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Veröffentlicht am 05.05.2025

Jagd nach der Wahrheit

Killer Potential
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Killer Potential beginnt mit einem echten Knalleffekt: Evie, eigentlich nur zum Nachhilfegeben in Beverly Hills unterwegs, stolpert in ein echtes Albtraumszenario – tote Eltern, eine gefesselte Frau im ...

Killer Potential beginnt mit einem echten Knalleffekt: Evie, eigentlich nur zum Nachhilfegeben in Beverly Hills unterwegs, stolpert in ein echtes Albtraumszenario – tote Eltern, eine gefesselte Frau im Haus, Panik, ein Schlag, und plötzlich ist sie nicht mehr bloß Zeugin, sondern mutmaßliche Täterin auf der Flucht. Der Einstieg sitzt: schnell, dramatisch, voller Fragen.

Was als spannungsgeladener Thriller beginnt, entwickelt sich dann aber zunehmend in eine andere Richtung – nämlich zu einem Roadmovie, das mitunter etwas auf der Stelle tritt. Die Flucht dominiert den Mittelteil des Romans, samt gestohlenen Autos, billigen Snacks und zufälligen Begegnungen, während die eigentliche Frage – wer hat die Victors getötet und warum? – eher in den Hintergrund rückt.

Evie, die zu Beginn noch klug, bissig und relativ sympathisch wirkt, verliert zunehmend an Schärfe. Ihre Entscheidungen wirken manchmal schwer nachvollziehbar, ihre Gedanken drehen sich im Kreis. Auch ihre mysteriöse Begleiterin bleibt über weite Strecken eine leere Projektionsfläche. Zwar bekommt sie später mehr Profil, doch das, was man über sie erfährt, bleibt eher durchschnittlich und reiht sich nicht wirklich überzeugend in die Handlung ein.

Was der Geschichte jedoch gelingt, ist die medienkritische Ebene: Wie schnell jemand in der Öffentlichkeit zur Heldin oder zur Monsterfigur gemacht werden kann, wird klug angedeutet. Auch die Frage, wie wir mit Wahrheit und Schuld umgehen – besonders in Zeiten von Social Media – gibt dem Roman eine interessante Dimension, die man sich stärker ausgearbeitet gewünscht hätte.

Am Ende ist Killer Potential ein Buch mit guten Ansätzen, das aber viel von seinem anfänglichen Schwung verliert. Der Thriller ist durchaus unterhaltsam, aber verschenkt zu viel Potenzial, um wirklich lange im Kopf zu bleiben.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Kunstvoll, aber distanziert

Was ich von ihr weiß
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Jean-Baptiste Andreas Roman Was ich von ihr weiß nimmt sich viel vor: Er erzählt die Lebensgeschichte des Bildhauers Mimo, seine künstlerische Entwicklung, seine Beziehung zur freiheitsliebenden Viola ...

Jean-Baptiste Andreas Roman Was ich von ihr weiß nimmt sich viel vor: Er erzählt die Lebensgeschichte des Bildhauers Mimo, seine künstlerische Entwicklung, seine Beziehung zur freiheitsliebenden Viola und bettet all das in den historischen Kontext Italiens im 20. Jahrhundert ein. Doch trotz dieser vielversprechenden Ausgangslage gelingt es dem Buch nicht immer, eine fesselnde Erzählung daraus zu machen.

Ein zentrales Problem ist das Erzähltempo. Mit über 500 Seiten zieht sich die Handlung stellenweise erheblich. Insbesondere die detaillierten Beschreibungen, die sicher gut recherchiert sind, dominieren den Text so sehr, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen, allen voran die zu Viola, manchmal zu kurz kommen. Viola wird als faszinierende, unkonventionelle Frau eingeführt, bleibt jedoch oft auf Distanz – sowohl zu Mimo als auch zum Leser. Da der Roman aus seiner Perspektive erzählt wird, bleibt sie eine Figur, die er beobachtet, aber deren innere Welt weitgehend verborgen bleibt. Der deutsche Titel Was ich von ihr weiß scheint genau darauf hinzuweisen: Es ist letztlich nur das, was Mimo von ihr versteht, nicht was sie wirklich ausmacht.

Auch die Liebesgeschichte folgt bekannten Mustern: Ein armer, aber talentierter Künstler trifft auf eine reiche, rebellische Adelige, die sich gegen gesellschaftliche Zwänge auflehnt. Diese Konstellation hätte durchaus Potenzial, doch es fehlt an Überraschungen oder emotionaler Tiefe, die sie über das Klischeehafte hinausheben würden. Die Begegnungen zwischen Mimo und Viola sind oft flüchtig, ihr Verhältnis schwankt zwischen Nähe und Distanz, doch wirklich greifbar wird ihre Verbindung selten.

Ein weiteres Manko ist die Einbettung in die historischen Ereignisse. Zwar wird der Aufstieg des Faschismus thematisiert, doch bleibt er oft eine Kulisse für Mimos persönliche Geschichte, anstatt wirklich in die Handlung integriert zu werden. Während Viola früh die Zeichen der Zeit erkennt, scheint Mimo oft nur reaktiv zu agieren. Hier hätte eine stärkere Auseinandersetzung mit der politischen Dimension der Epoche dem Roman mehr Tiefe verleihen können.

Positiv hervorzuheben ist Andreas Schreibstil. Seine Sprache ist bildhaft und poetisch, ohne ins Überladene abzudriften. Wer sich für kunstvolle Beschreibungen begeistern kann, wird hier auf seine Kosten kommen. Doch wer auf eine packende, emotionale Erzählung hofft, könnte sich an der Langatmigkeit und der distanzierten Figurenzeichnung stören.

Insgesamt ist Was ich von ihr weiß ein ambitionierter Roman mit einer interessanten Grundidee, der jedoch in der Umsetzung nicht immer überzeugt. Die Geschichte verliert sich zu oft in Details und bleibt emotional auf Distanz. Wer sich für das Thema Bildhauerei interessiert und ein Faible für langsame, atmosphärische Erzählungen hat, könnte hier fündig werden – wer jedoch eine fesselnde, tiefgehende Charakterstudie oder eine intensive historische Auseinandersetzung sucht, wird möglicherweise enttäuscht sein.

Veröffentlicht am 24.02.2025

Jugend am Abgrund

bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann
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Oliver Lovrenskis "bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann" will atemlos und brutal ehrlich sein – eine schonungslose Momentaufnahme jugendlicher Rastlosigkeit und Perspektivlosigkeit in Oslo. Die ...

Oliver Lovrenskis "bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann" will atemlos und brutal ehrlich sein – eine schonungslose Momentaufnahme jugendlicher Rastlosigkeit und Perspektivlosigkeit in Oslo. Die vier Freunde, die zwischen Drogen, Gewalt und einer tiefen, fast verzweifelten Loyalität zueinander gefangen sind, werden als verlorene Seelen einer reichen, aber gleichgültigen Gesellschaft gezeichnet.

Das Buch besticht durch seinen fragmentarischen Stil und eine konsequente Kleinschreibung, die den Eindruck eines rohen, spontanen Erfahrungsberichts verstärkt. Doch genau hier liegt auch eine der Schwächen: Während die Sprache die ungeschliffene Realität widerspiegeln soll, bleibt sie oft floskelhaft und stilisiert. Die Kapitel sind extrem kurz, was zwar die Rastlosigkeit der Charaktere transportiert, andererseits aber auch Tiefe und Reflexion verhindert.

Thematisch bewegt sich das Buch auf vertrautem Terrain: Drogen, Gewalt, kaputte Familien, toxische Männlichkeit und das Gefühl, nicht dazuzugehören. Doch es bleibt oft an der Oberfläche. Die Charaktere verschwimmen ineinander, ihre Schicksale berühren, ohne wirklich unter die Haut zu gehen. Was bleibt, ist ein raues, wütendes Buch, das wichtige Themen anschneidet – aber nicht immer die emotionale Tiefe erreicht, die es anstrebt.

"bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann" ist in temporeiches, stilistisch auffälliges Debüt, das die Schattenseiten einer Jugend im Ausnahmezustand beleuchtet – aber oft mehr Lärm macht, als es wirklich erzählt.

Veröffentlicht am 10.02.2025

Romantik und Aberglauben

Something Old, Someone New
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Jessie Rosens Roman Something Old, Someone New verbindet Romantik mit einer Spur Selbstfindung und einer Prise Aberglauben. Die Geschichte dreht sich um Shea Anderson, die sich aufgrund der Warnungen ihrer ...

Jessie Rosens Roman Something Old, Someone New verbindet Romantik mit einer Spur Selbstfindung und einer Prise Aberglauben. Die Geschichte dreht sich um Shea Anderson, die sich aufgrund der Warnungen ihrer Nonna weigert, einen vererbten Ring als Verlobungsring zu akzeptieren. Ihre Suche nach der Geschichte des Rings führt sie quer über den Globus – von New York über Italien bis nach Portugal – und bringt sie nicht nur mit der Vergangenheit des Schmuckstücks, sondern auch mit ihren eigenen Vorstellungen von Liebe und Ehe in Berührung.

Die Grundidee des Buches ist charmant und vielversprechend: eine Reise voller unerwarteter Entdeckungen, die romantische Erwartungen hinterfragt und gleichzeitig von der Bedeutung familiärer Prägungen erzählt. Die Schauplätze sind abwechslungsreich gewählt und versprühen einen gewissen Reiz – auch wenn die Atmosphäre der Reise nicht immer so greifbar wird, wie es das Setting erhoffen lässt.

Shea ist eine sympathische Protagonistin, deren Aberglaube und Zweifel sie glaubwürdig und greifbar machen. Allerdings fällt es teilweise schwer, ihre Bindung zu ihrem Verlobten John nachzuvollziehen – insbesondere, da sein Verhalten in Bezug auf den Ring ihre Sorgen kaum ernst zu nehmen scheint. Der Journalist Graham sorgt für eine interessante Dynamik, bleibt aber eher im Hintergrund, als dass er eine große Rolle in der Handlung übernimmt.

Die Erzählweise ist angenehm locker, leidet jedoch unter zu kurzen Kapiteln und einer manchmal sprunghaften Entwicklung. Viele Wendungen passieren zu leicht, wodurch die emotionale Tiefe etwas verloren geht. Wer sich eine klassische Liebesgeschichte mit großem Charakterwachstum erwartet, könnte hier etwas enttäuscht werden, da sich die Geschichte eher episodenhaft entfaltet.

Obwohl das Buch unterhaltsam ist, bleibt es insgesamt recht vorhersehbar und bringt wenig frischen Wind in das Genre. Für Fans von leichten, romantischen Geschichten mit einem Hauch von Mystery und Familiengeschichte könnte Something Old, Someone New dennoch eine unterhaltsame Lektüre sein.

Veröffentlicht am 03.02.2025

Erforschung der Ekstase

Berauscht der Sinne beraubt
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Ekstase ist ein faszinierendes Thema – ein Zustand zwischen völliger Hingabe und Kontrollverlust, der in unterschiedlichsten Kulturen und Epochen eine bedeutende Rolle spielte. In Berauscht der Sinne beraubt ...

Ekstase ist ein faszinierendes Thema – ein Zustand zwischen völliger Hingabe und Kontrollverlust, der in unterschiedlichsten Kulturen und Epochen eine bedeutende Rolle spielte. In Berauscht der Sinne beraubt widmet sich Racha Kirakosian diesem Phänomen aus einer kulturhistorischen, religiösen und medizinischen Perspektive. Das Buch bietet einen tiefgehenden Blick darauf, wie ekstatische Erfahrungen in der Antike selbstverständlich waren, während sie in der Moderne zunehmend als irrational abgetan werden.

Inhaltlich ist das Werk detailliert und fundiert, allerdings auch stellenweise schwer zugänglich. Der wissenschaftliche Stil mit vielen Fachbegriffen und historischen Quelltexten kann den Lesefluss erschweren, insbesondere für diejenigen, die ohne Vorkenntnisse in die Materie eintauchen. Besonders zu Beginn wirkt die Fülle an Informationen beinahe erschlagend. Wer eine moderne oder interdisziplinärere Betrachtung erwartet, könnte sich zudem an der starken Fokussierung auf religiöse und mittelalterliche Aspekte stören.

Das wohl größte Hindernis für potenzielle Leser dürfte jedoch das Cover sein. Mit seinem grellen, überladenen Design könnte es leicht falsche Erwartungen wecken und schreckt möglicherweise diejenigen ab, die sich für eine seriöse wissenschaftliche Auseinandersetzung interessieren.

Trotz dieser Schwächen bietet Berauscht der Sinne beraubt spannende Einblicke in ein Thema, das in der Wissenschaft oft übersehen wird. Wer sich nicht von der dichten Sprache und den vielen historischen Exkursen abschrecken lässt, kann hier eine tiefgehende Analyse einer außergewöhnlichen menschlichen Erfahrung entdecken.