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Veröffentlicht am 05.08.2025

Spannendes Worldbuilding, aber Handlung mit Luft nach oben

Fae Isles − Der Henker der Königin
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Fae Isles hat mich positiv überrascht, ein gutes Beispiel dafür, dass man ein Buch nicht nach seinem (etwas unscheinbaren) Cover beurteilen sollte. Hinter der eher schlichten Fassade steckt eine originelle ...

Fae Isles hat mich positiv überrascht, ein gutes Beispiel dafür, dass man ein Buch nicht nach seinem (etwas unscheinbaren) Cover beurteilen sollte. Hinter der eher schlichten Fassade steckt eine originelle Fantasy-Geschichte mit einigen sehr interessanten Ideen, vor allem im Bereich Magie und Völkerdesign.

Erzählperspektive & Lesefluss
Besonders gefallen hat mir die Entscheidung, die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Emelin zu erzählen. Dadurch war man als Leser*in ganz nah an ihren Gedanken und Gefühlen, was insbesondere in emotionalen oder unsicheren Momenten sehr gut funktioniert hat. Man erlebt ihre Verwirrung, Angst und später auch ihre Neugier und Faszination hautnah mit. Das hat den Einstieg in die fremde Welt sehr erleichtert und für einen angenehmen Lesefluss gesorgt.

Schreibstil
Der Stil ist insgesamt sehr emotional und bildhaft. In besonders intensiven Szenen, sei es im zwischenmenschlichen Bereich oder bei den Spice-Elementen, arbeitet die Autorin mit langen, ausschweifenden Sätzen, vielen Wiederholungen und kleinen Details. Das kann für manche etwas überladen wirken, hat für mich meistens in den richtigen Momenten genau die richtige Wirkung erzielt. Besonders gefiel mir, wie genau Emelins Empfindungen beschrieben werden, dadurch war ich emotional wirklich oft sehr nah dran.

Worldbuilding & Magiesystem
Ein echtes Highlight war für mich das Worldbuilding. Die Idee, dass die Fae in dieser Welt Flügel haben, fand ich sehr spannend, eine schöne Abwechslung zu den sonst oft elfischen Darstellungen. Auch die Existenz anderer Wesen wie Dämonen und Phönixe wurde angedeutet und macht Lust auf mehr.

Das Magiesystem war für mich besonders gelungen: klar strukturiert, spannend aufgebaut und verständlich erklärt, vor allem, weil man durch Emelins Lernprozess selbst viel mitnimmt. Man versteht nicht nur was sie tut, sondern auch wie sie es lernt, was das System nachvollziehbar und glaubwürdig macht. So originell und detailliert habe ich das in dieser Form selten gelesen.

Besonders positiv ist mir die Brutalität und Ernsthaftigkeit einzelner Elemente aufgefallen. Die Geschichte richtet sich dadurch eindeutig eher an ein älteres Publikum, nicht nur durch den Spice-Anteil, sondern auch durch die düsteren, teils grausamen Aspekte der Welt. Auch der „Silent Death“ wirkte durch einzelne, brutal geschilderte Szenen sehr mächtig und gefährlich, was seinem Namen definitiv gerecht wurde. Diese etwas raueren, düsteren Elemente haben mir gut gefallen und der ansonsten eher emotionalen Geschichte eine dunklere, erwachsenere Note verliehen.

Charaktere & Dynamik
Emelin ist eine nachvollziehbare, vielschichtige Protagonistin, deren Reise man gern begleitet. Der männliche Protagonist der „Silent Death“ sticht vor allem dadurch hervor, dass er nicht sprechen kann. Das war für mich ein sehr frischer Ansatz. Die Kommunikation zwischen den beiden ist kreativ und glaubwürdig gestaltet, unter anderem auch durch Emelins Vorerfahrungen mit Gebärdensprache, was sehr schön und selbstverständlich eingebunden wurde.

Die Beziehung der beiden entwickelt sich spürbar, allerdings liegt der Fokus stark auf der körperlichen Annäherung. Gefühle kommen zwar dazu, aber für meinen Geschmack fehlte ein wenig die Grundlage das langsame Kennenlernen, das Verstehen, das echte Miteinander auf emotionaler Ebene. Die Neckereien und kleinen Sticheleien waren charmant und haben Spaß gemacht, aber insgesamt hätte ich mir hier mehr Substanz gewünscht, damit die Verbindung zwischen den beiden wirklich greifbar wird. Nebencharaktere waren vorhanden, aber eher am Rand, ich hoffe, dass einige davon in zukünftigen Bänden noch weiterentwickelt werden.

