Platzhalter für Profilbild

SandrasLesewelt

Lesejury Profi
offline

SandrasLesewelt ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SandrasLesewelt über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.05.2026

Toller dritter Band

Onyx Storm – Flammengeküsst
0

Achtung Spoiler!

Wir werden direkt zu Beginn wieder in die aktuelle politische Lage geworfen. Das War College wurde erfolgreich vor den Veneni verteidigt, jedoch sind einige Opfer zu beklagen, darunter ...

Achtung Spoiler!

Wir werden direkt zu Beginn wieder in die aktuelle politische Lage geworfen. Das War College wurde erfolgreich vor den Veneni verteidigt, jedoch sind einige Opfer zu beklagen, darunter auch Violets Mutter, weshalb der Oberfehl an Dains Vater geht, welcher jedoch ein, wie ich fand, sehr unsympahtischer Mensch ist. Nicht nur seinem Sohn gegenüber, sondern auch Violet und ihrer gesamten Familie. Da er jedoch in die ehemaligen Räumlichkeiten der Sorrengails zieht, sind auch einige wichtige Informationen nun schwer zugänglich - noch schwieriger als schon unter Violets Mutter. Dain gewinnt in diesem Zusammenhang und auch im weiteren Verlauf der Geschichte für mich wieder einige Pluspunkte, wobei ich in der Tat sehr überrascht bin, dass Violet ihm wieder vertraut und in ihren engsten Kreis hineinlässt. Ich hätte dies nicht gekonnt!

Als Xaden zum Professor ernannt wird, wird die Beziehung mit Violet schwierig, da es auch am War College - wie ja auch in der realen Welt - Regeln gibt, die Verhältnisse zwischen Lehrkräften und Schülerinnen verbieten. Es brachte mich an einer Stelle zum Grinsen, wie geschickt es an anderen Orten offiziell umgangen werden kann. Aber diese Orte müsst ihr selbst kennenlernen. Denn natürlich spielt diese Geschichte wieder größtenteils außerhalb des College. Wir lernen neue Königreiche kennen, winzige Inseln, die zum Teil gar nicht auf den aktuellen Karten vermerkt sind. Das fand ich sehr interessant und es erinnerte mich so ein bisschen an die Erforschung unseres Planeten vor einigen Jahrhunderten. Wie spannend es gewesen sein muss, auf Orte zu stoßen, von deren Existenz man bis dahin nichts ahnte!

Das kleine Team um Violet ist auf den kleinen Inseln unterwegs, um offiziell Unterstützung für den Krieg zu finden. Dies gestaltet sich jedoch schwierig und auf jeder Insel werden sie auf die Probe gestellt. Es heißt sich zu bewähren und kleine Rätsel oder Kämpfe auszutragen, in der Hoffnung, dass das Ergebnis den Herrschenden gefällt und sie einwilligen im Krieg zu helfen. Auch die Drachen spielen hier keine unwichtige Rolle und stellen die Menschen vor Situationen, in denen sie ihre Würde beweisen müssen.

Inoffiziell gibt es natürlich noch einen weiteren Grund, warum die Gruppe die vielen kleinen Inseln besucht, dieser hängt mit dem Ende des zweiten Buches zusammen. Auch gibt es in diesem Band aufgrund Xadens Situation weniger spicy Szenen. Sie schrumpfen tatsächlich auf ein sehr geringes Maß, was ich extrem schade fand. Nicht, dass ich sie besonders herausragend fand, aber sie waren witzig. Zudem befürchte ich, dass sie in den nächsten beiden Bänden sogar noch weniger werden könnten.

Gegen Ende des Buches kommt es natürlich wieder zu einem großen Kampf. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Autor:innen sich da bei solchen Reihen doch immer wieder etwas neues einfallen lassen können! Denn mir würde wohl gar nicht so viel anderes einfallen: Es sind halt immer Menschen auf Drachen gegen andere böse Menschen auf Fluggefährten - aber nein, die Autorin macht das wirklich klasse und ich fand den gesamten Kampf sehr gut geschrieben! Hier und dort muss man mitzittern und hoffen, dass alle liebgewonnenen Charaktere am Ende noch dabei sind. Aber ob sie es wirklich sind? Denn wie auch in den ersten Bänden kommen wir nicht umhin Charaktere im Laufe der Geschichte zu verlieren. Wer wohl am Ende von Band fünf noch übrig sein wird?!

