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Veröffentlicht am 31.03.2025

Eine Sechzehnjährige und ihre Familie

Fischtage
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Das Buch wird auf dem Einband schlicht als „Roman“ charakterisiert, was es natürlich auch ist. Doch ist es eine Lektüre für Erwachsene oder ein Jugendbuch, worauf das abgebildete Mädchen auf dem Cover ...

Das Buch wird auf dem Einband schlicht als „Roman“ charakterisiert, was es natürlich auch ist. Doch ist es eine Lektüre für Erwachsene oder ein Jugendbuch, worauf das abgebildete Mädchen auf dem Cover hindeuten könnte? Ich muss zugeben, ich kann es nicht einer der beiden Kategorien zuordnen. Auf jeden Fall aber lässt es sich auch gut von bereits älteren LeserInnen wie mir lesen, wenngleich die jugendliche Sprache diese wohl nicht gerade ansprechen dürfte. Es häufen sich doch jede Menge Vokabeln, die dem Englischen entstammen und bei denen es sich um Jugendsprache handeln dürfte, manchmal in die Fäkalsprache abgleitend. Nicht immer erschließt sich mir ihre Bedeutung. Auf jeden Fall passen sie ebenso übrigens wie die knallrote Einbandfarbe gut zu der Protagonistin Ella, die seit langem mit unkontrollierbaren Wutausbrüchen zu kämpfen hat und deswegen sogar in therapeutischer Behandlung ist. Eigentlich auch kein Wunder bei ihrer merkwürdigen Familie, deren Mitglieder allesamt nur nebeneinander her zu leben scheinen, ohne sich für die anderen wirklich zu interessieren. Ella jedenfalls will hieran etwas ändern, als ihr jüngerer Bruder plötzlich verschwindet. Sie begibt sich auf seine Suche, begleitet von einem merkwürdigen sprechenden Plastikfisch. Dabei hat sie so manche Gefahr zu meistern.
Die Schilderung der ungefähr einwöchigen Suche nach dem vermeintlich vermissten Bruder hat mir Spaß gemacht zu lesen. Die eine oder andere Textstelle hat mich zum Schmunzeln gebracht. Die Protagonistin ist trotz ihres wütenden Wesens sympathisch. Psychologischen Tiefgang sollte man allerdings nicht erwarten. Angerissen werden auch weitere eher schwierige Themen wie Seitensprung der Eltern, Drogenhandel, Vergewaltigung, Demenz. Was bei dem Ganzen allerdings der sprechende (DekFisch soll, erschließt sich mir nicht. Ich kann ihn mir nicht einmal optisch vorstellen, ist doch von ihm immer als „Plakette“ die Rede. Am Ende löst sich alles plausibel und eigentlich unspektakulär auf.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Etwas für Filmliebhaber

Von Stufe zu Stufe
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Dieser Roman wird insbesondere Leser mit einem Faible für Filmgeschichte ansprechen. Denn mit viel Liebe zum Detail erzählt er von den Anfängen des österreichischen Spielfilms. Das Ehepaar Kolm, namhafte ...

Dieser Roman wird insbesondere Leser mit einem Faible für Filmgeschichte ansprechen. Denn mit viel Liebe zum Detail erzählt er von den Anfängen des österreichischen Spielfilms. Das Ehepaar Kolm, namhafte Fotografen aus Wien, hat in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts der Ehrgeiz gepackt, über die bis dahin bekannten Kurzfilme mit viel Klamauk einen anspruchsvollen Spielfilm zu drehen. Der steinige Weg zu diesem Ziel wird gut geschildert und immer wieder verknüpft mit den Emanzipierungsversuchen Frau Kolms in der von Männern beherrschten Filmindustrie. Doch das ist nur der eine Strang der Geschichte. Der zweite Strang betrifft einen jungen Wiener Filmwissenschaftler, der gern eine Karriere an der Universität machen würde, zu der ihm noch eine Publikation fehlt. Da spielt ihm der Zufall in die Hände und er gerät über die ukrainische Pflegerin seiner Großmutter auf die Spur der verschollenen ersten Filmrollen der Kolms, die ihn auf eine abenteuerliche Reise in die Ukraine kurz vor Beginn des aktuellen Krieges führt.
Ein interessanter Roman mit einem Einschlag zum Sachbuch und verständlicher Sprache. Amüsant immer wieder der alte Plural von Film – die Films.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Die Auswirkungen medialer Berichterstattung

Der Einfluss der Fasane
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Nicht von Ungefähr wird in den Buchtitel dieses Romans der Hühnervogel Fasan aufgenommen und erscheint er wiederholt im Laufe der Geschichte, in der er auf dem Lande zwischen Berlin und Potsdam lebt, in ...

