hans Zimmer irgendwann daran gedacht hat, „Filme zu komponieren, in die ich meine Kinder mitnehmen konnte.“ So hat er den „König der Löwen“ für seine damals fünfjährige Tochter gemacht. Gleichzeitig war die Musik aber auch zu einem Requiem für seinen Vater geworden. Ich glaube, das hat mich von allem, was ich über Zimmer gelesen habe, insgesamt am meisten beeindruckt. Dass er dann 1995 seinen ersten Oscar für den „König der Löwen“ bekommen hat, wundert mich nicht, sondern ich freue mich darüber, weil auch ich den Film sehr mag.
Für mich ist dieses Buch keines, das ich vom Anfang bis zum Ende durchlesen kann. Es braucht einfach Zeit, die vielen Informationen zu verarbeiten. Ich werde also auch weiterhin immer wieder ein wenig darin lesen.
Sehr gern empfehle ich das Buch, weil ich wirklich schon viel daraus gelernt habe, weil es interessante Informationen bereithält und sehr unterhaltsam geschrieben ist.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Spiegel der Zeit

Ginsterburg
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Das Buch beginnt nach der Machtergreifung. Es ist unterteilt in drei Abschnitte, deren Überschriften die Jahreszahlen 1935, 1940 und 1945 tragen. Schauplatz ist Ginsterburg, eine fiktive kleine ...

Das Buch beginnt nach der Machtergreifung. Es ist unterteilt in drei Abschnitte, deren Überschriften die Jahreszahlen 1935, 1940 und 1945 tragen. Schauplatz ist Ginsterburg, eine fiktive kleine Stadt irgendwo in Deutschland, die so beschaulich ist, wie es auf dem Cover scheint, wenn man sich die nahenden dunklen Wolken wegdenkt. Doch die Wirklichkeit lässt sich nicht wegdenken und so, wie sich die Wolken nähern, so verändern sich auch die Menschen in Ginsterburg.
Lothar, einer der Hauptprotagonisten, ist 1935 noch ein Kind. Er liebt die Natur, er geht angeln, scheut sich allerdings, einen Fisch zu töten. Er sammelt Schmetterlinge und träumt davon, selbst einmal zu fliegen. Dass er in die Fänge der Hitlerjugend gerät, sieht seine Mutter mit Sorge.
Der Autor Arno Frank lässt nichts aus. Alles, was die Zeit ausmacht, findet man in Ginsterburg. Da lernt man Menschen kennen, die keine Hemmungen haben, wenn es darum geht, auf der Erfolgsleiter nach oben zu klettern. Hier wohnen Menschen, die Angst haben, weil sie jüdischer Abstammung sind, weil es den § 175 gibt, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellt, weil es in der Familie einen Menschen mit Behinderungen gibt…
Das alles macht mich betroffen. Dennoch sind mir die Menschen in der Geschichte persönlich nicht nahe gekommen. Es ist eher so, als würde ich aus weiter Entfernung zusehen. Aber Arno Frank schafft es, ein genaues Bild zu spiegeln von allem, was die Zeit ausgemacht hat: wie die Menschen sich entwickeln oder einige sich total verändern, wie schnell sich manche einfach den Gegebenheiten anpassen und andere versuchen, für sich das Beste herauszupicken und wieder andere am liebsten unsichtbar wären.
Der Schreibstil macht es mir nicht einfach, das Buch zu lesen. Ich muss mich sehr konzentrieren, um folgen zu können. Das mag entweder an der großen Zahl der beteiligten Personen liegen oder an der Länge der Sätze, die manchmal nur drei Wörter haben, aber auch schon mal über eine halbe Seite gehen. Aber es ist ein Buch, das mich nachdenklich werden lässt, weil ich beim Lesen immer wieder abgleite und in der Gegenwart lande.
Ich hätte mir einen Anhang oder ein Nachwort gewünscht, dem ich hätte entnehmen können, welche Personen fiktiv waren und welche wirklich gelebt haben. So hat es beispielsweise einen Piloten namens Lothar Sieber tatsächlich gegeben, aber war er identisch mit dem Lothar aus der Geschichte?
Ich gebe auf jeden Fall meine Empfehlung zum Lesen dieser Geschichte, die deutlich macht, was geschieht, wenn ich den falschen Menschen vertraue oder folge.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Eingelullt vom Ostfriesennebel

Ostfriesennebel
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Für Ann Katrin Klaasen ist es der 19. Fall. Tote gibt es wieder mal mehr als genug, was aber auch nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass Ann Katrin Spezialistin zur Ergreifung von Serienmördern ist.
Doch ...

