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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.02.2026

empathisch und authentisch

Alle glücklich
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Rezension zu „Alle glückliche“ von Kira Mohn
Kira Mohn schreibt in klarem, gut lesbaren Ton über eine Familie, in der eigentlich alle glücklich sein sollten. Von außen betrachtet, handelt es sich um eine ...

Rezension zu „Alle glückliche“ von Kira Mohn
Kira Mohn schreibt in klarem, gut lesbaren Ton über eine Familie, in der eigentlich alle glücklich sein sollten. Von außen betrachtet, handelt es sich um eine Bilderbuchfamilie. Er erfolgreicher Arzt, sie mit Job als medizinisch-technische Assistentin und sich kümmernde Mutter, eine hübsche Tochter und ein studierender Sohn.
Doch schnell wird klar: Wirklich glücklich sind hier längst nicht alle. Die Autorin zeichnet nach und nach das Bild einer Familie, die nach und nach zu zerfallen scheint. Nina, die Mutter, fühlt sich alleine gelassen und nicht wertgeschätzt, ihr Mann Alexander fühlt sich grundsätzlich missverstanden. Die Tochter Emilia hat Probleme mit ihrer ersten Liebe und der Sohn Ben ist einsam.
Mit viel Empathie zeigt Kira Mohn in jedem Kapitel die Sichtweise eines anderen Familienmitglieds. So werden nach und nach Charaktere fein gezeichnet und Dynamiken sichtbar. Die Geschichte ist authentisch. Jeder Leser könnte Teil einer solchen Familie sein.
Es wird deutlich: alle tragen ihr Päckchen und manchmal werden sie zu schwere Rucksäcken an denen die Figuren wachsen, leiden, sich verändern.
Ein tolles Buch!

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Veröffentlicht am 16.03.2025

authentisch, humorvoll, klug

No Hard Feelings
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Rezension zu „No hard feelings“ von Genevieve Novak
Genevieve Novak erzählt in leichtem, flüssig lesbarem Ton von Penny. Penny, die sich häufig mit anderen vergleicht und hart mit sich ins Gericht geht. ...

Rezension zu „No hard feelings“ von Genevieve Novak
Genevieve Novak erzählt in leichtem, flüssig lesbarem Ton von Penny. Penny, die sich häufig mit anderen vergleicht und hart mit sich ins Gericht geht. Penny, die so verloren wirkt, obwohl sie eine junge, kluge Frau ist. Penny, die immer das Gefühl hat, allen anderen ginge es besser und sie habe kein Glück verdient. Mit Ende zwanzig hat sie einen Job, den sie nicht mag und einen On-Off-Freund, der sich ständig nicht meldet und von dem sie sich emotional abhängig macht. Wer jetzt denkt, „No hard feelings“ sei ein reiner Liebesroman, liegt falsch. Natürlich geht es um Liebe. Um schlechte Liebe mit emotionalen Abhängigkeiten, die nicht gut tun und um gute Liebe, die manchmal näher liegt als man denkt. Es geht aber auch um Freundschaft. Pennys Freundinnen Bec und Annie haben unterschiedliche Leben und nehmen dadurch unterschiedlich Einfluss auf sie. Bec ist in einer glücklichen Beziehung und möchte bald heiraten, Annie ist erfolgreich im Job. Der Roman zeigt verschiedene Facetten von Freundschaft. Es darf auch mal Krachen, aber ein Grundvertrauen bleibt dann eben doch. Um ihre Probleme zu überwinden, geht Penny immer wieder zur Therapie. Sie ist Teil einer Generation, in der die Therapie eher als Chance wahrgenommen wird und nicht mehr als Makel. Man fühlt beim Lesen, wie gut ihr das tut, auch wenn es erstmal hart ist.
Vor allem geht es aber um das Erwachsenwerden und sich finden. Pennys (Verlust-)Ängste und das Verloren-Sein kennen sicher viele. Die Charaktere sind unglaublich authentisch und aus dem Leben gegriffen. Der Roman bildet ab, wie es ist Ende zwanzig zu sein. Dabei schreibt die Autorin sehr humorvoll. Die Dialoge sind immer wieder sehr witzig.
Im Kopf geblieben ist mir vor allem ein Zitat: „Manchmal würde ich einfach gerne verschwinden können. Aber insgeheim berührt mich nichts so sehr, wie wenn ich bemerkt werden. […] Selbst wenn mit jemand ein Video von einer flauschigen Katze schickt, nur weil er es gesehen und an mich gedacht hat, freue ich mich. Das ist das ultimative Kompliment: gesehen und gehört werden.“
Das Zitat bildet sehr gut ab, was Penny sich wünscht und was sich die meisten Menschen wünschen: gesehen und gehört werden, trotz aller Unzulänglichkeiten.
Der Roman ist sehr empfehlenswert, vor allem, wenn man gerne Coming-of-Age liest oder einfach sehr authentische Geschichten mag, die humorvoll erzählt sind. Ein muss für alle in den Zwanzigern und Dreißigern.

