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Veröffentlicht am 22.03.2025

Die geniale Reihe geht weiter!

Birds of Paris – Der verborgene Turm
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Nachdem mein Sohn (11) und ich Band 1 und die kostenlose Prequel verschlungen hatten, warteten wir mit großer Vorfreude auf Band 2. Léa und ihre Federsucher-Freunde, die Straßenkinder Roux, Ari, Alex und ...

Nachdem mein Sohn (11) und ich Band 1 und die kostenlose Prequel verschlungen hatten, warteten wir mit großer Vorfreude auf Band 2. Léa und ihre Federsucher-Freunde, die Straßenkinder Roux, Ari, Alex und Coralie, liefern sich mit den Vogelfängern einen spannenden Wettlauf bei der Suche nach dem Markt der Wunder. Zudem wartet auf Léa eine große Herausforderung, die sie mitten ins Hauptquartier der Vogelfänger bringt…

Da Band 2 nahtlos an den ersten Band anschließt, sollte man diesen unbedingt zuvor gelesen haben, auch wenn die Autorin geschickt immer wieder erklärende Rückgriffe auf Teil 1 einstreut. Gerade, wenn man diesen schon vor etwas längerer Zeit gelesen hat, sind diese kleinen Erinnerungshilfen sehr praktisch. Kathrin Tordasi erzählt lebendig und sprachgewandt, und mein Sohn und ich konnten sofort wieder in das magische und geheimnisvolle Paris der Schimmervögel und Glanzwerker abtauchen.

Während in Band 1 Erwachsene kaum eine Rolle spielten, so wird nun das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern näher thematisiert. Kathrin Tordasi schreibt hierbei sehr einfühlsam und glaubwürdig und zeigt, dass es auch bei besten Absichten auf beiden Seiten zu schmerzhaften Missverständnissen kommen kann. Generell kommt der Gefühlsebene der Charaktere bei „Birds of Paris“ eine sehr große Bedeutung zu: Was bedeutet es, als Straßenkind zu leben, früh, zu früh, Verantwortung übernehmen zu müssen? Und wie wirkt es sich auf ein Kind aus, wenn es nirgendwo verwurzelt ist und nie gelernt hat, Freundschaften zu schließen? Selbstzweifel, Unsicherheit, die Suche nach der eigenen Identität, Freundschaft, Verantwortung, der Wunsch nach Zugehörigkeit und die Angst vor Zurückweisung spielen daher für Léa und die Federsucher-Kinder eine zentrale Rolle, die sehr tiefgründig und glaubwürdig ausgearbeitet ist. Man spürt, dass diese Thematik der Autorin ein wichtiges Anliegen ist, und gerade sehr stille und introvertierte Kinder dürften sich hier wiederfinden.

Die Kernhandlung von Band 2 findet ein abgeschlossenes Ende, und doch schließt das Buch mit einem Cliffhanger, der neugierig auf die Fortsetzung macht.

Fazit: Die Reihe „Birds of Paris“ gehört für uns zu besten Kinderbuchreihen ab 10 Jahren, und wir empfehlen sie rundum weiter!

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Wunderbares orientalisches Zeitreiseabenteuer

Aliya und die Unendliche Stadt 1
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Aliya hat bereits früh ihre Eltern verloren und lebt zusammen mit ihrem Großvater in Kairo. Seit einiger Zeit verhält sich dieser jedoch merkwürdig, und auch ein seltsamer Butler ist seit Kurzem im Haus. ...

Aliya hat bereits früh ihre Eltern verloren und lebt zusammen mit ihrem Großvater in Kairo. Seit einiger Zeit verhält sich dieser jedoch merkwürdig, und auch ein seltsamer Butler ist seit Kurzem im Haus. An ihrem 11. Geburtstag erhält Aliya ein seltsames Amulett, und erfährt eher zufällig, dass sie aus einer Familie von Zeitreisenden stammt. Für ihre Zeitreiseausbildung kommt Aliya durch ein Portal in die Unendliche Stadt und wohnt dort in einer Schülerherberge, die von einer Ghulin als Hausmutter geleitet wird und in der sie auf andere Zeitreiseschüler trifft. Bevor sie in die Schule aufgenommen wird, muss sie zwei Prüfungen bestehen. Doch gleichzeitig warten gefährliche Herausforderungen auf sie, denn der dunkle Magier Dorian Darke hat seine ganz eigenen Pläne mit Aliya…

Ich habe das Buch zusammen mit meinem Sohn (11) gelesen, und wir waren beide von Anfang an von der Geschichte fasziniert. Das Setting im Orient ist eine erfrischende Abwechslung zu den sonst meist in der westlichen Welt angesiedelten Kinderbüchern, und mit Aliya reist man beim Lesen durch verschiedene Jahrhunderte der ägyptischen Geschichte. Auch wenn die Historie nur angerissen wird, lädt sie dennoch dazu ein, sich näher mit ägyptischer Geschichte zu befassen. Auch die fantastischen Wesen entstammen dem orientalischen Raum: Es gibt Spinxe, Dschinns und Ghule, auch Baraka spielt eine Rolle und das Ouroboros-Symbol (auch wenn dieses nicht so benannt wird).