Nicht von Ungefähr wird in den Buchtitel dieses Romans der Hühnervogel Fasan aufgenommen und erscheint er wiederholt im Laufe der Geschichte, in der er auf dem Lande zwischen Berlin und Potsdam lebt, in Nachbarschaft zur Protagonistin Hella Karl. Dem Fasan wird die Bedeutung zugeschrieben, in allen Lebenssituationen mit Anmut und Stolz zu handeln. Entsprechend dieser Prämisse agiert Hella Karl. Sie ist Feuilletonjournalistin einer großen Berliner Zeitung, die sich nie verbiegt. Nunmehr hat sie einen niederschmetternden Artikel über einen bekannten Theaterintendanten geschrieben, in dem sie seine tyrannische Arbeit und sein sexistisches Verhalten weiblichen Theatermitarbeitern gegenüber an den Pranger stellt. Bald darauf begeht er Selbstmord und Hella sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, ihn in den Tod geschrieben zu haben. Es beginnt eine Hetzjagd gegen sie. Doch trägt Hella wirklich individuelle Schuld? Sie macht sich daran, zu recherchieren und sich zu rehabilitieren. Und tatsächlich könnte die Angelegenheit in einem völlig anderen Licht erscheinen …
Der Roman ist faszinierend und gibt ein lebensnahes Bild von der medialen Berichterstattung wieder. Dass keine der Romanfiguren sympathisch wirkt, ist vermutlich gewollt. Verzichtbar wäre es m.E. gewesen, Einzelheiten aus dem sexuellen Privatleben Hellas preiszugeben.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Mandate einer Strafverteidigerin

Dunkle Momente
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Die Autorin lässt in diesem Roman – dem Genre Krimi ist das Buch m.E. eher nicht zuzuordnen – die fiktive Berliner Strafverteidigerin Eva neun Fälle aus ihrem anwaltlichen Berufsalltag schildern. Es handelt ...

Die Autorin lässt in diesem Roman – dem Genre Krimi ist das Buch m.E. eher nicht zuzuordnen – die fiktive Berliner Strafverteidigerin Eva neun Fälle aus ihrem anwaltlichen Berufsalltag schildern. Es handelt sich z.T. um recht bedeutende Mandate und der Leser wird auch mit grausamen Straftaten, z.B. Kannibalismus und Gruppenvergewaltigung, konfrontiert, so dass er das Lesen auch aushalten können muss. Umso unverständlicher mag es einem juristischen Laien erscheinen, wie sehr die Strafverteidigerin bemüht ist, vor Gericht das beste Ergebnis für ihre Mandanten herauszuholen, also milde Urteile, wenn nicht gar Freisprüche. Doch sie selbst erklärt es immer wieder: Ihr Handeln ist ein Gebot der Rechtsstaatlichkeit. Der Leser wird zum Nachdenken darüber angeregt, ob die Täter tatsächlich Schuld auf sich geladen haben oder sie unschuldig sind, ob das abschließende Gerichtsurteil gerecht oder ungerecht ist. Nur in einem Fall hat Evas Verhalten m.E. die zulässigen (auch in berufsrechtlicher Hinsicht) Grenzen überschritten, nämlich als sie einer befreundeten Mandantin Tipps gibt, wie sie eine von ihr begangene Tötung als das perfekte Verbrechen erscheinen lassen kann. Alle Fälle lesen sich leicht, ohne dass in juristisches Kleinklein eingestiegen wird. Endlich auch einmal ein Roman, in dem die Arbeit der Justiz und die in ihr verwendeten Fachbegriffe korrekt wiedergegeben werden, was wohl dem eigenen Werdegang der Autorin als Strafrechtsprofessorin geschuldet ist. Als auflockernd habe ich empfunden, dass die Protagonistin ihre Fälle oft mit Personen aus ihrem Umfeld bespricht und deren Sichtweise einfließt. Nicht zu vergessen sei, dass die Autorin es schafft, den Leser bis zuletzt durch entsprechende Spannung bei der Stange zu halten. Denn das gesamte Buch durchziehen Andeutungen auf ein Mandat Stefan Heinrich, um das es dann erst im letzten Kapitel geht.
Ich spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Autobiografische Lebensgeschichte

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Es handelt sich um eine Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen der Autorin. Sie erzählt vor allem die Geschichte ihrer mütterlichen Linie, beginnend bei der Urgroßmutter über die Großmutter bis ...

Es handelt sich um eine Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen der Autorin. Sie erzählt vor allem die Geschichte ihrer mütterlichen Linie, beginnend bei der Urgroßmutter über die Großmutter bis zur eigenen Mutter. Interessant zu lesen ist zum einen der jeweilige zeitgeschichtliche Hintergrund, vor dem die Frauen gelebt haben/leben. Das ist bei Urgroßmutter und Großmutter im Wesentlichen die Zeit des Nationalsozialismus. Beide Frauen hatten familiäre bzw. persönliche Berührungen zu Juden, so dass die diesbezüglichen Probleme eine Rolle spielen, außerdem auch Gewalt und Schweigen, wie sie typisch für die früheren Generationen sind. Zum anderen berührt es zu lesen, dass den Frauen ein ganz ähnliches Schicksal zu eigen ist. Sie gebaren ein schon im Babyalter verstorbenes erstes Kind und erst Jahre später ein zweites. Die biologische Vaterschaft wirft dabei Rätsel auf. Das gibt Anlass zu der Frage, ob Schicksal etwas Vorherbestimmtes ist. Die Mutter der Autorin jedenfalls widersetzt sich dem und führt ein unangepasstes Leben. Vor allem aber gibt sie ihrer Tochter lange Zeit keine Antworten auf Fragen zu der familiären Vergangenheit. Manche Themen werden in der Familie einfach nicht berührt, was tatsächlich gar nicht so untypisch ist. Das soll vor den Geistern der Vergangenheit schützen, womit die Verbindung zum Buchtitel hergestellt ist. So interessant die Familiengeschichte auch ist, muss doch gesagt werden, dass für den Leser Vieles offen bleibt und sie sich nicht leicht lesen lässt, da die Autorin immer wieder in Bildern spricht, z.B. auf Schwarze Löcher zu sprechen kommt und sie sich der Sprache in besonderer Form bedient.

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