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Veröffentlicht am 18.10.2025

Drei Frauen auf neuen Wegen

Wilder Honig
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"Wilder Honig", der neue Roman der walisischen Autorin, Dramaturgin und Drehbuchautorin Caryl Lewis, spielt in Berllan Deg, einem kleinen Dorf in Wales. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen mit Hannah, ...

"Wilder Honig", der neue Roman der walisischen Autorin, Dramaturgin und Drehbuchautorin Caryl Lewis, spielt in Berllan Deg, einem kleinen Dorf in Wales. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen mit Hannah, Sadie und Megan drei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können.

Die 70-jährige Hannah ist in tiefer Trauer, ihr Ehemann John, der Imker und Schriftsteller war, ist nach 50 Ehejahren infolge einer schweren Krankheit verstorben. Ihre sechs Jahre jüngere Schwester Sadie reist an, um sie zu unterstützen. Die Schwestern haben sich seit vielen Jahren nicht gesehen und sind sich fremd geworden. Während Hannah ihr ganzes Leben im Elternhaus geblieben ist, ist Sadie früh ausgezogen, um eigene Wege zu gehen. In Johns Unterlagen findet Sadie außer einem Testament 11 Briefe, die John kurz vor seinem Tod an Hannah geschrieben hat. Darin zieht er nicht nur Parallelen zwischen dem Leben der Bienen und seiner Beziehung zu Hannah, sondern beichtet seiner Frau ein lange gehütetes Geheimnis ...

Das Buch ist in ganz wunderbarer und poetischer Sprache geschrieben, auch der ruhige Erzählstil begeisterte mich sofort. Die interessanten und sympathischen Charaktere sind mit Empathie und Liebe beschrieben. Es geht in dem Buch neben Trauer und Verlust auch um Liebe und Neubeginn. Wir begleiten Hannah, Sadie und Megan über den Zeitraum eines Jahres und erleben, wie sie sich behutsam einander annähern. Meine Lieblingsfigur war Hannah, die nicht nur Johns Tod verarbeiten muss, sondern auch sein schockierendes Geständnis, das sie zutiefst verletzt hat. Im Laufe der Zeit gelingt es ihr, aus der Planung und Neugestaltung ihres Obstgartens neue Kraft und Zuversicht zu schöpfen.

Die Briefe, die John seiner Frau hinterlassen hat, stellen für mich das Highlight des Buches dar. Wir lernen John mit jedem Brief etwas besser kennen und können auch seine Handlungsweisen immer besser nachvollziehen. Er reflektiert nicht nur die gemeinsame Zeit mit Hannah, sondern übt in seinen Briefen auch Selbstkritik. Ich fand es sehr interessant und faszinierend, Einblicke in die mir bisher nur oberflächlich bekannte Bienenwelt zu bekommen. Im Laufe der Handlung widmet sich die Autorin immer intensiver der Bienenzucht, es wurde mir zu viel mit dem Bienenthema, zumal auch die bis zu einem gewissen Grad durchaus interessant geschilderte Gestaltung des Obstgartens immer mehr Raum einnimmt. Die Natur steht mir zu sehr im Vordergrund, ich hätte gern mehr über die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistinnen gelesen.

Das erste Drittel des Buches hat mir sehr gut gefallen, danach bahnte sich eine vorhersehbare, unrealistische und kitschige Liebesgeschichte an, auf die ich gut hätte verzichten können. Sprache und Erzählstil fand ich ganz wunderbar, allerdings hatte ich insgesamt mehr von der Geschichte erwartet - sie hat mich leider nicht überzeugen können.

Trotz meiner Kritikpunkte vergebe ich 3 Sterne und empfehle den Roman allen Lesern, die gern Bücher mit intensiven und schönen Naturbeschreibungen lesen.

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Ingrid und ihre Töchter

Girls
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Im Mittelpunkt von "Girls", dem dritten Roman der englischen Autorin Kirsty Capes, stehen die beiden Töchter Matilda und Nora der weltberühmten Malerin Ingrid Olssen. Diese führte ein ausschweifendes und ...

