Profilbild von IlonaThoem

IlonaThoem

Lesejury Profi
offline

IlonaThoem ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit IlonaThoem über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.11.2025

Nett für Zwischendurch

Whispered Words
0

Glaubst du an Gespenster?

Für Belle sind die Geschichten über paranormale Aktivitäten ganz alltäglich. Ob das an der Stadt New Orleans liegt, oder doch an ihrer Mitbewohnerin, die Stadttouren zu dem Thema ...

Glaubst du an Gespenster?

Für Belle sind die Geschichten über paranormale Aktivitäten ganz alltäglich. Ob das an der Stadt New Orleans liegt, oder doch an ihrer Mitbewohnerin, die Stadttouren zu dem Thema gibt?
Für Ames, den Autor mit Schreibblockade, den Belle auf ziemlich absurde Art im Hotel kennenlernt, sollen diese Geschichten Inspiration liefern. Doch was, wenn die Tarot Karten ein bisschen zu gut passen?

"whispered words" ist vom Stil her klassisches new Adult. Die Sprache ist alltagsnahe und leicht zu lesen, wir haben zwei junge Menschen die mit ihren beruflichen und privaten Themen straucheln und einen interessanten Stadtteil. Es wird uns leicht gemacht uns in Ames und Belle einzufühlen und der Geschichte zu folgen. Die Erzählperspektive wechselt zwischen den beiden hin und her, wobei Ames Geschichte die Struktur der Erzählung gibt. Das fand ich sehr passend.

Inhaltlich sind waren es mir zwischenzeitlich fast ein paar zu viele Themen, zumindest hatte ich eigentlich wichtige und emotional "große" Themen kurzfristig vergessen, weil so viel anderes war. Schade und auch ein bisschen unfair den Themen gegenüber. Ich würde auch empfehlen die Triggerwarnung hinten im Buch zu beachten, weil manche Themen sonst eventuell etwas plötzlich kommen, wobei das im Rahmen der Erzählung passt und die Triggerwarnung definitiv spoilert.

Der Umgang mit Esoterik hat mir überraschend gut gefallen. Die Tür für den Glauben an Magie und Esoterische Konzepte wird offen gelassen und gleichzeitig wird zum Beispiel über Tarot als etwas gesprochen, wo es um die eigene Interpretation geht.

Schön fand ich auch die Art wie Nebencharaktere gestaltet wurden. Sie wirkten nicht flach, sondern hatten Persönlichkeit und waren ganz selbstverständlich und ohne Drama (oder Fokus darauf) zb lesbisch oder trans. Zum Ende taucht auch ein Nebencharakter auf, der langsam erblindet und auch diese Darstellung war meiner Meinung nach sensibel und nicht mit Klischees überladen.

Also, insgesamt war es für mich ein gutes Buch für Zwischendurch, das vielleicht ein wenig mehr Tiefe hätte haben können (oder nicht ganz so viele Themen aufmachen). Ich denke, insbesondere wer mal ein new Adult mit mehr Fokus auf die männliche Hauptperson lesen möchte wird hier fündig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2025

Ganz nett

Die seltsamste aller Zahlen
0

Eigentlich hat mir das Buch schon gefallen, aber es hatte seine Längen. Allein schon, weil es ziemlich viel um Jamie's Lehrerin und ihre privaten und Eheprobleme ging. Dieser Handlungsstrang hat mich nicht ...

Eigentlich hat mir das Buch schon gefallen, aber es hatte seine Längen. Allein schon, weil es ziemlich viel um Jamie's Lehrerin und ihre privaten und Eheprobleme ging. Dieser Handlungsstrang hat mich nicht wirklich interessiert und ich fand ihn lange ziemlich distanziert erzählt, was mir nicht geholfen hat, emotional zu werden.
Jamie lese ich als autistisch, auch wenn dieses Wort im Buch nicht vorkommt. Ich mag seine Perspektive und Geschichte und ich mag, wie die Erwachsenen mit ihm umgehen. An sich passiert auch in Jamies Handlungsstrang nicht viel, aber hier hat mir die fehlende Spannung und beobachtende Erzählweise nichts aus gemacht. Ich hatte einfach Freude daran, Jamies begleiten zu dürfen. Ich hatte das Gefühl, dass zum Ende hin alles Fahrt aufnimmt und insbesondere der Epilog Jamies Geschichte rund und zufriedenstellend macht.

