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Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein mutmachender Young Adult, über das Auf und Ab des Lebens...

Das Jahr, in dem sich Kurt Cobain das Leben nahm
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Maggie lebt mit ihrer Mutter, ihrer jüngeren Schwester, ihrer Großmutter und ihrem Onkel Kevin in Chicago. Als sich Maggies Mutter in den Iren Colm verliebt, ist es mal wieder so weit. Maggies Mutter nimmt ...

Maggie lebt mit ihrer Mutter, ihrer jüngeren Schwester, ihrer Großmutter und ihrem Onkel Kevin in Chicago. Als sich Maggies Mutter in den Iren Colm verliebt, ist es mal wieder so weit. Maggies Mutter nimmt den Heiratsantrag von Colm an und zieht mit ihren beiden Töchtern in Colms Heimat. Maggie ist traurig, denn zum einen weiß sie genau, dass die Ehe ihrer wankelmütigen Mutter sowieso nicht lange dauern wird und zum anderen fehlt ihr Onkel Kevin, ein drogenabhängiger Rockmusiker, sehr in Irland. Maggie interessiert sich nämlich, genau wie Kevin auch, der knapp zehn Jahre älter ist als sie, sehr für Rockmusik und so wird sie nie den Tag vergessen, als Kevin sie mitnahm zu einem Pearl Jam Konzert, das sie völlig begeisterte. Selbst ein Care- Paket aus Chicago, kann sie nicht wirklich über den Verlust ihres Onkels hinwegtrösten, dessen Verrücktheit und Exzentrik, sein Hang zur Musik, Poesie und guten Büchern, ihr fehlt.

Als er eines Tages mit ihr telefoniert, erzählt er ihr von einem „Nirvana“ Konzert, das bald im Rom stattfinden wird und das sie seiner Meinung nach unbedingt besuchen soll. Maggie wundert sich über seine Eindringlichkeit, denn solch einen Trip und Irland bis nach Italien würde ihr ihre Mutter niemals erlauben.

Überhaupt ist es in Irland völlig anders. Die Menschen im Ort haben strenge moralische Grundsätze, was auch für die Oberen ihrer neuen Schule gilt. Dort fühlt sich Maggie wie eine Außenseiterin, selbst wenn sie sich kurzfristig mit Aine, einem Mädchen aus ihrer Klasse anfreundet und damit beginnt zum ersten Mal Jungs zu daten.
Doch einer von ihnen, der Sohn des Gaststättenbesitzers im Ort, Eoin, interessiert Maggie sehr, nachdem er ihr eines Nachts zur Hilfe kommt. Erwidert er aber Maggies Gefühle?

Aufmerksam wurde ich durch Jessie Ann Foleys Young Adult durch den Titel und das Cover, dass an das „Nirvana“ LP Plattencover des Titels „Nevermind“, erinnert. Ich lese sehr gerne Romane, die in den 80er, 90er Jahren oder früher spielen und wie hier, allerdings im weitesten Sinne mit Musik zu tun haben.

So wie einst „Nirvanas“ Frontmann Kurt Cobain, ist auch der Onkel der Romanheldin ein Musiker, der Maggie stets eine Zuflucht und Ablenkung von ihrer verkorksten Familie bietet. Selbst wenn er drogenabhängig ist, was Maggie jedoch lange Zeit nicht ahnt.

Im ersten Teil des Romans lernt man Maggies Welt kennen; eine Welt, in der sich die junge Heranwachsende oft allein und unverstanden von ihrer übrigen Familie und ihrer Mutter fühlt und in der die besondere Beziehung zu ihrem Onkel, der Maggies Idol ist, in den Fokus gestellt wird. Maggies Leben ist geprägt von wenigen Glücksmomenten, da sie sehr unter der sexuellen Sprunghaftigkeit ihrer Mutter leidet. Einen weiteren Ruhepol, stellt für das Mädchen die Oma dar, allerdings ist diese weit weg, als Maggie mit ihrer jüngeren Schwester, Mutter und deren Verlobten nach Irland auswandert.
In Irland fühlt sich Maggie als Außenseiter und es fällt ihr im Gegensatz zu ihrer Schwester sehr schwer, neue Freunde zu finden. Eine Art Großvaterersatz findet sie in dem 99jährigen Dorfältesten, der ihr zuhört und kluge Ratschläge gibt.

Da Maggies Welt nicht gerade eine fröhliche Welt ist, die ermuntert das Schöne darin zu sehen und selbst an kleinsten Glücksmomenten festzuhalten, überrascht Maggies Überlebenswille den sie an den Tag legt, auch wenn ihr das Schicksal immer wieder Steine in den Weg legt. Besonders als sie sich auf die Reise gen Rom macht, hat mir die Romanheldin wahnsinnig imponiert und ich war besonders berührt von den stillen Momenten in diesem Roman; etwa wenn Buchzitate so treffend eingesetzt werden, dass sie direkt unter die Haut gehen oder aber, wenn die Autorin den Leser kurz hinter die Fassade von Maggies Familie blicken lässt, wo nicht alles schwarz oder weiß ist.

Allerdings sind die Romanpasagen, in denen man mehr über die wahre Gefühlswelt von Maggies Familie erfährt, leider etwas zu dünn gesät, da dieser Roman nicht gerade sehr dialogreich ist, was ich ein wenig schade fand. Lediglich über Maggies zerrissene Gefühlswelt erfährt man etwas; mir war es jedoch etwas zu wenig, um restlos abtauchen zu können ins Buch. Vielleicht wäre es geschickter gewesen den Roman aus der „Ich-Perspektive“ zu schreiben, damit einem die Romanfigur und deren Gedanken- und Gefühlswelt noch näher kommt.

Ein Lichtblick bietet dann im zweiten Teil Eoin. Auch er hat in Bezug auf familiäre Probleme „sein Päckchen“ zu tragen und seine Story hat mich berührt. Die bittersüße Liebesgeschichte zwischen ihm und Maggie hat mich ebenfalls verzaubert und ein gewisser Brief an anderer Stelle des Romans (mehr darf ich nicht verraten um nicht zu spoilern) hat mir dann sogar einige Tränen entlockt.

„Das Jahr in dem sich Kurt Cobain das Leben nahm“, mag zwar ein Young Adult sein, an dem ich kleine Dinge zu kritisieren habe, wie auch, dass die Autorin den Zeitgeist der 90er Jahre leider nur durch die Aufzählung von diversen Musikstücken der Zeit heraufbeschwört, was ich eindeutig als nicht ausreichend empfand. Doch abgesehen davon ist es aber ein Roman der Mut macht, mit Lebensweisheiten aufwartet und der mich, trotz seiner melancholischen Grundstimmung, gut unterhalten hat. Übrigens kann man sich die Songs aus dem Buch anschließend gesammelt im Web anhören. Eine Verlinkung zur Webseite, befindet sich hinten im Buch.

Kurz gefasst: Ein mutmachender Young Adult, über das Auf und Ab des Lebens und ein Mädchen das trotz aller Widrigkeiten und Nackenschläge bereit ist für sein Glück zu kämpfen.

Veröffentlicht am 14.03.2025

Leichte, unterhaltsame Frauen- und Urlaubslektüre für grenzenlose Romantiker!

Verliebt und zugenäht!
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Emma ist eine sehr romantisch veranlagte Träumerin und natürlich auch ein Fan von Hollywood-Romanzen, die die große Liebe in ihrem Leben aber dagegen noch nicht gefunden hat. Auch beruflich steckt sie ...

Emma ist eine sehr romantisch veranlagte Träumerin und natürlich auch ein Fan von Hollywood-Romanzen, die die große Liebe in ihrem Leben aber dagegen noch nicht gefunden hat. Auch beruflich steckt sie in einer Schaffenskrise; zwar arbeitet sie bereits in der richtigen Branche, als Schneiderin, doch durfte sie in ihrem Job ihre Kreativität bislang nicht ausleben. Hauptgrund ist Emmas strenge und ungerechte Chefin, die ihre Mitarbeiter gerne mal mobbt. Besonders Emma ist ihr ein Dorn im Auge, denn Emma ist zwar eine gründliche Arbeitskraft, doch fehlt es ihr an der nötigen Schnelligkeit. Dennoch Emmas Kreationen; nachgearbeitete Damenkleider aus berühmten Filmen, sind originalgetreu geschneidert und zieren Emmas Kleiderschrank.

Eines Tages bahnt sich jedoch ein unerwartetes Abenteuer an. Emma muss ein Kleidungsstück in die Bavaria Filmstudios bringen. Dort, am Set einer Daily Soap, sieht sie den Regisseur Jo und ist sogleich davon überzeugt, das er ihre große Liebe ist. Doch wie kann sie sich nur bemerkbar machen?
Auch Tage später stellt Jo immer noch den Mittelpunkt von Emmas Tagträumen dar. Als Emma durch eine glückliche Fügung zwei Eintrittskarten für den Bavaria Filmball geschenkt bekommt, und Jo dort wieder trifft, scheinen ihre Träume langsam Gestalt anzunehmen…

Meine Einschätzung:

„Verliebt und zugenäht“ ist ein typischer Frauenroman, der die Geschichte der romantischen Emma erzählt, die auf der Suche nach ihrem Mr. Right ist. Da mich die Story einer Schneiderin, die zufällig in die Glitzer- und Scheinwelt des Films gerät und dort auf ihre vermeintlich große Liebe trifft, interessierte, war meine Erwartungshaltung dementsprechend hoch. Und obwohl die Autorin durchaus einen eingängigen Schreibstil besitzt, dem eine gewisse unterhaltsame Leichtigkeit anhaftet, konnte mich die Geschichte um Emma nicht in dem Maße begeistern, wie ich es mir zuvor erhofft hatte.
Das liegt zum einen daran, dass Emmas Hang zu romantischen Hollywoodfilmen (der eine große Rolle in diesem Buch spielt und auch mit vielen Filmzitaten untermalt wird) , mir eine Spur zu dick aufgetragen wirkte und zum anderen, dass auch Emmas Denkweise eher an eine Frau erinnert, die erheblich jünger ist.

Wäre „Verliebt und zugenäht“ ein Young Adult Roman, hätte ich sicherlich weniger Probleme damit gehabt, mich mit der Heldin dieses Buches gedanklich zu arrangieren.
Mich hat Emma stark an eine Jane Austen Heldin erinnert; genauer gesagt an die gefühlsbetonte Marianne Dashwood aus „Sinn und Sinnlichkeit“. Sowohl Marianne als auch Emma haftet eine gewisse Naivität an, mit der ich in Emmas Fall leider nicht so gut umgehen konnte. Aber zumindest dieser Einwand, Emmas Charakterisierung entsprechend, ist reine Geschmackssache, die sicherlich jeder anders empfindet.

Dennoch ist Emmas Suche nach dem richtigen Mann in ihrem Leben durchaus interessant beschrieben, wenn man sich nicht so sehr daran reibt, dass die Heldin dieses Romans eine Spur zu romantisch verklärt gestrickt ist. Als leichte Urlaubslektüre ist dieses Buch definitiv geeignet.

Fazit: Leichte, unterhaltsame Frauen- und Urlaubslektüre für grenzenlose Romantiker!

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Für Leser der Zielgruppe des „New Adult“ Genres zu empfehlen. Netter, überdrehter und humorvoller chic-lit

Da haben wir den Glückssalat
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Pia Keller, Tochter reicher Eltern kennt bislang nur die Sonnenseiten des Lebens. Nach ihrem Studium will sie nun New York unsicher machen, zusammen mit ihren Freundinnen mit denen sie in eine WG in Brooklyn ...

Pia Keller, Tochter reicher Eltern kennt bislang nur die Sonnenseiten des Lebens. Nach ihrem Studium will sie nun New York unsicher machen, zusammen mit ihren Freundinnen mit denen sie in eine WG in Brooklyn zieht. Dank der Kreditkarte ihrer Eltern und ihrem Job in einer PR Agentur, sieht es zunächst so aus, als ob Pia ihr gewohntes Leben auch weiterhin führen kann. Doch nach einer durchzechten Partynacht, in der Pia halbnackt und betrunken auf dem Tisch tanzte und dabei fotografiert wurde, herrscht schneller Katerstimmung bei ihr, als erwartet. Pias Chef kündigt ihr fristlos, nachdem die Partyphotos auf Facebook bereits die Runde machten und auch ihre Eltern greifen rigoros durch. Sie sperren Pia sämtliche Karten und gewähren ihr lediglich eine Gnadenfrist von zwei Monaten, in denen sie ihr Leben in den Griff bekommen soll. Ansonsten muss sie zurückkehren in die Schweiz und ihr aufregendes Leben auf der Überholspur aufgeben.

So versucht Pia zunächst verzweifelt einen passenden neuen Job zu finden, doch das ist gar nicht so einfach. Selbst als Kellnerin ist ihr kein Glück beschienen. Nachdem sie sich mit unfreundlichen Kunden ein Streitgespräch lieferte, verliert sie erneut ihre Arbeit. Doch Pia hat plötzlich eine zündende Idee! Sie will fettarme und fettfreie Mahlzeiten für ernährungsbewusste Frauen zubereiten und diese in einem mobilen Wagen verkaufen. Dafür braucht sie allerdings Startkapital und so leiht sie sich leichtsinnigerweise Geld bei einem zwielichtigen Kredithai mit dem nicht zu spaßen ist.

Auch in der Liebe sieht es nicht allzu rosig für Pia aus. Zwar interessiert sich Mike, der Bruder einer ihrer Freundinnen nach einem One Night Stand auf der Party für sie, doch möchte sie eigentlich keine feste Beziehung mehr eingehen, nachdem sie einst von ihrer ersten großen Liebe Eddie nach zwei Jahren Beziehung abserviert wurde. Doch dann begegnet Pia; als sie in New York in ein Taxi steigen möchte, Aidan…

Meine Einschätzung:

„Da haben wir den Glückssalat“ war bereits mein zweiter Versuch mit dem trendigen „New Adult“ Genre warm zu werden. In diesem Genre stehen die Protagonisten an der Schwelle zum Erwachsenwerden (Altersklassifizierung ca. 18-25 Jahre) und man wird als Leser Zeuge ihrer Bemühungen im Job und in der Liebe Fuß zu fassen, bzw. dem richtigen Platz im Leben zu finden. Normalerweise liegt dieses Genre mittlerweile jenseits meiner Lesevorlieben, doch da ich seit Gemma Burgess’s hervorragenden Chic-lit „Der letzte Single fängt den Mann“ ein Fan der Autorin bin, wollte ich mir auch ihren aktuellen Roman der den ersten Teil einer neuen Serie um die Brooklyn Girls markiert, nicht entgehen lassen.

Pia und ihre Freundinnen sind ein Haufen abenteuerlustiger, quirliger Mädels, die party und shoppingwütig durchs Leben ziehen. Doch im Gegensatz zu Pia haben sie alle einen Job und sind nicht ganz so verwöhnt wie die Hauptakteurin. Pias Drama-Queen Qualitäten machen es dem Leser dann auch zunächst recht schwer, sie ins Leserherz schließen zu können und ihre chaotische und naive „Bridget Jones“ Mentalität, verlangt dem Leser zusätzlich einiges ab.
Hat man sich jedoch erstmal mit Pias Macken vertraut gemacht, steht einem rasanten Lesevergnügen; wenn man altersmäßig zur Zielgruppe des New Adult Genres gehört, nichts mehr im Wege.

