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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2025

Eine nüchterne Erzählung

Es geht mir gut
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An einem warmen Sonntag im November 1957 geht Kathleen Beckett in den Swimmingpool der Wohnanlage, in der sie mit ihrem Mann Virgil und den beiden Söhnen wohnt. Das ist erstmal nicht spektakulär, jedoch ...

An einem warmen Sonntag im November 1957 geht Kathleen Beckett in den Swimmingpool der Wohnanlage, in der sie mit ihrem Mann Virgil und den beiden Söhnen wohnt. Das ist erstmal nicht spektakulär, jedoch weigert sie sich bis zum späten Abend, wieder herauszukommen. Virgil spult seine sonntägliche Routine trotzdem ab, zwischen Kirchgang und Golfspiel mit den Vorgesetzten bittet er Kathleen vergeblich, ihren mütterlichen und hausfraulichen Pflichten nachzukommen. Im Lauf des Tages schweifen die Gedanken beider Ehegatten in die Vergangenheit und die Leser erfahren, dass die nach außen hin gut funktionierende Ehe eine Farce ist. Beide belügen und betrügen den anderen nach Strich und Faden, Kathleen ist enttäuscht von Virgil, weil er seine Versprechen nicht einhält, während er eher resigniert wirkt. Am Ende des Tages will sie die Wahrheit herausfinden.

Der Schreibstil der Autorin ist nüchtern, und die Personen bleiben auf Distanz. Es ist mir schwer gefallen, mich auf die Geschichte einzulassen. Es gab zu viele Situationen, bei denen ich überhaupt nicht verstanden habe, was in den Protagonisten vorgeht. Verstörend fand ich zum Beispiel, dass Kathleen versteckt dabei zuschaut, wie ihr Schwiegervater ihrem Sohn in dreckiger Umgebung heimlich Blut abnimmt, und nicht eingreift.
Der Roman enthüllt zwar auf gerade mal 160 Seiten erstaunlich viele Details aus dem Leben der Becketts, ich hatte mir jedoch mehr Tiefe gewünscht.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Pflanzenheilkunde aus Sicht der Wissenschaft

Wie Wildkräuter wirken
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Mit ihrem schön gestalteten hochwertigen Buch will die Biochemikerin Renée Schroeder die Pflanzenheilkunde aus ihrer oftmals belächelten „esoterischen Ecke“ herausholen. Sie erklärt anschaulich, dass Phytotherapie ...

Mit ihrem schön gestalteten hochwertigen Buch will die Biochemikerin Renée Schroeder die Pflanzenheilkunde aus ihrer oftmals belächelten „esoterischen Ecke“ herausholen. Sie erklärt anschaulich, dass Phytotherapie keine alternative Heilkunde, sondern naturwissenschaftlich basierte Medizin ist, deren Wirksamkeit mittels strengen Untersuchungen und Analysen überprüft wird. Dies untermauert die Autorin, indem sie die wichtigsten Wirkstoffe der Heilkräuter und ihre chemischen Verbindungen darstellt. Das ist sicher für Sachkundige interessant, mich hat es mangels Vorwissen überfordert.

Zugänglicher wird das Thema für mich ab Seite 39, wo die einzelnen Heilpflanzen vorgestellt werden. In einheitlicher Struktur erfahre ich Geschichtliches, Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung sowie „was die Wissenschaft dazu sagt“ zu 60 Pflanzen von Augentrost bis Zitronenverbene. Dazu gibt es jeweils eine oder zwei große Makroaufnahmen von Blatt, Blüte, Rinde oder Frucht zu bestaunen. So beeindruckend diese Fotos auch sind, so wenig helfen sie mir, eine Pflanze zu bestimmen, die ich noch nicht kenne. Und davon waren mehrere im Buch. Deshalb hätte ich mir ergänzend ein Foto der gesamten Pflanze gewünscht. Schade finde ich auch, dass nur bei einigen Pflanzen Anwendungsbeispiele, z. B. welcher Teil wofür verwendet wird, stehen, bei den meisten jedoch nicht.

Der dritte Teil des Buches widmet sich der Verarbeitung der Heilpflanzen zu Tees, Kräutermischungen, Salben, Cremes, Oxymelen, Elixieren und Seifen. Die Arbeitsschritte werden zwar erklärt, mir sind die Anleitungen jedoch zu ungenau, um mich an die komplexeren Rezepte heran zu trauen.

Insgesamt ist das Buch mit großer Sachkenntnis geschrieben und wunderschön gestaltet. Die Leidenschaft der Autorin für die Pflanzenheilkunde und ihr wissenschaftlicher Hintergrund sind deutlich spürbar. Allerdings werden an einigen Stellen Vorkenntnisse beim Leser vorausgesetzt, was zu Frustrationen führen kann. Auch der praktische Teil hat Schwächen.

Veröffentlicht am 18.03.2025

Das hätte eine schöne Geschichte werden können...

In einem Zug
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Das hätte eine schöne, geistreiche Geschichte werden können. Die Zutaten dafür waren vorhanden. Zum einen Daniel Glattauer mit seinem aufgeweckten Schreibstil. Zum anderen der Plot: der alternde ...