Es ist eins dieser Bücher bei denen die wörtliche Rede nicht gekennzeichnet ist, was ich anstrengend fand. Ich sehe bei diesem Buch auch nicht, was das stilistisch an Mehrwert bringen soll, es fühlt sich einfach wie etwas an, was getan wurde um moderner zu wirken.

Vom Erzählton her hat das Buch mich ein wenig an die Fernsehserie "the A-Word" erinnert. (Die Serie hat mir sehr gut gefallen)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.11.2024

hat mich leider nicht überzeugt

Strong Female Character
2

Fern Brady schreibt autobiografisch über ihr bisheriges Leben, ihre Kindheit, Jugend und den Beginn der Erwachsenenzeit.

Für mich haben Autobiographien drei relevante Elemente, das Erzählen von Lebensereignissen, ...

Fern Brady schreibt autobiografisch über ihr bisheriges Leben, ihre Kindheit, Jugend und den Beginn der Erwachsenenzeit.

Für mich haben Autobiographien drei relevante Elemente, das Erzählen von Lebensereignissen, das Deuten dieser Lebensereignisse in der Verbindung zu einem persönlichen Lebensnarrativ und zuletzt die Einordnung in einen größeren gesellschaftlichen Kontext. Der Untertitel der deutschen Ausgabe weckt die Erwartung, dass dies in Fern Bradys Autobiografie mit dem Ziel einer Aussage zu Autismus und Sexismus geschieht.

Es ist nicht ganz eindeutig, in welchem Abstand zu ihrer Diagnose Fern Brady diese Autobiografie geschrieben hat, aber aufgrund der bekannten Daten würde ich auf vielleicht zwei Jahre schätzen. Das Phänomen der Rückschau, des die eigene Lebensgeschichte unter dem neuen Blickwinkel der Diagnose nochmal neu erzählen, ist recht weit verbreitet unter spät diagnostizierten Autist*innen. Aber weder hat Fern Bradys Erzählung diesen Hunger des "warum", noch das Aufatmen des "endlich macht alles Sinn", die eine solche Rückschau nach einer späten Diagnose oft kennzeichnen. Sie hat ihren ganz eigenen Stil und Umgang damit ihr Leben zu erzählen.

Ein Leben ist erstmal was und wie es ist. Dass Fern Bradys Leben einiges an Hardship beinhaltet hat wird sehr deutlich. Sie beschreibt dies zum Großteil auf eine umgangssprachlich derbe Art, die manchmal unbeteiligt oder emotionslos wirkt. Kontrastiert zu dem damit provozierten Abstand zum Leser bietet der eher Podcastmäßige Gesprächston und die zt sehr detaillierten Beschreibungen von generell als intim bewerteten Themen ein Gefühl von Nähe. Gerade diese Erzählweise kann natürlich mit dem Autismus zu tun haben.
Manchmal wirkt die deutsche Ausgabe etwas holprig oder sperrig, ich vermute, dass das an den Übersetzungsschwierigkeiten eines so umgangssprachlichen Buches liegt.

Auch habe ich mich zum Teil gefragt, wie der Ton zu den Inhalten passt, wenn sie zb auf das Schicksal nicht weniger autistischer Menschen dauerhaft im psychiatrischen System zu verschwinden thematisiert und gleichzeitig Adjektive wie "verrückt" und "dumm" in ihrer abwertenden konotation unhinterfragt nutzt. Auch ihre Kommentare zu körperlichen Normabweichungen anderer Menschen sind mir leider öfter unangenehm aufgefallen.

