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Veröffentlicht am 27.07.2026

Ein neuer Fall für Susan Ryeland

Tod zur Teestunde
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Anthony Horowitz beweist mit Tod zur Teestunde einmal mehr, warum er zu den besten Vertretern des klassischen Kriminalromans gehört. Auch der dritte Band um Susan Ryeland verbindet auf raffinierte Weise ...

Anthony Horowitz beweist mit Tod zur Teestunde einmal mehr, warum er zu den besten Vertretern des klassischen Kriminalromans gehört. Auch der dritte Band um Susan Ryeland verbindet auf raffinierte Weise Fiktion und Realität und spielt dabei gekonnt mit den Erwartungen seiner Leser. Wer die beiden Vorgänger mochte, wird sich auch hier schnell wieder zu Hause fühlen.

Susan Ryeland arbeitet inzwischen für einen kleinen Verlag und soll das Manuskript eines neuen Atticus-Pünd-Romans lektorieren. Schon bald wird jedoch deutlich, dass dessen Autor Eliot Crace mehr erzählt als nur einen fiktiven Kriminalfall. Je tiefer Susan in das Manuskript eintaucht, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen der Geschichte auf dem Papier und den Ereignissen in der Wirklichkeit. Genau dieses Spiel mit den verschiedenen Erzählebenen gehört für mich wieder zu den größten Stärken des Romans.

Wie schon in den vorherigen Bänden gelingt es Horowitz, den Leser immer wieder auf falsche Fährten zu locken. Die zahlreichen Hinweise sind geschickt platziert und erst nach und nach setzt sich das Gesamtbild zusammen. Besonders das "Buch im Buch"-Konzept funktioniert erneut hervorragend und sorgt dafür, dass man ständig versucht, Parallelen zwischen dem Manuskript und den tatsächlichen Ereignissen zu entdecken.

Der Einstieg fiel mir allerdings etwas schwer. Durch die vielen Figuren, Familienverhältnisse und Gespräche braucht die Geschichte eine Weile, bis sie richtig Fahrt aufnimmt. Gerade zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass sich der Roman etwas Zeit lässt, bevor die eigentliche Spannung einsetzt. Sobald sich die Handlung jedoch entfaltet, entwickelt sich daraus wieder ein clever konstruierter Whodunit, der bis zum Schluss mit Überraschungen aufwartet.

Besonders gefällt mir an der Reihe, dass Susan keine klassische Ermittlerin ist. Als Lektorin gerät sie eher zufällig in die Mordfälle hinein, was den Geschichten einen ganz eigenen Reiz verleiht. Gleichzeitig bekommt man interessante Einblicke in die Welt des Verlagswesens und den Entstehungsprozess von Büchern, was sich angenehm von vielen anderen Krimis abhebt.

Tod zur Teestunde reicht für mich durchaus an die Qualität der beiden Vorgänger heran. Zwar braucht die Handlung etwas Anlauf, doch wer klassische Krimis mit viel Köpfchen, raffiniert konstruierten Rätseln und einem ungewöhnlichen Erzählkonzept schätzt, wird auch diesen Band genießen. Ein intelligenter, atmosphärischer Kriminalroman, der einmal mehr zeigt, wie geschickt Anthony Horowitz mit seinem Genre spielt.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Verloren in Texas

We Burn Daylight
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We Burn Daylight hat mich mit seiner ruhigen, aber sehr intensiven Art wirklich beeindruckt. Die Geschichte spielt Anfang der 90er in Texas und lehnt sich spürbar an die reale Tragödie von Waco an. Im ...

We Burn Daylight hat mich mit seiner ruhigen, aber sehr intensiven Art wirklich beeindruckt. Die Geschichte spielt Anfang der 90er in Texas und lehnt sich spürbar an die reale Tragödie von Waco an. Im Mittelpunkt stehen zwei Jugendliche, Jaye und Roy, die aus ganz unterschiedlichen Welten kommen und doch sofort eine besondere Verbindung zueinander spüren.

Jaye lebt mit ihrer Mutter auf der Ranch eines religiösen Führers, der sich selbst als Messias sieht. Sie bleibt kritisch, will eigentlich nur zurück nach Kalifornien, raus aus dieser seltsamen Welt. Roy ist der Sohn des örtlichen Sheriffs und ahnt zunächst gar nicht, in was Jaye hineingezogen wurde. Zwischen den beiden entwickelt sich eine stille, sehr berührende Liebesgeschichte: eine, die ganz ohne Kitsch auskommt und umso glaubwürdiger wirkt.

Was ich besonders mochte: Die Erzählweise ist abwechslungsreich. Neben den Kapiteln aus Jays und Roys Sicht gibt es Einschübe in Form von Podcast-Interviews, die Jahrzehnte später aufgenommen wurden. Diese Rückblicke geben der Geschichte Tiefe und zeigen, wie sehr die Ereignisse noch nachwirken.

Auch wenn das Buch nicht durchgehend hohes Tempo hat, war ich gefesselt. Die Stimmung ist oft bedrückend, manchmal fast hoffnungslos, aber es gibt auch Momente von Zärtlichkeit und Mut. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Dynamik innerhalb der Sekte noch etwas genauer gezeigt wird, da bleibt manches etwas vage. Trotzdem hat mich der Roman bewegt.

Es ist ein leises, aber eindrucksvolles Buch über Kontrolle, Glaube, Zweifel und den Versuch, sich selbst treu zu bleiben. Und über zwei junge Menschen, die einander Halt geben, während um sie herum alles aus den Fugen gerät.

Veröffentlicht am 22.06.2025

Ein Thriller am Puls der Zeit

Reset
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Reset von Peter Grandl ist ein rasantes und bedrückend realistisches Szenario über eine Welt, in der man der Wahrheit nicht mehr trauen kann. Ein Thriller, der unsere Gegenwart in erschreckend greifbare ...

Reset von Peter Grandl ist ein rasantes und bedrückend realistisches Szenario über eine Welt, in der man der Wahrheit nicht mehr trauen kann. Ein Thriller, der unsere Gegenwart in erschreckend greifbare Zukunft verwandelt.

Was wäre, wenn jede Nachricht, jedes Video, jeder Anruf gefälscht sein könnte? Wenn Deep Fakes nicht mehr von echten Aufnahmen zu unterscheiden sind, nicht für Behörden, nicht für Familien, nicht für dich selbst? Grandl greift diese Frage mit voller Wucht auf und entwickelt daraus eine globale Krise, die sich in kürzester Zeit in eine Katastrophe verwandelt.

Im Zentrum steht der irische Ermittler Valentine O’Brien, der im Chaos des digitalen Zusammenbruchs nach seiner verschwundenen Schwester sucht. Parallel dazu werden international Spezialisten zusammengezogen, die versuchen, eine außer Kontrolle geratene KI zu stoppen bevor alles kollabiert. Durch kurze Kapitel und schnelle Perspektivwechsel bleibt die Spannung konstant hoch. Das Tempo ist ein echter Pluspunkt. Grandl versteht es, mit Cliffhangern und sich zuspitzenden Situationen Sog zu erzeugen.

Besonders gelungen finde ich, wie Reset aktuelle technologische Entwicklungen - künstliche Intelligenz, Fake News, Deep Fakes - literarisch zugespitzt, aber nie völlig unrealistisch verarbeitet. Vieles fühlt sich erschreckend denkbar an. Die Idee, dass unsere digitale Kommunikation zur Waffe wird, ist so klug wie beängstigend umgesetzt.

Ein kleiner Kritikpunkt: Die Fülle an Figuren und Schauplätzen kann gerade zu Beginn etwas überfordern. Manche Charaktere bleiben dabei eher flach, was dem Roman in Bezug auf emotionale Tiefe gelegentlich etwas an Wirkung nimmt. Auch die Auflösung der Geschichte wirkte auf mich im Vergleich zur starken Ausgangslage etwas weniger kraftvoll. Das Ende ist solide, aber nicht ganz so packend wie der Rest.

Trotzdem: Reset ist ein hochaktueller Thriller mit gesellschaftlicher Relevanz, hohem Tempo und einer klaren Botschaft: kritisch denken, hinterfragen, nicht alles glauben. Für Fans von technoiden Verschwörungsthrillern mit internationalem Flair definitiv eine Empfehlung.

Veröffentlicht am 07.04.2025

Der Duft der Vergangenheit

Die Gerüche der Kathedrale
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In „Die Gerüche der Kathedrale“ entführt Wendy Wauters ihre Leser mitten hinein in das geschäftige, widersprüchliche Leben rund um die Antwerpener Liebfrauenkirche im 16. Jahrhundert – einem Ort, an dem ...

In „Die Gerüche der Kathedrale“ entführt Wendy Wauters ihre Leser mitten hinein in das geschäftige, widersprüchliche Leben rund um die Antwerpener Liebfrauenkirche im 16. Jahrhundert – einem Ort, an dem sich das Heilige und das Alltägliche, das Erhabene und das Grobe eng berührten. Statt klassischer Chronologie oder nüchterner Daten präsentiert Wauters einen atmosphärischen, sinnlich geprägten Zugang zur Geschichte.

Das besondere Augenmerk auf Gerüche – von Weihrauch bis Verwesung – ist kein bloßer Gimmick, sondern Teil eines durchdachten kulturhistorischen Konzepts. Dabei gelingt es der Autorin, wissenschaftliche Tiefe mit anschaulicher Sprache zu verbinden. Die Kathedrale erscheint nicht nur als Ort des Glaubens, sondern auch als Spiegel einer Stadt im Umbruch: Handelsmetropole, religiöser Brennpunkt, sozialer Treffpunkt.

Stärken des Buches sind die interdisziplinäre Herangehensweise und die vielen kleinen historischen Einblicke, die das große Ganze greifbar machen. Durch Illustrationen, Abbildungen und begleitende Materialien (wie Festkalender oder Zeittafeln) wird die Lektüre zusätzlich bereichert.

Trotzdem verlangt die Lektüre eine gewisse Offenheit: Wer sich einen klassischen Geschichtsabriss oder ein durchgängig erzähltes Sachbuch erwartet, wird möglicherweise irritiert sein. Der Fokus auf das Atmosphärische bringt zwar Nähe, verzichtet aber teilweise auf tiefere analytische Kontexte oder größere historische Linien.

Insgesamt ist „Die Gerüche der Kathedrale“ ein bemerkenswert anderes Geschichtsbuch – sinnlich, durchdacht und ungewöhnlich in seinem Zugriff. Besonders empfehlenswert für Leser, die an Alltagsgeschichte, kultureller Anthropologie oder dem Leben zwischen den Zeilen interessiert sind.

Veröffentlicht am 30.03.2025

Zwischen Kunst und Skandal

Der ewige Tanz
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Steffen Schroeders „Der ewige Tanz“ beleuchtet das Leben der Tänzerin Anita Berber, die in den 1920er Jahren als eine der auffälligsten Figuren der deutschen Kunstszene galt. In einem Berliner Krankenhaus ...

Steffen Schroeders „Der ewige Tanz“ beleuchtet das Leben der Tänzerin Anita Berber, die in den 1920er Jahren als eine der auffälligsten Figuren der deutschen Kunstszene galt. In einem Berliner Krankenhaus im Jahr 1928, gezeichnet von Krankheit und der Last ihres exzessiven Lebens, blickt Berber auf ihre Jugend, ihre Beziehung zu ihrer Mutter, die Einsamkeit, die sie als Künstlerin begleitete, und ihre größten Erfolge zurück. Durch diese Rückblicke entwirft Schroeder das Porträt einer Frau, die den Tanz zur Kunst erhob und dabei immer wieder zwischen Bewunderung und Skandal hin- und herschwankte.

Der Roman liefert interessante Einblicke in Berbers Leben und die Atmosphäre der Weimarer Republik. Es wird nicht nur das Streben nach Selbstbestimmung und Anerkennung thematisiert, sondern auch die schwierige Balance zwischen Kunst, Ruhm und den persönlichen, oft destruktiven Exzessen, die Berber begleiteten. Die zahlreichen Begegnungen mit prominenten Persönlichkeiten der Zeit – darunter Otto Dix und Marlene Dietrich – verleihen der Erzählung einen historischen Kontext und unterstreichen Berbers Bedeutung als Künstlerfigur.

Allerdings bleibt die Erzählung in ihrer Tiefe und Komplexität etwas auf der Strecke. Der Roman konzentriert sich mehr auf die Fakten und Ereignisse des Lebens von Anita Berber und weniger auf eine tiefere Auseinandersetzung mit ihren inneren Konflikten und der Tragik ihrer Existenz. Der Leser erhält viele historische und biografische Details, doch eine emotionale Nähe zu Berber bleibt oftmals aus.

Schroeders Schreibstil ist präzise und lässt sich gut lesen, doch die Erzählweise wirkt gelegentlich etwas distanziert und geht nicht in die Tiefe, die eine so komplexe Persönlichkeit wie Anita Berber eigentlich verdient hätte. Die Ereignisse und Reflexionen über ihr Leben sind gut recherchiert, aber die Erzählung könnte sich an manchen Stellen mehr auf die Atmosphäre und die Entwicklung der Hauptfigur konzentrieren.

„Der ewige Tanz“ bietet dennoch einen spannenden Überblick über das Leben einer faszinierenden Persönlichkeit und ist für Leser, die an der Weimarer Republik und an der Kunstszene jener Zeit interessiert sind, durchaus empfehlenswert. Wer sich jedoch eine intensivere, emotionalere Auseinandersetzung mit Anita Berber und ihrer Kunst erhofft, könnte das Buch als etwas zu oberflächlich empfinden.