Spice & Emotionen
Der Spice-Anteil im Buch war überraschend hoch, aber grundsätzlich gut geschrieben. Besonders auffällig war der sehr ausschweifende, emotionale Stil der Autorin, der über reine körperliche Beschreibungen hinausgeht. Die Szenen sind intensiv, gefühlvoll und sprachlich stark man spürt, was die Protagonistin empfindet, und wird emotional mitgenommen.

Allerdings wurde mir dieser Aspekt im Verhältnis zur restlichen Handlung einfach zu dominant. Viele dieser Szenen waren sehr lang und detailliert, fast schon überfrachtet, und kamen dafür leider zu häufig vor. Ich hätte es deutlich besser gefunden, wenn es nur ein paar ausgewählte, intensive Szenen gegeben hätte, statt so viele denn so hat der Spice einen großen Teil der Handlung verdrängt. Mir fehlte die emotionale und inhaltliche Basis jenseits der körperlichen Ebene.

Handlung & Plot
Was mir allerdings etwas gefehlt hat, war ein klar erkennbarer Plotbogen. Über weite Strecken hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte mehr auf die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren fokussiert ist, als auf eine äußere Handlung. Das Buch lebt mehr von der Atmosphäre, den Emotionen und dem Beziehungsaufbau als von konkreter Spannung oder Ereignissen.

Zwar gibt es am Ende nochmal einen Spannungsanstieg, der mir gut gefallen hat, aber bis dahin hatte ich häufig das Gefühl, dass sich die Handlung im Kreis dreht. Ich habe mich zwischendurch gefragt, worauf die Geschichte eigentlich hinauslaufen soll. Insofern wirkt der erste Band eher wie ein umfangreiches Setup, wie ein Einstieg in eine größere Welt, der Charaktere und Mechaniken vorstellt, aber noch nicht richtig Fahrt aufnimmt.

Fazit
Faye Isles ist ein emotionaler, atmosphärischer Reihenauftakt mit einem starken Fokus auf die Bindung der Hauptfiguren, einem durchdachten Magiesystem und einer interessanten Welt. Die Beziehung zwischen den Protagonisten ist gut und glaubwürdig gestaltet, der Schreibstil gefühlvoll und intensiv.

Allerdings fehlte mir über weite Strecken ein klarer roter Faden. Da wir die Geschichte ausschließlich aus Emelins Perspektive erleben und sie selbst kaum weiß, was eigentlich mit ihr passiert oder was das Ziel ihrer Reise ist, fehlte mir oft das Gefühl einer erkennbaren Richtung. Die Handlung plätscherte zeitweise eher dahin, ohne dass echte Spannung aufgebaut wurde.

Dennoch: Die Welt und das Magiesystem haben mich überzeugt, und ich bin gespannt, wie es in den nächsten Bänden weitergeht. Als Einstieg einer Reihe gelungen, auch wenn noch Luft nach oben ist.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.07.2025

Zwischen Poesie und romantischen Ungereimtheiten

My Dearest Enemy. The Heygate Girls
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Erwartung vs. Einstieg – schwere Anfänge trotz großer Vorfreude

Ich habe mich wirklich auf dieses Buch gefreut, nicht nur, weil ich historische Romane liebe, sondern auch, weil die Atmosphäre, genau mein ...

Erwartung vs. Einstieg – schwere Anfänge trotz großer Vorfreude

Ich habe mich wirklich auf dieses Buch gefreut, nicht nur, weil ich historische Romane liebe, sondern auch, weil die Atmosphäre, genau mein Geschmack ist. Bücher wie My Dearest Enemy sind selten, und ich war neugierig auf Figuren mit Tiefe, emotionale Dynamiken und eine dichte, sprachlich kunstvolle Erzählweise.