Ein Leben, in dem so viel passiert ist, zu erzählen, kann kaum einfach sein. Fern Brady schreibt mutig und offensichtlich darum bemüht den unterschiedlichen Lebenswelten und Kontexten jeweils gerecht zu werden. Es geht offensichtlich um so viel mehr als Autismus und Sexismus, Fern Brady bleibt in der Erzählung ihres Lebens erfrischend vielschichtig. Katholizismus, Sexarbeit, toxische Beziehungen, psychiatrische Tagesklinik, Auseinandersetzungen mit dem juristischen System, Büroarbeit, die Fernseh- und Comedyszene; die Vielfalt ist groß.
Ich komme auch nach der vollständigen Lektüre nicht zu einer übergeordneten Aussage, zu etwas, was die einzelnen geschilderten Lebensereignisse zu einem Narrativ verbindet und in den gesellschaftlichen Kontext einordnet. Im Einzelnen erklärt Fern Brady zwar ab und an Traits von Autismus an ihrer Erzählung oder bietet ein kurzes Statement zu gesellschaftlichen Strukturen, aber es entsteht für mich kein roter Faden durch die Kapitel hindurch. Der deutsche Untertitel, der versucht diese Autobiografie auf Autismus und Sexismus einzuengen tut dem Buch meiner Meinung nach keinen Gefallen.

Manche Kapitel oder Momente an ihrer Erzählung haben mich persönlich sehr interessiert und/oder beeindruckt. Dazu zählen unter anderem ihre Beobachtungen in der psychiatrischen Tagesklinik für Jugendliche, die Art wie sie ihre Erfahrung von Suizidalität und Erschöpfung beschreibt und ihre schiere Willenskraft ihren Weg zu finden. Etwas schade fand ich, dass wir zu ihrem Diagnoseweg wenig direkt und konkret erfahren.

Es war bereichernd Fern Brady über ihr Leben zuzuhören. Nicht nur an den, eher seltenen, Stellen an denen ich mit meiner Lebenserfahrung anknüpfen konnte, sondern gerade auch da, wo ich Einblicke in Lebensrealitäten bekam, die mir fremd sind. Vermutlich ist diese Autobiografie am interessantesten für Menschen, die Fern Brady zb aus dem Fernsehen kennen und ein recht breites Interesse an ihrer Lebensgeschichte haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 19.09.2024

einzigartiger Stil

Ich fürchte, Ihr habt Drachen
0

Der Erzählstil ist einzigartig. Die Kombination aus gestelzt-altertümlicher und derbe-direkter Sprache, das Spiel mit Märchen-Tropes und Erwartungen und eine gelungene Situationskomik sorgen für ein kurzweiliges, ...

Der Erzählstil ist einzigartig. Die Kombination aus gestelzt-altertümlicher und derbe-direkter Sprache, das Spiel mit Märchen-Tropes und Erwartungen und eine gelungene Situationskomik sorgen für ein kurzweiliges, amüsantes Leseerlebnis. Die Charakterisierung der Figuren ist lebendig und mit leichtem Hang zur Karikatur. Dennoch wird immer wieder die Tiefe der Charaktere deutlich, fast schon meisterhaft der Umgang mit dem nur-beinahe-gesagtem. Auch Nebencharaktere treten mit deutlichen Zügen hervor und hätten zum Teil für meinen Geschmack gerne größere Rollen bekommen dürfen.

Und natürlich die Drachen! Sind sie wirklich Ungeziefer und Beute statt der imposanten, weisen und gefährlichen Tiere, die wir aus dem Fantasy-Genre gewohnt sind? Sie sind es auch, die neben Prinzessin und Prinz, unseren dritten Hauptcharakter Robert mit ins Spiel bringen, der ist nämlich Drachenjäger und beherbergt eine Reihe Jungdrachen in seinem Zuhause. Insgesamt wirken die drei, Prinzessin Cerise, Prinz Reginald und Robert, als Schicksalsgemeinschaft eher zusammengewürfelt und ihre Dynamik zwischendurch immer wieder holprig bis unverständlich. So wirklich intuitiv erschließt sich der Plot nicht, ich bin ihm mit einer Menge schulterzucken gefolgt, insbesondere nach der ersten Hälfte. Das Ende fühlt sich dann auch unbefriedigend an, manches dauert episch lange, andere Handlungsstränge verschwinden beinahe und was mir diese Auflösung jetzt sagen soll, weiß ich schlichtweg nicht. Aber, der Weg ist das Ziel?

