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Veröffentlicht am 23.04.2025

Die vielen Gesichter der Einsamkeit

Die Anatomie der Einsamkeit
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Der Erstling von Louise Pelt "Die Halbwertszeit von Glück" hat mir sehr gut gefallen und deshalb war ich schon neugierig auf ihren neuen Roman.
Auch diesmal haben wir verschiedene Zeitebenen, aber nur ...

Der Erstling von Louise Pelt "Die Halbwertszeit von Glück" hat mir sehr gut gefallen und deshalb war ich schon neugierig auf ihren neuen Roman.
Auch diesmal haben wir verschiedene Zeitebenen, aber nur zwei Hauptprotagonistinnen, die irgendwie miteinander verbunden zu sein scheinen. Wie schon in ihrem Debüt erfährt man erst relativ spät, wie alles zusammenhängt und rätselt sehr lange, wie die beiden Geschichten zusammenhängen könnten.

Nach einem dramatischen Prolog aus dem Jahr 1950, der mich anfangs ratlos zurückließ, starten wir ins erste Kapitel.
Im Jahr 2000 lernen wir die erfolgreiche New Yorker Anwältin Claire kennen, die vor kurzem einen sehr lukrativen Abschluss hinter sich hat. Mit ihrem Kollegen Will hat sie eine geheime Affäre, bei der sie seit langer Zeit wieder so etwas wie Nähe zu einem anderen Menschen spürt und zulässt. Seit dem Bruch mit ihrer Zwillingsschwester Iris hat sie niemanden mehr an sich herangelassen. Ihr Leben auf der Überholspur ließ dies auch kaum zu. Doch auch Will enttäuscht sie. Als sie zusätzlich noch die Nachricht von Iris Tod erhält, verliert die toughe Erfolgsfrau den Boden unter den Füßen. Sie nimmt sich eine kleine Auszeit und fliegt auf die kleine Insel, auf der ihre Schwester die letzten Jahre gelebt hat. Dass diese Insel bis auf das Haus von Iris unbewohnt und nur mit dem Boot erreichbar ist, stürzt die New Yorkerin, die Trubel gewohnt ist, in eine Krise. Die Einsamkeit packt sie und nur langsam findet sie Zugang zu der Welt ihrer Zwillingsschwester. Nach und nach wird aufgedeckt, wie es zum Bruch der beiden Schwestern kam....

Im Jahr 2022 sind wir bei Olive in London. Sie ist Journalistin und nicht glücklich in ihrem Job. Sie will endlich über anspruchsvolle Themen schreiben. Als sie wieder von ihrer Chefin übergangen wird, ist sie wütend. Sie fühlt sich einsam, nirgends zugehörig und allein. Als sie einen Anruf von ihrer Schwester Sadie erhält und diese ihr anschließend ein Foto eines Artikels aus einer deutschen Zeitung schickt, wird Olive hellhörig. Im Keller eines Wohnhauses in Hamburg wurde eine eingemauerte Leiche gefunden, die einen ganz besonderen Kompass in Händen hält. Olives Kompass, den sie von ihrer geliebten Großmutter Poppy als vorgezogenes Erbe bekommen hat, gleicht diesem Teil aufs Haar. Doch laut einem Begutachter ist ihr Kompass ein Einzelstück. Da ihre Großmutter seit einem Schlaganfall pflegebedürftig und kaum mehr ansprechbar ist, möchte Olive herausfinden, was es mit diesem identen Kompass auf sich hat. Sie schlägt ihrer Chefin eine große Story dazu vor, die diese tatsächlich annimmt. Gemeinsam mit dem Fotografen Tom, der für die Zeitung alles festhalten soll, macht sich Olive auf den Weg nach Hamburg.

