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Veröffentlicht am 28.04.2025

Spannung UND Tiefgang

Settlers Creek
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Letztes Jahr war „Kerbholz“ (Culturbooks) eine echte Entdeckung für mich, denn der krimiähnliche Roman des neuseeländischen Schriftstellers Carl Nixon war ein tiefgründiger und spannender Pageturner.
Als ...

Letztes Jahr war „Kerbholz“ (Culturbooks) eine echte Entdeckung für mich, denn der krimiähnliche Roman des neuseeländischen Schriftstellers Carl Nixon war ein tiefgründiger und spannender Pageturner.
Als ich dann „Settlers Creek“ in der Vorschau des Unionsverlag entdeckte, wollte ich natürlich auch diesen Roman lesen.
Ich vermute, der Erfolg von „Kerbholz“ veranlasste den Verlag den Roman als Taschenbuch neu aufzulegen, denn im Original erschien „Settlers Creek“ bereits 2010 und auf Deutsch erstmalig 2013 beim Weidleverlag.
Dabei ist das Erscheinungsjahr weitgehend egal, denn die Geschichte, die Nixon erzählt ist klassisch und (leider) zeitlos.

Box Saxton, Mitte 40, ist ein Bär von einem Mann und ein neuseeländischer Cowboy, wie er im Buche steht: er hat das Herz am rechten Fleck und seit er durch den Immobilienmarkt sein eigenes Unternehmen verloren hat, verdient er den Lebensunterhalt selbst auf dem Bau. Er versteht sich als Provider für seine Familie.
Als er die Nachricht bekommt, dass sich sein neunzehnjähriger Sohn an einem Baum erhängt hat, bricht für ihn eine Welt zusammen. Obwohl Mark nicht sein leiblicher Sohn ist, zieht er das Kind seiner Frau, das aus einer losen Beziehung mit einem Māori stammt, seit frühester Kindheit groß.
Carl Nixon nimmt sich viel Zeit, den Schmerz von Box zu beschreiben, die tiefe Trauer und vor allem seine Frage nach dem Warum, die keiner beantworten kann.
Box steht völlig neben sich und muss sich mit der Frage auseinandersetzen, wo sein Sohn beigesetzt werden soll.
Er und seine Frau entscheiden sich für den Friedhof, auf dem bereits der jung verstorbene Bruder von Box beerdigt wurde und in der Bucht liegt, wo seine Familie noch Land besitzt.

Allerdings kommt noch vor der Beerdigung zu einem Konflikt mit Marks leiblichen Vater Tipene, der mit seiner Community angereist ist. Er möchte Mark, den er Maaka nennt, nach Māori-Tradition auf dem Land seiner Ahnen bestatten.

Box ist über die Dreistigkeit des Mannes, der sich nach Marks Geburt einfach aus dem Staub gemacht hat und sich jahrelang nicht um seinen Sohn geschert hat, entsetzt. Brüsk und ohne Diskussion lehnt er dessen Bitte ab.

Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen und es entbrennt ein bitterer Kampf der Männer um die Leiche des Jungen.

Auch dieser Roman von Nixon ist mit hoher Erzählkunst äußerst spannend geschrieben. Im Kampf um das Anrecht auf Marks Körper sind unschwer die lange schwellenden Konflikte zwischen der Nachfahren der indigenen Neuseeländer*innen und der dominierenden westlichen Kultur zu erkennen. Nixon wirft komplexe moralische Fragen auf, die nicht nur kulturelle Identität und kulturelles Erbe betreffen, sondern auch auf individueller Ebene die Definition von Familie und Herkunft.

Im Kern erzählt Nixon die immer gleiche Geschichte von Männlichkeit und Gewalt, die ihr eigenes Recht definiert und schaffen will, und das um jeden Preis.

Und so tritt die unangenehme Frage, ob warum Mark, ein Halb-Māori, sterben wollte, völlig in den Hintergrund, sie wird ausgelöscht durch sinnlose Kämpfe und ein kompromissloses Rechtsverständnis, das eigentlich nichts anderes als ein Besitzanspruch ist.