Doch der Einstieg hat mich leider ziemlich kalt erwischt, vor allem die anfängliche Liebesdynamik zwischen Amabel und Harriet wirkte auf mich unstimmig und überstürzt. Bereits in den ersten 50 Seiten wird erwähnt, dass Amabel eigentlich noch in ihre beste Freundin verliebt war, nur um kurz darauf scheinbar aus dem Nichts eine romantische Anziehung zu Harriet zu verspüren. Das war für mich völlig unglaubwürdig und hat mich zunächst komplett rausgeworfen. Ich habe mich ehrlich gefragt: Was passiert hier gerade? Ich war kurz davor, das Buch zur Seite zu legen.

Die Sprache, ein poetisches Highlight (meistens)

Was mich aber durch viele holprige oder unglaubwürdige Momente getragen hat, war der Schreibstil. Die Sprache war stellenweise so wunderschön, poetisch, lebendig und einfühlsam, dass ich wirklich ins Schwärmen geraten bin. Besonders in den ruhigeren, nachdenklichen Szenen oder in Dialogen, die nicht nur platte Handlung transportieren, sondern echte Tiefe zeigen, war die Sprache ein echtes Highlight.

Leider verliert sich dieser poetische Stil ab der Mitte des Buches etwas. Das ist teilweise nachvollziehbar, schließlich sprechen Freunde, untereinander oft umgangssprachlich, dennoch hätte ich mir gewünscht, dass diese sprachliche Feinheit sich konstanter durch den Text zieht. Es gab aber auch am Ende wieder schöne, gut formulierte Passagen, die mich emotional erreichen konnten.

Vielschichtige Perspektiven, ein echter Gewinn für die Erzählung

Ein echtes Highlight des Romans war für mich die Erzählweise aus mehreren Perspektiven. Im Zentrum stehen natürlich Amabel und Harriet, deren Gedankenwelten uns abwechselnd nähergebracht werden, das allein sorgt schon für Tiefe und emotionale Vielschichtigkeit. Besonders gelungen fand ich aber die zusätzliche, eher selten auftauchende dritte Perspektive. Sie wird sehr gezielt eingesetzt, immer genau dann, wenn in der Handlung ein Wendepunkt oder ein emotionales Missverständnis entsteht. In diesen Momenten eröffnet uns die neue Sichtweise einen frischen Einblick in das Innenleben einer weiteren Figur. Gerade gegen Ende des Romans hatte ich das Gefühl: Jetzt wüsste ich gern, was XY denkt, und genau dann kam dieses Kapitel. Das war für mich erzählerisch extrem klug und emotional bereichernd. Diese Entscheidung hat dem Roman nochmal mehr Tiefe und Menschlichkeit verliehen.

Familiendynamiken, Freundschaft und Internatsleben, die große Stärke des Romans

Was mir hingegen sehr gut gefallen hat, war alles rund um das Thema Familie, Freundschaft und Gemeinschaft. Besonders die Adoptivfamilie von Amabel, ihre Bindung zu Lucie, und die Konflikte, die sich durch Loyalität, Herkunft und Erwartungen ergeben, haben mich sehr berührt. Auch das Internatsleben, die Gruppendynamik und die Gespräche unter den Freund*innen wirkten realistisch und liebevoll ausgestaltet.

Die Romantik

Was die romantische Entwicklung angeht: Ich konnte lange Zeit nicht mitfühlen. Die „Enemies to Lovers“-Dynamik, die der Titel vielleicht andeutet, war inhaltlich kaum vorhanden. Eigentlich gab es gar keine echte Feindschaft, und die nachträgliche Behauptung der Protagonistin, sie habe Harriet zu Beginn „den Hals umdrehen wollen“, widerspricht dem eigentlichen Verhalten völlig. Das wirkte für mich wie ein später, eher künstlich eingefügter Versuch, dem Roman ein gängiges Trope aufzustülpen.

Erst im späteren Verlauf gab es einige Szenen, in denen ich eine echte Verbindung spüren konnte. Hier wurde es authentischer, emotional nachvollziehbarer, aber der ungeschickte Einstieg hat das Verhältnis zur Liebesgeschichte über weite Strecken getrübt.

Was mich beim Lesen immer wieder aus der Geschichte herausgerissen hat, war die ständige Wiederholung, dass Amabel auf keinen Fall romantische Gefühle für Männer hat. Diese Betonung zieht sich durch mehrere Szenen, ich habe bestimmt fünf Mal gelesen, dass ihre Nähe zu männlichen Figuren nicht als Liebe zu verstehen ist.