Das Ende, sprich die aller letzten Sätze, fand ich dann gar nicht so überraschend wie diejenigen aus den ersten beiden Bänden, die mich wirklich sprachlos zurückließen. Hier konnte man diese Situation schon erahnen, wenn nicht jetzt, dann halt später. Meine Sorge ist nun eher, was in Band 4 kommen könnte!



Fazit:
Eine absolut gelungene Fortsetzung, die nahtlos an den Vorgänger anschließt und einige interessante Passagen aufweist. Das Ende ist nicht ganz so ein Cliffhanger wie in den beiden ersten Bänden, regt aber zu Spekulationen an.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.05.2026

wir treffen Beatrice und Florin wieder!

Böses Licht
0

Bei diesem Buch handelt es sich um den zweiten Band der "Mordgruppe" - Reihe um die Kommissarin Fina Plank und ihren chauvinistischen Kollegen Oliver. Das Buch beginnt mit einem Mord an einem Theater während ...

Bei diesem Buch handelt es sich um den zweiten Band der "Mordgruppe" - Reihe um die Kommissarin Fina Plank und ihren chauvinistischen Kollegen Oliver. Das Buch beginnt mit einem Mord an einem Theater während des laufenden Theaterstücks, sodass gar nicht direkt bemerkt wird, dass es sich um eine echte Leiche handelt. Die Ermittlungen starten und wir begegnen den Kommissaren so wie wir sie bereits in Band eins kennengelernt haben. Das fand ich damals schon schwierig und fand mich hier direkt wieder in derselben Gefühlswelt wieder: Fina ist weiterhin unsicher und Oliver feuert das Ganze noch mit seinen unmöglichen Sprüchen an. Für mich grenzt das tatsächlich schon an Mobbing am Arbeitsplatz. Das Buch plätscherte für mich so vor sich hin, bis sich die Geschichte von Wien nach Salzburg verlegte.

Dort trafen wir dann für mich ganz unvorbereitet auf zwei meiner allerliebsten Charaktere: Beatrice Kaspary und Florin Wenninger aus der ersten Erwachsenen-Thriller-Reihe der Autorin! Die Reihe, die damals mit "Fünf" begann und nach vier Bücher leider zu Ende ging (meine Hoffnung auf eine Fortsetzung blieb bisher unerfüllt). Ab dem Punkt war ich Feuer und Flamme! Und ich gestehe, dass dies überwiegend mit den beiden Charakteren zu tun hatte. Die Ermitlungen an sich waren nicht wirklich spektakulär und obwohl wir auch in diesem Band immer Mal wieder den Eindruck bekommen, dass im Hintergrund jemand seine Strippen zieht, ist es dieses Mal nicht so häufig und eindrucksvoll wie noch in Band eins. Jedoch habe ich langsam das Gefühl bekommen, dass es diesem Jemand um Fina persönlich geht! Und daher bin ich in dieser Hinsicht sehr auf Band 3 gespannt. Diesen zusätzlichen Twist hat die Autorin ganz interessant gestaltet! Vor allem, da ich die Fälle ansonsten in dieser Reihe nicht so besonders finde.

Beatrice und Florin machten die Geschichte für mich auf der persönlichen Ebene der Charaktere viel sympathischer, aber auch die Tatsache, dass Fina einen sehr interssanten Tipp eines Kollegen bekommt, wie sie Oliver ein für allemal zum Schweigen bringen kann. Obwohl sie sehr skeptisch ist und der Kollege ihr keine Details außer einem Stichwort nennt, nutzt sie dieses auch und wir erleben ab dann einen sehr veränderten Oliver! Das war schon mächtig! Zum Ende des Buches hin, erfahren Fina als auch wir dann auch worum es dabei geht und warum Oliver so heftig darauf reagiert. Auch hier eine nette Idee der Autorin und ich bin gespannt, wie Oliver im dritten Band dargestellt wird! Schade nur, dass man solche Menschen nur mit Dingen stoppen kann, die für sie gefährlich werden könnten. Das gibt mir irgendwie kein gutes Gefühl - auch nicht im Hinblick auf unsere Gesellschaft. Denn in der Regel hat man ja gegen solche Personen nichts in der Hand.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.04.2025

Großartige Fortsetzung

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
0

Zum Cover:

Das Cover ist wie bereits der erste und zweite Band der Reihe einfarbig in einer kräftigen Farbe gehalten, dieses Mal ist es orange. Und wow, was für ein orange! Zudem sind man einen Wolf ...

