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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2025

Ein fesselnder Klassiker mit interessanter Titelfigur

Der große Gatsby
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Inhalt: New York 1922. Nick Carraway ist gerade nach Long Island gezogen, um sich dort als Wertpapierhändler zu versuchen, als ihn die Fama um Jay Gatsby erreicht. Dieser wohnt in seinem Nachbarhaus und ...

Inhalt: New York 1922. Nick Carraway ist gerade nach Long Island gezogen, um sich dort als Wertpapierhändler zu versuchen, als ihn die Fama um Jay Gatsby erreicht. Dieser wohnt in seinem Nachbarhaus und gibt rauschende Feste – allerdings weiß niemand so genau, wer er ist, woher er kommt und aus welchen Quellen sein Geld stammt. Als Nick zum ersten Mal eine Party Gatsbys besucht, geschieht das Unglaubliche: Gatsby offenbart sich Nick und nimmt ihn in seinen Freundeskreis auf…

Persönliche Meinung: „Der große Gatsby“ ist ein Roman von F. Scott Fitzgerald, der als großer, us-amerikanischer Klassiker gilt. Erzählt wird der Roman nicht – wie der Titel vermuten lässt – aus der Perspektive Gatsbys, sondern aus der Ich-Perspektive Nicks. Nick ist eher ein ruhiger „Durchschnittstyp“, verglichen mit dem schillernden Gatsby blass und funktioniert hauptsächlich als Kamera, durch deren Linse die Lesenden die Handlung wahrnehmen. Diese Handlung ist aufgrund von zwei Charakteristika fesselnd und interessant: Einerseits wegen der rätselhaften Figur Gatsby, andererseits wegen der Vielfältigkeit des Romans. Zunächst zu Gatsby: Dieser ist – da seine Herkunft unbekannt ist – ein großes Rätsel (für die handelnden Figuren wie für die Lesenden). Häppchenweise erfährt man während der Lektüre weitere Informationen über Gatsby, sodass sich schrittweise der Nebel um diese Figur lichtet und der dekadente, halbseidene Gatsby mehr und mehr an Tiefe gewinnt. Ähnliches gilt für die Handlung: Anfangs eher eine Darstellung des Lebens der Reichen und Schönen entwickelt sich die Handlung über eine Liebesgeschichte zu einer Tragödie – wobei die ein oder andere Wendung zu finden ist, mit der man nicht unbedingt rechnet. Abgerundet wird die Ausgabe des Diogenes-Verlags durch die Schriftstellerin Min Jin Lee, die die Entstehungsgeschichte des Romans beleuchtet sowie einen persönlichen Blick in den großen Gatsby wirft. Insgesamt ist „Der große Gatsby“ ein fesselnder Klassiker mit einer interessanten Titelfigur.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein emphatischer Roman über eine besondere Freundschaft

Alte Sorten
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Inhalt: Sally ist wütend – insbesondere auf ihre Eltern, die sie mit Fragen zu ihrem Äußeren bedrängen. Um diesen zu entgehen, verlässt sie ihr Elternhaus. Auf ihrer Flucht kreuzt sich ihr Weg mit Liss, ...

Inhalt: Sally ist wütend – insbesondere auf ihre Eltern, die sie mit Fragen zu ihrem Äußeren bedrängen. Um diesen zu entgehen, verlässt sie ihr Elternhaus. Auf ihrer Flucht kreuzt sich ihr Weg mit Liss, einer Einzelgängerin, die allein einen Bauernhof bewirtschaftet. Liss bietet Sally an, eine Zeit lang bei ihr zu bleiben – und während die beiden der Arbeit auf dem Land nachgehen, fasst Sally Vertrauen zu Liss. Bis Sally einen Blick in Liss‘ Vergangenheit wirft…