Das hätte eine schöne, geistreiche Geschichte werden können. Die Zutaten dafür waren vorhanden. Zum einen Daniel Glattauer mit seinem aufgeweckten Schreibstil. Zum anderen der Plot: der alternde Schriftsteller Eduard, der schon lange nichts mehr publiziert hat, muss zu einem unangenehmen Termin mit seiner Verlegerin reisen und nimmt den Zug von Wien nach München. In seinem Abteil sitzt die deutlich jüngere Catrin, die ihn zwar nicht erkennt, aber trotzdem eine Unterhaltung mit ihm beginnt.

Soweit, so gelungen war der Einstieg in den Roman. Anfangs fand ich Eduards selbstgefällige Gedanken während des Gesprächs mit Catrin noch amüsant. Doch ziemlich bald hat mich das aufgesetzt und unmotiviert wirkende Frage- und Antwortspiel der beiden gelangweilt. Inhaltlich drehen sie sich immer im Kreis, wiederholen triviale Aussagen, und die Altherreneitelkeit Eduards steigert sich mit zunehmendem Alkoholgenuss ins Peinliche. Die über alle Maßen aufdringliche Catrin war mir von vornherein unsympathisch.

Die Zugfahrt endet mit einer überraschenden Wendung, die auf mich zu gekünstelt wirkt, um originell zu sein.

Ich habe beim besten Willen keinen Humor und auch keinen Tiefgang in der Geschichte gefunden. Für mich war der Roman deshalb leider kein Genuss, sondern höchstens durchschnittlich.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Wunderschöne Tieraufnahmen - altbekannte Ratschläge

Der Pinguin, der fliegen lernte
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Eckart von Hirschhausen nimmt in diesem Buch die aus seinen Auftritten bekannte Pinguin-Geschichte als Parabel für ein gelungenses Leben. In sieben Lektionen fragt er seine Leser. Wo bist du gerade? Was ...

Eckart von Hirschhausen nimmt in diesem Buch die aus seinen Auftritten bekannte Pinguin-Geschichte als Parabel für ein gelungenses Leben. In sieben Lektionen fragt er seine Leser. Wo bist du gerade? Was macht dir Freude? Wer ist dir wichtig? Wann haben andere Freude mit dir? Traust du dich ins kalte Wasser? Dann spring! Wie fühlt es sich an, in deinem Element zu sein?

Zur Beantwortung dieser Fragen erzählt er aus dem Leben der Pinguine und gibt Anregungen, wie man Struktur und positive Erfahrungen in sein Leben bringen kann.

Die Eigenarten der Pinguine lesen sich faszinierend, die wunderschönen Aufnahmen der putzigen Tiere sind ein optischer Genuss.

In den Abschnitten über Lebenshilfe habe ich lange Bekanntes und viel Allgemeines gefunden, das zudem extrem breit getreten wurde. Auch der belehrende Schreibstil hat mir nicht behagt. Für mich punktet das Buch deshalb vor allem wegen der tollen Fotos.

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Veröffentlicht am 23.12.2024

Szenen einer Wohngemeinschaft

Wohnverwandtschaften
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Der Titel und das Thema des Romans klangen für mich vielversprechend. Vier Erwachsene leben aus verschiedenen Gründen in einer WG. Kann das gut gehen? Wo hakt es? Welches sind die Vorteile?

Constanze, ...

Der Titel und das Thema des Romans klangen für mich vielversprechend. Vier Erwachsene leben aus verschiedenen Gründen in einer WG. Kann das gut gehen? Wo hakt es? Welches sind die Vorteile?

Constanze, Mitte 30, ist Zahnärztin und hat sich gerade von ihrem Freund getrennt. Aufgrund der katastrophalen Wohnungssituation in Hamburg zieht sie zunächst in eine WG. Diese besteht aus dem Wohnungseigentümer Jörg, Ende 60, ehemaliger Journalist, der nach dem Tod seiner Frau die große Wohnung wieder beleben will und Geld für eine längere Reise braucht. Dann leben noch Murat, Mitte 50, Elektriker und begnadeter Hobbykoch und Anke, Anfang 50, arbeitslose Schauspielerin dort. Als bei Jörg Demenz auftritt, müssen die anderen zeigen, ob sie mehr als nur Mitbewohner sind.

Die Autorin beschreibt in einzelnen Szenen und Dialogen zwei Jahre des Zusammenlebens der Protagonisten, manchmal liegen mehrere Monate zwischen den Kapiteln, manchmal nur ein paar Tage.

Die Szenen werden immer abwechselnd aus der Sicht der Beteiligten beschrieben, es ist mehr ein Blick in deren Kopf als eine tatsächliche Handlung. Ich fand das Lesen deshalb ermüdend, die inneren Gedankengänge wiederholten sich und haben keine Spannung aufgebaut. Die gesamte Situation in der WG wirkte in ihrer Harmonie unrealistisch und hat mich nicht überzeugt. Aus meiner Sicht wurden die guten Voraussetzungen für einen intensiven Roman hier nicht genutzt.