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Veröffentlicht am 06.05.2025

Eine etwas andere Zugfahrt

In einem Zug
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Was geschieht, wenn man einen berühmten Autor, der seit über 13 Jahren kein Werk veröffentlicht hat, mit einer jungen, wissbegierigen Psychotherapeutin in einem Zug auf gegenüberliegende Plätze setzt und ...

Was geschieht, wenn man einen berühmten Autor, der seit über 13 Jahren kein Werk veröffentlicht hat, mit einer jungen, wissbegierigen Psychotherapeutin in einem Zug auf gegenüberliegende Plätze setzt und sie von Wien nach München fahren lässt?

Genau das erzählt uns Daniel Glattauer in seinem Roman „In einem Zug“, dessen Titel treffender nicht sein könnte. Der gesamte Roman spielt nur auf dieser einen Zugfahrt und lässt den Leser tiefe Einblicke in die Gedankenwelt und das Leben des berühmten Autors Eduard Brünhofer erlangen. Dank Catrin Meyr lernen wir ihn nicht nur besser kennen, sondern erfahren auch von seiner Ansicht zur Liebe und Leidenschaft und wie er zu seinen Romanen steht. Catrin ist gewieft und hat das Talent dazu, die richtigen Fragen zu stellen. Eduard Brünhofer sieht es allerdings nicht so, teilweise übergriffig und sehr intim kommen ihm diese doch sehr vielen Fragen vor. Zumal sich die Fragestellerin ihrerseits eher bedeckt hält.

Mir hat die Zugreise besonders gut gefallen. Die beiden Protagonisten treffen am richtigen Ort, zur richtigen Zeit aufeinander und geben so ein beschauliches und ungleiches Paar ab. Während dem Lesen kam es mir eher so vor, als wäre ich Teil dieses Duetts - also eher der stille Dritte, der nebenan sitzt und den beiden lauscht (selbstverständlich mit Kopfhörern auf den Ohren, damit es nicht allzu offensichtlich ist).

Das Gespräch zwischen den beiden hat mich ebenfalls abgeholt und für sich gewinnen können. Die Richtung, die es angenommen hat, die Wendungen, die es immer mal wieder genommen hat - alles war amüsant zu lesen, teilweise hat man sich mit Herrn Brünhofer in Grund und Boden geschämt oder aber wäre am liebsten mit ihm aufgesprungen, um der zwar netten, aber dennoch dreisten Fragestellerin Einhalt zu gebieten.

Ohne jetzt zu viel vorweg zu nehmen: auch ich habe mich, wie Herr Brünhofer gefragt, was der Sinn hinter dem ganzen Gespräch ist und worauf die junge Dame abzielt. Gegen Ende wird es aufgelöst und ich bin mir sicher, kein Leser wird enttäuscht sein.

Für mich war es das erste Buch von Daniel Glattauer, aber ich schaue bereits nach weiteren Büchern von ihm, denn dieses hier hat mich vollends von seiner Gabe überzeugt.

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Veröffentlicht am 29.03.2025

Ein Buch für jeden und für keinen

Nie wieder sinnlos
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„Dies ist kein Buch der Dogmen und auch keines der letzten Wahrheiten. Dies ist ein Buch der Gegensätze, der Vermutungen, Fragen und Hypothesen, ein Buch der Weite des menschlichen Fühlens. So ist es auch ...

„Dies ist kein Buch der Dogmen und auch keines der letzten Wahrheiten. Dies ist ein Buch der Gegensätze, der Vermutungen, Fragen und Hypothesen, ein Buch der Weite des menschlichen Fühlens. So ist es auch ein Buch der Anerkennung dessen, wie wunderbar unlogisch, inkonsequent und stochastisch der Mensch und sein Geist oftmals sind. Ein Buch der Neigungen, Triebe und des Willens, der Ansätze, eines der inneren Ruhe und des Strebens nach den Sternen zugleich. Dies ist ein Buch für jeden und keinen.“

Ein Buch für jeden und keinen. Dies sind die ersten Sätze von Benjamin B. Bargetzi aus seinem Buch „Nie wieder sinnlos“ und ich finde, besser könnte man es nicht beschreiben als mit diesen Sätzen, denn genau so ist es.
Wer einen Roman erwartet, ist hier total falsch. Wer ein Buch mit einer Aneinanderreihung von Fakten erwartet, den muss ich auch enttäuschen. Aber was ist es für ein Buch? Der Autor selbst verrät uns bereits im ersten Kapitel (Artefakt 0), dass er an dem Buch fünfzehn Jahre lang gearbeitet hat, dass er darin seine „Notizensammlung philosophischer Gedanken und Beobachtungen der Welt“ gesammelt und sodann seine Passion zur Philosophie, Neurowissenschaften und Psychologie entdeckt und sie mit einfließen hat lassen. Er beschreibt sein Buch als Entdeckungsreise und genau so ist es:
es ist in vier große Kapitel gegliedert, welche wieder in insgesamt 42 Kurzkapitel (sogenannte „Artefakte“) unterteilt sind. Jeder Artefakt besteht aus einem „philosophischen Aphorismus und seiner neurowissenschaftlichen und psychologischen Analyse“. So viel zum Aufbau und dem, was den Leser erwartet.
Doch was sage ich dazu?
In der Oberstufe besuchte ich den Philosophiekurs, merkte aber schnell, dass der nichts für mich ist. Doch das hat sich mit den Jahren geändert. Mir haben insbesondere die philosophischen Betrachtungen von Benjamin B. Bargetzi sehr gefallen und mich weiter zum Mit- und Nachdenken angeregt. Gerade die Art und Weise, wie er Philosophie mit Neurowissenschaften und Psychologie verbindet, sie regelrecht vereint und sie als Ganzes dem Leser zu verstehen gibt, finde ich persönlich grandios! Mir hat das Lesen sehr viel Freude bereitet. Es ist keine leichte Kost. Es ist kein Buch, das man einfach mal so durchliest in wenigen Stunden. Es ist kein seichter Roman. Es ist, wie er sagt, eine Entdeckungsreise, eine „abenteuerlustige
Seefahrt durch die Inseln der Philosophie“ und er lädt uns alle dazu ein, mitzufahren und für uns Grenzen zu entdecken oder über sie hinauszufahren.
Ich empfehle es sehr weiter!

