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Veröffentlicht am 25.03.2025

Ein sprachlich taktvoller Roman über Tod, Stille, zahlreiche Erinnerungen.

Flusslinien
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Das Cover zeigt wilde Vegetation mit Schilf, Buschwerk und fliegendem Storch, passend zum Elbstrand unter NABU – Betreuung. Die Elbe mit ihren Flusslinien bei Ebbe, Flut, Hochwasser und Trockenzeiten spielt ...

Das Cover zeigt wilde Vegetation mit Schilf, Buschwerk und fliegendem Storch, passend zum Elbstrand unter NABU – Betreuung. Die Elbe mit ihren Flusslinien bei Ebbe, Flut, Hochwasser und Trockenzeiten spielt eine gewichtige Rolle für die drei Hauptfiguren mit all ihren seelischen Narben, Schuldgefühlen und Erinnerungen. Die historischen Fakten über Else Hoffa, der Gestalterin des Römischen Gartens in Hamburg, sind interessant. Während über zwölf Tage hinweg die Seniorin Margrit über den Tod, ihr Leben, über den Krieg und ihre Mutter, über die Angst um ihre Enkelin Luzie, über die Sorge um Sohn Frieder und all die Gespräche sinniert zwischen dem geruhsamem Ein- und Ausatmen im Alter von 102 Jahren, stellt sich auch ein liebevolles, rücksichtsvolles Miteinander mit Luzie ein, die bockige Schul-Abbrecherin, die Trauma Geschädigte, die das Tätowieren als Zwischenschritt zu ihrem Kunststudium nutzt. Ihre zarte Annäherung an Arthur gefällt. Einstmals Taucher, beladen mit Schuldgefühlen seinem Zwillingsbruder gegenüber, entwickelt er künstliche Sprachen für Fantasy- und Science-Fiction-Spiele bzw. Filme nach seiner Fahrertätigkeit in der Seniorenresidenz. Auch sein Engagement bei der NABU und sein Hobby mit der Metallsonde lassen ihn wie auch die weiblichen Figuren sehr sympathisch wirken. Innerhalb dieser Zeitspanne entwickelt sich ein harmonisches, verlässliches Interagieren, mit neuer Zielrichtung für Luzie und Arthur trotz einiger seelischer Narben. Teils poetisch, geht es auch um das Nachdenken über Wortbedeutungen, z.B. um das Wort für Stille, nachdem jemand gegangen ist. Das Alltagsleben von Senioren mit unzähligen gesundheitlichen Gebrechen wird taktvoll, teils humorvoll beschrieben. Ein lesenswerter Mix aus Fakten und Fiktion!

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Das Dorfleben lebendig beschrieben.

Hier draußen
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In 47 Kapiteln der fünf Teile geht es um ein fiktives Dorf in Schleswig-Holstein und dortigem Aberglaube beim Tod von weißen Hirschkühen. Stadtmenschen wie das Ehepaar Lara, stellvertretende Grafik-Chefin, ...

In 47 Kapiteln der fünf Teile geht es um ein fiktives Dorf in Schleswig-Holstein und dortigem Aberglaube beim Tod von weißen Hirschkühen. Stadtmenschen wie das Ehepaar Lara, stellvertretende Grafik-Chefin, und Ingo Fenske, eigentlich Wirtschaftsinformatiker, beide aus Hamburg mit zwei schulpflichtigen Kindern, suchen das Dorfidyll und die Dorfgemeinschaft. Traditionen, Dorffeste, Jagd und Rentabilität von Viehzucht werden ausgiebig und detailliert beleuchtet. Manche Figur ist wortkarg, verbittert und ohne Sentimentalität charakterisiert, teils im typischen Dialekt lebendig herausgestellt. Das Miteinander in der Dorfgemeinschaft gefällt durch seine durchschimmernde Tier- und Menschenliebe, aber auch durch die kritischen bis bissigen Verhaltensweisen manch eines Dorfbewohners. Der Schreibstil vermittelt klar die Schwierigkeiten von Stadtmenschen, sich im Landleben glücklich wiederzufinden. Einige Rückblicke in die Jahre 1990 und 1972 erhellen tragische wie glückliche Momente der Beteiligten.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Suche nach Raritäten in der Ukraine und nach neuer beruflicher Chance

Von Stufe zu Stufe
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Auf dem Cover schlängelt sich das Negativfilm einer Filmrolle älteren Datums wie ein langer Regenwurm – zielgerecht zum Thema des Romans über die Entwicklung der österreichischen Filmindustrie ab 1906 ...

Auf dem Cover schlängelt sich das Negativfilm einer Filmrolle älteren Datums wie ein langer Regenwurm – zielgerecht zum Thema des Romans über die Entwicklung der österreichischen Filmindustrie ab 1906 hinführend. Auf zwei Erzählebenen geht es zunächst um den bald arbeitslosen Erzähler Marc, der unzufrieden mit seinem Archivjob und als Kartenabreißer im Kino nach seinem Studium der Filmwissenschaft im Dezember 2021 als Roofer illegal auf Wiens Hochhausdächern herumgeistert. Über Omas Betreuerin Katalina aus der Ukraine entwickelt sich dann eine abenteuerliche Rettung von Filmdosen für Zelluloidfilme aus der Stummfilmzeit. Der Buchtitel bezieht sich auf den Film Von Stufe zu Stufe, der 1908 von dem Team Louise Kolm und Jakob Fleck, den österreichischen Filmpionieren, gedreht wurde als ersten abendfüllenden österreichischen Spielfilm. Die Recherchearbeit des Erzählers, seine Suche nach raren Quellen, ist gut nachvollziehbar.
Die zweite Erzählebene handelt sehr detailliert von der Entwicklung der ausleihbaren Pathé-Kinematographen, der Kinematographen-Theater und den Bemühungen des Ehepaars Anton und Louise Kolm, neben der Arbeit in ihren Fotoateliers einen niveauvollen Spielfilm zu erstellen, weg vom billigen Klamauk in Kurzfilmen.
Der Schreibstil lässt sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit lebendig, realistisch, menschlich greifbar werden. Der Leser geht mit auf diese sehr spezielle Reise in die Vergangenheit der österreichischen Filmindustrie, verknüpft mit universitärer Jobsuche in Wien und den harten Realitäten in der Ukraine – sicher interessant für Filmfans der Stummfilmzeit.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