Besonders schade war das in einer Szene, die eigentlich sehr ruhig und emotional war, ein Moment, den ich wirklich genossen habe, weil sich die Dynamiken gerade zum Positiven gewendet hatten. Dann kam wieder dieser Einschub, dieses „aber das ist auf keinen Fall Liebe!“ und plötzlich war diese zarte Stimmung wie zerschnitten.

Gerade weil die Geschichte aus Amabels Perspektive erzählt wird, wirkte das für mich unnatürlich. Sie würde sich ja nicht bei jedem Kontakt mit einer männlichen Figur denken: „Keine Sorge, das ist nur Freundschaft, nur Freundschaft, wirklich nur Freundschaft.“ Viel schöner wäre es gewesen, einfach die Szene für sich sprechen zu lassen, durch Blicke, Dialoge, Körpersprache. Das hat für mich etwas vom emotionalen Gewicht genommen, nicht, weil ich ihre Orientierung infrage stelle, sondern weil die Erzählweise ihr nicht zutraut, sie selbstverständlich zu leben, ohne sich ständig rechtfertigen zu müssen.

Fazit – starkes Potenzial, aber nicht ganz eingelöst

Insgesamt bin ich zwiegespalten. Das Buch hat großartige Einzelmomente, liebevoll gezeichnete Nebenfiguren, eine stimmige Internats-Atmosphäre und einen sprachlichen Zauber, der über vieles hinwegsehen lässt. Aber gerade die Romantik, die für den Titel und das Genre zentral ist, konnte mich nicht überzeugen. Zu viele Widersprüche und ein unausgereifter Beziehungsaufbau haben mein Lesevergnügen geschmälert. Auch wenn sich die Dynamik im Laufe des Buches bessert, blieb ein Rest Skepsis zurück.

Der Ausblick, den das Ende gibt, sowohl thematisch als auch emotional, war für mich stimmig und berührend. Es hat vieles aufgefangen, was ich zuvor als unrund empfand, und einen versöhnlichen Bogen gespannt. Auch wenn der Weg dahin für mich oft holprig war, bin ich froh, dass ich durchgehalten habe, denn das Finale hat sich wirklich gelohnt.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

überraschend spannend, aber nicht ganz perfekt

Never Trust Your Fake Husband
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Ich bin jemand, der Bücher/ Hörbücher oft recht spontan auswählt, ohne große Recherche zum Inhalt. Meist lasse ich mich vom Cover und den Sprechern leiten, und genau so bin ich auch auf Never Trust Your ...

Ich bin jemand, der Bücher/ Hörbücher oft recht spontan auswählt, ohne große Recherche zum Inhalt. Meist lasse ich mich vom Cover und den Sprechern leiten, und genau so bin ich auch auf Never Trust Your Fake Husband gestoßen. Das Cover hat mich sofort angesprochen, sodass ich es direkt gestartet habe, in der Erwartung, eine typische, vielleicht humorvolle New-Adult-Romanze zu hören. Was ich stattdessen bekam, war eine überraschend actiongeladene Agentengeschichte, die direkt Fahrt aufnahm und mich damit auf eine völlig andere Art abgeholt hat, als ich gedacht hätte.

Einstieg & Handlung

Die Handlung beginnt ohne langes Vorgeplänkel. Man wird als Hörer direkt hineingezogen in eine Situation voller Geheimnisse und Gefahr. Im Mittelpunkt steht eine weibliche Hauptfigur, die unter Amnesie leidet. Sie weiß nicht, wer sie ist, was sie dort macht oder wem sie überhaupt trauen kann. Dieser Ausgangspunkt hat sofort Spannung erzeugt und mich sehr neugierig gemacht. Die Geschichte hat mich regelrecht durchgezogen, es passiert ständig etwas, und die wenigen ruhigen Momente wirken dadurch umso intensiver. Ich wollte durchgehend wissen, wie es weitergeht, was hinter der Vergangenheit der Protagonistin steckt und wohin sich alles entwickeln wird.