Zum Cover:

Das Cover ist wie bereits der erste und zweite Band der Reihe einfarbig in einer kräftigen Farbe gehalten, dieses Mal ist es orange. Und wow, was für ein orange! Zudem sind man einen Wolf und einen Waldausschnitt. Der Name des Autors ist wieder in weißen Großbuchstaben in der oberen Hälfte des Covers vermerkt. Mir gefällt das Cover sehr, vor allem, da es so gut zur Reihe passt. Den schwarzen Farbschnitt, den meine erste Auflage hat, hätte es aber wieder nicht gebraucht.

Zum Buch:

Im dritten Band um den Ermittler Art Meyer und seine Kollegin Nele Tschaikowski wird es persönlich. Obwohl ich alle drei Bände sehr gemocht habe, bin ich verleitet zu sagen, dass mir dieser Band bisher am besten gefallen hat! Nun kennen wir Art und Nele bereits besser, sie sich gegenseitig auch und so sind sie ein stimmiges Team. Nele ist eigentlich noch in Elternzeit (im Buch heißt es Mutterschutz, gleichzeitig wird aber gesagt, dass das Baby mehrere Monate alt ist - von daher glaube ich, dass es Elternzeit sein müsste), hält es zu Hause und nur mit dem Kind und einem Mann, der sie eh immer schon am liebsten als Mutter und Hausfrau sehen würde, nicht aus und flüchtet sich in den Fall, der offiziell auch schon bald Art entzogen wird, da er als befangen gilt. Ich mag die zwei als Team unheimlich gerne. Sie haben beide unheimlich viele Ecke und Kanten und sind dadurch irgendwie so schön normal. Dass Art Neles Handlen nicht hinterfragt und einfach für sie da ist und sie so nimmt wie sie ist, finde ich großartig.

Schon in den letzten Bänden haben wir auch Milla kennengelernt, eine Achtjährige, die mit ihrer dementen Oma eine Etage unter Art wohnt und deren Mutter vor eineinhalb Jahren plötzlich spurlos verschwunden ist. Die Kleine ist sehr forsch und hat sich beim ehemaligen Heimkind Art ins Herz geschlichen. Nun geht es in diesem Band ganz offiziell und inoffiziell um die Suche nach Millas Mutter. Dabei steht jedoch ein Mordfall an einem Richter im Mittelpunkt und nur nach und nach ergibt sich daraus die Rolle, die Millas Mutter eventuell darin spielen könnte bzw. wie sie darin verwickelt sein könnte.

Der Autor baut die Geschichte gekonnt auf und macht es von Beginn an sehr spannend. Zu den Kapiteln in der Gegenwart, die überwiegen, kommen regelmäßig Kapitel aus der Vergangenheit, die aus Sicht von Millas Mutter geschrieben sind. Sie war damals ein Teenager und lebte in einem Wohnwagen in einer Wohnwagensiedlung. Die Vergangenheit soll etwas Licht in die Gegenwart werfen, ist jedoch schon allein für sich spannend und vielschichtig, da nicht alles klar ausgedrückt wird und manche Menschen nicht so zu sein scheinen, wie sie vorgeben.

Das Ende ist dann rund und lässt eigentlich keine Fragen mehr offen, aber Arts Verhalten lässt mich vermuten, wie es im vierten Band weitergehen würde - denn vielleicht ist es ja doch nicht, wie es scheint?


Fazit:
Das Buch ist in einem packenden Schreibstil geschrieben. Die uns bekannten Charaktere ermitteln wieder und man fühlt sich direkt "zu Hause" - es bedarf keine langen Erklärungen oder Rückblicke. Die Geschichte ist in sich schlüssig und gibt der Lesenden aufgrund der Kapitel in der Vergangenheit Einsichten in die Ermittlungen, die die Ermittelnden lange nicht haben. Toll geschrieben!

Leseempfehlung:
Ich kann das Buch absolut weiterempfehlen, würde aber, wie ich es bei fast allen Reihen mache, dazu raten, mit Band 1 zu starten, um die Charaktere besser kennenzulernen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2025

toller zweiter Band

This could be home
0

Die Geschichte spielt wieder auf Hawaii, was der Handlungsort der gesamten Reihe ist. Wir lernen in diesem Buch Laurie besser kennen. Sie ist die jüngere Schwester von Vince, der einer der Hauptcharaktere ...