Verlogene Welt rund um Emissionshandel und CO2-Zertifikaten – interessant.

Halbinsel
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Die Szenerie spielt auf der Halbinsel Nordstrand, nahe beim Watt, mit Blick auf Felder, Wald und Vögel. Die Ich-Erzählerin Annett, Mutter der 25-jährigen Linn, lässt in vielen Rückblicken ihre tiefgehenden ...

Die Szenerie spielt auf der Halbinsel Nordstrand, nahe beim Watt, mit Blick auf Felder, Wald und Vögel. Die Ich-Erzählerin Annett, Mutter der 25-jährigen Linn, lässt in vielen Rückblicken ihre tiefgehenden Gedanken zu Linns Kindheit und über das kurze Familienleben mit dem früh verstorbenen Ehemann Johan Revue passieren. Während des beschriebenen Zeitraums zwischen Mai und September wandelt sich das Verhältnis von Mutter und Tochter zu Gefährtinnen in einem langsamen Prozess des neu Kennenlernens und des vertrauensvollen Gewährens. Ist Linn mit gekündigtem Job und aufgelöster Wohnung in Berlin unerwartet wieder im Elternhaus eingezogen, verhält sie sich zunächst depressiv, antriebslos, abweisend und ist voller Enttäuschung über ihren bisherigen verlogenen Jobinhalt. Nach anfänglicher Verunsicherung, belastet auch durch einen vermeintlichen Versicherungsfall mit Bildrestaurierung und Neuanstrich in einem Hotel, füllt sich das Miteinander mit tiefgehenden Gesprächen z.B. über ihre Zukunft in 5 Jahren oder über den verlogenen Emissionshandel und CO2-Zertifikaten. Eigentlich leben Eltern wie Annett oft im Konflikt zu ihren Kindern, indem sie aus Fürsorge, getragen mit Hoffnungen und Erwartungen gleichzeitig deren Freiheit einschränken für eine Welt, die so anders sein mag als jene, in der man als Eltern selbst aufgewachsen ist – ein Generationenkonflikt. Künstler wie Gustav Mahler, Vilhelm Hammershøi, Detlev von Liliencron, Henrik Ibsen oder Theodor Storm sind bereichernd eingeflochten in Überlegungen der Ich-Erzählerin. Historisch interessant ist auch die Erwähnung der 2. Marcellusflut im Januar 1362, verbunden mit Verhaltensregeln im Watt für den Notfall.
Ein tiefgründiger Versuch einer Konfliktauflösung!

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Ein spannungsgeladener Schüler-Lehrer-Plot

Haus Waldesruh
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Das Cover mit dem Forsthaus „Haus Waldesruh“ passt ideal zu dem Roman von David Krems. Die Szenerie spielt in einer kalten Jahreszeit in diesem einstöckigen Jagdhaus in der Umgebung von Wien. Den vier ...

Das Cover mit dem Forsthaus „Haus Waldesruh“ passt ideal zu dem Roman von David Krems. Die Szenerie spielt in einer kalten Jahreszeit in diesem einstöckigen Jagdhaus in der Umgebung von Wien. Den vier ehemaligen Klassenkameraden geht es nach 15 Jahren seit der Matura nicht nur um ein Wiedersehen samt Austausch von Erinnerungen. Auch schmerzhafte Geheimnisse und mehr tauschen sie in drei Romanteilen aus.
Geht es im ersten Teil um Regelabsprachen, um diverse Themen wie Klimawandel, Umweltschutz, vegane Ernährung, Diskriminierungserfahrungen, zwei Geheimnisenthüllungen und um eine Gedenkminute an ihren Mitschüler Max in Verbindung mit dem Angst einflößenden Klassenvorstand Treichl, folgt im zweiten Teil der unerwartete Auftritt von Josef Treichl samt Marcos Geständnis, dem es um Rache, Gerechtigkeit für Max und um Verschiebung der Machtverhältnisse geht. Mit zunehmendem kriminellem Verhalten dieser Gruppe steigert sich die Spannung auch untereinander, realistisch beschrieben. Mit Leas Geheimnis offenbart sich auch die bisherige, scheinbar gut durchdachte Planung und der eigentliche Sinn dieses Treffens mit ungeplanter Flucht – alles rational und emotional sprachlich gut gesteigert. Schließlich gibt es im dritten Teil in einem alten Stammcafé aus Schülerzeiten nach Wochen voller Kommunikation in Chats und Telefonaten ein abschließendes, sehr aufschlussreiches Treffen der zwei Freundinnen mit überraschenden Wahrheiten.
Die verschiedenen Charaktere sind in ihrer Eigenart während der zunehmenden Stresssituation detailliert karikiert und psychologisch einfühlsam beleuchtet. Die immer noch unterschwellige Angst und Ohnmacht gegenüber mancher Ex-Lehrperson prägt diesen Roman.

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