Erzählweise

Erzählt wird aus zwei Perspektiven, der der Protagonistin und des Agenten. Allerdings handelt es sich nicht um eine Ich-Erzählung, sondern um eine personale Erzählweise mit zwei Erzählern. Für mich persönlich ein kleiner Schwachpunkt: Eine Ich-Perspektive hätte gerade bei der emotionalen Reise der Protagonistin mehr Nähe und Tiefe erzeugt. So blieb man doch ein wenig auf Abstand.

Positives

Besonders hervorheben möchte ich die weibliche Hauptfigur: Sie ist chaotisch-lustige, hat manchmal eine leicht überdrehte Art. Ihre Rolle war für mich ein echtes Highlight, anders, als man es sonst oft im Romance-Genre kennt. Die Chemie zwischen den Figuren ist sehr gelungen, da die Dialoge sehr humorvoll und die Szenen lebendig sind. Die Action-Elemente der Geschichte, sei es Flucht, Geheimnisse oder die ständigen Wendungen, waren packend erzählt. Ich konnte mir viele Szenen richtig gut vorstellen. Im Laufe der Geschichte gibt es auch immer wieder unerwartete Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte und die mir richtig gut gefallen haben.

Kritikpunkte

Trotz der insgesamt gelungenen Umsetzung gab es für mich auch ein paar Schwächen. Der männliche Protagonist durchläuft zwar eine Entwicklung, hat mich aber insgesamt nicht wirklich überzeugt. Er wirkte für mich etwas austauschbar und hat der Geschichte dadurch nicht das gewisse Etwas verliehen. Vor allem die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren kam mir etwas zu schnell und ein bisschen zu glatt, daher. Die ganze Handlung spielt sich ja innerhalb weniger Tage ab, und dadurch wirkt es einfach nicht besonders glaubwürdig, dass sich so schnell echte romantische Gefühle entwickeln sollen. Klar, die beiden verbringen fast rund um die Uhr miteinander, was Nähe natürlich begünstigt. Aber gerade, wenn man eher tiefere und realistisch aufgebaute Liebesgeschichten gewohnt ist, fühlt sich das hier doch ein wenig oberflächlich an.

Auch das Ende hat mich nicht ganz überzeugt. Nach dem spannenden Aufbau zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass zum Schluss alles ziemlich schnell abgehandelt wird. Die Geschichte zieht zum Finale hin nochmal ordentlich an, aber genau dadurch wirkt vieles ein bisschen gehetzt. Einige Handlungsstränge werden nur oberflächlich abgeschlossen, manche Fragen bleiben offen und mir fiel es dadurch auch deutlich schwerer, mir die Szenen richtig bildlich vorzustellen. Während ich mir die vorherigen Situationen oft lebhaft ausmalen konnte, fehlte im letzten Teil einfach die Ruhe und Tiefe, um wirklich mitzukommen. Das war schade, denn da wäre definitiv noch mehr drin gewesen.

Fazit

Never Trust Your Fake Husband hat mich positiv überrascht, auch wenn es ganz anders war, als ich erwartet hatte. Statt einer typischen Romance bekam ich eine temporeiche Agentenstory mit viel Action, Humor und einer chaotisch-liebenswerten Protagonistin. Die Geschichte war durchweg spannend.

Trotzdem gab es auch Schwächen: Die Liebesbeziehung entwickelt sich für meinen Geschmack viel zu schnell und wirkt dadurch nicht besonders glaubwürdig. Auch das Finale kam etwas zu abrupt, sodass ich mir viele Szenen nicht mehr richtig vorstellen konnte. Wer auf realistische, emotional tiefere Romanzen hofft, wird hier wahrscheinlich nicht ganz glücklich.

Trotzdem: Wenn du Lust auf eine spannende, leichte Geschichte mit Humor, Action und einer ungewöhnlichen Protagonistin hast und dich nicht daran störst, wenn die romantischen Entwicklungen eher zügig passieren, dann wirst du mit diesem Hörbuch wahrscheinlich eine richtig gute Zeit haben. Es eignet sich super zum Abschalten, zum Berieseln lassen, für zwischendurch. Wer sich einfach mitreißen lassen möchte, ohne jedes Detail hinterfragen zu müssen, bekommt hier genau das.

Mit der Bewertung tue ich mich ein bisschen schwer, mittendrin hatte ich durchaus dieses typische Vier-Sterne-Gefühl, weil die Geschichte mich gut unterhalten hat, aber rückblickend fehlt einfach das gewisse Etwas, das es für mich persönlich rund macht.

