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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2025

Familiengeheimnisse und anderes

Stromlinien
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Töchter einer Delinquentin zu sein, die im Gefängnis sitzt, ist nicht gerade einfach. Die zweieiigen Zwillinge Enna und Jale haben nie etwas anderes gekannt, denn sie sind in diesem Gefängnis ...

Töchter einer Delinquentin zu sein, die im Gefängnis sitzt, ist nicht gerade einfach. Die zweieiigen Zwillinge Enna und Jale haben nie etwas anderes gekannt, denn sie sind in diesem Gefängnis geboren und wachsen bei der Großmutter, einer mehr als introvertierten Wissenschaftlerin auf.

Die Handlung ist auf mehreren Zeitebenen angesiedelt: wir lernen genauso ihre Mutter kennen, die früh den Vater verloren hat - es gibt wieder und wieder Hinweise, aber erst spät wird in Gänze klar, warum sie eingelocht wurde.

Wir erfahren weiteres über die Gefängnisinsel in den 1920er Jahren, teilweise Ungeheuerliches, das mit ihr in Zusammenhang steht und ebenso mit der Familie der Zwillinge.

Ein atmosphärischer und ungewöhnlicher Roman der ganz besonderen Art, den ich als ausgesprochen lesenswert empfehlen kann. Definitiv eine Lektüre, die man nicht so schnell vergisst!

Veröffentlicht am 15.03.2025

Wie schmeckt was und warum?

Schmeckt!
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Ein Buch über das Essen für Kinder - mit vielen Bildern und vielen Erklärungen: Über Farben und optischen Einfluss des Essens insgesamt über Geschmacksrichtungen und Nährstoffe zur (Ein)Wirkung ...

Ein Buch über das Essen für Kinder - mit vielen Bildern und vielen Erklärungen: Über Farben und optischen Einfluss des Essens insgesamt über Geschmacksrichtungen und Nährstoffe zur (Ein)Wirkung des Essens insgesamt auf unseren Organismus - beziehungsweise auf unsere Stimmung und unser körperliches und seelisches Wohlbefinden. Und - was mir sehr gefällt - zu internationalen Unterschieden in der Ernährung ebenso wie zu dem Umstand, warum sich die Nahrungsmittel auf diesem unseren Planeten so unterschiedlich verteilen, dass manche viel zu viel und andere viel zu wenig haben.

Klingt gut? Ist es auch, auch wenn Kinder ab 6 Jahren möglicherweise mit einigen Aspekten überfordert sind. Die Zeichnungen ergänzen die Inhalte sehr gut, es gibt auch Grafiken der kindgerechten Art bspw. zu Nährstoffen und zur internationalen Verteilung der Nahrungsmittel, die gerade im letzteren Fall doch ein wenig unübersichtlich sind.

Am Ende des Buchs gibt es sogar noch ein paar Rezepte, die Kinder nachkochen können (Hinweis: nur unter Aufsicht Erwachsener, da sie in den meisten Fällen an den Herd und in allen Fällen elektrische Geräte benutzen müssen.) Hierbei finde ich es nicht so toll, dass alle vier Rezepte süß sind - es wäre toll gewesen, wenn die Kinder nach der Lektüre in verschiedene Geschmacksrichtungen einführt worden wären!

Insgesamt jedoch ein spannendes und lehrreiches Buch, an dem man nicht vorbeigehen sollte!

Veröffentlicht am 20.02.2025

Hinnahme ist nicht gleichbedeutend mit Resignation

Coast Road
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Alan Murrin nimmt uns in seinem ersten Roman "Coast Road" mit in eine irische Kleinstadt etwa um 1994: noch ist Scheidung in Irland verboten, die Männer haben im Hinblick auf ihre Frauen sehr ...

Alan Murrin nimmt uns in seinem ersten Roman "Coast Road" mit in eine irische Kleinstadt etwa um 1994: noch ist Scheidung in Irland verboten, die Männer haben im Hinblick auf ihre Frauen sehr viele Rechte und Freiheiten.

Dennoch hat die verhältnismäßig erfolgreiche Autorin Colette Crowley ihren Mann - und damit ihre Familie, denn ihre drei Söhne durfte sie nicht mitnehmen - verlassen, um in Dublin ein neues Leben anzufangen. Als sie damit scheitert und zurück in die Gegend zieht, verbietet ihr Mann ihr, die Kinder zu treffen.

