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Veröffentlicht am 16.03.2025

Das Leben während des 30jährigen Krieges anschaulich dargestellt

Das Pestkind
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Die kleine Marianne war die einzige Überlebende. Sowohl ihre Familie als auch Mägde und Knechte wurden durch den „Schwarzen Tod“ dahingerafft. Der Pfarrer fand sie in einem Verschlag hinter dem Schweinestall. ...

Die kleine Marianne war die einzige Überlebende. Sowohl ihre Familie als auch Mägde und Knechte wurden durch den „Schwarzen Tod“ dahingerafft. Der Pfarrer fand sie in einem Verschlag hinter dem Schweinestall. Er nahm sie auf den Arm und versorgte sie zunächst selbst. Da er sie nicht dauerhaft bei sich behalten konnte, brachte er sie zu einer Familie, die für sie sorgen wollte. Das war ein Fehler, der sich ihm aber erst Jahre später offenbarte.

Marianne wuchs zu einer Schönheit heran. Und nicht nur das brachte sowohl Dorf als auch Ziehmutter gegen sie auf. Überall galt sie als „Pestkind“ und wurde von allen verachtet. Zuweilen sogar bedroht. Sie galt als Geächtete, die es mit dem Teufel zu hatte. Warum? Weil sie als einzige Überlebende ihrer Familie galt. Nur eine Frau, genannt die „Thalerin“ gab ihr ein Dach über den Kopf. Nein, nein. Nicht aus Nächstenliebe. Diese Frau spekulierte auf das Geld, das ihr der Pfarrer jeden Monat für Marianne gab.

"Das Pestkind" ist eine Neuauflage des im Januar 2014 erschienen Buches. Damals war es der Knaur Verlag, der es veröffentlichte. Die Romane der Autorin kenne ich seit etlichen Jahren und alle zogen mich in ihren Bann. Im Pestkind beschreibt Nicole Steyer das Leben während des 30jährigen Krieges. Für uns kaum nachvollziehbar, wie sehr die Menschen unter dieser jahrelang währenden Furcht zu leiden hatten.

Im Nachwort schreibt die Autorin, was sie zum Schreiben des Buches motivierte. Es gibt einige Fakten, die in dem Roman erwähnt werden und auch etliche Personen, die damals lebten und ihr Vermächtnis nachlesbar ist. 30 Jahre Furcht vor Überfällen und zudem auch kaum Nahrung, das ist heute kaum vorstellbar. Wir können dankbar sein, dass wir bisher vor solchen Unwägbarkeiten verschont blieben.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Joel Dicker ist ein Meister seines Fachs

Ein ungezähmtes Tier
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Ja, es ist gewiss ein Unterschied, ob jemand in einer „Warze“ oder in einem luxuriösen Haus aus Glas wohnt. In dem Glashaus leben Sophie und Arpad und in dem „normaleren“ Anwesen sind Greg und Karine zuhause. ...

Ja, es ist gewiss ein Unterschied, ob jemand in einer „Warze“ oder in einem luxuriösen Haus aus Glas wohnt. In dem Glashaus leben Sophie und Arpad und in dem „normaleren“ Anwesen sind Greg und Karine zuhause. Beide Ehepaare lernen sich kennen und zumindest zwischen den Frauen entwickelt sich so etwas wie Freundschaft. Wobei Karine ein wenig neidisch ist. Auf das luxuriöse Leben Sophies. Und ihr Mann schwärmt so sehr von dieser angeblich so einzigartigen Frau, dass er ihr sogar nachstellt.

Für mich ist Joel Dicker ein Meister der Spannung. Das hat er auch mit „Ein ungezähmtes Tier“ sehr gut bewiesen. Zwar gibt es immer wieder Wechsel von Zeit und Ort, aber das tut dem Lesefluss keinen Abbruch. Im Gegenteil. Der Leser erlebt die Entwicklung der Protagonisten hautnah mit. Während Greg und Karine stolz auf ihr kleines Häuschen sind, ist für Sophie und Arpad ihr Luxus selbstverständlich. Die Frage ist aber, was sich dahinter verbirgt und woher das viele Geld stammt.