Wer das Genre liebt, wird hier aber vermutlich eher zwischen vier und sogar fünf Sternen landen.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

spannende Struktur, distanzierte Figuren

Gestern waren wir unendlich
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Gestern waren wir unendlich

hat mir insgesamt gut gefallen, besonders der Anstieg der Handlung hat mich mitgenommen.

Die Erzählweise mit zwei oder mehr Perspektiven ist mein Favorit, weil sie viel Abwechslung ...

Gestern waren wir unendlich

hat mir insgesamt gut gefallen, besonders der Anstieg der Handlung hat mich mitgenommen.

Die Erzählweise mit zwei oder mehr Perspektiven ist mein Favorit, weil sie viel Abwechslung bringt. Besonders die ersten Kapitel machen neugierig auf die fortlaufende Handlung, ohne zu viel vorwegzunehmen, was das Lesen spannend macht.

Der Schreibstil war zu Beginn sehr flüssig und angenehm. Leider hat sich das im weiteren Verlauf etwas verändert, einige Dialoge wirkten aufgesetzt oder nicht ganz stimmig mit dem Hintergrund und Logik der Figuren. Das hat die Authentizität mancher Szenen geschwächt und mich stellenweise aus der Geschichte gerissen.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen: zum einen die Zeit des Kennenlernens der beiden, etwa drei Jahre zuvor, und zum anderen die Gegenwart. Die Geschichte wird Stück für Stück aus beiden Zeiten erzählt, was gut funktioniert und Spannung aufbaut. Das Buch regt aufgrund des Themas: Tod, zum Nachdenken an, aber auch, weil es um queere Liebe geht und sich von klassischen Liebesgeschichten abhebt. Die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Lebensrealitäten von Louis und Henry fand ich gelungen. Die Idee der Zeitschleife im Geschehen ist interessant umgesetzt. Es fühlt sich nicht eintönig an, denn immer wieder werden neue Varianten des Tages gezeigt, was das Lesen abwechslungsreich macht.

Schade fand ich allerdings, dass viele emotionale Schlüsselmomente und wichtige Informationen nicht direkt zwischen den beiden Protagonisten stattfinden, sondern oft in Gesprächen mit Nebencharakteren abgehandelt werden, diese Szenen tragen wenig zur Hauptgeschichte bei und hätten meiner Meinung nach intensiver behandelt werden können. Dadurch fehlte mir die emotionale Tiefe und Nähe zu Louis und Henry, was es schwierig machte, sich richtig in die Figuren hineinzuversetzen.

Das Ende hat mir insgesamt gefallen, auch wenn einige Fragen offenbleiben, was wahrscheinlich mit der Fortsetzung zu tun hat. Leider wirkte die Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten auf mich nicht ganz überzeugend, und die Konflikte schienen mir nicht plausibel genug, um die gesamte Handlung zu tragen.

Ich habe das Buch mit gemischten Gefühlen beendet, auch wenn mich nicht jede Entscheidung im Handlungsverlauf überzeugen konnte, war die Geschichte insgesamt angenehm und stellenweise bewegend, jedoch fehlte mir die emotionale Bindung zu den Figuren. Auch wenn mich nicht alles überzeugt hat, interessiert mich die Fortsetzung, ich bin gespannt, ob sich dort noch einige Fragen klären werden.

Ich vergebe solide 3,5 Sterne, mit Tendenz nach oben

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Gefühlvoll, aber unausgewogen - Eine Geschichte mit Potenzial

Our Infinite Fates
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"Hart und weich. Schmerz und Lust. Unsere gesamte Existenz kondensiert... und zu einem einzelnen diamantenen Augenblick kristallisiert"

Inhalt & Einstieg

Das Buch beginnt mit einem neugierig machenden ...

"Hart und weich. Schmerz und Lust. Unsere gesamte Existenz kondensiert... und zu einem einzelnen diamantenen Augenblick kristallisiert"

Inhalt & Einstieg

Das Buch beginnt mit einem neugierig machenden und interessanten Einstieg, der sofort mein Interesse geweckt hat. Die Geschichte entfaltet sich über verschiedene Zeitebenen hinweg, wobei die Themen Identität, Wiedergeburt und queere Liebe eine zentrale Rolle spielen.

