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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2025

Ein ehrliches Mutmachbuch

Wanda
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Wanda ist ein Mutmachbuch, ein gesehenwerdenbuch und ein füreinanderdaseinbuch. Wanda ist auch ein Buch mit den treffendsten mehrwortwörtern. Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, ich habe langsamer gelesen ...

Wanda ist ein Mutmachbuch, ein gesehenwerdenbuch und ein füreinanderdaseinbuch. Wanda ist auch ein Buch mit den treffendsten mehrwortwörtern. Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, ich habe langsamer gelesen als sonst und musste mich deutlich mehr konzentrieren, weil die Sprache so unvorhersehbar war. Ich wusste nie, was als nächstes passiert und trotzdem kam es mir alles so richtig vor. Die Art wie sich Fantasie und Realität vermischen ist schön und macht eindrückliche Szenen noch eindrücklicher. Manchmal hatte ich kurz das Gefühl alles wäre möglich und manchmal tat das weh, weil es eben alles gar nicht mal so einfach ist. Dieser Zwiespalt wird in "Wanda" von großer Ehrlichkeit und Aktzeptanz und einem "und gleichzeitig" getragen. Beides ist okay, zu Hoffen und vor lauter Schwere nicht in die Leichtigkeit eintauchen zu können. Diese Art des Erzählens, zusammen mit den vielen verschiedenen Lebensthemen, die angesprochen werden, bieten viel Identifikationspotential. Wie hier über Gefühle geschrieben wird ist einfach toll, egal, wie alt man ist.

Das Berlin im Buch gefällt mir, die verschiedenen Charaktere, die sich gegenseitig ergänzen und herausfordern und die sich mit ihrem sie-selber-sein von der Umgebung abgrenzen, haben mich schnell für sich eingenommen. Sie werden vielschichtig und mit Verständnis erzählt, allen voran natürlich die titelgebende Wanda, die sich selbstständig macht, statt darauf zu warten vom Jugendamt von der, mal wieder gescheiterten, Pflegefamilie abgeholt zu werden. Auch eine Bärin ist in dieser Nacht unterwegs und verändert etwas an der Stadt und den Menschen darin.

Mich beeindruckt, wie ein Buch, das so ehrlich die immer mal sehr schmerzhafte Realität anerkennt, es geschafft hat, mir Mut zu machen, genauso ehrlichen, echten Mut, wie das schmerzhafte an der Realität ist.

Wanda ist eine schöne Geschichte, ein Kinderbuch, das ich empfehle mag. Mir hats gut getan.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Ernst aber auch super süß

The Lesbiana's Guide to Catholic School
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"the lesbiana's guide to catholic school" ist eins dieser Bücher, bei denen ich am Anfang noch nicht weiß, wie sehr sie mir gefallen werden.

(Ich empfehle die Content Note zu berücksichtigen, allerdings ...

"the lesbiana's guide to catholic school" ist eins dieser Bücher, bei denen ich am Anfang noch nicht weiß, wie sehr sie mir gefallen werden.

(Ich empfehle die Content Note zu berücksichtigen, allerdings enthält diese auch spoiler.)

Mir gefällt die Gleichzeitigkeit, die dieses Buch lebt und die Charakterentwicklung, nicht nur von Yamila. Schwere Themen verbinden sich mit so richtig cheesy Wohlfühl-Momenten. Angst steht neben Hoffnung und die Charaktere versuchen alle ihren Weg zu finden. Die Beziehungen der Charaktere untereinander empfand ich als sehr schön geschrieben, insbesondere die Geschwisterbeziehung von Yamila und Cesar. Jedenfalls war ich nach dem ersten großen Plottwist sehr am mitfiebern, mitbangen und mithoffen. Es ist nicht langweilig geworden, aber auch nicht so auf Spannung ausgelegt, dass die kleine Momente zu kurz kamen. Insgesamt beeindruckt mich die Feinfühligkeit der Erzählung, die Nuanciertheit mit der Themen, Lebensumstände und Persönlichkeiten verbunden und das Erleben der einzelnen Charaktere ausgelotet wird.

Ich konnte immer wieder sehr mit den Charakteren mitfühlen, aber auch sehr von ihnen lernen.