Die Geschichte spielt wieder auf Hawaii, was der Handlungsort der gesamten Reihe ist. Wir lernen in diesem Buch Laurie besser kennen. Sie ist die jüngere Schwester von Vince, der einer der Hauptcharaktere aus Band 1 ist, wodurch wir auch schon mit Laurie Bekanntschaft gemacht haben. Grundsätzlich möchte ich bereits an dieser Stelle sagen, dass ich dringend empfehle, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da sie wirklich aufeinander aufbauen, auch wenn es jeweils eine abgeschlossene Handlung ist. Mir hat es sehr gut gefallen, dass wir sowohl Vince als auch Lou, der weibliche Hauptcharakter aus Band 1, auch in diesem Band wiedertreffen und das nicht nur am Rande, sondern wirklich regelmäßig, da beide Bezugspersonen für Laurie sind. So etwas habe ich in anderen Liebesroman-Reihen vermisst: Dort hatte ich immer den Eindruck, dass Charaktere aus den Bücher davor nicht mehr groß eine Rolle spielen, was ich sehr schade finde. Bekannte Nebencharaktere sind auch hier wieder Nebencharaktere, wobei man deutlich erkennt, dass ein Charakter, der dann in Band 3 zum Hauptcharakter wird, intensiver eingeführt wird, sodass wir bereits eine gute Grundlage für das letzte Buch der Reihe haben. Ich muss sagen, generell bin ich von der detailreichen Ausarbeitung der Charaktere durch die Autorin schwer begeistert.

Die Geschichte nimmt recht schnell Fahrt auf und schon bald trifft Laurie auf Tristan, den männlichen Hauptcharakter. Laurie verfolgt in diesem Buch das Ziel ihr Studium auf dem Festland abzubrechen und auf Hawaii eine Ausbildung zur Rettungsschwimmerin zu beginnen, was mit ihrer Vergangenheit zusammenhängt. Für diese Ausbildung macht sie ersteinmla ein Praktikum bei der Ocean Saftey und muss dann noch einen anspruchsvollen sportlichen Test bestehen, für den sie zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung noch lange nicht die körperliche Fitness hat. In all das ist Tristan verwickelt, der aus einer Rettungsschwimmer-Familie kommt und zu Beginn ihr Praktikum betreuen muss.

Tristan wird auch im Buch schon als harte Nuss bezeichnet; mir war er aber von Beginn an irgendwie sympathisch. Ich kann mir zwar sehr gut vorstellen, dass es schwierig ist mit ihm zusammenzuarbeiten, vor allem als Praktikantin, die noch keine Erfahrung, aber viele Fragen hat, aber man merkte schnell, dass er ihr eigentlich nichts Böses will und sich durchaus auch kümmerte.

Der Verlauf der Geschichte hat mir gut gefallen, es ging ruhig voran, entwickelte sich alles in einem Tempo, das ich durchaus als realistisch ansehe, wenn man sich berufsbedingt eh jeden Tag sieht bzw. wenn man eben aus anderen Gründen sehr regelmäßig miteinander zu tun hat und nicht extra Dates ausmachen muss, die dann nicht Tag für Tag stattfinden.

Gegen Ende wartete ich förmlich noch darauf, dass ein Drama passierte, darauf arbeitete die Autorin mit ihren Erläuterungen zu Lauries Ex-Freund sehr deutlich hin und natürlich kam es dann auch so wie vorhergesehen. Aber wie auch vorherzusehen war, war das ganze recht schnell wieder erledigt. Da frage ich mich, ob es das wirklich gebraucht hätte? Man hätte auch irgendeinen anderen Twist einbringen können, der nicht ganz so offensichtlich gewesen wäre. Tristan war mir im letzten Viertel auch etwas weichgespült. Ich weiß nicht, aber der Tristan aus den Kapiteln davor war eher meins, mit seinen Ecken und Kanten und doch auch lieben Seiten - am Ende fehlten ihm die Ecken und Kanten. Trotzdem hat mich das Buch bis zu letzt sehr gut unterhalten!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2025

Lesenswert!

Freiheit
0

"Freiheit" ist die Autobiographie der ersten Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland Dr. Angela Merkel, die sie nach dem selbstgewählten Ausscheiden nach 16 Jahren als mächtigste Person des Landes ...

"Freiheit" ist die Autobiographie der ersten Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland Dr. Angela Merkel, die sie nach dem selbstgewählten Ausscheiden nach 16 Jahren als mächtigste Person des Landes gemeinsam mit ihrer Vertrauten und langjährigen Begleiterin im Kanzlerinnenamt Beate Baumann geschrieben hat. Dieser Biographie liegen subjektive Erinnerungen, aber auch Plenarprotokolle, Protokolle des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung sowie Protokolle der Parteitage zugrunde, wie wir in der editorischen Notiz erfahren.

