Ein typischer McFadden
Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?Eins ist mal klar: Wo Freida McFadden draufsteht, ist auch Freida McFadden drin. Die Autorin hat mit DIE KOLLEGIN einen weiteren Thriller in bester Housemaid-Manier vorgelegt. Stellenweise hätte es sich ...
Eins ist mal klar: Wo Freida McFadden draufsteht, ist auch Freida McFadden drin. Die Autorin hat mit DIE KOLLEGIN einen weiteren Thriller in bester Housemaid-Manier vorgelegt. Stellenweise hätte es sich hier durchaus um einen vierten Teil der Reihe handeln können. Die Protagonistin heißt zwar Natalie, aber gerade zu Beginn ist mir noch ständig der Namen Millie durch den Kopf gegeistert. Auch was den Aufbau und die Fülle an Plottwists betrifft, liegt der Vergleich auf der Hand. McFadden knüpft also ziemlich nahtlos an die Erfolgsreihe an. Stück für Stück kann der Thriller sich dann aber von Vergleichen freistrampeln und sich letztendlich als gelungener Standalone behaupten.
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Darum geht’s: Natalie kommt eines Tages ins Büro und ihre sonst so zuverlässige Kollegin Dawn ist nicht da. Stattdessen nimmt Natalie einen seltsamen Anruf entgegen, der sie in dem Glauben bestärkt, dass Dawn etwas passiert ist. Natalie versucht, mehr herauszufinden…
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Von Beginn an ist DIE KOLLEGIN ein rasanter Pageturner, den ich kaum noch aus der Hand legen konnte. Der Schreibstil von McFadden mag nicht besonders anspruchsvoll sein, reißt mich in seiner Einfachheit aber trotzdem mit. Klare Formulierungen. Kurze Kapitel. Perspektivwechsel. Die Autorin fährt hier wieder alles auf, was mich bei guter Leselaune hält. Die Handlung ist rasant und spannend und hat mich in einen Strudel der Ereignisse gezogen. Mir war direkt klar, dass hier jede Kleinigkeit von Bedeutung sein und wichtige Hinweise liefern kann. Ich habe also versucht, jede Info aufzusaugen und das Puzzle zusammenzusetzen. Ich kann euch sagen: Mein Kopf hat ganz schön geraucht. Hier sind zig Konstellationen und Szenarien denkbar. Entsprechend großen Spaß macht das Miträtseln.
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Und irgendwann ist er dann wieder da: Dieser typische Freida McFadden-Plottwist. Habe ich ihn kommen sehen? Vielleicht. Hat er mich trotzdem überrascht? Aber sowas von. Und das liegt daran, dass mit einem Mal viele kleine Ungereimtheiten zu einem großen Ganzen werden. Alles verhakt sich ineinander. Mit der Nase werde ich auf Zusammenhänge gestoßen, die ich eigentlich hätte erkennen müssen. Aber einmal mehr bin ich Freida McFadden in die Falle getappt und habe mich von den einfachsten Finten verwirren lassen. Aber von Freida lasse ich mich gerne an der Nase herumführen.
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Richtig toll fand ich in DIE KOLLEGIN die Charakterentwicklung der Personen. Das bezieht sich nicht nur auf die beiden Protagonistinnen, sondern auch auf alle anderen Figuren im Buch. Das einmal gefasste Bild wandelt sich ständig und musste von mir bis zum Schluss immer wieder korrigiert und neu gedacht werden. Der Thriller ist vermeintlich sehr einfach und massentauglich gestrickt und hat doch so viel Potenzial, dass man über alles und jeden überraschend intensiv diskutieren kann.
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Was ich bei McFadden außerdem sehr mag, ist dieses gewisse Quäntchen Humor, das sie in ihre Thriller einarbeitet. Das gefällt mir richtig gut und sorgt für zusätzliche Auflockerung. Und warum mir DIE KOLLEGIN ein waschechtes Schildkröten-Trauma beschert hat, müsst ihr beim Lesen selbst herausfinden.
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DIE KOLLEGIN hat mich überzeugt, bei Freida McFadden auch über die Housemaid-Reihe hinaus am Ball zu bleiben. Spätestens jetzt dürft ihr mich als Fan der Autorin bezeichnen. Ihre Thriller mögen schreibtechnisch nicht besonders intellektuell oder anspruchsvoll daherkommen. Der Aufbau ähnelt sich bisher immer und scheint nach Schema F zu verlaufen. Und doch gelingt es McFadden, mich einfach gut und kurzweilig zu unterhalten. Wer also einen zuverlässig spannenden und schnellen Thriller-Snack für Zwischendurch sucht, ist hier auf jeden Fall wieder richtig.