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Veröffentlicht am 05.09.2021

Leichte Kost für Krimileser

Tote schweigen nie
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Cassie Raven arbeitet als Sektionsassistentin in einer Leichenhalle. Ihre Besonderheit: sie spricht mit den Toten. Als sie eines Tages einen Leichensack öffnet, ist sie schockiert, denn die Tote ist ihre ...

Cassie Raven arbeitet als Sektionsassistentin in einer Leichenhalle. Ihre Besonderheit: sie spricht mit den Toten. Als sie eines Tages einen Leichensack öffnet, ist sie schockiert, denn die Tote ist ihre ehemalige Lehrerin, Geraldine Edwards, die Cassie seinerzeit dazu brachte, ihr Abitur nachzuholen. Sie wurde leblos in ihrer Badewanne gefunden. Cassie glaubt bald nicht, dass es ein Unfall war und bittet DS Flyte um Hilfe, ein Polizistin, von der sie zuvor wegen eines anderen Verbrechens verdächtigt wurde.

Zunächst muss ich zugeben, dass mich sowohl Cover, als auch Inhaltsbeschreibung als Thriller-Fan sehr angesprochen haben. Erhofft hatte ich mir einen Thriller in der Art von Tess Gerritsens Rizzoli & Isles Reihe. Daher bin ich im Nachhinein doch etwas enttäuscht. Bei "Tote schweigen nie" handelt es sich eher um leichte Krimikost, bei der sich die Spannung sehr langsam aufbaut und auch nicht bis zum Schluss anhält, da dieser dann schon wieder die Vorbereitung auf einen neuen Fall zu sein scheint. Auch sind Tathergang und Täterprofil nichts wirklich Neues. Auch ist es etwas unbefriedigend, dass Fälle nur durch Eingebungen der Protagonistin Cassie gelöst werden. Zwar ist die Schreibart der Autorin wirklich gut lesbar und auch die Charaktere wirken sympathisch, jedoch wird auch sehr lange Zeit nur auf deren Vorstellung verwendet. Diese hätte man besser in die Handlung einbauen müssen. Bei 400 Seiten geht es vielleicht 150 Seiten lang um die Lösung des Hauptfalles. Das ist mir zu wenig. Obendrein gibt es kaum Verdächtige und geübte Krimileser dürften schnell auf die Lösung kommen. Somit gerade als Einführung in die Reihe leider eher leichte Krimikost für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 05.09.2021

Nicht durchgehend lustig

Instagrammatik
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Schuljahresanfang und alles ist anders am Helene-Fischer-Gymnasium. Die neue Direktorin Windkamp bringt für Schrödi und sein Cholerikum jede Menge Neues und alles digital. Nicht gerade die Welt eines Deutschlehrers, ...

Schuljahresanfang und alles ist anders am Helene-Fischer-Gymnasium. Die neue Direktorin Windkamp bringt für Schrödi und sein Cholerikum jede Menge Neues und alles digital. Nicht gerade die Welt eines Deutschlehrers, der noch echte Reclamhefte im Unterricht nutzt. Aber Klick-Millionär wäre auch Herr Schröder gern. Ob es eine gute Idee ist, die Klasse um Hilfe zu bitten und sich gleichzeitig noch mit der neuen Chefin anzulegen?
Vor allem der Anfang des Buches enthält wirklich ein paar Brüller, auch im weiteren Verlauf gibt es jede Menge Wortspiele, mal mehr, mal weniger lustig. Ich dachte nach der Leseprobe, es handle sich um einzelne Episoden aus dem Schulalltag, doch am Ende war es doch eine komplette Geschichte, welche teilweise leider zu überspitzt und manchmal auch zu ernst war. Auch Herr Schröder, anfangs noch echt ein cooler Typ, wirkte oft sehr verzweifelt. Schlussendlich ganz nette Unterhaltung, aber ich hatte mir mehr Witz erwartet. Schade eigentlich.

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Veröffentlicht am 09.07.2021

Zweischneidiges Schwert

Wie viel von diesen Hügeln ist Gold
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Die beiden mittellosen Waisenkinder mit chinesischen Wurzeln, Lucy und Sam, sind seit dem Tod des Vaters auf sich allein gestellt. Sie müssen den Leichnam ihres Vaters, wie es die Tradition verlangt, an ...