Das Buch ist in fünf große Teile mit mehreren Kapiteln pro Teil gegliedert. Es beginnt mit "Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren" und umfasst ihre Kindheit, Jugend und das junge Erwachsenenleben in der DDR. Diese Kapitel lasen sich für mich sehr einfach, da sie neben dem politischen Geschehen auch sehr viel Kindheit und Jugend zeigten und waren damit ein sehr guter Einstieg. Sie als unpolitisch oder wenig politisch zu bezeichnen, wäre jedoch falsch. Als Tochter eines protestantischen Pfarrers in einer Diktatur stand sie stets unter besonderer Beobachtung und hatte teilweise nicht dieselben Möglichkeiten wie Gleichaltrige - durfte sich die Religion nicht in Politik einmischen und wurde kritisch beäugt.

Je näher der Mauerfall rückte und je älter Frau Merkel wurde, desto mehr interessierte sie sich für Poltik, agierte politisch und trat schließlich auch ihrer ersten politischen Partei bei. Dies umfasst den eher kurzen zweiten Teil "Ein demokratischer Aufbruch", der lediglich die Zeit vom 10. November 1989 bis zum 02. Dezember 1990 beleuchtet. Interessant fand ich, dass es rund um den Mauerfall und die Wiedervereinigung gar nicht so wichtig war, welcher Partei ein Mensch angehörte und problemlos Menschen aus verschiedenen Parteien an einem Tisch sitzen und diskutieren konnten, z.B. im Freundes- und Bekanntenkreis, solange alle einer pro-demokratischen, pro-Wiedervereinigung gesinnten Partei angehörten. Dieses "hauptsache demokratisch" ist mittlerweile wieder aktuell wie nie.

Der dritte Teil befasst sich mit ihrem politischen Aufstieg. "Freiheit und Verantwortung" umfasst die Zeit vom 3. Dezember 1990 bis zum 21. November 2005, dem Moment als sie die erste Bundeskanzlerin wurde. Hier erfahren wir von ihren ersten Tätigkeiten als Ministerin im ersten Bundestag des wiedervereinten Deutschland. Von ihren teils noch wackeligen Schritten in der großen Politik - wie es uns ja eigentlich allen die erste Zeit in einem neuen Job geht. Man schaut, wo man gelandet ist, wo man sich einbringen kann, wo man seine eigene Position vielleicht anpassen muss, ohne sich zu verstellen und wo man langsam selbstsicherer wird und größere Projekte in Angriff nimmt. All das passiert auch hier und es war sehr interessant diese Schritte zu begleiten. Nicht immer lief alles glatt und nicht nur einmal wäre Frau Merkels politische Karriere fast schon beendet gewesen, bevor sie überhaupt richtig angefangen hatte. Denn eins muss man ihr lassen, sie war stets jemand, der für ihre Überzeugungen eintratt und auch Fehler machte, die ein Frischling eben so macht. Dass sie diese in der Biographie erwähnt hat, hat mir gut gefallen; denn die wenigsten, die dieses Buch lesen, kennen ihren ganzen politischen Weg und das eine oder andere Interview, die eine oder andere Besprechung oder die Meinungsverschiedenheit sind den wenigsten (noch) bekannt. Man hätte es also auch unter den Tisch fallen lassen können. Hat sie aber nicht. Hut ab.

Der vierte und fünfte Teil beschäftigen sich dann mit ihrer Zeit als Bundeskanzlerin. Sie schreibt über verschiedene Krisen, innenpolitisch und außenpolitisch. Über die EU, die NATO, das Verhältnis zu den amerikanischen Präsidenten, die sie kennengelernt hat sowie über Israel und abschließend die Pandemie, aber immer wieder auch über kleine Dinge wie ihr Wirken in ihrem Wahlbezirk an der Ostsee oder der Fußball-WM im eigenen Land. Vor allem so Kleinigkeiten wie ihre Begeisterung für die Weltmeisterschaft fand ich sehr sympathisch und zeigten auch die Frau neben der großen politischen Bühne. Ich weiß, dass sie damals durchaus belächelt oder gar ausgelacht wurde, wie sie auf der Tribüne saß und jubelte, aber im Buch wird noch einmal deutlich, dass es einfach ein Thema ist, eine Sportart, die sie begeistert - so wie sie immer mehr Frauen in Deutschland und der Welt begeistert, da ist sie einfach eine von uns und eben nicht nur Bundeskanzlerin. Sehr sympahtisch wie ich finde.