Persönliche Meinung: „Alte Sorten“ ist ein Roman von Ewald Arenz, der von einer besonderen Freundschaft erzählt: derjenigen zwischen der jungen, stürmischen Sally, die vor der Welt der Erwachsenen flüchtet, und der ruhigen, arbeitsamen Liss, die von der Dorfgemeinschaft gemieden wird. Erzählt wird die Handlung wechselweise aus den personalen Perspektiven der beiden Protagonistinnen. Beide werden sehr dreidimensional dargestellt: Ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen, kurz: ihre komplexen Gefühlswelten, werden emphatisch, tiefgründig und zugleich leichtfüßig dargelegt, sodass man unweigerlich mit den beiden Protagonistinnen fiebert und leidet (insbesondere die Beschreibungen von Sallys teilweise eruptionsartigen Gefühlsausbrüchen haben mich beeindruckt). Sehr hat mir auch die Zeichnung des Lebens auf dem Bauernhof gefallen: Wie bereits angeklungen, arbeiten Sally und Liss häufig auf dem Land, was einen breiten Raum des Romans einnimmt. Diese Arbeiten erzählt Ewald Arenz wunderschön poetisch, sodass die Lektüre eine entschleunigende Wirkung hat. Insgesamt ist „Alte Sorten“ ein einfühlsam erzählter, emotionaler Roman über eine ungewöhnliche Freundschaft.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein spannender und abwechslungsreicher Thriller

Dorn. Hotel der Angst
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Inhalt: Simon Dorn lebt in dem verlassenen Hotel seiner Vorfahren in Bad Gastein. Die alte Pracht ist noch zu erahnen, doch das Gebäude zerfällt zusehends. Hinter jedem der Hotelzimmer versteckt sich ein ...

Inhalt: Simon Dorn lebt in dem verlassenen Hotel seiner Vorfahren in Bad Gastein. Die alte Pracht ist noch zu erahnen, doch das Gebäude zerfällt zusehends. Hinter jedem der Hotelzimmer versteckt sich ein Geheimnis: ungeklärte Mordfälle, die Dorn versucht mit seiner Kontaktperson bei der Polizei zu lösen. Doch diese hat sich im jüngsten Fall verrannt, versucht, den Serientäter, der seinen Opfern Kronen auf die Stirn ritzt, eigenständig zu stellen – mit tödlichen Folgen…

Persönliche Meinung: „Dorn – Zimmer 103“ ist ein Thriller von Jan Beck. Es handelt sich um den Auftakt einer neuen Reihe um das Ermittlerduo Simon Dorn und Lea Wagner. Dementsprechend hat der Thriller zwei Schwerpunkte: die Ermittlungen im Fall um den „Kronenmörder“ und die Vorstellung der neuen Protagonisten. Zuerst zum eigentlichen Fall: Dieser ist rätselhaft, fesselnd und durchdacht konstruiert; der Twist am Ende war für mich nicht vorherzusehen. Kurz: Er hätte für mich nicht besser sein können. Auch die Figuren fand ich interessant, wobei hier besonders Simon Dorn heraussticht: Er ist verschroben, besitzt eine ganz eigene Art zu ermitteln und ist gewissermaßen Gefangener des Hotels. Gewisse Aspekte seiner Vergangenheit bleiben noch nebulös, allerdings bin ich mir sicher, dass dies in den Folgebänden aufgeklärt wird. Nicht ganz so tiefenscharf wie Dorn ist Wagner gezeichnet. Hier vermute ich aber auch, dass Wagner in den Folgebänden weiter ausdifferenziert wird. Erzählt wird die Handlung aus einer Vielzahl von Perspektiven: Dabei kommen neben den Hauptperspektiven Dorn und Wagner u.a. Opfer, Täter sowie weitere Ermittlerfiguren zu Wort. Durch die häufigen Perspektivwechsel ist die Handlung schön abwechslungs- und temporeich. Der Schreibstil von Jan Beck ist anschaulich und sehr flüssig zu lesen, sodass man nur so durch die Seiten des Romans fliegt. Insgesamt ist „Dorn – Zimmer 103“ ein spannender Thriller und ein vielversprechender Reihenauftakt.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Eine wichtige historische Quelle und Mahnung für heutige Lesende

Deutsche Hörer!
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„Deutsche Hörer!“ versammelt 59 Reden, die Thomas Mann in Kooperation mit dem BBC aus dem amerikanischen Exil in das nationalsozialistische Deutschland sendete. Mann tritt hier als Mittler der (westlichen) ...