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Ein wundervolles Buch mit zauberhaften Geschichten

Der Vogel, der seinen Flügeln vertraute
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In diesem wundervoll gestalteten und liebevoll illustrierten Buch finden sich 25 Geschichten, die den Großen und insbesondere den Kleinen Mut machen, sie auf den Tag vorbereiten, sich glücklich und wohl ...

In diesem wundervoll gestalteten und liebevoll illustrierten Buch finden sich 25 Geschichten, die den Großen und insbesondere den Kleinen Mut machen, sie auf den Tag vorbereiten, sich glücklich und wohl fühlen lassen und sie wissen lassen, dass sie immer genau so gut sind, wie sie eben sind! ❤️
Die Geschichten sind eingebettet in alltägliche Erzählungen: wie starte ich mit meinem Kind gut in den Tag? Wie kann ich meinem Kind Mut und Zuversicht mitgeben? Wie kann ich mein Kind ein Gefühl von Glück und Harmonie geben? Diese und weitere Fragen werden geklärt und mit wundervollen (und auch kurzen) Geschichten beantwortet. Dabei ist das Buch so geschrieben, als würde man mit einer lieben Freundin sprechen, einer, die nicht bewertet, sondern mit der man gemeinsam eben seine Flügel ausstrecken und fliegen lernen kann. Denn wenn wir unseren Kindern beibringen, wie sie sich selber stärken und wohlfühlen können, dann lernen auch sie ihren Flügeln zu vertrauen, breiten sie aus und beginnen zu fliegen!

Dieses Buch ist ein zauberhafter Begleiter durch den Alltag aller Familien. Er versteht Eltern und hilft ihnen, ihre Kinder stark und glücklich zu machen, ohne Bewertung und Verurteilung (was man so oft in Ratgebern liest). Hier halten wir einen für mich besonderen Ratgeber in der Hand, der eben so liebevoll geschrieben und gestaltet wurde, dass er wie ein Freund ist, der mich beim Lesen an die Hand nimmt und mir das Gefühl gibt: auch du bist/ihr seid als Mutter/Vater/Eltern gut genug und du bist/ihr seid das Beste, was eurem Kind/euren Kindern geschieht!

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Ein fantastisches Buch mit wertvollen Erkenntnissen

Du bist gut, wie du bist
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Dieses Buch habe ich erst vor wenigen Tagen erhalten, aber ich musste sofort reinlesen und aus dem Reinlesen wurde dann ein Auslesen. 

Charlène Steck enttabuisiert mit diesem Buch die mentale Gesundheit, ...

Dieses Buch habe ich erst vor wenigen Tagen erhalten, aber ich musste sofort reinlesen und aus dem Reinlesen wurde dann ein Auslesen. 

Charlène Steck enttabuisiert mit diesem Buch die mentale Gesundheit, genauer Depressionen. Und dabei ist sie selbst ein offenes Buch und erzielt unverblümt aus ihrem Leben. Von dem zunächst Alkoholkranken Vater, der es schafft aufzuhören, aber dann erkrankte. Von der Mutter, die überfordert war und nicht mehr konnte und in eine Klinik kam. Von ihren älteren und ihrem jüngeren Bruder, von letzterem, von dem sie fast getrennt wurde in eine Pflegefamilie sollte. Und natürlich von sich selbst, die bereits als Kind erwachsen werden und sich kümmern musste, da es sonst niemand konnte. All das hat sie mit sich getragen und irgendwann kam dann der Punkt, an dem nichts mehr ging, obwohl sie doch alles besaß. Aber Depressionen machen vor niemandem halt, egal wie gut es ihm oder ihr zu gehen scheint. Und dann schrieb sie dieses Buch aus einem Impuls heraus, um ihre Dunkelheit zu teilen. 