Die Autorin hat einen sehr lebhaften Schreibstil. So wirken die Dialoge der Freundinnen sehr authentisch und auch der Humor von Gemma Burgess kommt nicht zu kurz, denn sie sorgt für einige spritzige und witzige Situationen in dieser Geschichte, die zum schmunzeln verleiten. Selbst wenn Pia nicht unbedingt zu meinen Lieblingsromanheldinnen gehören mag, konnte ich ihre schlechten Seiten ab der Mitte des Romans irgendwann besser akzeptieren, da Pia ab diesem Zeitpunkt endlich an Reife gewinnt. Pias Freundinnen wurden dagegen etwas sympathischer charakterisiert und verleihen dem Buch zusätzliche Pluspunkte.
Was mir dagegen nicht so gut gefallen hat, war die laxe Einstellung der Romanfiguren zum Thema Alkohol/Drogen. Die Liebesgeschichte steht eigentlich weniger im Fokus, denn im Wesentlichen geht es in dem Roman um die persönliche Weiterentwicklung der Protagonistin.

Eine fast uneingeschränkte Leseempfehlung (bis auf die Alkoholsache) möchte ich für die Zielgruppe des „New Adult“ Genres aussprechen, denn Pias Werdegang hat durchaus Unterhaltungswert und wird jüngere Leser sicherlich begeistern. Etwas ältere Leser jenseits der Zwanziger könnten dagegen schon ein wenig Probleme mit der sehr überdrehten Romanheldin und ihren teilweise recht pubertären Anwandlungen haben; so erging es mir zumindest, was am Ende für eine etwas verhaltene Bewertung meinerseits führte. Diesen Lesern empfehle ich lieber zu einem anderen Buch der Autorin zu greifen.


Fazit: Für Leser der Zielgruppe des „New Adult“ Genres zu empfehlen. Netter, überdrehter und humorvoller chic-lit.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Eine sehr zähe Angelegenheit!

Ein unsittliches Angebot
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Nach dem plötzlichen und unerwarteten tödlichen Reitunfall ihres Mannes, sieht sich seine Witwe in einer sehr ungünstigen Position. Da sie keinen Sohn aus ihrer gemeinsamen Ehe vorweisen kann, fällt der ...

Nach dem plötzlichen und unerwarteten tödlichen Reitunfall ihres Mannes, sieht sich seine Witwe in einer sehr ungünstigen Position. Da sie keinen Sohn aus ihrer gemeinsamen Ehe vorweisen kann, fällt der Besitz Seaton Park womöglich bald an den Bruder des Verstorbenen. Dieser jedoch hat sich bereits in Jugendzeiten einen schlechten Ruf im Ort erworben in dem er weibliche Bedienstete missbrauchte und schwängerte. Zudem gilt er als hartherziger Mann, dem nur sein eigenes Wohl am Herzen liegt. Martha, die Witwe fürchtet daher, dass auch ihr mit dem Pfarrer des Ortes geplantes Schulprojekt kurzfristig aufgehalten wird und die Dörfler in Zukunft in Elend leben müssen. Da Martha eine sehr gottesfürchtige und mildtätige Ader besitzt, greift sie deswegen zu einem verzweifelten Plan um Seaton Park doch noch halten zu können.

Sie bittet den attraktiven Theo Mirkwood, der von seinem Vater aufs Land verbannt wurde um sich dort endlich einen etwas anständigeren Lebensstil anzugewöhnen, darum, sie zu schwängern. Im Ausgleich für seine Bemühungen will sie ihm eine stolze Summe aushändigen, die ihm für eine Weile finanzielle Unabhängigkeit zusichern wird. Theo ist einverstanden und bemüht sich nach Kräften, der Witwe zu Willen zu sein. Doch einen Haken gibt es an der Sache. Martha will lediglich seinen Körpersaft, was sie ihm zuvor unmissverständlich klar macht und gibt sich Theo gegenüber beim eigentlichen Akt sehr zugeknöpft und schroff, so dass Theo schließlich befürchten muss, dass es mit seinen hoch- gelobten Liebeskünsten nicht viel auf sich haben kann. Wird es ihm dennoch gelingen Martha zu schwängern und können die beiden auch außerhalb des Bettes eine innige Freundschaft aufbauen, oder sind sie einfach zu verschieden?