Das Buch ist sprachlich abwechslungsreich geschrieben, die Handlung ist temporeich und spannend bis zur letzten Seite. Die Romanwelt hat viel Potential und steckt voller kreativer Einfälle, so dass wir sehr viel Freude beim Lesen hatten. Aliya ist eine sehr sympathische Protagonistin, die sich im Laufe der Geschichte Gewissensfragen stellen muss, auch mal strauchelt und zweifelt. Das macht sie nahbar und zu einer guten Identifikationsfigur für die Zielgruppe ab 11 Jahren. Die Altersempfehlung ist unserer Meinung nach sehr passend.

Die Geschichte um Aliya ist als Trilogie angelegt, und dementsprechend bleiben nach Band 1 noch Fragen offen, auch wenn der maßgebliche Handlungsstrang der Geschichte einen (vorläufigen) Abschluss findet. Wir sind sehr gespannt, wie es in der Unendlichen Stadt mit Aliya weitergeht und freuen uns schon auf die beiden Folgebände!

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Veröffentlicht am 18.03.2025

TBC - Die tödlichste Infektionskrankheit der Welt

Tuberkulose
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John Green kannte ich bisher vor allem als Jugendbuchautor, etwa von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, und war zunächst überrascht, dass er nun ein Sachbuch zum Thema Tuberkulose veröffentlicht. ...

John Green kannte ich bisher vor allem als Jugendbuchautor, etwa von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, und war zunächst überrascht, dass er nun ein Sachbuch zum Thema Tuberkulose veröffentlicht. Tuberkulose – ist das nicht eine Krankheit aus längst vergangenen Zeiten, damals, als sie noch Schwindsucht genannt wurde?

John Green zeigt in seinem Buch auf eindrückliche Weise, wie hochaktuell Tuberkulose (TBC) auch heute noch ist. Mit 1,25 Millionen Toten pro Jahr ist TBC bis heute die weltweit tödlichste Infektionskrankheit, die aber leider in der westlichen Welt aus dem Fokus gerückt ist, weil die meisten Krankheitsfälle in ärmeren Ländern auftreten. Green erklärt, wie Diskriminierung, Rassismus, Mangelernährung, fehlende Infrastruktur und unzureichender Zugang zu sauberem Wasser, Nahrung und Hygiene die Ausbreitung von TBC begünstigen und die Behandlung und Heilung der Patienten verzögern oder verhindern. Aufgrund zuverlässiger Tests und wirksamer Medikamente könnte nahezu jeder TBC-Kranke geheilt werden – doch, so schreibt Green, „Die Medikamente sind da, wo die Krankheit nicht ist, und die Krankheit ist da, wo die Medikamente nicht sind.“ So ist TBC nicht nur eine Krankheit, die durch ein Bakterium hervorgerufen wird, sondern wesentlich durch soziologische und ökonomische Faktoren bestimmt wird und an der kurzsichtige Kosten-Nutzen-Analysen einen entscheidenden Anteil haben.

Neben der hochaktuellen Problematik wirft Green auch einem historischen Blick auf TBC, auf die romantische Verklärung im 19. Jahrhundert, die maßgeblich das damalige Schönheitsideal beeinflusst hat, auf die Sanatorien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die Stigmatisierung TBC-Kranker. Auch auf die medizinischen Aspekte geht Green näher ein, von der Identifizierung des Bakteriums M. tuberculosis als Erreger der Krankheit über die Suche nach Heilmitteln und Impfungen bis hin zu den ersten wirksamen Therapien ab 1944 und den aktuellen Therapierichtlinien.

John Green hat zu diesem Buch umfangreich recherchiert, wie immer wieder aus dem Text selbst sowie aus dem Nachwort und der umfangreichen kommentierten Literaturliste hervorgeht, und man spürt beim Lesen, dass ihm dieses Thema eine echte Herzensangelegenheit ist. Green ist kein Mediziner, und so ist sein Buch auch keine trockene medizinische Abhandlung, sondern ein eindringlicher Appell an uns, die Mechanismen der globalen Gesundheitsfürsorge und des Medikamentenzugangs zu hinterfragen und die Infektionskrankheit, die Jahr für Jahr in den Schwellen- und Entwicklungsländern die meisten Todesopfer fordert, wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Sehr lesenwert!

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Veröffentlicht am 18.03.2025

ein wundervolles Buch!

Was ich von dir weiß
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Ein wirklich außergewöhnliches Buch! Der Schreibstil in der „Du“-Form ist zunächst ungewohnt, und ich brauchte ein bisschen, um mich einzulesen. Doch je weiter die Geschichte fortschritt, umso stärker ...

Ein wirklich außergewöhnliches Buch! Der Schreibstil in der „Du“-Form ist zunächst ungewohnt, und ich brauchte ein bisschen, um mich einzulesen. Doch je weiter die Geschichte fortschritt, umso stärker zog sie mich in ihren Bann, und umso besser verstand ich auch den erzählerischen Kniff des Autors. Zum Inhalt möchte ich gar nicht mehr vorwegnehmen, als die Verlagsbeschreibung verrät, da den besonderen Reiz des Romans auch die inhaltlichen und erzählerischen Überraschungsmomente ausmachen. Éric Chacour erzählt mit großem Einfühlungsvermögen von Einsamkeit und Nähe, von Sprachlosigkeit und Liebe, von Schmerz und Hoffnung. Zum Schluss wollte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und war beinahe traurig, als ich die letzte Seite erreicht hatte. Ein sehr berührender Familienroman, der auch einen interessanten Einblick in die ägyptische Gesellschaft ab den 1980er Jahren bietet, und den ich unbedingt weiterempfehlen möchte!

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Tierisch gut!

Chicken Impossible
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In Berlin-Spandau wohnen die beiden Schwestern Helene (72) und Hilde (77) nach dem Tod der Mutter gemeinsam in einem alten Haus. Da das Verhältnis der beiden zeitlebens schwierig war, ist die Zweckgemeinschaft ...

In Berlin-Spandau wohnen die beiden Schwestern Helene (72) und Hilde (77) nach dem Tod der Mutter gemeinsam in einem alten Haus. Da das Verhältnis der beiden zeitlebens schwierig war, ist die Zweckgemeinschaft alles andere als harmonisch. Sehr zu Hildes Missfallen beschließt Helene, vier Junghennen zu halten und widmet sich voller Elan dem Bau von Voliere und Auslauf für die beiden Amrocks Rocky und Amy und die zwei Sundheimer Susi und Heidi. Die Situation zwischen den beiden Schwestern verschlechtert sich zusehends, bis eines Tages eine der beiden von der anderen ermordet wird. Da beide sehr zurückgezogen gelebt haben, steht die Polizei vor einem Rätsel, denn es gibt kein privates Umfeld, das Aufschluss geben könnte. Nur die Hühner haben seit Monaten alles beobachtet…

Die einzelnen Kapitel sind abwechselnd aus Sicht des Ersten Huhns der Hackordnung, Rocky, und den beiden Schwestern erzählt und werden mehrfach ergänzt durch eingeschobene Zeitungsartikel zu dem Mordfall. Die Kapitel aus Rockys Perspektive sind mit einer wohldosierten Portion Humor erzählt, ohne ins Alberne abzudriften, wie dies bei Tierkrimis oft der Fall ist. Als Leser bekommt man einen sehr unterhaltsamen Einblick in das Zusammenleben der Hühner zweier unterschiedlicher Rassen. Die beiden Amrocks sind körperlich kräftig, groß gewachsen und streuen in ihre Dialoge als amerikanische Rasse immer wieder englische Ausdrücke mit ein, während die zurückhaltenderen Sundheimer Hennen in badischem Dialekt sprechen. Heidi zeichnet sich hier besonders durch schnelle Kombinationsgabe aus, während Susi oft eine etwas längere Leitung hat. Als Schwäbin habe ich mich sehr über die Passagen im ganz hervorragend getroffenen Dialekt gefreut und musste oft schmunzeln. Rocky und ihre Hennenschwestern beobachten die Vorgänge zwischen Hilde und Helene ganz genau – nicht nur aus Interesse, sondern schon aus ihrem Selbsterhaltungstrieb heraus. Ist Helene abgelenkt durch ihre Auseinandersetzungen und vergisst beispielsweise das rechtzeitige Füttern oder das Vorschieben eines Riegels an der Voliere, so haben die Hühner ein Problem: Im ersten Fall knurrt ihr Magen, im zweiten stehen Fuchs und Waschbär schon bereit.

Die Kapitel aus Sicht von Helene und Hilde beleuchten die schwierige Beziehung der beiden Schwestern, deren Gründe bis in die Kindheit zurückreichen. Das Leben unter einem Dach wird zunehmend unerträglich, und die Lage spitzt sich immer weiter zu. Ich konnte mir die Situation zwischen den beiden lebhaft vorstellen, und leider erschien es mir ziemlich realistisch. Es gibt auch im wahren Leben Menschen, deren Verhältnis sich oft jahrzehntelang darauf fokussiert, dem anderen das Leben möglichst schwer zu machen, sei es unter Geschwistern, Nachbarn oder Eheleuten. Ich habe dieses Buch daher nicht nur als Krimi verstanden, sondern auch als einen Roman, der einen fein beobachteten Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen wirft, deren Konflikte sich über Jahre oder Jahrzehnte oft verselbständigen und die geradezu zu einem Lebensinhalt werden. So steht das Streben nach dem Unglück des anderen oft höher als der Wunsch nach eigenem Glück und einem harmonischen Miteinander für die begrenzte Zeit, die im Leben bleibt.

Ein Buch, das neben dem spannenden und humorvoll erzählten Kriminalfall auch zum Nachdenken anregt, wie wir mitunter miteinander umgehen.
Eine absolute Leseempfehlung!

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