„Wenn ich mit diesem Buch nur einen Menschen helfen kann, von meinem Leid verschont zu bleiben, hat es sich gelohnt.“ 

S. 130

Charlène versuchte viele Therapien, rutschte in die Tablettensucht, versuchte dann ihre Gefühle mit Arbeit zu betäuben und unterdrücken, doch nichts half. Sie ging sogar so weit, dass die gar keinen Ausweg mehr fand und sich bei Exit, einer Vereinigung für humane Sterbehilfe in der Schweiz, anmeldete. Durch eine letzte Therapie jedoch fand sie zu ihrem Lebensmut und Lebenswillen zurück und teilt nun all ihre in dieser Zeit gewonnen Erkenntnisse mit uns. Ich habe selbst erlebt, wie dunkel und grausam eine Depression sein kann, weiß wie Therapien und Medikamente helfen (oder auch nicht) und wie sich der Wunsch zum Ende immer mehr manifestiert. Daher habe ich ihr Buch nicht nur gelesen, sondern mit ihr gefühlt und alles wieder erlebt. 

Ihre Erkenntnisse waren mir meist nicht neu, aber noch einmal schön, für sich in Erinnerung zu rufen. Sie hat einige Dinge ganz klar und präzise auf den Punkt gebracht: 

❗️Vergleiche machen krank

❕Social Media ist weder sozial noch authentisch

❗️Handy- und Bildschirmzeit ist verschwendete Lebenszeit

❕umgib dich mit Personen, die dir gut tun und verabschiede dich von den anderen

❗️konsumiere nicht, um dich gut zu fühlen und die Leere in dir zu füllen, sondern höre genau in die Leere hinein

❕Du lebst dein Leben für dich und nicht, um die Erwartungen von anderen zu erfüllen

❗️Hilfe zu suchen und anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke 

❕sei du selbst und lasse deine Masken fallen, Perfekt zu sein ist eine Illusion und führt zu übermäßigen Druck 

❗️lerne „Nein“ zu sagen, denn das ist ein „Ja“ zu dir

 ❕vertraue auf dein Bauchgefühl und deine Intuition: wenn es sich gut anfühlt, ist es auch gut, wenn nicht, dann nicht

❗️ Du bist gut, wie du bist mit allen Ecken und Kanten, mit all deinen Schwächen und Stärken 

❕Lebe und fokussiere dich dabei auf das Wesentliche, anstatt kurzfristige und oberflächliche Ablenkung zu suchen

❗️Schätze die kleinen Dinge im Leben und sei dankbar

❕Schaffe Raum für Leere und beschäftige dich mit dir selbst, tue das, was dir Freude bereitet

❗️Verlasse deine Komfortzone und stelle dich deiner Angst, denn oft sind Ängste nur Einbildungen und das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass du an wertvoller Lebenserfahrung gewinnst

❕Glaube an deine Vision und setze sie um 

Mich hat das Buch sehr beeindruckt und mich wieder an die Dinge erinnert, die für mich wichtig sind! Danke, liebe Charlène, dass du dieses Buch geschrieben hast.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Ein toller Auftakt

Die Schatten von Prag
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Was macht einen guten Kriminalroman aus? Natürlich eine spannende Geschichte, ein Verbrechen, das es zu lösen gilt, einen Ermittler, der trotz aller Widrigkeiten nicht nachgibt, vielleicht sogar einen ...

Was macht einen guten Kriminalroman aus? Natürlich eine spannende Geschichte, ein Verbrechen, das es zu lösen gilt, einen Ermittler, der trotz aller Widrigkeiten nicht nachgibt, vielleicht sogar einen Partner von diesem, der jedoch nicht nur eine Randfigur ist, einen Ort, der düster ist und der so gut beschrieben wird, dass man selbst die modrige Luft riechen, den Nebel sehen und den kalten Rauch der Zigarren von unheimlichen Gestalten auf der Zunge schmecken kann.
All das findet sich in dem Auftakt dieser Reihe. Wir finden uns im Prag von 1910 wieder. Die „Goldene Stadt“ wird vom herannahenden Halleyschen Kometen erhellt und die Gemüter erhitzt, denn der Weltuntergang wird befürchtet. Neben all dem finden unerklärliche Morde statt, denen der rasende Reporter Egon Erwin Kisch auf den Grund geht. Zunächst ausgebremst lässt er sich nicht beirren, da er glücklicherweise auch Unterstützung vorbereitet jungen ehemaligen Medizinstudentin Lenka Weißbach erhält. Die Geschichte nimmt schnell an Fahrt auf und erhält durch die vielen Handlungsstränge und die unterschiedlichen Charaktere eine Spannung, die sich durchweg hält. Mir war es eine Freude, im Prag der 1910er unterwegs zu sein (war ich es doch zuletzt im Jahr 2005) und gemeinsam mit Egon und Lenka diese abscheulichen Verbrechen aufzudecken. Der flüssige Schreibstil, die durch eine wundervolle und spannende Sprache geschaffene Atmosphäre und die Darstellung der Stadt haben mir es leicht gemacht, das Buch in wenigen Tagen zu verschlingen. Auch die Aufmachung des Buches selbst hat mir sehr gut gefallen. Ich kann diese Reihe weiterempfehlen und freue mich auf den nächsten Band, der im Oktober erscheinen wird.

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