Ein emphatischer Roman über eine besondere Freundschaft
Alte SortenInhalt: Sally ist wütend – insbesondere auf ihre Eltern, die sie mit Fragen zu ihrem Äußeren bedrängen. Um diesen zu entgehen, verlässt sie ihr Elternhaus. Auf ihrer Flucht kreuzt sich ihr Weg mit Liss, ...
Inhalt: Sally ist wütend – insbesondere auf ihre Eltern, die sie mit Fragen zu ihrem Äußeren bedrängen. Um diesen zu entgehen, verlässt sie ihr Elternhaus. Auf ihrer Flucht kreuzt sich ihr Weg mit Liss, einer Einzelgängerin, die allein einen Bauernhof bewirtschaftet. Liss bietet Sally an, eine Zeit lang bei ihr zu bleiben – und während die beiden der Arbeit auf dem Land nachgehen, fasst Sally Vertrauen zu Liss. Bis Sally einen Blick in Liss‘ Vergangenheit wirft…
Persönliche Meinung: „Alte Sorten“ ist ein Roman von Ewald Arenz, der von einer besonderen Freundschaft erzählt: derjenigen zwischen der jungen, stürmischen Sally, die vor der Welt der Erwachsenen flüchtet, und der ruhigen, arbeitsamen Liss, die von der Dorfgemeinschaft gemieden wird. Erzählt wird die Handlung wechselweise aus den personalen Perspektiven der beiden Protagonistinnen. Beide werden sehr dreidimensional dargestellt: Ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen, kurz: ihre komplexen Gefühlswelten, werden emphatisch, tiefgründig und zugleich leichtfüßig dargelegt, sodass man unweigerlich mit den beiden Protagonistinnen fiebert und leidet (insbesondere die Beschreibungen von Sallys teilweise eruptionsartigen Gefühlsausbrüchen haben mich beeindruckt). Sehr hat mir auch die Zeichnung des Lebens auf dem Bauernhof gefallen: Wie bereits angeklungen, arbeiten Sally und Liss häufig auf dem Land, was einen breiten Raum des Romans einnimmt. Diese Arbeiten erzählt Ewald Arenz wunderschön poetisch, sodass die Lektüre eine entschleunigende Wirkung hat. Insgesamt ist „Alte Sorten“ ein einfühlsam erzählter, emotionaler Roman über eine ungewöhnliche Freundschaft.