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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2025

Pathetisch und ohne viele neue Ideen

Ungezähmt
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"Vielleicht war Eva uns niemals zur Warnung gedacht. Vielleicht war sie uns zum Vorbild gedacht.
Gesteh dir dein Verlangen ein.
Iss den Apfel.
Lass es brennen."
(S. 136)

Meine Meinung:
Die Tatsache, dass ...

"Vielleicht war Eva uns niemals zur Warnung gedacht. Vielleicht war sie uns zum Vorbild gedacht.
Gesteh dir dein Verlangen ein.
Iss den Apfel.
Lass es brennen."
(S. 136)

Meine Meinung:
Die Tatsache, dass dies meine erste Rezension im Mai ist, weil ich so lange gebraucht habe, um dieses Buch zu lesen und dass ich mich auch so lange vor dem Schreiben der Rezension gedrückt habe, sagt eigentlich schon alles...
Das Buch wollte ich unbedingt lesen, weil Maria Christina Piwowarski in der Corona-Zeit oft empfohlen hat und weil ich es mir deshalb vor bald fünf Jahren auf die Wunschliste gepackt habe. Ein feministisches Buch einer Autorin, die selber hart mit sich ins Gericht geht, kritisch mit eigenen Glaubenssätzen umgeht und auch klar benennt, welche strukturellen Probleme oft zu Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten führen? Klingt super. Und der Anfang hat mich auch ehrlich begeistert. Leider folgt nun ein Aber (oder zwei): erstens hat mich gestört, wie repetitiv und abgedroschen viele Überlegungen und Phrasen sind. Vielleicht habe ich auch einfach schon so viele gute, differenzierte, kluge und ehrliche feministische Literatur gelesen, dass mich die "Erkenntnisse", welche Doyle hier präsentiert, nicht vom Hocker gehauen haben. Zweitens stört mich auch, wie sich Doyle oft hinter ihrer Spiritualität versteckt. Nicht, weil mich solche Themen in Büchern stören, sondern weil diese Stellen im Buch so aufgesetzt und pathetisch wirken, dass ich mich beim Lesen unwohl gefühlt habe. Doyle ist sich ihrer Massenwirksamkeit sehr bewusst, sie weiss, dass sie vor allem von (sehr, sehr vielen) weissen, christlichen, mit Männern verheirateten und kinderreichen Amerikanerinnen gelesen wird und diese Zielgruppe spricht sie auch sehr gezielt an. Besonders irritiert haben mich ihre ach so neuen Selbsterkenntnisse in Bezug auf ihre eigenen Privilegien. Ich muss leider zugeben, dass es echt nicht immer einfach war, Empathie für diese Frau zu empfinden, die in der Mitte ihres Lebens plötzlich bemerkt hat, dass beispielsweise Schwarzen Menschen, respektive natürlich allen BiPoC (und auch hier vor allem Frauen) andere Steine in den Weg gelegt werden, als einer weissen Frau...
Ich ziehe aber ehrlich meinen Hut vor der Offenheit, mit der Doyle über ihre Fehler und ihr eigenes Lernen berichtet und mir ist bewusst, dass die Bubble, in der sie aufgewachsen ist, dazu geführt hat, dass sie sich ihrer eigenen Position nicht bewusst war. Auch finde ich es beeindruckend, dass sie ihre Wut und ihre aus ihrem neuen Lebensentwurf gewonnene Kraft dazu genutzt hat, ein grosses gemeinnütziges Netzwerk ins Leben zu rufen, das jährlich unzähligen Menschen, mir Rat, Tat und grossen finanziellen Beträgen unter die Arme greift.

Meine Empfehlung/Fazit:
Ich denke, dass dieses Buch ein sehr guter Einstieg ins Thema sein und vielen Menschen Gedankenanstösse, Hilfestellungen und Hoffnung schenken kann. Mir persönlich ging das Buch zu wenig weit und vor allem habe ich mich mit dem aufgesetzten Pathos sehr schwer getan. Das Buch kommt in einen Bücherschrank und wird hoffentlich in die richtigen Hände fallen, damit es noch viel Gutes bewirken kann.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Schwerfällig, aber berührend

Wie schwer wiegt ein Schatten
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Inhalt:
In der geschichtsträchtigen und bedrohten Stadt Tel Aviv entflammt eine verbotene Liebe zwischen der aus Deutschland angereisten Journalistin Mia und dem einheimischen David. Denn David ist verheiratet ...

Inhalt:
In der geschichtsträchtigen und bedrohten Stadt Tel Aviv entflammt eine verbotene Liebe zwischen der aus Deutschland angereisten Journalistin Mia und dem einheimischen David. Denn David ist verheiratet und Vater einer Adoptivtochter. Als Mia Ruth ausfindig macht, eine damalige Freundin ihrer verstorbenen Mutter, wird sie mit Wahrheiten und Schicksalen aus ihrer Familiengeschichte konfrontiert, denen sie bisher ausgewichen ist.

Meine Meinung:
Zum ersten Mal seit vielen Jahren habe ich mich mit einem Buch aus einem meiner liebsten Verlage schwer getan. Die ersten paar Kapitel wirken durch den überladenen Schreibstil, der innerhalb von kürzester Zeit enorm viele Personen, Schicksale, Orte, Beschreibungen und historische Hintergründe kombiniert, sehr, sehr zäh. Ich weiss nicht, ob ich weitergelesen hätte, wenn dieses Buch kein Rezensionsexemplar gewesen wäre.
Doch dann trifft die Protagonistin Mia auf Ruth, welche sie sofort herzlich bei sich aufnimmt und bereit ist, mit ihr gemeinsam in viele schöne aber auch sehr schmerzliche Kapitel ihrer Vergangenheit zu reisen. In Ruth findet sie eine mütterliche Freundin und beginnt, viele Erinnerungen und Geschichten aus ihrer Kindheit zu verstehen.
Gleichzeitig wird die ausweglos wirkende Liebesgeschichte zwischen Mia und David sehr realistisch beschrieben und es hat mir sehr gut gefallen, wie zwiegespalten Mia sich gegenüber dieser komplizierten Affäre verhält.
Auch habe ich nach einigen Kapiteln begonnen, mich vor allem auf Mias Familiengeschichte und ihre Liebe zu konzentrieren und habe dabei eine immer grössere Sogwirkung erlebt. Denn auch wenn dieses Buch vor allem am Anfang so wirkt, als würde es dabei helfen wollen, den Nahost-Konflikt besser zu verstehen, so bietet es vielmehr einen einfühlsamen Einblick in das Leben israelischer Juden. In ihre Ängste und Sorgen, ihr Freud und Leid. Und nicht zuletzt deshalb ist das Buch einfach ein ehrlicher Bericht über diese gebeutelte Region. Es weiss nämlich, dass es nicht mit Hetze oder Parolen lösen kann, was seit so vielen Jahrzehnten im Argen liegt, es zeigt einfach auf, wie ein Alltag in einem bedrohten Land aussehen kann.

Fazit:
"Wie schwer wiegt ein Schatten" hat es mir vor allem am Anfang nicht einfach gemacht. Wer aber über ein wenig Sitzfleisch und vor allem Offenheit für menschliche Schicksale verfügt, findet in diesem Buch eine berührende Familiengeschichte und eine abenteuerliche Romanze.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Spannender Einstieg, sehr zäh

Lazarus
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Rezension zum Hardcover, das hier leider nicht mehr gelistet ist:

Inhalt:
Vladimir Brick stösst auf die Geschichte des jungen jüdischen Einwanderers Lazarus Averbuch, der 1908 in Chicago hinterrücks von ...

Rezension zum Hardcover, das hier leider nicht mehr gelistet ist:

Inhalt:
Vladimir Brick stösst auf die Geschichte des jungen jüdischen Einwanderers Lazarus Averbuch, der 1908 in Chicago hinterrücks von Polizisten erschossen worden ist. Beim Versuch, den Mord zu vertuschen, ist über Averbuch verbreitet worden, er sei eine Gefahr für die Demokratie gewesen. Brick möchte auf den Spuren des Mannes in die Vergangenheit reisen und nimmt seinen Freund Rora, einen in den 1990er Jahren aus dem belagerten Sarajevo geflüchteten Fotografen, auf einen sonderbaren Roadtrip mit. Auf zwei Zeitebenen erzählt Hemon, wie Rora und Brick sich in der Gegenwart von Chicago aus in den Osten Europas aufmachen und dabei alten Geschichten, Feinden und Verbündeten sowie ihren eigenen Wurzeln begegnen und wie in der Vergangenheit überlebende Freunde und Verwandte von Lazarus um ihn trauern, befragt werden und ihn vermissen.