Im Mittelpunkt von "Girls", dem dritten Roman der englischen Autorin Kirsty Capes, stehen die beiden Töchter Matilda und Nora der weltberühmten Malerin Ingrid Olssen. Diese führte ein ausschweifendes und hemmungsloses Leben, war manisch depressiv und suchtkrank. Mit 50 Jahren erkrankte sie an Lungenkrebs und starb vier Jahre später. Ihr letzter Wunsch war, dass Matilda und Nora ihre Asche in einem Canyon verstreuen und all ihre Werke ins Meer werfen. 

Zwei Jahre nach Ingrids Tod plant der Kunstkritiker Richard, ein Buch über die Malerin zu schreiben, deren bekanntestes Werk ein Bild ist, das sie und ihre beiden Töchter zeigt. Karoline, die ihre Schwester Ingrid als Managerin und Agentin unterstützte und sich um alles Geschäftliche kümmerte, plant derweil eine Ausstellung mit Ingrids Werken in San Francisco. 

Ingrids älteste Tochter Matilda führt uns als Ich-Erzählerin durch die Geschichte. Die 33-Jährige arbeitet als Sozialarbeiterin und lebt mit ihrer 17-jährigen Tochter Beanie in einer kleinen Wohnung. Matildas Verhältnis zu ihrer 9 Jahre jüngeren Schwester Nora ist schwierig, die Schwestern haben sich seit Ingrids Tod nicht mehr gesehen. Nora nimmt ihr immer noch übel, dass Matilda sie mit 8 Jahren der labilen Mutter überließ, die trank und immer wieder für einige Tage verschwand. Wenn Karoline sich dann nicht um die Kleine kümmern konnte, blieb Nora sich selbst überlassen. 

Kirsty Capes verwebt in ihrem Buch gekonnt die Gegenwart mit den Ereignissen der Vergangenheit. Wir beobachten rückblickend das Aufwachsen der Schwestern bei ihrer chaotischen Mutter, die psychisch krank war und ihre Kínder vernachlässigte, und wir sehen, welche Herausforderung die Aufarbeitung der Vergangenheit für die Schwestern darstellt. Das Buch ist keine leichte Kost, es behandelt schwere Themen wie komplizierte Beziehungen, Kindheitstraumata, Selbstverletzung, Suchtkrankheiten, Depressionen und Suizid. Die einzelnen Kapitel wechseln sich ab mit Auszügen aus Interviews, die Richard für sein Buch über Ingrid führte. Diese Auszüge ermöglichen dem Leser eine andere Sicht auf die Ereignisse.

In der ersten Hälfte des Buchs lernen wir Ingrids Töchter und ihre Lebensumstände kennen und blicken zurück auf Ingrids Leben, im zweiten Teil geht es um die Reise von Matilda, Nora und Beanie in die Vereinigten Staaten, wo sie Ingrids Vermächtnis erfüllen wollen. Während mir der erste Teil gut gefallen hat, hatte ich mit dem zweiten Teil meine Schwierigkeiten. Er ist stellenweise traurig und herzzerreißend, dann aber wieder geradezu absurd, vorhersehbar und wenig glaubhaft. 

Die Sprache der Autorin konnte mich leider nicht überzeugen. Formulierungen wie "... mit zusammengebissenen Zähnen, in den Wind gerichtet, sage ich zu ihm ..... " und ".... und dann würde er mich wieder anschauen, und es würde sein, als prickelte die Welt um uns herum wie Schampus" sind mir immer wieder begegnet und haben mir das Lesen etwas verleidet.
Bis auf Gus und Marnie war mir keine der Personen wirklich sympathisch, ich fand einfach keinen Zugang zu den Hauptfiguren. Die Episoden mit der Jagd nach der Kühltasche und Dolly Parton fand ich recht albern.

Ingrids Lebensgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen ist glaubhaft dargestellt. Auch die Beschreibung von Noras Schmerz und Matildas Schuldgefühlen sowie die daraus resultierende Problematik der Schwesternbeziehung konnte mich überzeugen. Im zweiten Teil hat die Geschichte einige Längen, dennoch finde ich sie insgesamt sehr gut aufgebaut, sie hat mich berührt und ist mir unter die Haut gegangen.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Dreiecksgeschichte und Krimi

Wie Risse in der Erde
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Im Mittelpunkt von "Wie Risse in der Erde", dem neuen Roman der britischen Autorin Clare Leslie Hall, steht die junge Beth Johnson, die mit ihrem Ehemann Frank und Schwager Jimmy eine Farm im kleinen Ort ...