Für Ann Katrin Klaasen ist es der 19. Fall. Tote gibt es wieder mal mehr als genug, was aber auch nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass Ann Katrin Spezialistin zur Ergreifung von Serienmördern ist.
Doch diesmal scheint einiges anders zu sein. Da gibt es eine Frau, die der festen Überzeugung ist, ihr Mann wäre gar nicht ihr Mann, sondern dessen Zwillingsbruder. Das allein klingt ja schon etwas verrückt. Aber was ist wirklich dran an ihrer Vermutung? Viel wichtiger wird es wohl erstmal sein, sich um die Leiche am Bahngleis zu kümmern…
Ich muss gestehen, dass es bei den Krimis von Klaus-Peter Wolf weniger das geschriebene Wort ist, das mich fasziniert. Vielmehr mag ich es, seine CDs zu hören. Die bespricht er immer selbst, und das macht er einfach toll!
So habe ich mich gern vom „Ostfriesennebel“ einlullen lassen. Ich finde es herrlich, wenn er sich dabei immer wieder „in Kleinigkeiten verliert“ und so unglaublich viele „Nebensächlichkeiten“ erzählt, die aber trotzdem zu seinen Geschichten einfach dazugehören und manchmal auch gar keine Nebensächlichkeiten sind. Es macht wieder mal Spaß!
Da ich immer gern auch an Wolfs Lesungen teilnehme, habe ich den großen Vorteil, nicht nur seinen Stimmen! – ja, es sind tatsächlich unterschiedliche Stimmen, die er seinen Protagonisten gibt und an denen man sie auch auf der CD erkennt – zu lauschen, sondern beim Zuhören habe ich auch immer sein verschmitztes Gesicht vor Augen.
Wenn ich dann zum Beispiel Rupert als Baby- oder besser gesagt als Kindersitter erlebe, dann ist das Spiel schon halb gewonnen! Gern halte ich es aber auch wie manchmal Ann Katrin und lasse mir am Wasser den Wind um die Nase wehen. Wenn Klaus-Peter Wolf davon erzählt, ist es für mich Genuss pur.
Fast hätte ich es vergessen: Spannend ist die Geschichte auch noch. Und das Ende mit Bettina Göschl und ihrem Lied „Sieben Leben hat die Katze“ ist einfach köstlich!

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Nur eine kleine Notlüge

Luzie in den Wolken
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Cover und Buchbeschreibung hatten mich neugierig gemacht. Auf dem Cover schwebt Luzie selbst am Band eines roten Luftballons in den Wolken. Es ist der Luftballon, an dem eine Karte hängt mit ...

Cover und Buchbeschreibung hatten mich neugierig gemacht. Auf dem Cover schwebt Luzie selbst am Band eines roten Luftballons in den Wolken. Es ist der Luftballon, an dem eine Karte hängt mit Luzies Wunsch nach einem neuen Papa.
Gabriel ist Schriftsteller mit einer Schreibblockade. Als er Luzies Luftballon findet, bringt ihn das auf eine wahnwitzige Idee, die allerdings eine Reihe von unerwarteten Ereignissen nach sich zieht.
Erwartet hatte ich eine eher tiefgründige Geschichte, aber es kam anders, als ich es gedacht hätte. Auf jeden Fall hatte sich in Gabriel der Wunsch festgesetzt, Luzie kennenzulernen. Das war der Beginn kleiner Notlügen, die allerdings immer weitere nach sich zogen. Gabriel verstrickte und verhedderte sich immer weiter in seinem Bestreben, Luzie und ihrer Mutter Miriam zu helfen.
So wurde die Geschichte eher witzig als traurig. Trotzdem hat sie mich gut unterhalten und der lockere Schreibstil hat mich oft in eine fröhliche Stimmung gebracht. Sicherlich lag es auch an der herzerfrischenden Luzie, der es schnell gelungen ist, in Gabriel alias Ben einen guten Freund zu finden. Auch an Tavor, Bens Hund, habe ich Freude gehabt. Obwohl er eigentlich immer müde war und im Weg lag, hat er für tolle Kopfbilder gesorgt.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Von Angst und Mut

Alles Safe. Ein Comic-Abenteuer
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Alles SAFE – „Wunderbar witzig und leicht zu lesen“, heißt es in der Buchbeschreibung. Das kann ich bestätigen, würde allerdings noch erweitern und sagen „… leicht und schnell zu lesen“. Ich weiß gar nicht, ...

Alles SAFE – „Wunderbar witzig und leicht zu lesen“, heißt es in der Buchbeschreibung. Das kann ich bestätigen, würde allerdings noch erweitern und sagen „… leicht und schnell zu lesen“. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals mit einem gebundenen Buch schneller fertig war.

Gleich auf der Innenseite des Buchdeckels den Inhalt von Flos Notfallrucksack zu sehen, gefällt mir. Der Junge denkt ja wirklich an alles! Doch für Flo ist es „nur das Nötigste!“ Wenn man sich nur vorstellt, was alles passieren kann während einer Urlaubsreise! Flo könnte ein Lied davon singen, denn auf der Fahrt in den Urlaub sieht er sich gedanklich den größten Gefahren ausgesetzt.

Dann lernt er ausgerechnet Kaya kennen, das wohl mutigste Mädchen der Welt. Flo ist „knallschockverliebt“ (was für ein Wort! 😊). Er lässt sich auf Experimente = Wanderungen ein, an die er ohne Kaya nicht einmal gedacht hätte.

Mir gefällt es gut, die Ängste und die Vorsicht von Flo so übertrieben stark dargestellt zu sehen, ebenso den Mut, das Draufgängerische und manchmal auch den Leichtsinn von Kaya.

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke und daran, wie ähnlich – wenn auch notfallmäßig nicht so gut ausgestattet – ich Flo gewesen bin, dann denke ich auch daran, wie gut es tut zu erkennen, dass selbst ein so mutiges Mädchen wie Kaya auch Ängste haben kann. Und wenn es nötig ist, wird man tatsächlich auch manchmal plötzlich ganz mutig.

Die kurzen Texte von Rüdiger Bertram und dazu die passenden Bilder von Horst Hellmeier sind ein tolles Gespann!

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