„Deutsche Hörer!“ versammelt 59 Reden, die Thomas Mann in Kooperation mit dem BBC aus dem amerikanischen Exil in das nationalsozialistische Deutschland sendete. Mann tritt hier als Mittler der (westlichen) Alliierten auf und versucht zu den Deutschen vorzudringen. Dabei warnt er die Deutschen vor Hitler, mahnt sie und redet ihnen in das Gewissen – unter anderem, indem er die Irrationalität der NS-Ideologie entlarvt und die nationalsozialistische Propaganda entkräftet. Aus historischer Perspektive fand ich insbesondere zwei Ansprachen relevant, die ich hier kurz näher vorstellen möchte. Bereits in der Ansprache vom Januar 1942 berichtet Mann, er habe erfahren, dass Menschen jüdischen Glaubens systematisch getötet worden seien, was er als Zeichen des Verstoßes der Menschenrechte wertet. Mann spricht hier – vorbegrifflich, aber hellsichtig – den Holocaust an, informiert die Deutschen darüber – was besonders vor dem Hintergrund bemerkenswert ist, dass viele Deutsche nach dem Krieg nichts von der Judenverfolgung gewusst haben wollten. Nachhallend ist bei mir auch die Radioansprache vom April 1942. Mann vergleicht hier die Bombardierungen deutscher Städte durch die Alliierten mit der deutschen Bombardierung Coventrys. Auch die (vom Hörensagen) bekannte Zerstörung des Buddenbrook-Hauses spricht er an. Obwohl hier seine Heimatstadt getroffen worden ist, vertritt Mann eine klare Linie, was ich bemerkenswert fand: Es schmerze ihn zwar, dass es seine Heimatstadt getroffen habe, allerdings müsse man dies als Reaktion auf Coventry hinnehmen. Der Ton, den Mann in seinen Radioansprachen anschlägt, ist mahnend und unerbittlich; teilweise – gerade wenn es um die Bestialität des Nationalsozialismus geht – zynisch. Mehrmals versucht Mann aber auch Hoffnung bei den Deutschen zu säen: Das Leben nach dem Krieg wird definitiv besser als das Leben unter Hitler werden. Eingebettet werden Manns Ansprachen durch ein Vor- und ein Nachwort der Schriftstellerin Mely Kiyak, in denen sie in das Leben Manns sowie die Entstehungs-/Rezeptionsgeschichte der Radioansprachen einführt. Insgesamt ist „Deutsche Hörer!“ eine spannende Quellensammlung, die erlaubt, den Ansichten eines deutschen Intellektuellen zu Nationalsozialismus und Krieg nachzuspüren. Gleichzeitig führen die Texte aber auch vor Augen, wozu Krieg und Hass führen können, wodurch sie gleichzeitig als Mahnung für heutige Lesende gelten können.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Ein schönes Werk über Friedrich

Zauber der Stille
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„Zauber der Stille“ ist ein populärwissenschaftliches Sachbuch von Florian Illies, das sich mit Werk, Leben und Rezeption von Caspar David Friedrich auseinandersetzt. Inhaltlich unterteilt ist das Buch ...

„Zauber der Stille“ ist ein populärwissenschaftliches Sachbuch von Florian Illies, das sich mit Werk, Leben und Rezeption von Caspar David Friedrich auseinandersetzt. Inhaltlich unterteilt ist das Buch in vier Kapitel: „Feuer“, „Wasser“, „Erde“ und „Luft“. Jedes Kapitel berührt thematisch zu den vier Elementen Passendes. Zur Veranschaulichung sei kurz „Feuer“ beleuchtet: Biografisch wird Friedrichs Herkunft aus einer Kerzenmacher-/Seifensiederfamilie angespielt, werkimmanent wird u. a. der glühende Himmel von „Das Große Gehege“ beschrieben. Gleichzeitig wird hier auch thematisiert, dass Werke Caspar David Friedrichs mehrfach dem Feuer zum Opfer gefallen sind. Man merkt schon: Erzählt wird hier nicht chronologisch: Florian Illies springt zwischen Episoden, Anekdoten und Zeiten, erzählt mal etwas aus Friedrichs Leben, um sich dann einem bestimmten Werk Friedrichs zu nähern und dessen (Rezeptions-)Geschichte zu beleuchten. Dadurch entsteht ein ungemein abwechslungsreiches, buntes Bild von Caspar David Friedrich, das alles andere als trocken ist. Dies liegt auch an Illies‘ Erzählstil: Illies verpackt die Informationen in kleinen, kurzweiligen Erzählungen, die sehr anschaulich sind und dadurch im Kopf bleiben. Besonders hat mir gefallen, dass man – trotz der teilweise vorhandenen Kürze der einzelnen Ausführungen – Friedrich und seine Gemälde von einer anderen, menschlichen Seite sieht. Insgesamt ist „Zauber der Stille“ ein schön geschriebenes Buch, das sich insbesondere für Lesende eignet, die sich bisher noch nicht intensiver mit Caspar David Friedrich beschäftigt haben.

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