Im Mittelpunkt von "Wie Risse in der Erde", dem neuen Roman der britischen Autorin Clare Leslie Hall, steht die junge Beth Johnson, die mit ihrem Ehemann Frank und Schwager Jimmy eine Farm im kleinen Ort Hemston in Dorset bewirtschaftet. Das Buch erscheint weltweit in 31 Ländern und erntet von Kollegen der Autorin, wie Miranda Cowley Heller, Delia Owens und Chris Whitaker, großes Lob. Ich freute mich daher riesig auf die Lektüre - doch so richtig glücklich bin ich mit der Geschichte leider nicht geworden.

Der Roman spielt auf mehreren Zeitebenen und umfasst die Zeit von 1955 bis 1975. Er ist in fünf Hauptteile und zahlreiche kurze Kapitel gegliedert, die in erster Linie Ereignisse der Jahre 1955 und 1968 beinhalten. Die Handlung springt zwischen 1968, "früher" und "der Prozess" hin und her, was durch die Kapitelüberschriften sehr gut zu erkennen ist.

Die 17-jährige Schülerin Beth Kennedy, Tochter eines Lehrerehepaares, verliebt sich in den ein Jahr älteren Gabriel Wolfe aus begütertem Elternhaus. Die beiden verleben einen glücklichen Sommer, ehe die Verbindung zerbricht. 13 Jahre später, Beth ist inzwischen mit dem Farmer Frank Johnson verheiratet, zieht Gabriel, mittlerweile erfolgreicher Schriftsteller, mit seinem Sohn Leo wieder in sein Elternhaus ein. Es dauert nicht lange, bis Beth und Gabriel sich auf der Farm wiedersehen. Die junge Frau zögert nicht, als Gabriel sie bittet, auf Leo aufzupassen, damit er sein Buch fertigstellen kann. Das Kind erinnert sie an ihren Sohn Bobby, der zwei Jahre zuvor durch einen tragischen Unfall beim Fällen eines Baumes ums Leben gekommen ist. Obwohl Beth ihrem Mann gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, ist sie gern mit dem Jungen -  und auch Gabriel - zusammen. Als es zu einer Tragödie kommt, bricht erneut ihre Welt zusammen ... 

Die Geschichte, die eine Mischung aus Dreiecksgeschichte und Krimi ist, ist in einfacher Sprache aus Beth' Perspektive in der Ich-Form erzählt und liest sich leicht. Bereits mit dem ersten Kapitel über den Prozess baut sich Spannung auf und steigt bis zum Ende stetig an. Was auf der Farm passiert ist und zum Tod eines Menschen führte, wird erst im letzten Viertel des Buches aufgedeckt. 

Die Kapitel über den Kriminalfall habe ich sehr gern gelesen. Ich fand den Prozess spannend und glaubhaft dargestellt. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Identität des Opfers und des Verdächtigen über den größten Teil des Buches im Dunkeln bleibt.

Leider konnte mich die Rahmenhandlung mit Beth, Frank und Gabriel nicht so begeistern wie das Gerichtsverfahren. Sie las sich gut, fesselte und berührte mich, die Trauer der Familie um Bobby ist glaubwürdig beschrieben und mir nahe gegangen. Ich fand es sehr berührend, dass Beth sich um Leo kümmerte, und auch Beth' innere Zerrissenheit ist hervorragend dargestellt. Die Handlung war mir allerdings zu überladen mit all dem Herzschmerz, den Lügen und Tragödien. Es gab viel Drama, Verrat, Verlust und Schuld, Trauer und Reue. Es war mir von allem etwas zu viel, zu theatralisch und stellenweise unglaubwürdig. Ich habe Beth als recht egoistisch empfunden und konnte ihre Handlungsweisen nicht immer nachvollziehen, während mir Frank zu mitfühlend, zu lieb und zu verständnisvoll dargestellt war und mich mit seiner Güte und Selbstlosigkeit zusehends nervte. Die Darstellung von Gabriel, Leo und Bobby fand ich hingegen gelungen und authentisch. Dass die Familienmitglieder, die stets so liebevoll miteinander umgehen, nicht intensiv genug auf Jimmy einwirken, damit er seine Alkoholsucht bekämpft, habe ich nicht verstanden.