Es ist eine wunderbare coming-out und erwachsen-werden Geschichte. Eine über Familie, Religion, Liebe, Kultur, Rassismus. Ich glaube, es ist bisher das beste Sapphic Jugendbuch, was ich gelesen habe.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Kurzrezension: intensiv

Louder Than Hunger
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In "louder than hunger" lesen wir Jake's Tage-/Notizbuch während seiner Esstörung. Wir lesen von "der Stimme", die ihm Freund und Trost, aber vielleicht auch Schaden ist. Von den Dingen, die ihm wichtig ...

In "louder than hunger" lesen wir Jake's Tage-/Notizbuch während seiner Esstörung. Wir lesen von "der Stimme", die ihm Freund und Trost, aber vielleicht auch Schaden ist. Von den Dingen, die ihm wichtig sind, wie Gedichten und Musicals. Von den Menschen in seinem Leben, seiner Großmutter.

Die Seitengestaltung und der Schreibstil sind kreativ, da ist Bewegung und Fahrt in der Typographie. Manchmal las es sich dadurch zu schnell, aber insgesamt hat es mich sehr angesprochen. Ich finde die Erzählung sehr intensiv und immersive, für mich war das okay, insbesondere, da ich ab einem bestimmten Punkt bis zum Ende durchgelesen habe.

Ich mag Jake und wünsche ihm ein derbe gutes Leben!

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, es behandelt eindrücklich das Erleben von Anorexie.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Allround Highlight

If We Were Gods
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Am Anfang dachte ich noch so, okay, definitiv nicht schlecht, aber vielleicht hatte ich zu hohe Erwartungen. Doch dann hat mich die Geschichte mit Haut und Haar verschlungen. Sie hat alles, Abenteuer, ...

Am Anfang dachte ich noch so, okay, definitiv nicht schlecht, aber vielleicht hatte ich zu hohe Erwartungen. Doch dann hat mich die Geschichte mit Haut und Haar verschlungen. Sie hat alles, Abenteuer, Freundschaft, Liebe, Wissbegierigkeit; der große Taumel des junge-Erwachsene-seins, nur mit Magie. Und was für welcher, ein ausgeklügeltes, faszinierendes System das gleichzeitig so logisch, richtig, ja, normal scheint. Als wäre die Welt wirklich so und ich wüsste es nur nicht. Diese Geschichte wird so real wie selten ein Fantasybuch. Das Buch selber entwickelt eine Art Sog, parallel dazu, wie auch unsere Protagonist*innen sich der Faszination, dem Rausch der Macht nicht entziehen können. Dieses Buch hat mich trunken gemacht und ich habe es geliebt.

Sehr gut gefallen hat mir auch die Selbstverständlichkeit mit der die Autorin die Vielfalt von uns Menschen abbildet. Im Charakter, sexueller Anziehung, Sprache, Aussehen...
Alle Hauptpersonen sind so feinfühlig und vielschichtig geschrieben, bekommen ihre Momente und intimen Details, die sie nach und nach konturieren und so lebensecht ausmachen. Auch, wenn das Buch Olivia's Sicht zentriert, dominiert sie die Geschichte nicht unangenehm, im Gegenteil. Die sechs Charaktere wachsen zu einer Gruppe zusammen und machen alle, mühelos zusammen und gleichzeitig als Einzelpersonen oder in Untergruppen, die Dynamik dieser Geschichte aus.
Alles ist immer in Bewegung und Beziehung, die Spannung baut sich unerbittlich auf und doch wird ihr von der Autorin kein einziges Thema geopfert. Freundschaft, Liebe, Familie, Begabung, Magie, Persönlichkeitsentwicklung: statt in der Spannung unterzugehen trägt die Art wie sie alle Raum bekommen nur zu ihr bei.
Dieses Buch ist sein eigener magischer Zirkel. Es hat mich bewegt, unterhalten und komplett für sich eingenommen.

Das Einzige, was mich etwas gestört hat, ist wie viel Alkohol in dem Buch getrunken und erwähnt wird. Es gibt, außer einer Person über deren Gründe nie wirklich gesprochen wird, wenig Gegengewicht zum Konsum. Ich fand diese andauernde beschwipst- bis Betrunkenheit leicht unangenehm. Allerdings bietet sie eine interessante Parallele zur Machttrunkenheit der Charaktere und passt durchaus zur Geschichte.