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Olive und Claire erzählt. Was die beiden Frauen verbindet, deren Leben auf zwei verschiedenen Kontinenten und durch zwanzig Jahre getrennt ist, wird erst nach und nach ersichtlich. Dass der Kompass dabei eine große Rolle spielt, ist allerdings bereits aus dem Klappentext augenscheinlich. Die Geheimnisse rund um Poppy, die in ihre Vergangenheit führen, sind spannend erzählt und doch hat man bald eine Ahnung, wohin sie führen könnten. Trotzdem gibt Louise Pelt nur so viel frei, dass immer nur ein Puzzlestück nach dem anderen aufgedeckt wird.

Die Charaktere sind sehr authentisch dargestellt. Beide Hauptfiguren sind sehr mit sich selbst beschäftigt und sie verbindet das Gefühl nirgends dazu zugehören.
Während Claire kontrolliert und ehrgeizig, kühl und einsam wirkt, ist Olive eine junge Frau mit wenig Selbstvertrauen, etwas tollpatschig und unstrukturiert. Sie hatte ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Großmutter, welches seit dem Schlaganfall etwas schwierig geworden ist. Olive macht sich große Sorgen um Poppy und war enttäuscht, als sie "nur" einen Kompass vererbt bekommen hat, während ihre Geschwister ihren VW Bus oder eine Perlenkette erhalten haben.

Über jedem Kapitel steht der Name, der Monat und das Jahr, damit wir als Leser wissen, wessen Geschichte wir gerade lesen. Meistens endet der Abschnitt mit einem kleinen Cliffhanger. Deshalb möchte man am liebsten sofort weiterlesen, um mehr zu erfahren. Zusätzlich gibt es zwischen den einzelnen Kapiteln Gedichte aus den Vierziger Jahren, die in Deutschland und Dänemark geschrieben wurden.

Louise Pelt ist es wieder gelungen diesen vielschichtigen Roman einfühlsam und mitreißend zu erzählen. Trotz der ruhigen Erzählweise, wollte ich keine der beiden Frauen verlassen, wenn die Sichtweise gewechselt wurde. Trotz kleiner Längen in der Mitte des Romans fieberte ich dem Ende entgegen - mit dem Wunsch eines Aufeinandertreffens und der Relativierung dieser Tragödie, die sich über Jahrzehnte gezogen und einige Familien über Generationen hinweg, beeinflusst hat.

Fazit:
Im Roman geht es um die Einsamkeit mit ihren verschiedenen Facetten und über ein Geheimnis, welches Familien über Generationen beeinflusst hat. Aber auch um einen Neuanfang und dem Finden zu sich selbst. Wieder ein wunderschöner Roman der Autorin!

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Die Erfindung des Goldbären

Haribo - Goldene Zeiten brechen an
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Der zweite Band rund um die Firma Haribo schließt nahtlos an den ersten Band an. Die dunkle Zeit in Deutschland beginnt, denn es ist 1939 und sowohl Hans junior, als auch Paul werden eingezogen. Zuvor ...

Der zweite Band rund um die Firma Haribo schließt nahtlos an den ersten Band an. Die dunkle Zeit in Deutschland beginnt, denn es ist 1939 und sowohl Hans junior, als auch Paul werden eingezogen. Zuvor jedoch kämpfen Hans senior und Gertrud darum, während des Krieges als kriegswichtig eingestuft zu werden, um die Produktion am Laufen zu halten. Mit Salmiakpastillen und Brustkaramellen gelingt es ihnen weiter produzieren zu dürfen. Damit bieten sie auch weiterhin Arbeitsplatze für viele Menschen in der Umgebung. Hans gelingt es lange, sich davor zu drücken in die Partei einzutreten. Doch 1944 bleibt ihm keine andere Wahl mehr, um weiterhin Rohstoffe für ein Unternehmen zu bekommen. Doch ein schlimmer Schicksalsschlag stellt die Familie vor neue Probleme...

Sehr interessant wird es, als Gertrud und Anita am Ende des Krieges darum kämpfen, die Genehmigung zu bekommen, um weiter produzieren zu dürfen. Zuerst bei den US-Amerikanern und danach bei den Briten, die Bonn besetzen. Vor allem Anita ist mit ihren Englischkenntnissen eine große Hilfe. Als es endlich weitergeht mit der Produktion, ist weiterhin Anita an der Seite ihrer Mutter. Sie erkennt, wie wichtig das Familienunternehmen ist und beginnt Freude an der Arbeit zu finden.....

Mehr will ich hier nicht mehr verraten, denn es kommen sehr turbulente Zeiten auf die Unternehmerfamilie zu, die den Zusammenhalt aller auf die Probe stellt. Das Autorenpaar nimmt uns mit an die Front, zeigt uns aber genauso, wie Gertrud und Anita um die Firma kämpfen. Sind es zuerst die Kriegswirren, werden danach die Probleme innerhalb der Familie größer. Es wird Zeit das Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben, doch die Kinder haben unterschiedliche Vorstellungen, wie es mit Haribo weitergehen soll....
Natürlich wird auch erzählt, wie der heute berühmte Goldbär schlussendlich entstanden ist.

Wie bereits im ersten Band, stützt sich das Autorenpaar, welches unter dem Pseudonym Katharina von der Lane schreibt, auf zugängliche historische Daten, die sie mit fiktiven Elementen vermischt. Die daraus entstehende Geschichte wird damit bildhafter und mitreißend erzählt. Eine Kooperation mit der Familie Riegel fand jedoch nicht statt.
Die Charaktere sind sehr lebendig dargestellt und haben alle ihre Ecken und Kanten. Ich habe mit ihnen mitgefiebert, mich geärgert, mich gefreut oder mitgelitten. Genauso sollte es sein, wenn man einen Roman dieses Genres liest.

Fazit:
Im zweiten Band der Dilogie erleben wir die bewegenden Jahre von 1939 bis 1956, die für alle eine große Herausforderung waren. Mit der nächsten Generation der Riegels stehen neue Herausforderungen an, die für mich genauso mitreißend erzählt wurden, wie schon im ersten Band. Natürlich erfahren wir auch wie der berühmte Goldbär erfunden wurde... Ich empfehle diese Dilogie gern weiter!

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Magischer Lesespaß!

Hex Files - Hexen gibt es doch
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Dieses Buch wollte ich schon ewig lesen, aber leider war es immer nur als eBook oder Hörbuch verfügbar. Daran hat sich leider nichts geändert, aber nachdem ich jetzt auch ein bisschen Hörbücher höre, habe ...

Dieses Buch wollte ich schon ewig lesen, aber leider war es immer nur als eBook oder Hörbuch verfügbar. Daran hat sich leider nichts geändert, aber nachdem ich jetzt auch ein bisschen Hörbücher höre, habe ich es mir runtergeladen. Zusätzlicher Pluspunkt war für mich, dass auch hier Yesim Meisheit die Sprecherin war.

Ivy Wild ist eine sehr sympathische junge Hexe, die vor einiger Zeit wegen einer Intrige aus dem Hexenorden geflogen ist. Das macht ihr wenig aus, denn sie liebt ihr gemütliches Leben in Oxford und lebt mit ihrem Kater Brutus in einer kleinen Wohnung. Ihr Geld verdient sie als Taxifahrerin. Ihre Hexenfreundin Eve wohnt gegenüber und wird für eine Prüfung nach Schottland geschickt, um in die nächst höhere Stufe des Hexenordens zu gelangen. Ivy passt in der Zwischenzeit auf ihren Kater Herold auf. Das wird ihr eines Tages aber zum Verhängnis, denn als zwei Ordensmitglieder vor der Tür stehen, wird sie mit Eve verwechselt und per Bindezauber an Adeptus Exemptus Raphael Winter gekettet. Dieser ist ein hochrangiges Mitglied der Arkanen Abteilung, der Ermittlungsbehörde des heiligen Ordens der Magischen Erleuchtung. Von nun an muss Ivy für den Orden, der sie vor wenigen Jahren gefeuert hat, wieder arbeiten und ist zusätzlich an diesen eingebildeten Adeptus Exemptus Winter gekettet. Die Beiden bekommen bald Schwierigkeiten, denn als ein wichtiges Artefakt gestohlen wird und ein Mord passiert, müssen sie den oder die Täter finden.....was ein sehr amüsantes Abenteuer wird!

Was für eine witzige Geschichte! Ivy hat mir sehr gut gefallen. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, sarkastisch, clever und eine magisch begabte Hexe - aber sehr faul. Außerdem will sie nichts mehr mit dem Orden zu tun haben, der ihren Vorfall damals nicht überprüft hat. Deshalb macht sich Ivy auch keine Gedanken, dass ihre magischen Fähigkeiten ihres ehemaligen "Standes" im Orden eigentlich weit höher sind, als man denkt. Sie hat sogar ihren Kater Brutus sprechen gelernt, dessen meistgebrauchte Worte "Futter" und "Miststück" sind. Köstlich!

Yesim Meisheit hat das Hörbuch wieder absolut toll eingesprochen. Nachdem ich jetzt ein Hörbuch mit einer anderen Sprecherin begonnen habe, merke ich wieder, wie lebendig und großartig sie erzählt.

Außerdem mochte ich das Magiesystem, bei dem mit Runen und Kräuter gezaubert wird. Der freche Schlagabtausch mit dem sehr prinzipientreuen und steifen Raphael Winter wird humorvoll erzählt. Wie die Beiden an die Auflösung des Mordes und des Raubes des Artefaktes herangehen, ist witzig und hat sehr viel Spaß gemacht. Natürlich werde ich auch die beiden Nachfolge-Romane hören. Schade, dass diese Reihe nicht als Print gibt!

Fazit:
Ein magischer Hexen-Krimi, der viel Spaß macht und mich bestens unterhalten hat. Ich freue mich schon auf die weiteren Bände.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Pageturner vor tropisch-tödlicher Kulisse

One Perfect Couple
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Mit "One Perfect Couple" habe ich nun den zweiten Thriller von Ruth Ware gelesen und er hat mich wieder sehr gut unterhalten. Vor allem hat mich diesmal das Setting sofort gefangen genommen. Die tropische ...

Mit "One Perfect Couple" habe ich nun den zweiten Thriller von Ruth Ware gelesen und er hat mich wieder sehr gut unterhalten. Vor allem hat mich diesmal das Setting sofort gefangen genommen. Die tropische Traumkulisse in Südostasien dient nämlich als Hintergrund für eine Reality Show, die das "perfekte Paar" sucht.
Lyla, eine unserer Protagonisten, ist Virologin und hat mit Reality-Shows gar nichts am Hut. Momentan steckt sie allerdings in einer beruflichen Krise, denn sie weiß nicht, ob ihr Vertrag verlängert werden wird, da ihr Projekt ausläuft. Ihr Freund Nico ist Schauspieler und träumt von einer steilen Karriere. Allerdings läuft es noch nicht so richtig gut. Als er das Angebot bekommt bei "One Perfect Couple" mitzumachen, versucht er Lyla so lange zu überreden, bis sie schließlich einlenkt. Danach geht alles sehr schnell, denn die beiden sind das letzte Paar, welches zur Show dazustößt.
Nach dem Flug nach Jakarta/Indonesien geht es mit einer 20stündigen Schifffahrt weiter, bis sie die einsame Insel, auf der sie die nächsten Wochen bleiben sollen, erreichen. Schon bei der Überfahrt werden allen Teilnehmern ihre elektronischen Geräte und mobilen Telefone abgenommen. Die vier weiteren Paare, gegen die Nico und Lyla antreten sollen, sind Angel und Bayer, Zana und Conor, Romi und Joel und Santana und Dan. Jedes Pärchen kämpft ab nun gegeneinander. Die Sturmwarnung, die die Einheimischen an die Crew weitergeben, wird ignoriert. Lyla ist zudem überrascht, dass das angebliche Traumressort noch gar nicht richtig fertig gestellt ist und auch das Personal noch fehlt. Während sich Nico begeistert in die erste Runde des Auswahlverfahrens begibt, kommen Lyla immer mehr Zweifel. Außerdem scheint sie in die Riege der Teilnehmer, die vorwiegend aus Influencern und Teilzeit-Models besteht, gar nicht reinzupassen.
Während die Crew den ersten Verlierer von der Insel abholt, zieht ein gewaltiger Tropensturm auf, der nicht nur Teile der Infrastruktur zerstört, sondern auch Menschenleben fordert. Das Fernsehteam kehrt nicht mehr zurück und die Essens- und Wasservorräte sind endlich. Die Teilnehmer sind von der Zivilisation abgeschnitten. Bald beginnt ein erbitterter Kampf ums Überleben....

Die Geschichte beginnt langsam, denn zuerst werden die einzelnen Teilnehmer der Reality-Show genauer vorgestellt. Die einzelnen Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und perfekt in Szene gesetzt. Mit der Zeit brechen Konflikte auf und durch die ausweglose Situation offenbaren sich bald die tiefsten menschlichen Abgründe. Die Dynamik in der Gruppe ist spürbar. Man beginnt zu rätseln, wer überleben wird und ob die Teilnehmer gerettet werden.

Die Atmosphäre ist beklemmend und der Schreibstil von Ruth Ware fesselnd. Die Autorin versteht es Zweifel zu säen und den Leser auf falsche Fährten zu führen. Die Beschreibung des Insellebens und all den Gefahren, die die Teilnehmer der Reality-Show ausgesetzt sind, ist sehr bildhaft.

Der Großteil der Handlung wird aus der Sicht von Lyla erzählt. Dazwischen gibt es aber immer wieder Auszüge, die einem Tagebucheintrag gleichen. Mit der Zeit unterscheiden sich diese Einträge aber immer mehr von Lylas Gedanken, was verwirrt und ich mich als Leser frage, wer nun die Wahrheit erzählt.
Das Ende hat mir gut gefallen, lässt aber noch ein paar kleine Fragen offen. Für mich hätte es gerne noch ein paar mehr Erklärungen geben können. Das ist aber schon jammern auf hohem Niveau.


Fazit:
Ein Pageturner vor tropisch-tödlicher Kulisse, der vor allem von den zwischenmenschlichen Beziehungen während einer Ausnahmesituation lebt. Für mich wieder ein toller Thriller der Autorin mit kleinen Schwächen.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Geheimnisvolles Ägypten

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
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Wir befinden uns Ende des 19. Jahrhunderts. Als Leserin von historischen Romanen war mir aber nach den ersten paar Seiten sofort klar, dass ich die historischen Hintergründe nicht zu ernst nehmen dürfte ...

Wir befinden uns Ende des 19. Jahrhunderts. Als Leserin von historischen Romanen war mir aber nach den ersten paar Seiten sofort klar, dass ich die historischen Hintergründe nicht zu ernst nehmen dürfte und die Zielgruppe mehr im Historical Romantasy zu suchen war.
Die junge Inez Oliveira lebt in Argentinien bei ihrer Tante. Ihre Eltern sind Archäologen und den größten Teil des Jahres unterwegs in Ägypten, wo sie Ausgrabungen leiten. Nur zu gerne wäre Inez bei ihnen, doch bislang musste sie bei ihrer Tante und den Kusinen bleiben. Doch dann erhält sie eine Schreiben ihres Onkels Ricardo, der ihr mitteilt, dass ihre Eltern unter mysteriösen Umständen verschwunden und für tot erklärt worden sind. Inez ist am Boden zerstört und bricht ohne groß zu überlegen Richtung Ägypten auf. Sie möchte Antworten über den plötzlich Tod ihrer Eltern und außerdem von ihrem Onkel wissen, was genau passiert ist. Doch im Land der Pharaonen ist sie nicht erwünscht. Kaum angekommen, will sie ihr Onkel sofort wieder zurück auf das Schiff nach Argentinien verfrachten. Als ihr magischer Ring, den sie von ihrem Vater bekommen hat, gestohlen wird, denkt sie gar nicht mehr daran Cairo zu verlassen. Sie möchte ihren Ring zurück. Außerdem hat sie das Gefühl, dass ihr Onkel etwas vor ihr verbirgt und möchte wissen, wie ihre Eltern ums Leben gekommen sind. Whitford, der Assistent ihres Onkels und Engländer, der die Aufgabe hat sie nach Argentinien zurückzubefördern, scheitert jedoch an Inez Einfallsreichtum und Gewitztheit. Für Inez beginnt ein atemberaubendes Abenteuer...

Wie gesagt, darf man es mit den historischen Hintergründen nicht so genau nehmen. Ein junges Mädchen, welches alleine für Monate auf dem Schiff reist, ohne vorher irgendwelche Vorkehrungen getroffen zu haben und eigentlich mittellos ist - undenkbar. Wir haben auch Inez nicht während ihrer Reise begleitet, sondern erfuhren nur, dass sie die Reise antritt und danach, wie sie in Ägypten ankam.
Die Handlung bezieht sich viel mehr aufs das Abenteuer, welches Inez im Land der Pharaonen erlebt. Man fährt mit ihr dem Nil entlang, begleitet sie bei Ausgrabungen und ist neugierig auf das magische Geheimnis rund um Cleopatra. Es wird spannend, weil man nicht weiß, wem man trauen kann und zusätzlich knistert es zwischen Whitford und Inez, was die Romantikfans erfreuen wird. Es gibt viele Geheimnisse, Intrigen und Verstrickungen.
Der fantastische Teil ist sehr klein, was mir entgegen kommt. Die Magie ist sehr im Hintergrund und nicht wirklich überzeugend. Sie wird auch nicht erklärt, wie und warum manche Gegenstände Magie enthalten. Es gibt also so einige kleine Ungereimtheiten und Logikfehler und trotzdem konnte mich dieser erste Teil wirklich sehr gut unterhalten.
Die Autorin kritisiert in ihrer Geschichte auch die rücksichtlosen kolonialen Ausgrabungen und das Stehlen der Artefakte.

Inez ist eine etwas naive junge Frau, die mit ihrer Sturheit und ihrer Neugier hinter einige Geheimnisse kommt und oftmals in Schwierigkeiten gerät. Der Schreibstil von Isabel Ibañez ist leicht zu lesen, bildhaft und auch humorvoll. Interessante Wendungen bringen immer wieder Spannung ins Geschehen. Die Wortgefechte zwischen ihr und Whitford ließen mich sehr oft schmunzeln.

Die Beschreibungen des antiken Ägyptens sind sehr bildhaft. Im Inneren des Buches findet man zusätzlich noch Zeichnungen von Tempeln und Abbildungen von Hieroglyphen. Das Cover und der Buchschnitt sind sowieso schon ein Fest für das Auge.

Zum Ende hin kommt es zu einer Wendung, die mir kurz dem Atem genommen hat und kurze Zeit später lässt mich die Autorin mit einem Cliffhänger zurück, der mich völlig ungläubig und entsetzt auf die letzten Zeilen hat starren lassen. Natürlich werde ich auch den zweiten Teil dieser Dilogie lesen, die Anfang September erscheinen wird.


Fazit:
Eine Mischung aus historischer Fantasy, einem Abenteuerroman und einem Hauch Romantik. Eine Geschichte, die mich überraschender Weise richtig gut unterhalten hat. Ich freue mich schon auf den Folgeband.

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