Nixons Erzähltalent fesselte mich wieder an die Seiten, auch wenn der Roman für mich nicht die Intensität und den Schauer von „Kerbholz“ erreichte.

Aber wenn du einen spannenden Pageturner aus dem neuseeländischen Down Under suchst, der die großen gesellschaftlichen Bruchlinien verhandelt, ist „Settlers Creek“ definitiv ein Lesetipp!

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Ein literarischer Thriller der Spitzenklasse?

Der Gott des Waldes
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„Ein literarischer Thriller der Spitzenklasse“ blurbt The Guardian direkt auf dem Cover. Klar, das ich mir so einen Roman nicht entgehen lassen kann.
Ich hatte bereits „Long Bright River“ von Moore gelesen ...

„Ein literarischer Thriller der Spitzenklasse“ blurbt The Guardian direkt auf dem Cover. Klar, das ich mir so einen Roman nicht entgehen lassen kann.
Ich hatte bereits „Long Bright River“ von Moore gelesen und gemocht, als letztes Jahr beim Bloggerinnentreffen auf der #FBM ihr neuer Roman angekündigt wurde.
Seitdem freue ich mich auf dieses Buch.

Und ich hatte mit dem fast 600 Seiten langen Buch wirklich eine sehr unterhaltsame Lesezeit, auch wenn ich nicht ganz ohne ein paar Kritikpunkte auskomme.

Das Setting gefällt mir natürlich ausgesprochen gut. Der gesamte Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen in einem bergigen und waldigen Naturresservat in den nordamerikanischen Adirondack Mountains.
Dort gibt es ein kleines Camp, in dem Kinder und Jugendliche aus dem nahegelegenen New York ihre Ferien verbringen, wie es in den USA oft üblich ist.
Die Handlung beginnt sofort mit Action, denn eine Jugendliche, Barbara, ist über Nacht aus dem Camp verschwunden, wie ihre Betreuerinnen entsetzt feststellen.
Die Situation wird dadurch verkompliziert, dass Barbara die Tochter der Großgrundbesitzerfamilie Van Laar ist, denen das gesamte Gelände und auch das Camp gehört.

Es ist außerdem das Jahr 1975 und die technischen Möglichkeiten für eine Suche sind begrenzt. Natürlich wird das Gelände weitreichend durchsucht und die Polizei wird eingeschaltet.
Der Ernst der Lage ist allen klar, denn Jahre zuvor ist bereits ein anderes Kind der Van Laars, Barbaras Bruder Bear, aus dem Sommercamp verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Sein mutmaßlicher Entführer und Mörder wurde damals rasch identifiziert, obwohl Bears Leiche nie gefunden wurde.

Moore verwendet in ihrem Roman verschieden Perspektiven und verschiedene Zeitebenen. Zwischen der aktuellen Geschichte springt sie zurück in die Zeit von Bears rätselhaften Verschwinden und sogar noch weiter zurück in die Zeit vor seiner Geburt. Die Geschichte seiner Mutter Alice, die ganz jung in die reiche Famillie Van Laar einheiratet und sehr schnell eine sehr unglückliche Ehe führt, ist beklemmend.

Mit den Zeitsprüngen komme ich sehr gut zurecht, aber die vielen Erzählperspektiven und die vielen involvierten Familien und Personen verwirren mich. Hier wäre meiner Meinung nach, trotz der hohen Seitenzahl, einiges an Einsparpotential gewesen, ohne dass die eigentliche Geschichte darunter leidet.
Auch die vielen angerissenen Konfliktfelder erweisen dem Roman keinen guten Dienst. Statt der vielen Themenfelder wäre ich lieber noch näher an die eigentlichen Kernfiguren, ihre Motive und ihre Gefühlswelt herangekommen.
Denn obwohl Moore die Gedankengänge ihrer Figuren durch die verschiedenen Erzählperspektiven gut nachvollziehbar macht und sie für Spannungsliteratur detailiert anlegt, bleiben sie mir persönlich zu flach.