Die beiden mittellosen Waisenkinder mit chinesischen Wurzeln, Lucy und Sam, sind seit dem Tod des Vaters auf sich allein gestellt. Sie müssen den Leichnam ihres Vaters, wie es die Tradition verlangt, an einem Ort begraben, der würdig ist und ein neues Zuhause finden. So flüchten sie mit gestohlem Pferd und machen sich auf den Weg durch den rauhen, unwirtlichen Westen auf der Suche nach Identität und Heimat.

Wer bin ich und wo gehöre ich hin? Das sind für mich die beiden zentralen Fragen, die C Pam Zhang in ihrem Buch aufgreift, welches vor allem in den ersten drei von vier Teilen sprachlich brilliant ist. Die Beschreibung der Landschaft und des Klimas ist so unterschwellig präzise, dass man den Staub und die brennende Sonne des Wilden Westens fast spüren kann. Überhaupt die Idee, aktuelle Themen in diesen geschichtlichen Kontext zu setzen, faszinierte mich.

Zudem spielt die Autorin durch das Weglassen relevanter Informationen mit dem Leser und dessen vorgefertigter Meinung. Denn während dieser ohne es zu merken in seiner festgelegten Denkstruktur eine klare Richtung einschlägt, zeigt Zhang ihm alsbald auf, dass er seinen Vorurteilen erlegen ist und hält ihm so den Spiegel vor. Das führte zumindest bei mir dazu, im weiteren Verlauf des Buches auf der Hut zu sein.

Vom vierten und letzten Teil des Buches verprach ich mir dann ähnlich viel und wurde, diesmal vermutlich unabsichtlich, enttäuscht. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich konnte ich diesem Teil nicht mehr viel abgewinnen. Zu konstruiert, wie aus dem Lehrbuch für Autoren wirkte er auf mich. Zeitweise kam es mir vor, als hätte der Verfasser gewechselt. Das Ende konnte mich leider auch nicht überzeugen.

Neben Zugehörigkeit und Identität spielen noch die Ausbeutung der Erde, Diversität, Erwachsenwerden, Rassismus und die Rechte von Frauen eine Rolle. Alles Themen, die hochaktuell sind, keine Frage, und für mich dennoch zu viele für eine einzige Geschichte.

Eines von Obamas Lieblingsbüchern hätte auch meines werden können, doch am Ende hatte mich die Autorin einmal zu oft in die Irre geführt.

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Veröffentlicht am 29.06.2021

Schicksalsbeziehungen

Schicksal
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Schon früh erfährt Atara, dass ihr Vater, zu dem sie keine gute Beziehung hatte, schon einmal verheiratet war, doch bleibt dies ein Tabuthema in der Familie. Erst als ihr Vater verstorben ist, versucht ...

Schon früh erfährt Atara, dass ihr Vater, zu dem sie keine gute Beziehung hatte, schon einmal verheiratet war, doch bleibt dies ein Tabuthema in der Familie. Erst als ihr Vater verstorben ist, versucht sie Kontakt zu seiner ersten Frau herzustellen. Von Rachel, inzwischen an die 90 Jahre alt, erhofft sie sich Aufklärung über die Zeit, als ihr Vater noch im Untergrund aktiv war und darüber, warum ihre Beziehung in der Kindheit eine sehr schwierige war. Atara, selbst zum zweiten Mal verheiratet, sucht Rachel trotz der Mahnungen ihres Ehemanns Alex auf. Bei Atara zuhause liegt einiges im Argen. Ihr Sohn, Kämpfer in einer Eliteeinheit, ist traumatisiert und spricht kaum noch. Auch die Ehe mit Alex, für den sie ihren ersten Mann verlassen und die Tochter aus der heilen Familie gerissen hat, läuft nicht mehr so, wie sie es sich erhofft hatte. Und dann ereilt sie ein Schicksalsschlag, der ihre Welt ins Wanken bringt.

Wer sich für dieses Buch interessiert, sollte nicht allzu viel auf den Klappentext geben. Es geht hier weder konkret um Israel noch um den Kampf im Untergrund. Auch spielt meiner Meinung nach die Liebe an sich keine große Rolle, allenfalls als Grund für die in diesem Buch dargestellten Beziehungen zwischen den Protagonisten, die trotz selbst gefällter Entscheidungen doch dem Schicksal unterliegen. Es ist auch kein Spannungsroman, wie man es nach dem Klappentext erwarten könnte. Sehr ausführlich beschäftigt sich die Autorin mit der Ehe Ataras, mit Rachels Erinnerungen und den Folgen der Entscheidungen der Protagonisten. Die Autorin ist sprachgewaltig, manchmal beschreibt sie sehr poetisch Landschaften, doch beinhaltet das Ganze auch einige Längen, drehen sich die Gedanken Ataras im Kreis, was angesichts ihrer Situation vielleicht nicht abwegig ist, dem Leser jedoch einiges an Geduld abverlangt. Obwohl ganz anders als erwartet habe ich am Ende meinen Frieden mit dem Buch geschlossen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Wirkt aufgesetzt und hat mich nicht überzeugen können

Wonder und ich. Eine Freundschaftsgeschichte (Band 1)
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Pflegekind Ole hat es schwer. Er gehört nirgendwo wirklich dazu und wird als Außenseiter gehänselt und allenfalls geduldet. Dann steht ein Wechsel in eine neue Pflegefamilie an. Die Truppe der Wild-Turkey-Farm ...

Pflegekind Ole hat es schwer. Er gehört nirgendwo wirklich dazu und wird als Außenseiter gehänselt und allenfalls geduldet. Dann steht ein Wechsel in eine neue Pflegefamilie an. Die Truppe der Wild-Turkey-Farm ist alles andere als gewöhnlich. Zum ersten Mal kann auch Ole daran glauben, dass es sich irgendwo zuhause fühlt. Genauso geht es dem Pferd, das an diesem Tag Zuflucht auf dem Hof findet. Die beiden haben etwas gemeinsam und so entsteht eine tiefe Freundschaft. Als die Tiere eines benachbarten Hofes in Gefahr geraten ist es an ihnen, Mut zu zeigen und sie zu retten.

Nach dem Klappentext und dem Pferdecover habe ich eine schöne Pferde-Abenteuer- und Freunschaftsgeschichte erwartet. Zunächst geht es aber eher um Ole, ein Pflegekind von Klein auf, das in der Schule natürlich gemobbt wird. Dem nicht genug behält ihn seine aktuelle Pflegefamilie auch nur des Geldes wegen und hat keinerlei festere Bindung zu ihm. Obwohl er seine Eltern kaum kannte, trägt der Junge den Cowboyhut seines leiblichen Vaters täglich, was seine Mitschüler dazu veranlasst, ihn zu hänseln. Die Lehrerin sagt dazu selbstverständlich nichts und dann kommt auch noch eine Dame des Jugendamtes unangemeldet mitten in den Unterricht, um Ole mitzuteilen, dass er urplötzlich die Pflegefamilie wechselt. Das war mir dann doch etwas zu viel konstruiert und meine Tochter hat mich gefragt, ob das wirklich so ist, wenn man seine Eltern verliert. Die Antwort darauf ist nicht einfach. Als Lehrerin würde ich solches Mobbing nicht unkommentiert lassen, die Pflegeeltern mal zum Gespräch einladen und die Dame vom Jugendamt hätte ich so spontan auch nicht hereingebeten. Mir schien es, als sollte hier einfach mit einer aufgesetzten Geschichte Mitgefühl bei den jungen Leser*innen erzeugt werden. Die Mittel waren mir aber zu unglaubwürdig.

Sobald Ole auf dem Hof ist, wird die Stimmung etwas gelöster, es ist in Ordnung, dass Ole noch viele Male über seine Situation nachdenkt. Dass ausgerechnet am selben Tag auch noch ein Pferd eintrifft, dass Oles Schicksal teilt... nun gut. Die Leute auf dem Hof sind alles Marken mit eigenen Macken. Sehr lustig ist der Truthahn, der dem Cowboyhut in der Geschichte auch einen Sinn gibt. Durch ein Mädchen, das auch eine Art Zuflucht auf dem Wild-Turkey-Hof gefunden hat, wird Ole an das Reiten herangeführt. Es ist aber nicht explizit ein Buch für Pferdefans. Spannend wird es gegen Ende, als es um die Rettungsaktion geht. Der Schreibstil ist für Kinder recht einfach gehalten, die Schrift ist etwas größer und daher gut zu lesen. Schwarzweiß-Illustrationen lockern den Text auf. Insgesamt konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen, dafür liegen mir die Probleme und die Gefühle von Anfang an zu offen und konstruiert da. Reicht leider nur für 2,5 Sterne.

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