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Veröffentlicht am 25.01.2025

In Ägypten auf Spurensuche

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
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Dieses Buch ist unglaublich! Zunächst einmal sieht es so edel und schön aus, mit den Goldelementen im Cover und dem Farbschnitt. Und dann der Inhalt, die Geschichte! Ich wollte immer weiter lesen, nicht ...

Dieses Buch ist unglaublich! Zunächst einmal sieht es so edel und schön aus, mit den Goldelementen im Cover und dem Farbschnitt. Und dann der Inhalt, die Geschichte! Ich wollte immer weiter lesen, nicht einmal habe ich das Buch zugeklappt und diese Geschichte einfach vergessen. In einem durchlesen würde ich trotzdem nicht empfehlen, es gibt im Verlauf immer wieder Stellen, an denen eine Pause gut passt und die vielen Aspekte der Geschichte brauchen auch ein wenig Zeit. Zumal es über fünfhundert Seiten sind.

Unsere Hauptprotagonistin ist Inez, eine neugierige, tatkräftige, entschlossene junge Frau aus Argentinien. Nach der Nachricht vom Tod ihrer Eltern reist sie ihnen nach Ägypten hinterher. Dort ist sie zunächst alles andere als willkommen, will sie doch der Bedienstete ihres Onkel, ein Mr. Witt, sofort wieder zurück schicken...

Das Buch hat eine witzige, kurzweilige Seite, insbesondere in der Beziehung zwischen Inez und Whit. Gleichzeitig ist der Tonfall der Beschreibungen im Buch warm und aufrichtig und, ja, fast schon weise. Die Charaktere haben alle eine Tiefe, die mitschwingt, auch, wenn sie nicht immer ausgeführt oder erst langsam erkundet wird. Aus der Erzählperspektive von Inez spricht eine aufmerksame Beobachtung. Mir gefällt es, wie ihre Art sich einzubringen facettenreich dargestellt wird. Natürlich beeindruckt mich Inez Stärke, Neugier, Waghalsigkeit. Genauso beeindruckend lerne ich aber zb Isadora kennen. Die beiden sind eben kein Widerspruch, sondern zwei Frauen auf ähnlichen Wegen in unterschiedlicher Gestalt.

Die kurzen Einschübe aus Whits Perspektive finde ich gut gewählt, ohne sie wäre die Dynamik zwischen ihm und Inez doch etwas undurchsichtig und einseitig. So sorgen sie dafür, dass ich in der Beziehung der beiden mitfiebere.

Die Spinnenwebenartige Entfaltung der Geheimnisse der Erzählung ist zu Beginn nicht so direkt spannend, wie es andere Geschichten sind, nimmt mich aber schnell sehr für sich ein und dann doch ordentlich Fahrt auf. Der Fantasy-Aspekt ist dabei unaufdringlich in den historischen Kontext eingewoben und insgesamt nicht dominant.
Lange bleibt das Rätsel, was Inez zu lösen versucht, eher bruchstückhaft und unkonkret. Sie lässt sich von ihren Gefühlen leiten ohne dabei ihren Verstand auszuschalten und die Fragen tauchen dadurch fast von selbst auf. Insgesamt fühlt sich die Geschichte beim Lesen für mich eher Charakter- und Setting-geleitet an, als das der Plot im Vordergrund stünde. Denn da sind die Beschreibungen Ägyptens die das Land aus den Buchseiten heraus entstehen lassen. Und da sind die Charaktere mit ihren verworrenen Gefühlen, Erfahrungen, Wünschen. Ich kann mich einfach in die Geschichte fallen lassen, mit Inez miterleben.

Die Geschichte stellt immer wieder mein Vertrauen in die Charaktere in Frage und je weiter es voran geht, umso spannender wird es alles. Das Ende passt sehr gut und zeigt deutlich wie und wohin sich die Geschichte entwickelt. Der Aufbau als Dilogie passt für mich, ich freue mich schon auf Band 2.


Hinweis zur Sensorik: soft-touch Cover
Hinweis zur Gestaltung: Grafiken und Schriftartenwechsel ("Handschrift"-Arten)

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