Vergleiche zwischen Autorinnen sind sicherlich immer unfair, ich möchte aber zeigen, dass es durchaus auch Kriminalliteratur gibt, die meinen hohen Ansprüchen in dieser Hinsicht genügt. Ich finde bespielsweise die Krimis und Thriller von Tana French in ihrer Figurenzeichnung psychologisch weitaus besser ausgearbeitet und auch tatsächlich wesentlich spannender. Gegen diese Finesse der irischen Autorin wirkt die US-amerikanische Moore deutlich oberflächlicher.

Dennoch bilden Moores atmosphärische Schilderungen des Camps im Wald und die vielen gesellschaftlichen Themen wie soziale Ungleichheit, Wohlstandsverwahrlosung und Machtmissbrauch eine gute Mischung. Dass sie, so wie bereits in „Long Bright River“, weibliche Perspektiven und weibliches Erleben in den Mittelpunkt stellt, ist gerade für einen Thriller, immer noch eine besondere Erwähnung wert.

Gerne empfehle ich dir „Der Gott des Waldes“ weiter, auch wenn der Roman meinen zu hohen Erwartungen vielleicht nicht ganz gerecht wurde.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Lesenswert und interessant mit kleineren Abzügen

Dunkle Momente
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Auf diese Neuerscheinung war ich als True Crime Leserin seit ihrer Ankündigung in der Vorschau sehr gespannt. Die Autorin Elisa Hoven ist selbst Richterin und Professorin für Strafrecht und der Verlag ...

Auf diese Neuerscheinung war ich als True Crime Leserin seit ihrer Ankündigung in der Vorschau sehr gespannt. Die Autorin Elisa Hoven ist selbst Richterin und Professorin für Strafrecht und der Verlag bewirbt ihr neues Buch als Spitzentitel und als „tiefgründigen Roman“.

Meine Erwartungen sind also entsprechend hoch, aber sie werden nicht enttäuscht. „Dunkle Momente“ vermag mich zu fesseln und stellt interessante und zeitlose Fragen nach Schuld und Gerechtigkeit.

Hoven erzählt den Roman, der in einzelne Fälle untergliedert ist, aus der Sicht und der Ich-Perspektive der fiktiven Strafverteidigerin Eva Herbergen. Die Fälle aus ihrem Leben erzählt die ältere Juristin rückblickend, sie sind in sich abgeschlossen und hängen doch mit einem thematischen roten Faden miteinander zusammen.
Oft zeigt es sich, dass die Frage nach der Schuld nicht so einfach zu beantworten ist, wie es manchmal den Anschein hat. Unser Gerechtigkeitsempfinden wird dadurch genauso herausgefordert wie die Rechtsprechung und nicht immer tut das einem dem anderen Genüge.
Auch ich habe bei den beschriebenen Fällen über meine persönliche Einordnung nachgedacht.

Elisa Hoven sagt über ihre Inspiration für den Roman in einem Interview mit dem Stern Crime: „Mich faszinieren Wendepunkte im Leben eines Menschen. Dunkle Momente, die alles verändern“.

Manche der Fälle nehmen mich mehr mit als andere. Schwer zu ertragen finde ich die Geschichte einer Gruppenvergewaltigung und die darauffolgenden Strafverfolgung und der Fall mit dem toten Kind. Andere wiederum können mich, genauso wie der Schluss, nicht überraschen, da ich als erfahrene Leserin die Wendungen schon genauso so in Kriminalromanen und True Crime gelesen habe. Auch der Fall des Kannibalen wurde an zahlreichen anderen Stellen schon moralisch und aus der Sicht der Rechtssprechung diskutiert.

Obwohl die Geschichten und die Erzählform in meinen Augen jetzt vielleicht nicht hoch innovativ sind, schreibt Hoven großartig und spannend und mit einem Anschein von Authentizität, womit sich der Roman von klassischer Kiminallektüre unterscheidet.

„So ist das mit der Wahrheit, wir brauchen sie, wir wollen sie kennen, selbst wenn sie uns nichts als Schmerz bereitet.“

Ich fand „Dunkle Momente“ einen sehr gelungenen Roman, der den Blurbs und den vielen begeisterten Stimmen gerecht wird.

In der wie immer hochwertigen Hörbuchproduktion vom Argonverlag leiht Schauspielerin und Sprecherin Nina Kunzendorf der Stimme von Eva Herbergen ihr einzigartiges und perfekt passendes Timbre.

Egal, ob als Hardcover oder Hörbuch, wenn du dich für Verbrechen und Rechtsprechung interessierst und/oder Literatur im Stil von Ferdinand von Schirach magst, ist „Dunkle Momente“ eine starke Empfehlung für dich.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Lesenswert und interessant mit kleineren Abzügen

Dunkle Momente
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Auf diese Neuerscheinung war ich als True Crime Leserin seit ihrer Ankündigung in der Vorschau sehr gespannt. Die Autorin Elisa Hoven ist selbst Richterin und Professorin für Strafrecht und der Verlag ...

Auf diese Neuerscheinung war ich als True Crime Leserin seit ihrer Ankündigung in der Vorschau sehr gespannt. Die Autorin Elisa Hoven ist selbst Richterin und Professorin für Strafrecht und der Verlag bewirbt ihr neues Buch als Spitzentitel und als „tiefgründigen Roman“.

Meine Erwartungen sind also entsprechend hoch, aber sie werden nicht enttäuscht. „Dunkle Momente“ vermag mich zu fesseln und stellt interessante und zeitlose Fragen nach Schuld und Gerechtigkeit.

Hoven erzählt den Roman, der in einzelne Fälle untergliedert ist, aus der Sicht und der Ich-Perspektive der fiktiven Strafverteidigerin Eva Herbergen. Die Fälle aus ihrem Leben erzählt die ältere Juristin rückblickend, sie sind in sich abgeschlossen und hängen doch mit einem thematischen roten Faden miteinander zusammen.
Oft zeigt es sich, dass die Frage nach der Schuld nicht so einfach zu beantworten ist, wie es manchmal den Anschein hat. Unser Gerechtigkeitsempfinden wird dadurch genauso herausgefordert wie die Rechtsprechung und nicht immer tut das einem dem anderen Genüge.
Auch ich habe bei den beschriebenen Fällen über meine persönliche Einordnung nachgedacht.

Elisa Hoven sagt über ihre Inspiration für den Roman in einem Interview mit dem Stern Crime: „Mich faszinieren Wendepunkte im Leben eines Menschen. Dunkle Momente, die alles verändern“.

Manche der Fälle nehmen mich mehr mit als andere. Schwer zu ertragen finde ich die Geschichte einer Gruppenvergewaltigung und die darauffolgenden Strafverfolgung und der Fall mit dem toten Kind. Andere wiederum können mich, genauso wie der Schluss, nicht überraschen, da ich als erfahrene Leserin die Wendungen schon genauso so in Kriminalromanen und True Crime gelesen habe. Auch der Fall des Kannibalen wurde an zahlreichen anderen Stellen schon moralisch und aus der Sicht der Rechtssprechung diskutiert.

Obwohl die Geschichten und die Erzählform in meinen Augen jetzt vielleicht nicht hoch innovativ sind, schreibt Hoven großartig und spannend und mit einem Anschein von Authentizität, womit sich der Roman von klassischer Kiminallektüre unterscheidet.

„So ist das mit der Wahrheit, wir brauchen sie, wir wollen sie kennen, selbst wenn sie uns nichts als Schmerz bereitet.“

Ich fand „Dunkle Momente“ einen sehr gelungenen Roman, der den Blurbs und den vielen begeisterten Stimmen gerecht wird.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Lesenswerter Einblick in die Gedankenwelt und das Leben von Phil Dick

Ich lebe und ihr seid tot
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Wer war Phil Dick?
Philip K. Dick, der oft auch unter Psydonymen veröffentlichte, war ein bekannte US-amerikanischer Science Fiction Autor, der immense viele Romane und Erzählungen veröffentlicht hat.
Du ...

Wer war Phil Dick?
Philip K. Dick, der oft auch unter Psydonymen veröffentlichte, war ein bekannte US-amerikanischer Science Fiction Autor, der immense viele Romane und Erzählungen veröffentlicht hat.
Du bist mit seinem Werk bestimmt auch schon in Berührung gekommen, zumindest wenn du die Filme „Blade Runner“ oder „Total Recall“ kennst, die auf Geschichten von ihm basieren. Auch der Mega Blockbuster „Matrix“ und seine Prequels basiert auf seinen Ideen.
Phil Dick kann als einer der großen Ideengeber für futuristische und philosophische Film-und Fernsehproduktionen gesehen werden.