Der Aufbau des Buches mit den unterschiedlichen Zeitsträngen hat mir sehr gut gefallen, selbst wenn die teilweise sehr kurzen Kapitel meinen Lesefluss etwas hemmten. Auch die Beschreibung des Landlebens war interessant. Es gibt einige teils vorhersehbare Wendungen, ein großes Geheimnis wird enthüllt, und das Ende ist hoffnungsvoll, aber leider auch ziemlich kitschig.

Obwohl mich der Kriminalfall fesselte, konnte mich die Geschichte insgesamt leider nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Das Vermächtnis

Mickey und Arlo
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In ihrem Debütroman "Mickey und Arlo" erzählt die kanadische Autorin Morgan Dick die Geschichte zweier Frauen, die sich begegnen und nicht ahnen, dass sie Halbschwestern sind.

Aus der Zeitung erfährt ...

In ihrem Debütroman "Mickey und Arlo" erzählt die kanadische Autorin Morgan Dick die Geschichte zweier Frauen, die sich begegnen und nicht ahnen, dass sie Halbschwestern sind.

Aus der Zeitung erfährt Mickey Morris, dass ihr Vater, Adam Kowalski, nach langer und schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren verstorben ist und seine Ehefrau Leonora und die Tochter Charlotte hinterlässt. Die Nachricht trifft sie nicht besonders, da ihr Vater sie und ihre Mutter verlassen hat, als sie 7 Jahre alt war und ihnen hohe Schulden hinterließ. Das ist lange her, mittlerweile ist Mickey 33 Jahre alt, arbeitet seit 12 Jahren mit viel Freude und Hingabe als Lehrerin einer Vorschulklasse und hat ein ernstes Alkoholproblem. Sie fällt aus allen Wolken, als sie einen Anruf vom Anwalt ihres Vaters erhält, der ihr mitteilt, dass sie 5,5 Millionen Dollar erbt unter der Voraussetzung, dass sie innerhalb von drei Monaten sieben Psychotherapiesitzungen absolviert.

Auf einer zweiten Erzählebene begegnen wir Arlo, einer 25-jährigen geschiedenen Psychotherapeutin. Sie hat ihren alkoholkranken Vater bis zu dessen Tod gepflegt und kann nicht begreifen, dass sie in seinem Testament keine Erwähnung findet. Als Mickey zu ihrer ersten Therapiesitzung bei Arlo erscheint, ahnen die Frauen nicht, dass sie ihrer Halbschwester gegenübersitzen, von deren Existenz sie zwar wissen, sie aber nie kennengelernt haben ...

Die Geschichte mit den Schwerpunktthemen Alkoholabhängigkeit, Verlust und Trauer ist in einfacher Sprache abwechselnd aus der Sicht von Mickey und Arlo erzählt. Sie ist stellenweise humorvoll und liest sich sehr flüssig. Nach und nach lernen wir die Protagonistinnen kennen, die geprägt sind von sehr unterschiedlichen Erfahrungen mit ihrem Vater. Mickey ist die verlassene und bindungsunfähige Tochter, die in materiell eher ärmlichen Verhältnissen bei ihrer Mutter aufgewachsen ist. Die vom Vater an sie weitergegebene Alkoholsucht will sie nicht wahrhaben. Arlo hingegen lebte in materieller Sicherheit, wurde vom wohlhabenden Vater verwöhnt und tat alles, um ihm zu gefallen, bis hin zur Aufopferung während seiner letzten Lebensmonate. 

Die Autorin beschreibt die Gefühls- und Gedankenwelt der Frauen sehr intensiv, wir erleben außer den Therapiestunden nicht nur, wie sie sich behutsam einander annähern, sondern auch ihre unterschiedlichen Erinnerungen an den Verstorbenen, ihre Trauer und Wut. Mickeys Alkoholabhängigkeit bleibt sowohl privat als auch im beruflichen Bereich nicht folgenlos, während Arlo der Selbstmord einer Patientin immer noch beschäftigt und belastet. 

Ich habe den ungewöhnlichen Roman, in den die Autorin eigene Erfahrungen hat einfließen lassen, bis zum hoffnungsvollen Ende gern gelesen. Er hat mich gefesselt und berührt, jedoch war mir das ernste Thema Alkoholismus etwas zu leicht und oberflächlich abgehandelt. Die Nebenfiguren empfand ich - bis auf den kleinen Ian und Mickeys Nachbarin Daria - als wenig authentisch, einige Passagen des Buches, wie z.B. die Schilderung der Beerdigung, fand ich ziemlich überzogen und unrealistisch. 

Trotz einiger Schwächen Leseempfehlung und 3 Sterne!

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Veröffentlicht am 21.01.2025

Urlaub am Meer

Drei Wochen im August
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Im Mittelpunkt des neuen Romans "Drei Wochen im August" von Nina Bußmann steht Elena, die als Kuratorin für Ali arbeitet, welche ihr Chefin und Freundin zugleich ist. Sie überlegt nicht lange, als Ali ...

Im Mittelpunkt des neuen Romans "Drei Wochen im August" von Nina Bußmann steht Elena, die als Kuratorin für Ali arbeitet, welche ihr Chefin und Freundin zugleich ist. Sie überlegt nicht lange, als Ali ihr anbietet, den Sommer im abgelegenen Ferienhaus ihrer Lebensgefährtin Nana an der französisichen Atlantikküste zu verbringen. Ali wird in New Mexico bei Nana sein, die bald sterben wird.

Elena freut sich auf die Reise mit ihren Kindern, der 13-jährigen Linn und dem 6-jährigen Rinus. Linn darf ihre gleichaltrige Freundin Noémie mitnehmen, und auch Eve, das ehemalige Kindermädchen der beiden, wird gegen Bezahung dabei sein. Elenas Ehemann Kolja wird später mit dem Zug und dem Fahrrad nachkommen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Elena und Eve erzählt. Über einen Zeitraum von drei Wochen erleben wir den Urlaubsalltag der kleinen Gruppe, ihre Machtkämpfe, Rivalitäten und Eifersüchteleien. Die Urlauber bleiben nicht allein, bald stoßen zwei Fremde zu ihnen, Franz, ein Bekannter von Nana, und die 14-jährige Marla. Die beiden machen Zwischenstation im Ferienhaus, um von dort aus zu Marlas Mutter nach Portugal weiterzufahren. Auch Ilyas, ein Freund Nanas, der sich um ihr Feriendomizil kümmert, geht im Haus ein und aus. Später läuft der Gruppe ein Hund zu, der bald wieder verschwindet. Wütende Waldbrände und damit verbundene Evakuierungen in der Nähe ihres Urlaubsortes werden nur kurz erwähnt. Die Beziehungen untereinander gestalten sich schwierig. Linn und Noémie verbindet in erster Linie ihr gemeinsames Buchprojekt, Elena, die in Eve eher eine Freundin als Angestellte sieht, ist eifersüchtig wegen Eves gutem Verhältnis zu ihren Kindern. 

Ich mochte die klare Sprache der Autorin, die Handlung jedoch vermochte mich leider nicht so zu fesseln, wie ich es mir aufgrund des Klappentextes gewünscht hätte. Die wechselnde Erzählweise hat mir gut gefallen, sie ermöglichte es mir, Elena und Eve gut kennenzulernen und Einblick in ihre Gedankenwelt zu erhalten. Die Gefühle der beiden Frauen bleiben dagegen leider ziemlich außen vor. Das machte es mir schwer, mich in die sehr verschiedenen Charaktere hineinzuversetzen. 

Obwohl der Urlaubsaufenthalt der Gruppe eher sachlich und nüchtern beschrieben wird und es mir in der Geschichte an Emotionen mangelte, habe ich sie gern gelesen und vergebe 3 Sterne.

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