Arpad hat Geheimnisse vor seiner Frau und auch Greg ist nicht immer ehrlich gegenüber Karine. Das Glashaus wird von einem Fremden beobachtet und oft wird der Leser in die Irre geführt. Spannend bis zum Schluss und mit unvorhersehbarem Ende. So fasse ich mein Leseerlebnis kurz zusammen. Gleichzeitig empfehle ich das Buch allen, die gehobenen Thrill mögen. Der Sprecher Torben Kessler hat seine Arbeit ganz hervorragend gemacht. Seine Stimme hat mich bis zum Schluss nicht nur unterhalten, sondern ebenfalls fasziniert.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Dieser Massenmord an Zivilisten darf nicht vergessen werden

Ein Krieg wie kein anderer
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Es waren etwa 26 Millionen Sowjetbürger, die zwischen 1941 und 1945 ihr Leben verloren. Die Einheizer begannen ihren Feldzug gegen diese Menschen aber bereits viel früher. Diese „Vorbereitungen“ gipfelten ...

Es waren etwa 26 Millionen Sowjetbürger, die zwischen 1941 und 1945 ihr Leben verloren. Die Einheizer begannen ihren Feldzug gegen diese Menschen aber bereits viel früher. Diese „Vorbereitungen“ gipfelten dann im Feldzug „Unternehmen Barbarossa“. Was die Menschen in den überfallenen Gebieten damals erlebten, wie sie mit dem Hass umgingen und wie sie nach dem Krieg trotzdem weiterleben konnten, das beschreibt der Autor in seinem Buch „Ein Krieg wie kein anderer“.

Hier werde ich nur wenige Aussagen niederschreiben, die Sie in dem rezensierten Buch nachlesen können. So meinte Heinrich Himmler bei einer Versammlung in Posen im Jahr 1943 folgendes: „Diese Masse muss zertreten und abgestochen werden. Es ist, um einmal ein ganz brutales Beispiel zu gebrauchen, wie bei einem Schwein, das abgestochen wird, und allmählich ausbluten muss.“

In seinem Pamphlet schrieb Adolf H. Dass die slawische Rasse minderwertig sei. Er will sie sogar an ihrem Äußeren erkennen und nicht nur er vergleicht sie immer wieder mit der „jüdischen Rasse“. Man beachte, dass genau dieser Herr im Jahr 1939 einen Nichtangriffspakt unterschrieb. Ist es denn erstaunlich, dass die Menschen bis heute nicht vergessen können, was die Deutschen ihnen und ihren Familien angetan haben?

Das Buch hat mich erschüttert und gleichzeitig ermutigt, gegen jeden Rassismus anzugehen. Wir leben hier zwar seit 80 Jahren ohne Krieg, aber wie lange noch? Wer Demagogen folgt und Parteien wählt, die eine Rassenideologie aufleben lassen möchten, der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Es lässt sich gut lesen, da es flüssig und bildhaft geschrieben wurde. Auch wenn das Thema nicht leicht ist, das Dranbleiben lohnt sich auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

"Die Sprache des Donald Trump"

Hitler übersetzen
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Mein Kampf, ein Buch „mit viel Tinte und noch mehr Seiten“ soll übersetzt werden. Es sind 1200 Seiten eines politischen Textes, der zur Katastrophe führte. Es war der erste Schritt auf dem Weg zur Auslöschung ...

Mein Kampf, ein Buch „mit viel Tinte und noch mehr Seiten“ soll übersetzt werden. Es sind 1200 Seiten eines politischen Textes, der zur Katastrophe führte. Es war der erste Schritt auf dem Weg zur Auslöschung von 6 Millionen Menschen. Aus Worten wurden leider dann auch Taten. Und diese Worte sollen nun auch für Menschen lesbar sein, deren Muttersprache das Französische ist.