All diese Themen sind sprachlich sehr gut geschrieben. Mir war sehr schnell bewusst, dass dieses Buch für alle geschrieben wurde, für jede Person, die sie gerne lesen möchte; die Frau Merkel vielleicht noch einmal besser oder anders kennenlernen möchte; die sich für ihren Werdegang oder ihre Entscheidungen interessiert oder diese vielleicht (endlich) verstehen oder zumindest nachvollziehen möchte. Dass das Buch nicht nur für politisch versierte Menschen geschrieben wurde. Dass es kein "jetzt kriegen alle, die mir begegnet sind und nicht nach meiner Pfeife tanzten, ihr Fett weg" - Buch ist. All das hat mir überaus gut gefallen. Der Schreibstil ist sachlich, aber natürlich auch subjektiv; das Leben ist geprägt von subjektiven Entscheidungen, ob nun privaten oder politischen. Immer werden die politischen Begriffe und Abkürzungen jedoch erklärt. Es gibt am Ende des Buches ein Glossar, aber, und das fand ich außerordentlich hilfreich, es werden alle Begriffe auch im Fließtext einfach erläutert. Ob nun in einem Nebensatz oder durch zwei, drei zusätzliche Sätze. Es werden keine Fußnoten verwendet, um Dinge zu erläutern! Dafür bin ich so dankbar! Fußnoten empfinde ich als unheimlich störend und den Lesefluss negativ beeinflussend. Außerdem geben sie mir den Eindruck, dass es eigentlich etwas ist, das man wissen sollte und das nun nur für Unwissende unten noch einmal erläutert wird. Dadurch, dass hier nicht dieses Mittel benutzt wurde, las sich das Buch wirklich flüssig und ich fühlte mich immer wieder von Neuem abgeholt und eingebunden.

Natürlich gab es über die mehr als 700 Seiten Themen, die mir schwer gefallen sind. Mir ist aufgefallen, dass es sich für mich dabei immer um Kapitel handelte, die Finanz-Thematiken hatten, z.B. "Weltwirtschaftskrise". Offensichtlich ist mein Wissen, was diese Themen betrifft, besonders eingeschränkt - es überrascht mich aber nicht! Daher kann es natürlich sein, dass andere Leser:innen mit anderen Themen Schwierigkeiten bekommen - vielleicht mit mehr Kapiteln als ich, vielleicht mit weniger. Damit sollte man, insofern man sich in der großen Welt der Politik nicht ganz besonders gut auskennt, rechnen, wenn man dieses Buch zur Hand nimmt.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, was mich überrascht hat und es hat gar nichts mit Frau Merkel zu tun, sondern mit der gesamten Struktur unserer Regierung: Ich hätte niemals gedacht, wie viele Personen im BundeskanzlerInnenamt im Hintergrund arbeiten! Wie viele Menschen der mächtigsten Person in unserem Land zuarbeiten! Wie viele Experten sie zu allen möglichen Themenbereichen beschäftigen und dass sie eben nicht alles selbst wissen! Für mich war der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin bisher immer eben der Mensch im Land, der sich mit allen Themen besonders gut auskennt! Wie lächerlich mir dieser Gedanke nach der Lektüre dieses Buches erscheint! Ich habe dazu gelernt. Eine Menge. Als mächtigste Person dieses Landes muss man vor allem für alles offen sein, sich für alles interessieren, die richtigen Menschen kennen, die einem helfen und einen unterstützen, auch in schweren Zeiten hinter einem stehen und man darf sich, vor allem als Frau, nicht von den ganzen Trumps, Putins und Co.s unterbuttern lassen! Eigentlich alles wie im echten Leben einer Frau - nur ein paar Dimensionen größer.

Fazit:
Eine politische Biographie, die auch für Laien gut lesbar ist. Es ist offensichtlich, dass das Buch nicht nur für politisch gut bewanderte Menschen geschrieben wurde, sondern auch für alle anderen, die an der Person Frau Dr. Angela Merkel Interesse haben oder sie (im Nachhinein ihrer Bundeskanzlerinnenschaft) besser kennenlernen möchten, um ihre Entscheidungen zu verstehen (oder auch nicht).

Leseempfehlung:
Ich kann dieser doch recht dicken Biographie eine absolute Leseempfehlung aussprechen. Es lohnt sich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere