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Veröffentlicht am 07.04.2025

Der Duft der Vergangenheit

Die Gerüche der Kathedrale
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In „Die Gerüche der Kathedrale“ entführt Wendy Wauters ihre Leser mitten hinein in das geschäftige, widersprüchliche Leben rund um die Antwerpener Liebfrauenkirche im 16. Jahrhundert – einem Ort, an dem ...

In „Die Gerüche der Kathedrale“ entführt Wendy Wauters ihre Leser mitten hinein in das geschäftige, widersprüchliche Leben rund um die Antwerpener Liebfrauenkirche im 16. Jahrhundert – einem Ort, an dem sich das Heilige und das Alltägliche, das Erhabene und das Grobe eng berührten. Statt klassischer Chronologie oder nüchterner Daten präsentiert Wauters einen atmosphärischen, sinnlich geprägten Zugang zur Geschichte.

Das besondere Augenmerk auf Gerüche – von Weihrauch bis Verwesung – ist kein bloßer Gimmick, sondern Teil eines durchdachten kulturhistorischen Konzepts. Dabei gelingt es der Autorin, wissenschaftliche Tiefe mit anschaulicher Sprache zu verbinden. Die Kathedrale erscheint nicht nur als Ort des Glaubens, sondern auch als Spiegel einer Stadt im Umbruch: Handelsmetropole, religiöser Brennpunkt, sozialer Treffpunkt.

Stärken des Buches sind die interdisziplinäre Herangehensweise und die vielen kleinen historischen Einblicke, die das große Ganze greifbar machen. Durch Illustrationen, Abbildungen und begleitende Materialien (wie Festkalender oder Zeittafeln) wird die Lektüre zusätzlich bereichert.

Trotzdem verlangt die Lektüre eine gewisse Offenheit: Wer sich einen klassischen Geschichtsabriss oder ein durchgängig erzähltes Sachbuch erwartet, wird möglicherweise irritiert sein. Der Fokus auf das Atmosphärische bringt zwar Nähe, verzichtet aber teilweise auf tiefere analytische Kontexte oder größere historische Linien.

Insgesamt ist „Die Gerüche der Kathedrale“ ein bemerkenswert anderes Geschichtsbuch – sinnlich, durchdacht und ungewöhnlich in seinem Zugriff. Besonders empfehlenswert für Leser, die an Alltagsgeschichte, kultureller Anthropologie oder dem Leben zwischen den Zeilen interessiert sind.

Veröffentlicht am 30.03.2025

Zwischen Kunst und Skandal

Der ewige Tanz
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Steffen Schroeders „Der ewige Tanz“ beleuchtet das Leben der Tänzerin Anita Berber, die in den 1920er Jahren als eine der auffälligsten Figuren der deutschen Kunstszene galt. In einem Berliner Krankenhaus ...

Steffen Schroeders „Der ewige Tanz“ beleuchtet das Leben der Tänzerin Anita Berber, die in den 1920er Jahren als eine der auffälligsten Figuren der deutschen Kunstszene galt. In einem Berliner Krankenhaus im Jahr 1928, gezeichnet von Krankheit und der Last ihres exzessiven Lebens, blickt Berber auf ihre Jugend, ihre Beziehung zu ihrer Mutter, die Einsamkeit, die sie als Künstlerin begleitete, und ihre größten Erfolge zurück. Durch diese Rückblicke entwirft Schroeder das Porträt einer Frau, die den Tanz zur Kunst erhob und dabei immer wieder zwischen Bewunderung und Skandal hin- und herschwankte.

Der Roman liefert interessante Einblicke in Berbers Leben und die Atmosphäre der Weimarer Republik. Es wird nicht nur das Streben nach Selbstbestimmung und Anerkennung thematisiert, sondern auch die schwierige Balance zwischen Kunst, Ruhm und den persönlichen, oft destruktiven Exzessen, die Berber begleiteten. Die zahlreichen Begegnungen mit prominenten Persönlichkeiten der Zeit – darunter Otto Dix und Marlene Dietrich – verleihen der Erzählung einen historischen Kontext und unterstreichen Berbers Bedeutung als Künstlerfigur.

Allerdings bleibt die Erzählung in ihrer Tiefe und Komplexität etwas auf der Strecke. Der Roman konzentriert sich mehr auf die Fakten und Ereignisse des Lebens von Anita Berber und weniger auf eine tiefere Auseinandersetzung mit ihren inneren Konflikten und der Tragik ihrer Existenz. Der Leser erhält viele historische und biografische Details, doch eine emotionale Nähe zu Berber bleibt oftmals aus.