Es ist eine nette Geschichte, die sich durch ihren ungewöhnlichen und Genre-untypischen Stil hervorhebt. Nach einer sehr vielversprechenden ersten Hälfte wurde das Buch leider immer schwächer, auch weil besagter Stil etwas zurückgenommen wurde. Meiner Meinung nach gab es hier viel nicht ausgeschöpftes Potential, andererseits ist dieses Buch Geschmacksache wie es selten ein Buch ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dieses Buch nochmal zu lesen und würde es vermutlich auch nicht weiterempfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.09.2024

ganz nett

Die Abschaffung des Todes
4

Bei einem neuen Thriller von Eschbach sind meine Erwartungen hoch, schließlich hat er mit manch früherem Buch sein Können bewiesen. Dass ich von „die Abschaffung des Todes“ nicht begeistert bin, liegt ...

Bei einem neuen Thriller von Eschbach sind meine Erwartungen hoch, schließlich hat er mit manch früherem Buch sein Können bewiesen. Dass ich von „die Abschaffung des Todes“ nicht begeistert bin, liegt allerdings nicht nur an zu hohen Erwartungen. Für mich war dieses Buch schlichtweg kein Thriller. Es ist eher ein philosophisch-wissenschaftlicher Entwicklungsroman mit Action-Einlage. Dieser Versuch das Buch zu beschreiben deutet schon dessen größte Schwäche an, von allem ein bisschen, aber nichts durchgehend, gleichzeitig zu viel und zu wenig.

Unsere Hauptperson James Windover ist durchaus interessant, seine Selbstironie bereichert so manche Szene. Die Idee seiner „objektiven“ Zeitung gefällt mir und die kleinen Momente der Medienkritik im Buch hätten Zeug zu etwas größerem gehabt. Stattdessen wurschtelt sich die Erzählung um die Youvatar Firma herum. Windover steht eine große Zahl individueller bis kauziger Nebenfiguren zur Seite, die leider regelmäßig nach ihrem Dienst zum Plot auf nimmerwiedersehen verschwinden. In der zt kurzen Zeit in der sie dabei sind werden sie aber vom Ich-Erzähler wohlwollend humorvoll charakterisiert, so dass jede Einzelne von ihnen eine Bereicherung des Leseerlebnis für mich war. Mit Anahit Kevorkian bekommen wir sogar eine, zwar -natürlich- an ihrer Heilung interessierte, ansonsten aber intelligente, selbstbewusste, erfolgreiche behinderte Frau vorgestellt, die durchaus eine willkommen Abwechslung zu Behinderungsklischees darstellt. Auf ihren Auftrag hin beginnt James Windover sich mit youvatar auseinander zu setzen.

Die wissenschaftlichen Abhandlungen waren mir in diesem Roman zu ausufernd und die gesellschaftlich-philosophischen Überlegungen, für die Eschbach bekannt ist, zu platt. Es war einfach nichts wirklich neues, nichts wirklich erstaunendes dabei. Die Action Einlage hat dann auch eher Slapstick-Charakter bis am Ende der Entwicklungsroman überhand gewinnt. Alles für sich genommen durchaus lesenswert, in der Mischung aber doch etwas befremdlich. Auf so vielen Seite so gar keinen roten Faden drin zu haben ist auf Dauer eher anstrengend.

Nichtsdestoweniger ist das Hauptthema interessant und das Buch birgt einiges an Diskussionsanstößen. Insgesamt für mich weder Flop noch Highlight, sondern einfach nette Lektüre.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema