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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.11.2024

Spannung bis zur letzten Seite: Sarah Bestgens Debütroman “Happy End”

Happy End
10

Was wäre, wenn deine grösste Angst als Elternteil wahr wird und dein Kind spurlos verschwindet?

Isa und Mark führen ein glückliches Leben mit ihrem kleinen Sohn Ben. Doch eines Tages verschwindet Ben ...

Was wäre, wenn deine grösste Angst als Elternteil wahr wird und dein Kind spurlos verschwindet?

Isa und Mark führen ein glückliches Leben mit ihrem kleinen Sohn Ben. Doch eines Tages verschwindet Ben plötzlich aus dem Haus, obwohl er unter Isas Obhut stand. Monate voller Trauer und Verzweiflung vergehen, bis Ben, nun nicht mehr ganz so klein, plötzlich wieder auftaucht. Die schreckliche Zeit scheint endlich vorbei zu sein, und Isa sollte unendliche Erleichterung und Glück empfinden, da sie ihren geliebten Sohn zurück hat. Doch etwas bedrückt Isa, und sie kann ihre Liebe zu Ben nicht vollständig ausdrücken. Ist es nur Einbildung und unverarbeitete Trauer, oder steckt etwas anderes dahinter?

Der Schreibstil der Autorin ist so fesselnd und spannungsgeladen, dass die Seiten nur so verschlungen werden. Die Trauer und der Verlust werden so realistisch dargestellt, dass die Gefühle der Charaktere hautnah nachempfunden werden können. Während des Lesens taucht man tief in die Geschichte und ihre Verwicklungen ein und rätselt mit, wo Ben die verschwundene Zeit verbracht hat und wer dafür verantwortlich ist. Die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche werden aufgedeckt, und niemand in der Geschichte scheint der zu sein, den er vorgibt zu sein. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten.

Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse, und es ist wichtig, kein Detail zu verpassen. Insgesamt ist dies ein hervorragender Psychothriller, und Sarah Bestgen kann stolz auf ihr Debüt sein. Die Vorfreude auf ihr nächstes Buch ist gross, und “Happy End” kann allen empfohlen werden, die tiefgründige Psychothriller mögen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 03.09.2025

Mad Woman – Ein literarisches Echo häuslicher Gewalt

Madwoman
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Wie wird man zur perfekten Mutter und Ehefrau – jenem Idealbild, das gesellschaftlich glorifiziert und doch selten hinterfragt wird? In Mad Woman entwirft die Autorin ein vielschichtiges Porträt einer ...

Wie wird man zur perfekten Mutter und Ehefrau – jenem Idealbild, das gesellschaftlich glorifiziert und doch selten hinterfragt wird? In Mad Woman entwirft die Autorin ein vielschichtiges Porträt einer Frau, die versucht, diesem Anspruch gerecht zu werden und dabei an den Narben ihrer Vergangenheit zerbricht.

Im Zentrum steht Clove, eine junge Mutter zweier Kinder, die sich bemüht, das Bild der hingebungsvollen Hausfrau zu verkörpern. Ihre Kindheit war geprägt von Gewalt und Angst: Ein tyrannischer Vater, eine unterdrückte Mutter – bis diese in einem Moment der Verzweiflung zur Täterin wurde. Clove flieht aus diesem zerstörerischen Umfeld und schwört sich, ihren eigenen Kindern ein Leben in Sicherheit und Liebe zu ermöglichen. Doch der Alltag als Mutter ist fordernd, ihr Ehemann emotional abwesend, und die Last der Verantwortung zunehmend erdrückend.

Ein Brief ihrer inhaftierten Mutter wird zum Wendepunkt – und zum Auslöser einer inneren Reise, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt. Die Autorin nutzt Rückblenden nicht nur als narrative Technik, sondern als Spiegel für Cloves psychische Verfassung. Die Übergänge zwischen Erinnerungen und Realität sind bewusst fließend gehalten, was den Lesenden tief in Cloves emotionale Welt eintauchen lässt.

Sprachlich überzeugt Mad Woman durch einen klaren, atmosphärischen Stil, der Cloves Innenleben eindrucksvoll reflektiert. Die bildhafte Sprache und der einfach gehaltener Schreibstiel schaffen Nähe und Verständnis. Einige Aspekte – etwa Cloves ausgeprägter Gesundheitswahn oder bestimmte Entscheidungen – wirken dramaturgisch etwas überzeichnet und stellen die Glaubwürdigkeit punktuell infrage.

Das Finale hingegen kommt überraschend schnell: Nach einem sorgfältigen Aufbau der Handlung und Charakterentwicklung wirken die letzten Ereignisse überstürzt, manche Reaktionen bleiben emotional unausgereift. Dennoch gelingt es dem Roman, ein starkes Statement zu setzen.

Mad Woman ist mehr als eine persönliche Geschichte – es ist ein literarischer Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit häuslicher Gewalt und ihren langfristigen Folgen. Ein bewegendes Werk, das berührt, aufrüttelt und zum Nachdenken anregt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 17.04.2025

Vergangene Geheimnisse, tödliche Wahrheit – ein fesselnder Kriminalfall

Ostseedämmerung
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Der 20. Fall der sympathischen Kriminalkommissarin Pia Korittki und ihres Kollegen Broders hat es erneut in sich.

In einem beschaulichen Dorf entdecken zwei Kinder zufällig ein altes Artefakt aus der ...

Der 20. Fall der sympathischen Kriminalkommissarin Pia Korittki und ihres Kollegen Broders hat es erneut in sich.

In einem beschaulichen Dorf entdecken zwei Kinder zufällig ein altes Artefakt aus der Wikingerzeit. Dieser sensationelle Fund wirft ein neues Licht auf einen anderthalb Jahre zurückliegenden Vermisstenfall. Eine junge Studentin, die damals an der archäologischen Ausgrabung beteiligt war, sollte das wertvolle Stück nach Kiel bringen – doch weder sie noch das Artefakt kamen je dort an. Der Fall landete auf dem Schreibtisch der Lübecker Polizei und wird nun wieder aufgenommen. Was ist damals wirklich geschehen? Und wie konnte eine junge Frau einfach spurlos verschwinden?

Nachdem ihre Leiche in einem nahegelegenen Waldstück entdeckt wird, steht fest: Die Studentin ist keineswegs freiwillig verschwunden – sie wurde kaltblütig ermordet und wie Müll verscharrt.

Ein neuer, packender Fall für Pia Korittki beginnt. Die Ermittlungen richten sich auf die Bewohner des Dorfes sowie das damalige Ausgrabungsteam. Bald wird klar: Hinter harmlosen Fassaden verbergen sich dunkle Geheimnisse.

Eva Almstädts neuester Krimi überzeugt erneut mit einem fesselnden Plot und einer atmosphärischen Erzählweise. Ihr klarer, flüssiger Schreibstil sorgt dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Ein weiteres gelungenes Werk, das die Messlatte für spannende Regionalkrimis erneut hochlegt. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Band!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 05.12.2025

Die Suche nach der Wahrheit – ein gefährliches Spiel

Safe Space
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Nach dem gefeierten Debüt „Happy End“ legt Sarah Bergsetn mit „Safe Space“ einen weiteren Thriller vor, der die Leserinnen und Leser in die düstere Welt der forensischen Psychologie entführt. Die junge ...

Nach dem gefeierten Debüt „Happy End“ legt Sarah Bergsetn mit „Safe Space“ einen weiteren Thriller vor, der die Leserinnen und Leser in die düstere Welt der forensischen Psychologie entführt. Die junge Psychologin Anna tritt ihre neue Stelle in der JVA Weyer an, wo sie mit gewalttätigen Straftätern arbeitet, um deren Vergangenheit und Taten zu analysieren. Doch hinter ihrer beruflichen Fassade verfolgt Anna ein eigenes, brisantes Ziel: Sie sucht einen Mann, der ihr Antworten zu ihrer eigenen Vergangenheit liefern kann – Antworten, die die Wahrheit ans Licht bringen sollen.

Was zunächst wie ein kalkulierter Plan wirkt, entwickelt sich für Anna zu einer psychischen Zerreissprobe. Die Grenzen zwischen Beruf und persönlicher Mission verschwimmen, und bald weiss sie nicht mehr, wem sie vertrauen kann – oder ob der gesuchte Mann überhaupt in der JVA einsitzt. Die Spannung steigt, als sich die vermeintliche Kontrolle in ein gefährliches Spiel aus Misstrauen und Angst verwandelt.

Der Einstieg in die Geschichte erfolgt rasant, ohne langatmige Vorrede – ein Aspekt, der sofort fesselt. Anna ist getrieben von der Suche nach der Wahrheit, doch ihre eigenen Dämonen lassen sie nicht los. Diese innere Zerrissenheit führt dazu, dass sie sich zunehmend in Trauer und Angst verliert, obwohl ihr Ziel klar vor Augen steht. In der Mitte des Buches wiederholen sich einige Situationen, was den Lesefluss bremst und die Handlung streckenweise in die Länge zieht. Gegen Ende jedoch nimmt die Geschichte wieder Fahrt auf, überrascht mit Wendungen und zieht die Lesenden in einen packenden Showdown, bei dem nichts mehr so ist, wie es scheint.

Sarah Bergsetns Schreibstil bleibt lebendig und atmosphärisch dicht. Sie versteht es, psychologische Spannung aufzubauen und die Abgründe der menschlichen Seele auszuloten. Auch wenn „Safe Space“ nicht die Intensität des Debüts erreicht, bietet der Thriller solide Unterhaltung für alle, die psychologische Spannung lieben.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 28.03.2025

Zwischen Schuld und Vergessen: Ein Thriller voller Überraschungen

Die Tochter des Serienkillers
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Der zweite Band von Alice Hunter, Die Tochter des Serienkillers, erzählt die fesselnde Geschichte von Jenny, die ein scheinbar gewöhnliches Leben mit ihrem Mann Mark und ihren zwei Kindern in einem ruhigen ...

Der zweite Band von Alice Hunter, Die Tochter des Serienkillers, erzählt die fesselnde Geschichte von Jenny, die ein scheinbar gewöhnliches Leben mit ihrem Mann Mark und ihren zwei Kindern in einem ruhigen Vorort von Denver führt. Zusammen mit ihrem Geschäftspartner betreibt sie eine gut laufende Tierarztpraxis und genießt die Normalität ihres Daseins. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine düstere Realität: Vor ihrer Haustür häufen sich Tierkadaver und Jenny hat regelmäßig Blackouts, während derer sie keinerlei Erinnerung an ihre Handlungen hat. Als Olivia, eine Bewohnerin des Ortes und Marks ehemalige Affäre, nach einem Kneipenbesuch spurlos verschwindet, wächst in Jenny der Verdacht, dass sie selbst für das Verschwinden verantwortlich sein könnte. Sie fragt sich, ob ihre Vergangenheit ans Licht gekommen ist – die Vergangenheit, die sie als Tochter eines berüchtigten Serienmörders ausweist.

Die Geschichte beginnt mit einem eindrucksvollen Cliffhanger und zieht den Leser unmittelbar ins Geschehen. Im Verlauf der Handlung wird Jennys bewegte Vergangenheit offengelegt, die ihre Gegenwart prägt. Geheimnisse und Intrigen dominieren die Erzählung, da jede Figur etwas zu verbergen scheint. Jenny gerät zunehmend in Selbstzweifel und wird von der Angst getrieben, während ihrer Blackouts möglicherweise schwere Fehler begangen zu haben. Als Mark ihr Vertrauen in sie immer mehr verliert, nimmt sie die Ermittlungen um Olivias Verschwinden selbst in die Hand.

Alice Hunters Schreibstil ist, wie bereits im ersten Band, äußerst fesselnd und flüssig, wodurch die Seiten förmlich dahinfliegen. Die Spannung bleibt durchgehend erhalten, und der Leser fiebert mit Jenny mit, während er ihre bewegende Kindheit und deren Verbindung zu ihren Blackouts näher kennenlernen möchte. Trotz der insgesamt gelungenen Handlung wirken einige Ereignisse und Charaktere etwas unterentwickelt, was das Potential für stärkere Akzente mindert. Insbesondere die Ehe zwischen Jenny und Mark erscheint an manchen Stellen unverständlich oder unlogisch. Dennoch übertrifft dieser Band in vielerlei Hinsicht den ersten Teil, und die Fortsetzung "Die Schwester des Serienkillers" verspricht eine ebenso gute Lektüre.

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