Schroeders Schreibstil ist präzise und lässt sich gut lesen, doch die Erzählweise wirkt gelegentlich etwas distanziert und geht nicht in die Tiefe, die eine so komplexe Persönlichkeit wie Anita Berber eigentlich verdient hätte. Die Ereignisse und Reflexionen über ihr Leben sind gut recherchiert, aber die Erzählung könnte sich an manchen Stellen mehr auf die Atmosphäre und die Entwicklung der Hauptfigur konzentrieren.

„Der ewige Tanz“ bietet dennoch einen spannenden Überblick über das Leben einer faszinierenden Persönlichkeit und ist für Leser, die an der Weimarer Republik und an der Kunstszene jener Zeit interessiert sind, durchaus empfehlenswert. Wer sich jedoch eine intensivere, emotionalere Auseinandersetzung mit Anita Berber und ihrer Kunst erhofft, könnte das Buch als etwas zu oberflächlich empfinden.

Veröffentlicht am 26.01.2025

Spannend und düster

Sing mir vom Tod
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Ivy Pochodas Sing mir vom Tod ist ein intensiver Roman, der die Dunkelheit im Inneren seiner Charaktere erforscht. Die Geschichte dreht sich um zwei Frauen – Florence „Florida“ Baum und Diosmary „Dios“ ...

Ivy Pochodas Sing mir vom Tod ist ein intensiver Roman, der die Dunkelheit im Inneren seiner Charaktere erforscht. Die Geschichte dreht sich um zwei Frauen – Florence „Florida“ Baum und Diosmary „Dios“ Sandoval – die sich im Gefängnis von Arizona begegnen und auf Bewährung entlassen werden. Statt eines klassischen Thrillers steht hier jedoch die psychologische Entwicklung der Figuren im Vordergrund.

Florida gibt sich zunächst als Opfer der Umstände aus, doch ihre ehemalige Zellengenossin Dios weiß es besser. Dios erkennt die Schattenseiten Floridas, die sie vor sich selbst zu verbergen versucht, und ist entschlossen, sie mit der Wahrheit zu konfrontieren – koste es, was es wolle. Die Handlung entwickelt sich zu einer tödlichen Jagd durch die glühend heißen Landschaften von Arizona bis in die trostlosen Straßen von Los Angeles, wo die Ermittlerin Lobos, ebenfalls eine Frau mit einer düsteren Vergangenheit, auf sie wartet.

Pochoda ist es gelungen ihre Protagonistinnen vielschichtig und komplex zu zeichnen. Florida wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, doch nach und nach wird klar, dass ihre Vergangenheit ebenso düster ist wie die von Dios. Dios selbst ist faszinierend und beunruhigend zugleich. Detective Lobos, deren Perspektive ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, erweitert die Erzählung um eine weitere Facette.

Interessant ist dabei, wie Pochoda sich von stereotypischen Geschlechterrollen löst: Sie zeigt, dass auch Frauen zu extremer Gewalt fähig sind, und konfrontiert Leser*innen mit unbequemen Fragen über Schuld, Macht und die Grauzonen zwischen Opfer und Täter.

Der Schreibstil von Pochoda ist eindringlich und fängt die düstere Stimmung der Geschichte ein. Die bedrückende Hitze Arizonas, die chaotische Enge der Zeltstädte in Los Angeles und die isolierende Stimmung der Corona-Pandemie werden lebendig und fast greifbar. Der Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven wirkt allerdings manchmal etwas verwirrend, und die Handlung zieht sich teilweise in die Länge. Dennoch bleibt der Roman durchgehend intensiv und fesselnd.

Sing mir vom Tod ist ein interessanter Roman, der mit den Erwartungen an das Thriller Genre bricht. Das Buch punktet durch seinen Schreibstil und die Tiefe der Figuren, verliert jedoch etwas an Dynamik durch Längen und einen manchmal überladenen Perspektivwechsel. Dennoch ist es eine interessante Lektüre für alle, die nach etwas Düsterem und Nachdenklichem suchen.

Veröffentlicht am 11.11.2024

Informatives Einstiegswerk

Die Wunder des Kosmos
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Phi Weber war mir zuvor noch kein Begriff, aber sie scheint sich auf Social Media mit ihrem Content über Astrologie als ‚Phi Loves Astrology‘ einen Namen gemacht zu haben. In „Die Wunder des Kosmos – Zufriedenheit ...

Phi Weber war mir zuvor noch kein Begriff, aber sie scheint sich auf Social Media mit ihrem Content über Astrologie als ‚Phi Loves Astrology‘ einen Namen gemacht zu haben. In „Die Wunder des Kosmos – Zufriedenheit und inneres Wachstum mithilfe der Astrologie“ beschäftigt sie sich mit den zwölf Tierkreiszeichen, die auhc Archetypen genannt werden. Diese stehen für die Vielfalt und Komplexität der menschlichen Natur. In der Astrologie geht man dabei davon aus, dass jeder einen gewissen Anteil dieser Prinzipien in sich trägt und diese dann den Charakter formen. „Die Wunder des Kosmos“ will dabei helfen das Wissen über die einzelnen Zeichen zu vertiefen, um dadurch seine Charaktermerkmale und Ängste besser verstehen zu können und dadurch zu verbessern.

Zunächst muss ich anmerken, dass das Buch wirklich sehr schön aufgemacht ist und sich auch von der Qualität her hochwertig anfühlt. Es liegt sehr gut in der Hand und die Aufmachung ist schlicht gehalten, was mir sehr gut gefällt. Die einzelnen Sternzeichen werden sehr schön dargestellt und es wirkt nicht übertrieben oder kitschig. Das Buch beschäftigt sich in erster Linie mit den einzelnen Tierkreiszeichen, die nacheinander abgehandelt werden. Die Aufmachung ist übersichtlich und klar strukturiert. Man kann dabei chronologisch vorgehen oder sich auch nur auf die Zeichen konzentrieren, die einen interessieren.

Das Buch eignet sich definitiv für Einsteiger, die sich gerne mit dem Thema Astrologie vertraut machen möchte. Wirklich viel Neues bietet das Buch allerdings nicht und ich denke man könnte den gesamten Inhalt auch ohne viel Aufwand selber online herausfinden. Von daher würde ich das Buch nicht unbedingt als Must-have betiteln. Es ist schön gemacht, aber bleibt oberflächlich und letztendlich muss wohl jeder selber wissen, ob er dem Thema Astrologie Glauben schenken möchte oder nicht. Von der Aufmachung her gefällt mir „Die Wunder des Kosmos“ gut, aber mir hat das gewisse Etwas gefehlt, wodurch sich das Buch von anderen abhebt. Als Einstiegswerk ist es aber definitiv zu empfehlen und es liefert viele Informationen.

Veröffentlicht am 21.10.2024

Berühmte Schwestern

Die Mitford Schwestern
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Zwischen den Weltkriegen sind die Mitford Schwestern berühmt und berüchtigt in England. Auf politischer und gesellschaftlicher Ebene kommt man und die brillanten und schönen jungen Frauen nicht herum. ...

Zwischen den Weltkriegen sind die Mitford Schwestern berühmt und berüchtigt in England. Auf politischer und gesellschaftlicher Ebene kommt man und die brillanten und schönen jungen Frauen nicht herum. Doch die Fassade der perfekten Familie gerät ins Schwanken, als gleich zwei Schwestern auf Abwegen geraten: Diana lässt sich scheiden, um einen faschistischen Führer zu heiraten und um Unity ranken sich Gerüchte, dass sie die Geliebte von Hitler wäre. Nancy Mitford, die als Schriftstellerin arbeitet, wird ihren Schwestern gegenüber misstrauisch als sie aus der Ferne sieht wie die Nazis an immer mehr Macht gewinnen. Als sie schwerwiegende Entdeckungen macht, muss Nancy eine schwere Entscheidung treffen.

Die Mitford Schwestern sind unglaublich interessante historische Persönlichkeiten und wenn man sich etwas näher mit ihnen beschäftigt merkt man erstmal wie sehr sie in die historischen Ereignisse ihrer Zeit verwickelt waren. Ich lese sehr gerne historische Bücher, aber finde es immer etwas problematisch wenn sich ein Autor nicht entscheiden kann, wo das Buch angesiedelt werden soll. „Die Mitford Schwestern“ ist eine historischer Roman, der sich nicht traut eine Biografie zu sein. Mir hätte es tatsächlich besser als Biografie gefallen, da man so nie ganz weiß wie viele künstlerische Freiheiten sich die Autorin denn nun eigentlich nimmt.

Nichts destotrotz ist die Geschichte der „Mitford Schwestern“ faszinierend und ich fand es interessant mehr über die einzelnen Schwestern zu lesen, die auch allesamt ansprechend dargestellt werden. Man bekommt einen guten Überblick über die Familiengeschichte, sowie die damalige Zeit und die Ereignisse zwischen den Weltkriegen. Für die Zeitspanne, die der Roman umfasst, und die vielen Charaktere, fällt das Buch noch vergleichsweise kurz aus und für meinen Geschmack hätte es ruhig länger sein dürfen.

„Die Mitford Schwestern“ eignet sich definitiv für Leser, die gerne mehr über die Schwestern und die Zeit zwischen den Weltkriegen erfahren möchte. Das Buch lässt sich angenehm lesen und es kommt keine Langeweile auf.