Leseeindrücke:
Hemons Erzählungen schwanken stets zwischen Traum und Wirklichkeit, Wunsch und Realität und wie bei Roras Geschichten wird auch in Hemons Roman selten klar, was nun wirklich stimmt, und was der Fantasie des Erzählers entsprungen ist. Ganz so, wie es halt immer ist, wenn ein Bosnier eine Geschichte erzählt.
Immer wieder werden die bosnischen Comicfiguren Mujo und Suljo bemüht, immer wieder stoppen aber auch tragische und gewaltvolle Kriegserinnerungen den Erzählfluss. Zarter bis derber Humor und die Brutalität des Alltags in Krieg treffen dabei ungebremst aufeinander.
Der Einstieg in die Geschichte ist mir leicht gefallen, dann wurde diese aber leider sehr zäh und auch wenn ich mich mit vielen der historischen und politischen Hintergründe auskenne (was sich definitiv lohnt), wurde mir irgendwann alles zu theoretisch und die philosophischen Geplänkel zwischen Rora und Brick haben die eigentlich spannende Handlung zu sehr in den Hintergrund gedrängt.

Fazit:
Das Buch beinhaltet zwar immer wieder äusserst unterhaltsame Szenen, es ist gekonnt erzählt und die tragischen historischen Hintergründe, welche es thematisiert, sind wirklich spannend in die Geschichte integriert. Insgesamt war mir das alles aber ein wenig zu zäh erzählt, weshalb das Buch einen Platz in einem offenen Bücherschrank finden darf.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Kommt nicht an die Vorgänger heran, ist aber eine gemütliche Lektüre

Spätsommerliebe
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Inhalt:
Der letzte Band der Maierhofen-Reihe setzt dort an, wo viele andere Liebesromane aufhören; beim Happy End. Im dritten Band haben ganz viele glückliche Paare zusammengefunden, im vierten Band geht ...

Inhalt:
Der letzte Band der Maierhofen-Reihe setzt dort an, wo viele andere Liebesromane aufhören; beim Happy End. Im dritten Band haben ganz viele glückliche Paare zusammengefunden, im vierten Band geht der Alltag los, der nicht immer eitel Sonnenschein ist, von der Arbeit und den vielen Verpflichtungen im Geniesserdorf unterbrochen und teilweise überschattet wird und es den Paaren nicht immer einfach macht, ihre Beziehung zu pflegen.

Meine Meinung:
Grundsätzlich hat mir dieser vierte und letzte Band der Reihe sehr schöne Lesestunden beschert und ausserdem haben die wunderbaren Beschreibungen der kulinarischen Genüsse und die vielen Rezepte (wenn auch ich 45 Seiten Rezepte nach knapp 280 Seiten Roman als eher viel empfinde) im Anhang die Geschichte wunderschön abgerundet.
Ein paar andere Dinge haben mich aber leider gestört. Es sind die anpackenden, klugen Frauen von Maierhofen, welche das verschlafene Dörfchen ganz gross gemacht und in unzähligen Stunden (teilweise unbezahlter) Arbeit ihre Betriebe zum Laufen gebracht und das Kräuter der Provinz-Festival ins Leben gerufen haben. Es sind die Frauen, welche die Geschicke des Dorfes leiten, sich in ihren wenigen freien Stunden für die Nachbarschaft aufopfern und natürlich sind es auch die Frauen, welche von ihren Partnern dafür kritisiert werden, keine Kapazität mehr für ihre Männer zu haben und sich nicht mehr dem süssen Nichtstun hingeben zu können..
Immer mal wieder wird zwar die Arbeit dieser Frauen geschätzt und grundsätzlich gefällt es mir auch, dass die Kraft dieser Frauengemeinschaft so oft im Zentrum steht und ausgerechnet in der Zusammenarbeit mit der jungen Autorin Michelle auch mit vielen überalterten Klischees aufgeräumt wird. Dass ein Vater aber seine eigenen Kinder nicht "babysitten" kann, weil er halt arbeitet (seine Frau ja nicht und "babysitten"? die eigenen Kinder? ich muss doch sehr bitten), dass ein Mann es schafft, seiner Frau nur im Weg zu stehen, ihre Arbeit permanent zu sabotieren und dass es dann doch sie es ist, die nach einem Konflikt um Verzeihung bitten muss, weil sie ja so "übertrieben hat" und dass sich lediglich Frauen um Dekoration und nicht mehr mobile Menschen in der Nachbarschaft kümmern, das sind Bilder und Umschreibungen, die heutzutage definitiv nicht mehr in eine Geschichte gehören, Romantik und Wohlfühlroman hin oder her.

Meine Empfehlung:
Es ist gut, dass diese Reihe nun ein Ende gefunden hat. So schön es in Maierhofen auch ist und so sehr ich mich jeweils auf ein Wiedersehen mit den sehr liebgewonnenen Figuren gefreut habe, so sehr habe ich die Gemütlichkeit aus dem ersten und zweiten Band vermisst und stattdessen viel Hin und Her und leider auch viele Klischees angetroffen. Trotzdem haben mich das Buch und die ganze Reihe sehr gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Kann man lesen, muss man aber definitiv nicht

Paare
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Inhalt:
Das lyrische Ich, eine Frau in einer heterosexuellen Paarbeziehung, fühlt sich eingeengt und gibt sich erotischen Schwärmereien mit einer Frau hin, die ihr nach einer flüchtigen Begegnung keine ...

Inhalt:
Das lyrische Ich, eine Frau in einer heterosexuellen Paarbeziehung, fühlt sich eingeengt und gibt sich erotischen Schwärmereien mit einer Frau hin, die ihr nach einer flüchtigen Begegnung keine Ruhe mehr lässt. Aus Traum wird Wirklichkeit, aus Gedanken werden Leidenschaften und die Paarbeziehung zerbricht, ein neues Leben und Lieben beginnt.

Meine Meinung:
Das Buch habe ich vor einigen Monaten von Esther @eniffenegger erhalten und ich war wirklich neugierig auf den Inhalt, die Geschichte konnte mich aber nicht komplett überzeugen.
Es ist ein alter Zopf: eine Frau ist in ihrer (heterosexuellen) Paarbeziehung nicht (mehr) glücklich und erfüllt und sucht nach neuen Wegen und Beziehungsformen. Es wird wild und erotisch, aber die Zweifel bleiben. Habe ich mich richtig entschieden? Ist das mein neues Leben, meine neue Liebe? Was muss und will ich teilen, wie kommuniziere ich meine Bedürfnisse?
In einer zwischen Lyrik und Prosa feinsinnig balancierenden Sprache erzählt Millner diese Geschichte, von der ich glaube, dass sie nur aufgrund der darin vorkommenden - vermeintlichen - gesellschaftlichen Tabus überhaupt so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Denn, sind wir ehrlich, ich habe schon so viele queere und feministische Bücher gelesen, dass mir die im Buch geschilderten erotischen Szenen und die inneren wie äusseren Konflikte der Protagonistin nur noch ein müdes Lächeln abringen. Vielmehr loben möchte ich die Erzählsprache, die es wirklich in sich hat und humorvoll und klug verschiedenste kulturhistorisch relevante Werke mit dieser einfach gestrickten Liebesgeschichte verknüpft. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Übersetzung dieses Buches eine grosse Herausforderung war und möchte Eva Bonné hier noch einmal sehr lobend erwähnen.

Fazit:
Ja, kann man lesen, muss man aber definitiv nicht. Maggie Millner möchte ich aber unbedingt im Auge behalten und ich rate euch, dies auch zu tun. Sie kann nämlich wirklich sagenhaft gut erzählen und mit ihrer Sprache spielen.

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