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Veröffentlicht am 22.01.2025

ruhig und einfühlsam erzählt

Für Polina
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Rezension zu „Für Polina“ von Takis Würger
Ruhig und einfühlsam erzählt Takis Würger die Geschichte eines besonderen Menschen. Hannes wächst auf dem Land bei seiner Mutter auf, stets mit engem Kontakt ...

Rezension zu „Für Polina“ von Takis Würger
Ruhig und einfühlsam erzählt Takis Würger die Geschichte eines besonderen Menschen. Hannes wächst auf dem Land bei seiner Mutter auf, stets mit engem Kontakt zu seiner besten Freundin Polina. Schnell wird klar, er hat ein unglaublich gutes und empfindliches Gehör mit einem außergewöhnlichen Talent für Musik. Er ist ein stilles Kind, schnell überfordert von seiner Umwelt. Nur das Klavierspielen und Polina sowie die Liebe seiner Mutter lassen ihn sich sicher und geborgen fühlen. Wir begleiten Hannes auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Im Zentrum stehen dabei neben der Bedeutung von Musik immer seine Beziehungen zu seinen Mitmenschen – vor allem natürlich zu Polina. Sie wird ihn stehts auf unterschiedlichste Art begleiten.

„Hannes bekam eine Gänsehaut, weil er für einen kurzen Moment erahnte, dass jeder Fluch gebrochen werden könnte, wenn die Menschen zusammenhielten.“

Und so ist „Für Polina“ nicht nur die Geschichte über Hannes Lebensweg, sondern immer auch eine Geschichte über das füreinander Dasein, über Freundschaft, Loyalität, den Mut seine Talente auch zu nutzen und natürlich über die Liebe.
Der neue Roman „Für Polina“ von Takis Würger ist vor allem eins: absolut gelungen.

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Veröffentlicht am 17.07.2024

erschreckend aktuell, stark erzählt

Am Himmel die Flüsse
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Rezension zu „Am Himmel die Flüsse“ von Elif Shafak
Zu Beginn kann ich schonmal verraten: Mit „Am Himmel dir Flüsse“ hat Elif Shafak wieder ein wunderbares Buch geschrieben. Ihr Stil ist unverwechselbar. ...

Rezension zu „Am Himmel die Flüsse“ von Elif Shafak
Zu Beginn kann ich schonmal verraten: Mit „Am Himmel dir Flüsse“ hat Elif Shafak wieder ein wunderbares Buch geschrieben. Ihr Stil ist unverwechselbar. Sie erzählt ruhig, aber dennoch spannend und fast schon poetisch und nutzt kluge Bilder.
Hier ist es das Wasser im allgemeinen und ein Wassertropfen im Besonderen, der (unter anderem) drei Geschichten miteinander verbindet. Die Theorie: Wasser hat ein Gedächtnis und jeder Wassertropfen kommt immer wieder auf die Erde zurück. So landet der Wassertropfen in Mesopotamien und sieht ein Reich untergehen. Er ist dabei, als Arthur Smyth im 18. Jahrhundert in London geboren wird, trifft auf Narin, die 2014 am Tigris lebt und 2018 auf die Londonerin Zaleekhah.
Die Kapitel wechseln zwischen den drei Figuren. Elif Shafak macht das so geschickt, dass man der Geschichte trotz vieler Wechsel gut folgen kann. Zunächst lernen wir Arthur kennen, der in einem Elendsviertel in London aufwächst, ungewöhnlich intelligent ist und sich für Ninive, eine untergegangene Stadt im alten Mesopotamien interessiert. Sein Weg ist bemerkenswert und mitreißend. Die zweite Figur ist Narin, ein Mädchen, dass am Tigris aufwächst. Sie ist Jesidin und gehört damit zu einer aktuell vom IS verfolgten Glaubensgemeinschaft. Die Jesiden haben ihren Ursprung im alten Mesopotamien. So entsteht, neben dem Wassertropfen, eine weitere Verbindung zwischen den einzelnen Geschichten, denn auch Arthur hat Berührungspunkte mit den Jesiden. Narins Geschichte ist ebenfalls mitreißend und unter anderem aufgrund der Aktualität überaus erschreckend. Vor allem zum Ende ist dieser Erzählstrang nur schwer zu ertragen, wegen seiner Aktualität aber unglaublich wichtig. Im dritten Erzählstrang geht es um Zaleekhah, einer Forscherin, die sich mit dem Wasser beschäftigt. Ihre Eltern verstarben früh, weshalb sie in London bei ihrem reichen Onkel aufwächst. Der Ursprung der Familie liegt jedoch im alten Mesopotamien, sodass auch dieser Strang stark mit den anderen beiden verknüpft ist und dennoch eine eigene Geschichte herausbildet. Zaleekhah steht vor den Trümmern ihrer Ehe muss daher einen Neuanfang wagen. Dabei werden innere Konflikte genauso deutlich wie Konflikte, die in der Familie vor sich her brodeln. Glück und Unglück liegen bei den Figuren nah beieinander. Vor allem aber transportieren die Figuren viel Kluges über Kulturen, Unterschiede und Menschlichkeit. Ein überaus gelungener Roman, der aufgrund der Thematik noch lange aktuell sein wird.

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Veröffentlicht am 03.06.2024

Erwachsenwerden, finden und verlieren

Man sieht sich
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Rezension zu „Man sieht sich“ von Julia Karnick
Julia Karnick erzählt in ruhigem, gut lesbaren Ton die Geschichte von Friederika und Robert. Erzählt wird die Geschichte auf knapp 480 Seiten, die sich aber ...

Rezension zu „Man sieht sich“ von Julia Karnick
Julia Karnick erzählt in ruhigem, gut lesbaren Ton die Geschichte von Friederika und Robert. Erzählt wird die Geschichte auf knapp 480 Seiten, die sich aber nach deutlich weniger anfühlen. Kein Wunder- verfolgen wir die Protagonisten doch von Ihrer Jugend in den 90ern bis ins Erwachsensein im Heute. Der Figurenkreis bleibt dabei größtenteils gleich, abgesehen von kleinen Nebenfiguren, die hier in das Leben von Frie und Robert schlüpfen. Langweilig wird es nicht, auch weil Julia Karnick die Geschichte sehr geschickt erzählt. Immer wieder treffen und verlieren Robert und Frie sich. Dabei treibt die Autorin die Geschichte immer wieder aus Fries oder Roberts Sicht im Wechsel voran. Dadurch schlüpft man in doch recht unterschiedliche Leben. Außerdem wird durch die längeren Lebensphasen der Trennung so viel Abwechslung in die Geschichte gebracht, dass die Tatsache, dass die zwei sich immer wieder treffen und wieder verlieren, zu keinem nervigen hin und her wird. Ihnen kommt einfach das Leben dazwischen, was die Geschichte so authentisch macht. Wer nach einer Geschichte sucht, bei der man die Protagonisten beim Erwachsenwerden begleiten kann und außerdem Familie und Freundschaft eine Rolle spielen, der sollte zu diesem Buch greifen.

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