Welch schwere Aufgabe, die vor dem Autor Olivier Mannoni lag. In „Hitler übersetzen“ schreibt er über seine Schwierigkeiten, sich überhaupt näher mit den Betrachtungsweisen des Führers zu befassen. Was für mich als Leser ebenso unglaublich ist, dass genau diese kruden Ansichten in den Köpfen vieler Leute auch heute wieder (oder noch?) existieren. Wir brauchen gar nicht nach USA oder Ungarn blicken. Bleiben wir in Deutschland und sehen das Grauen unter anderem durch eine rechtsextreme Partei im Bundestag. Der Autor schreibt dazu: „Die Ideen in Mein Kampf zirkulieren weiter unter uns. Ungebrochen, lebendig und bedrohlich.“

Herr Mannoni schreibt von dem kaum zu ertragenen Hass, der ihm bei der Bearbeitung des Buches entgegenschlug. "Auf bleiernen Sohlen durch den Morast waten.", so beschreibt er sein Gefühl bei dieser Arbeit. Das hat er noch nie so geballt erlebt und er übersetzte bereits viele Werke. Er gibt aber auch immer wieder Beispiele von ähnlichen Vorfällen, die in das Hier und Jetzt reichen. Das Buch lässt sich trotz seines schwierigen Themas angenehm lesen. Wer sich für die Thematik interessiert und mehr dazu erfahren möchte, der bekommt im Anhang einige Empfehlungen für weiterführende Literatur.

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Hat Weidel den Franz-Josef kopiert?

Das Deutsche Demokratische Reich
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Eine Bevölkerung, die von der Heterosexualität abfällt? Migranten als Zwangsarbeiter? Tillschneider ruft in ein Mikrofon „Gott schütze die AfD“. Er bemängelt ebenfalls die Eröffnungsfeier von Olympia 2024 ...

Eine Bevölkerung, die von der Heterosexualität abfällt? Migranten als Zwangsarbeiter? Tillschneider ruft in ein Mikrofon „Gott schütze die AfD“. Er bemängelt ebenfalls die Eröffnungsfeier von Olympia 2024 in Frankreich. Lobt aber diese wunderschönen Körper junger Männer und Frauen bei der Feier in Sotschi 2014. Was geht in den Köpfen von Männern und Frauen vor, die solche Aussagen vor Publikum treffen?

Klar ist doch, dass Fluchtbewegungen in Richtung Deutschland von Russland hervorgerufen wurden. Oder gibt es sie nicht, diese vielen Menschen, die sich vor den Bomben in Syrien und der Ukraine auf den Weg machten? Die Partei der Grünen trieben eine erforderliche Energiewende voran und wollten bald auf fossile Brennstoffe verzichten. Ist es überraschend, dass der Hass gegen diese Partei mit Wucht verbreitet wurde? Mit Falschmeldungen aus Russland? Ist es doch ein Land in dem Gas und Öl nur so sprudeln?

Und dann gab es noch eine Aussage von Franz-Josef Strauß. Meinte er doch tatsächlich, dass Hitler und Goebbels Marxisten waren. Nein, das sagte er nicht während der Herrschaft Hitlers und seiner Mannen. Das Zitat von ihm stammt aus dem Jahr 1980. Als er gegen Helmut Schmidt antrat. Wie gut, dass er den Wettstreit um das Kanzleramt verlor.

Diese und etliche weitere Fakten sind nachzulesen in dem Buch
"Das Deutsche Demokratische Reich" von Volker Weiß. Es liest sich sehr gut und kommt ohne ein Zuviel an Fremdwörtern aus. Jedes Kapitel ist mit einer Überschrift versehen. Auf den Seiten gibt es Zahlen. Zu jeder Ziffer gibt es im Anhang Nachweise und Belege zu den einzelnen Aussagen. Ein Buch, das ich gerne las und ohne Abstriche empfehle.


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