Izzy ist auch eine, die mehr vom Leben will, aber sie ist im Ort geblieben und hat sich nicht aus ihrer unglücklichen Ehe gelöst. Nach Colettes Rückkehr entwickelt sich zwischen den beiden ein gewisser Kontakt.

Der Autor hat definitiv ein Herz für die Frauen seines Heimatlandes, er schildert eindringlich ihre ausweglose, gezwungenermaßen oft ausweglose Lebenslage, wie sie in dieser Zeit noch gang und gäbe war. Ein eindringlicher, in vieler Hinsicht erhellender Roman, der mich immer wieder geschmerzt hat. Die Charaktere der Frauen (und weniger Männer) sind kraftvoll beschrieben, ich denke, werde sie nicht so schnell vergessen.

Veröffentlicht am 12.02.2025

Dunkler geht es nicht

Dunkle Momente
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Zumindest in einigen der hier dargestellen Fälle von Strafverteidigerin Eva Herbergen ist es der Fall. Wobei man beim Lesen durchaus manchmal den Eindruck hat, dass der Täter das eigentliche Opfer ist. ...

Zumindest in einigen der hier dargestellen Fälle von Strafverteidigerin Eva Herbergen ist es der Fall. Wobei man beim Lesen durchaus manchmal den Eindruck hat, dass der Täter das eigentliche Opfer ist. Genauso gibt es aber auch das direkte Gegenteil, den Mörder, der selbst stolz auf seine Tat ist und sich vor seiner Verteidigerin sogar noch brüstet.

Tatsächlich sind es eine ganze Reihe ausgesprochen unterschiedlicher Fälle, sehr verschiedener Menschen, die hier zu einer lose zusammenhängenden Handlung aneinander gereiht werden, die vom Stil her durchaus noch ausbaufähig wäre, inhaltlich jedoch so unvorhergesehen und überraschend daher kommt, wie man es kaum erwarten könnte.

Dabei schont sich auch die fiktive Erzählerin Herbergen in ihrer Rolle als Strafverteidigerin nicht selbst, sondern zeigt durchaus auch Situationen auf, in denen sie diejenige ist, die aus unterschiedlichen Gründen dumm dasteht, wenngleich diese sich in der Minderheit befinden.

Eine durchaus spannende Lektüre, mehr Tatsachenbericht als Krimi, aber gerade deswegen etwas Besonderes!

Veröffentlicht am 26.01.2025

In der Natur verankert

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Elijah Leith und seine Freundin Nakita sind seit ihrer Kindheit tief in der Natur um sie herum verwurzelt, sie leben in ihr und mit ihr. Es ist ein bescheidenes Leben für beide, das Nakita genügt, ...

Elijah Leith und seine Freundin Nakita sind seit ihrer Kindheit tief in der Natur um sie herum verwurzelt, sie leben in ihr und mit ihr. Es ist ein bescheidenes Leben für beide, das Nakita genügt, Elijah jedoch nicht. Er zieht nach seinem Schulabschluss nach San Francisco, um dort ein erfolgreicher Schriftsteller zu werden und verpasst darüber das fest vereinbarte Treffen vier Jahre nach seinem Abschied. Es vergehen mehr als zehn weitere Jahre, bis er zurückkehrt als gescheiterter Mann, dessen einzige Publikation sich kaum verkauft hat, so dass sein Verlag nicht bereit ist, weiter mit ihm zu arbeiten. Er baut die Hütte seiner Eltern wieder auf und versucht, sich ein eigenes Leben darin einrichten - durchaus erfolgreich.

Doch einige Zeit später holt ihn seine Vergangenheit in einer Art ein, die er sich nie hätte träumen lassen. Zunächst sieht es so aus, als könnte aus ihm und der inzwischen verwitweten Nakita wieder ein Paar werden, doch er muss erkennen, dass dem viele Umstände im Weg stehen - und es werden noch mehr.

Ein Roman, den ich in einem Rutsch ausgelesen habe - er enthält Botschaften, ebenso wie interessante und wichtige Informationen zum Leben der Native Americans und Elemente eines Spannungsromans. Besonders geeignet erscheint er mir für Leser*innen, die gern über die Verbindung von Menschen zur Natur lesen. Ein warmherziger Roman, in dem jedoch auch die Grausamkeit, zu der Menschen in bestimmten Situationen fähig sind, thematisiert wird

Es ist der erste Roman der Autorin Sarah Crouch und sie versteht es, die Figuren inmitten ihrer Heimat lebendig werden zu lassen. Ihr kraftvoller, empathischer und vielseitiger Stil wird uns hoffentlich noch weitere Lesefreuden bescheren!