Struktur & Verständlichkeit

Ein großer Kritikpunkt für mich war die Orientierung innerhalb der verschiedenen Zeitebenen. Die Geschichte springt zwischen mehreren Jahrhunderten hin und her, und es war oft schwierig nachzuvollziehen, in welcher Epoche man sich gerade befindet. Die Namen der Figuren änderten sich mit den Zeitsprüngen, was das Ganze noch komplexer machte. Zwar wurden manchmal Hinweise auf das Geschlecht der Figuren gegeben, aber sie gingen im Verlauf oft unter. Die Verwendung von Pronomen war inkonsistent: Obwohl anfangs „they/them“ angekündigt wurde, wurde dann doch oft „sie“ verwendet, was für Verwirrung sorgte.

Sprache & Stil

Ein weiterer Punkt, der mir aufgefallen ist, war der sprachliche Stil in den verschiedenen Zeitabschnitten. Während die Geschichte sich über viele Jahrhunderte erstreckt, unterschied sich die Sprache nur minimal. Gerade bei den Passagen aus dem Jahr 1200 hätte ich mir eine deutlichere sprachliche Anpassung gewünscht. Erst gegen Ende wurde die Wortwahl etwas besser an die jeweilige Epoche angepasst, aber insgesamt blieb dieser Aspekt unterentwickelt. Dadurch wirkte der Übergang zwischen den Zeiten oft zu nahtlos, und ich musste mehrfach auf mein Handy schauen, um zu überprüfen, in welcher Zeit ich mich gerade befand.

Aber besonders im letzten Teil, kurz vor dem Ende, wurde der Schreibstil überraschend poetisch, was mir sehr gefallen hat. Es gab einige Sätze, die so schön formuliert waren, dass ich mir sogar ein Zitat herausgeschrieben habe, das habe ich mir mehrmals angehört, weil es mich so berührt hat. Dieser plötzliche poetische Tonfall hat die Geschichte noch einmal aufgewertet und ihr einen emotionalen, fast melancholischen Abschluss verliehen, den ich sehr genießen konnte.

Protagonisten

Evelyn war als Protagonistin gut geschrieben, besonders ihre emotionale Tiefe und Hilfsbereitschaft haben mir gefallen. Ihre Liebe zu Arden entwickelte sich langsam, anfangs distanziert, später intensiv, aber nicht immer ganz nachvollziehbar. Arden selbst blieb für mich eher blass. Seine Geheimniskrämerei machte ihn anfangs unsympathisch, und obwohl seine Emotionen später greifbarer wurden, fehlte mir insgesamt die Tiefe, um wirklich mit ihm mitzufühlen.

Handlung & Spannung

Der Spannungsbogen entwickelte sich für mich erst spät. Anfangs war ich mir unsicher, worauf die Geschichte hinauswollte, und fragte mich, welches Genre eigentlich dominiert. Die Fantasy-Elemente, insbesondere das Konzept der Wiedergeburt, waren für mich eher ein Nebenaspekt. Viel mehr wirkte das Buch wie ein Liebesdrama zwischen den beiden Hauptfiguren, mit starkem Fokus auf deren Beziehung. Wer sich auf einen reinen Fantasy-Roman freut, könnte enttäuscht sein. Erst gegen Ende nahm die Handlung für mich richtig Fahrt auf, und ich wollte unbedingt wissen, was es mit der Wiedergeburt auf sich hat. Hier konnte mich das Buch schließlich fesseln, auch wenn die Umsetzung des Konzepts insgesamt nicht vollends überzeugt hat.

Gesamteindruck

Buch hatte viele interessante Ideen, konnte diese aber nicht immer konsequent umsetzen. Die schwammige Struktur der Zeitsprünge, die mangelnde sprachliche Differenzierung und der geringe Fantasy-Anteil haben mich stellenweise herausgerissen.

Bewertung: 3,5 von 5 Sternen.
Ein interessantes Konzept voller Emotion, aber in der Umsetzung mit Schwächen. Wer sich auf die Geschichte ohne den Anspruch eines klaren roten Fadens einlässt, kann dennoch ein fesselndes Leserlebnis genießen.

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