Meine Einschätzung:

Cecilia Grants Roman hat in den USA bei Erscheinen des englischsprachigen Originals für viel Furore gesorgt. Die Kritiker und Rezensenten überschlugen sich mit Lobpreisungen über das Buch, die Geschichte und den Schreibstil der Autorin. Somit war ich auch sehr gespannt auf den Debütroman von Cecilia Grant.
Zumindest in Sachen zeitgemäße Ausdrucksweise und gehobener Schreibstil kann der Autorin wirklich kaum eine andere Schriftstellerin im historischen Romance - Bereich das Wasser reichen. Man spürt sehr schnell dass Cecilia Grant eine Gabe dafür hat, sich gut auszudrücken und ihren Protagonisten geschliffene Dialoge auf den Leib zu schreiben, die auch aus einem Regencyroman stammen könnten der von Georgette Heyer höchstpersönlich geschrieben wurde.

So weit so gut, doch warum habe ich „Ein unsittliches Angebot“ letztendlich nicht besser bewertet? So wunderbar ich die Ausdrucksweise der Autorin auch fand; die Geschichte die sie hier um ihr Heldenpaar spinnt, fühlte sich für mich unglaublich konstruiert an. Mal ehrlich welche Frau würde sich von einem fremden Mann schwängern lassen, nur um andere Menschen, die ihr eigentlich fremd sind zu schützen? Und das auch noch vor dem Hintergrund, dass Martha eine fürchterlich steife, reservierte, spießige und langweilige Frau ist, die sehr selbstgerecht auftritt. Ihre Art andere Menschen missionieren zu wollen; auch wenn sie es dennoch gut meint, hat mich sehr befremdet. Aber das größte Ärgernis war für mich die Art und Weise, wie sie den Helden behandelt und vor allem wie sie sich beim Beischlaf gibt und wie abfällig ihre Gedankengänge dabei sind.
Zugegeben, sie hat zuvor eine recht lieblose Ehe geführt und verachtet unseren Tunichtgut von Helden; man kann da keine große Gefühlsexplosion bei ihr erwarten zumal sie sehr nüchtern und unromantisch gestrickt ist, doch die Dosis an Unromantik, die die Autorin ihren Lesern mit dieser Heldin hier zumutet, war in meinen Augen des Guten oder eher des Schlechten zuviel. Die Liebesszenen verkommen zu einem rein mechanischen, beinah klinisch beschriebenen Akt, an dem zum Ende hin lediglich „die Besamung“ steht, ohne dass Gefühle involviert wären. (Erst viel, viel später öffnet sich die Heldin dem Helden gegenüber auch mental- für meinen Geschmack viel zu spät).

Auch Theo, und nicht wie fälschlicherweise im Klappentext angegeben Christopher, (es gibt keinen Christopher in diesem Roman!) konnte mich nicht wirklich berühren. Seine Flapsigkeit und seine immer gute Laune strapazierten meine Nerven schon hier und dort etwas und dass er dennoch trotz der Beleidigungen und Entwürdigungen durch Martha, ausharrte um ihr stets zur Verfügung stehen zu können, hat mich auch nicht wirklich begeistern können. Man nimmt ihm seinen Lebemanncharakter zu keinem Zeitpunkt ab. Er wirkt eher wie ein Milchbübchen, den als ein gestandener Mann.
Statt einer schönen Liebesgeschichte bekommt man hier stattdessen ein trockenes, sehr langatmiges Sittengemälde geboten, das sich in dörflicher Idylle abspielt und zumindest bis 100 Seiten vor Ende des Romans recht gefühlsarm gestrickt wurde. Ab diesem Moment jedoch versucht die Autorin dann auf Biegen und Brechen ihren Liebesszenen erotische Momente zu verleihen und ehrlich gesagt, kam diese Kehrtwendung für mich viel zu spät.

Die Seiten dazwischen füllte die Autorin mit mir endlos erscheinenden Dialogen der Protagonisten über die Vorteile der Landwirtschaft, Äcker und Landnutzung und die Planung einer Käserei. Der Zweck des Ganzen: Unser zuvor unnützer Held soll durch die tugendhafte Heldin umgekrempelt werden und entdeckt durch sie dann schließlich, wie viel Verantwortung er für die Dorfbewohner und seine Pächter trägt.

Fazit: Für Fans von Mary Balogh, Julia Ross oder Georgette Heyer; allerdings sollte man sich hier im Klaren darüber sein, dass man im Gegensatz zu Baloghs, Ross oder Heyers Romanen hier auf Romantik und Zärtlichkeit verzichten muss. Dazu machen es dem Leser die sehr schwierige Heldin und eine eintönige Handlung sehr schwer genügend Durchhaltevermögen an den Tag zu legen. Eine sehr zähe Angelegenheit!

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Trotz meiner Kritikpunkte werden Fans humoriger, moderner Historical Romance a la Sands oder London hier sicher auf ihre Kosten kommen

Wie es dem Glück beliebt
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Nach dem tragischen Unfalltod von Mutter und Zwillingsschwester begab sich Lady Sophie zusammen mit ihrem Vater auf Reisen nach Übersee, wo die abenteuerlustige junge Frau schließlich viele Abenteuer erlebte. ...

Nach dem tragischen Unfalltod von Mutter und Zwillingsschwester begab sich Lady Sophie zusammen mit ihrem Vater auf Reisen nach Übersee, wo die abenteuerlustige junge Frau schließlich viele Abenteuer erlebte.
Mittlerweile erwachsen, spricht sie mehrere Sprachen, ist geübt im Boxkampf oder Messerwerfen und hat sogar schon einem entlaufenen Tiger unerschrocken ins Auge geblickt. Nun befindet sie sich auf der Heimreise nach London, wo sie von einem angeblichen Vertrauten des Prinzregenten als Spionin angeworben wird. Er macht ihr ein Angebot das sie nicht ablehnen kann. So erzählt er Sophie, dass ihr Cousin Lord Loudor, der während der Abwesenheit ihres Vaters dessen Ländereien und Besitze verwaltete, sich kurz vor dem bankrott befindet und Sophie im Begriff steht, alles, auch den Besitz zu verlieren, wenn sie nicht für Prinny arbeitet und Lord Loudor ausspioniert. So soll er in Spionagetätigkeiten für Frankreich verwickelt sein und lediglich Sophie könnte es gelingen, Lord Loudors Korrespondenz in dessen Arbeitszimmer durchzuschauen, da sie sich während ihres Englandaufenthaltes in seinem (eigentlich das ihres Vaters) Stadthaus einquartiert hat.

Für ihre Tätigkeit soll Sophie eine stolze Summe erhalten, doch diese würde bei weitem nicht ausreichen, den Besitz ihres Vaters zu erhalten, da ihr Cousin Lord Loudor zudem eine hinterhältige Intrige gesponnen hat und Sophies Vater für unzurechnungsfähig erklären lassen möchte. Auch für Sophie hat er eine Stolperfalle ersonnen. So kann sie nur erben, wenn sie bis zum 25. Lebensjahr geheiratet hat. Eile tut Not, doch wen soll Sophie nur heiraten und wer würde sich auf eine Scheinehe auf Zeit einlassen, denn sie will unter allen Umständen zu ihrem Vater zurückkehren und sich niemals auch gefühlsmäßig an einen Mann binden.

Ein potentieller Heiratskandidat, den Sophie jedoch unter keinen Umständen auf ihre Liste setzen möchte, ist Alex, der Duke of Rockeforte. Eigentlich hatte dieser lediglich den Auftrag über Sophie an Lord Loudor heranzukommen, denn Alex arbeitet inkognito als Spion für die Regierung und soll die Verdachtsmomente gegen Sophies Cousin untersuchen. Doch als er Sophie das erste Mal begegnet, verliebt er sich Hals über Kopf in sie…

Meine Einschätzung:

Momentan wird der deutsche Historical- Liebesromanmarkt mit Romances von Debütautorinnen regelrecht überschwemmt scheint mir. Auch „Wie es dem Glück beliebt“ fällt in diese Kategorie, doch da es auch zahlreiche begeisterte Stimmen in den USA zu diesem Debüt gab, wollte ich der Autorin unbedingt eine Chance geben. Nach dem Lesen des Romans muss ich allerdings zugeben, dass das Buch meinen Lesegeschmack leider nicht zur Gänze treffen konnte. Das liegt zum Teil auch daran, dass ich historische Liebesromane der ersten Generation bevorzuge- sprich Liebesromane, die einen zumindest halbwegs authentischen historischen Hintergrund und noch wichtiger historisches Flair zu bieten haben. Die Verhaltensweisen der Akteure in dieser Geschichte wirken dagegen zu modern und auch gewisse Formulierungen und Ausdrücke haben mich so manches Mal unsanft aus der Story herauskatapultiert. Ebenfalls nervig empfand ich gewisse Dialoge der Protagonisten. Da werden Aussagen statt gesagt, gelacht, geseufzt o.ä. Ein klarer Fall fürs Lektorat, will mir scheinen. Auch wird die Heldin dieses Romans von Bediensteten mit „gnädiges Fräulein“ angesprochen. Also bitte! Wir befinden uns doch nicht in einem 40er Jahre Hans Moser/Theo Lingen Spielfilm.

An der Charakterisierung des Heldenpaars gibt es dagegen eigentlich nichts auszusetzen. Sophie ist eine nette junge Frau, mit einem gewissen Hang zum Abenteuer (ähnlich wie eine Heldin aus einem Amanda Quick Roman) und auch Alex trägt sein Herz am rechten Fleck. Beide liefern sich viele amüsante Dialoge, wobei Alex zu meinem Leidwesen ein paar Kicherer zu viel auf den Leib geschrieben wurden, um zu Hundertprozent als seriöser Spion der Krone durchzugehen.
Auch hat Sophies Unentschlossenheit was die Einwilligung Alex zu heiraten angeht und ihre unglaubwürdige Angst davor jemanden zu heiraten, den sie liebt, ein wenig meinen Lesespaß beeinträchtigt. Dafür wartet die Autorin mit sympathischen Nebenfiguren auf, die für eine familiäre Unterströmung sorgen und die trotz aller Kritik schon neugierig machen auf den Fortsetzungsroman.
Hätte sich der Spionageplot am Ende nicht als heiße Luft entpuppt und wäre das Verhalten der Protas weniger modern geraten, hätte ich „Wie es dem Glück beliebt“ sicherlich besser bewertet.
Der Schreibstil der Autorin ähnelt dem von Lynsay Sands oder Julia London und wer kein Problem mit leider zu dezent platzierten historischen Elementen hat und eine humorige, moderne Romance zu schätzen weiß, wird sicherlich sehr angetan von der Story sein.

Fazit: Trotz meiner Kritikpunkte werden Fans humoriger, moderner Historical Romance a la Sands oder London hier sicher auf ihre Kosten kommen. Fans des Genres die mehr historisches Flair und eine einigermaßen glaubwürdige Story erwarten, sollten den Roman mit Vorsicht in Augenschein nehmen und auf „eigene Gefahr“ entscheiden.

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