Wer aber war Phil Dick wirklich? Woher bezog er seine Ideen, wie hat er gelebt und wie sah seine Glaubenswelt aus?

Der französische Journalist und Schriftsteller Emmanuel Carrère, den ich seit seiner Gerichtsreportage „V13 - Die Terroranschläge von Paris“ sehr bewundere, hat über diesen Menschen und sein Umfeld ein Buch geschrieben, das er selbst als Romanbiografie definiert. Ich persönlich finde, das Buch hat mehr einen Sachbuchcharakter, auch wenn Carrère einzelne Passagen aus Dicks Leben und Werken mit fiktionaler Freiheit erzählt.
Das Krasse ist, dass das Buch in Frankreich bereits 1993 erschien und jetzt nach 32 Jahren (!!!) ins Deutsche übersetzt wurde. Das spricht für eine ungebrochen Faszination und einem Interessse an Phil Dick und seinen Fantasiewelten. Aber auch für die Kunst und das Talent von Carrère, denn beim Lesen dieser zeitlosen Biografie macht das Erscheinungsjahr keinen Unterschied.

Carrère erzählt Dicks Leben chronologisch und beginnt mit seinem ersten einschneidenden und prägenden Ereignis nach seiner Geburt. Und das ist der Tod seiner nur wenige Monate alten Zwillingsschwester Jane unter tragischen Umständen. Dick wird Zeit seines Lebens von einer Art Parallelexistenz besessen sein, vom Glauben an eine Art gespiegelten Leben, das in den Erzählungen vom Tod seiner Schwester seinen Anfang nahm.


Dick wächst in Berkeley, damals die rote Hauptstadt der USA und in einem von marxistischem Dialekt geprägten Umfeld, obwohl er als junger Erwachsener als Reaktionär gilt. 1952 veröffentlicht er seine erste Erzählung.

Anfang der 60er entdeckt er die Pforten der Wahrnehmung.
Es ist die Zeit der Bewusstseinserweiterung, die Ära von Huxley, LSD und Meskalin.

„Lovecraft hatte gewarnt: Wenn wir alles wüssten, würden wir vor Entsetzen wahnsinnig werden.“



In den Werken von Phil Dick, der manchmal als Drogen-Autor beschrieben wurde, geht es viel um das Erkennen der „echten“ Wirklichkeit, sie sind demaskierend und desillusionierend und in der Handlungsführung mit komplexen und spannenden Aufbau.

Dick wurde viel von den spirituellen Strömungen seiner Zeit geprägt, so befragte er zeitweise regelmäßig das I Ging, nicht nur für sein eigenes Leben sondern auch für die Weiterführung der Handlung in seinen Romanen.

Oft habe ich mich beim Lesen gefragt, wie wohl die Entwicklungen unserer heutigen Zeit gerade im Bereich Künstliches Bewusstsein und Intelligenz auf Phil Dick gewirkt hätten. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass die Übersetzerin Claudia Hamm in einer Anmerkung von 2025 kurz darauf eingeht.

Sie erwähnt auch, dass in Übereinstimmung mit Carrère einige Kürzungen vorgenommen wurden, was ich sehr begrüße, denn ich kann ich nicht leugnen, dass das immer noch 360 Seiten umfassende Buch für mich einige Längen aufwies und das Lesen einige Zeit in Anspruch nahm.

Dennoch war „Ich lebe und ihr seid tot“ für mich eine sehr bereichernde und informative Lektüre war, die mir gut gefallen hat. Carrère gibt mit Phil Dicks Biografie nicht nur Einblicke in eine spannende Zeit in den USA, als vieles im Umbruch war, sondern auch in eine Gedankenwelt, die sowohl visionär als auch verwirrt war.

Oder um es mit Phil Dicks Worten zu sagen:
„Es ist manchmal eine angemessene Reaktion auf die Realität, verrückt zu werden.“

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