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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2025

Wie das Leben so spielt ...

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
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Was für eine witzige Idee für einen Roman und somit aus diesem dann eine Liebesgeschichte mit Hindernissen zu zaubern. Mir als Leseratte und Bücherschrank Fan schien dieses Buch wie auf den Leib geschneidert. ...

Was für eine witzige Idee für einen Roman und somit aus diesem dann eine Liebesgeschichte mit Hindernissen zu zaubern. Mir als Leseratte und Bücherschrank Fan schien dieses Buch wie auf den Leib geschneidert. Die Geschichte dreht sich rund um das Leben von Erin, die nach dem Tod ihrer besten Freundin mehr als unglücklich ist. Der zweite Protagonist ist James, der sich in seiner jetzigen Lebenssituation auch nicht wohl fühlt. Obwohl sich die beiden fremd sind, verbindet sie ihre Liebe zu Büchern und so lesen sie sich durch einen Klassiker nach dem anderen und offenbaren dabei ihre eigene Geschichte. Sich in der Anonymität zu öffnen, scheint schwierige Konstellationen leichter zu machen. Doch werden sie sich eines Tages begegnen?

Mit ihrem einfühlsamen Schreibstil hatte mich die Autorin Tessa Bickers schnell in den Bann gezogen und ich habe bis zum Schluss mitgefiebert. Die beiden unterschiedlichen SprecherInnen waren gut gewählt, wenn auch die Sprecherin manchmal das Tempo ein wenig hätte anziehen können.

Obwohl Liebesromane sonst nicht so wirklich mein Ding sind, fühlte ich mich in „Wir treffen uns im nächsten Kapitel“ gut aufgehoben und vergebe sehr gerne vier von fünf Sternen verbunden mit einer Empfehlung für dieses Wohlfühlbuch.

Veröffentlicht am 23.04.2025

Paris, die Hauptstadt des 19. Jahrhunderts ...

Montmartre - Licht und Schatten
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Ich habe mal kurz zurück gerechnet und festgestellt, dass ich vor zwanzig Jahren das letzte Mal in Paris war. Umso mehr freute ich mich über die Chance mich mit Marie Lacrosse auf den Weg dorthin machen ...

Ich habe mal kurz zurück gerechnet und festgestellt, dass ich vor zwanzig Jahren das letzte Mal in Paris war. Umso mehr freute ich mich über die Chance mich mit Marie Lacrosse auf den Weg dorthin machen zu dürfen, um Elise Lambert und Valérie Dumas kennenzulernen, deren Startbedingungen in ihren jungen Leben nicht hätten unterschiedlicher sein können. Während Elises Mutter jeden Tag um das Überleben und die Sicherheit ihrer Familie kämpfen muss, wächst die kleine Valérie behütet in einer wohlhabenden Familie auf. Doch auch sie muss kämpfen, denn sie lebt in einer Art goldenem Käfig mit einer Mutter als Wächterin, die sie am liebsten nicht vor die Türe lassen würde. Beide Mädchen haben ihren eigenen Traum vor Augen, um den sich das Kämpfen zu lohnen scheint. Während die begabte Tochter des Kunsthändlers Dumas tatsächlich ein Kunststudium beginnen darf, gibt Elise alles, um in den immer bekannter und beliebter werdenden Varietés auftreten zu können. Der Weg ist für Beide steinig und gelegentliche Zweifel und dicke Stolpersteine bleiben nicht aus. Doch beide junge Frauen lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen, denn jede Wolke am Himmel hat für sie auch einen Silberstreifen …

Was für eine Welt du mir beim Lesen eröffnet hast, liebe Marie, einfach fantastisch. So viele bekannte und auch mir bis dato unbekannte Persönlichkeiten liefen mir über den Weg, besonders Henri de Toulouse-Lautrec fand ich sehr schillernd. Während ich einige seiner Bilder kannte, war mir über sein privates Schicksal nichts bekannt. Aber auch die Entstehung des CanCans und der Wandel des Montmartre mit dem Bau der „Moulin Rouge“ sind sehr spannend dargestellt und so hatte ich beim Lesen stets nebenher ein kleines Kopfkino laufen. Alles in allem erhielt ich einen wunderbaren Einblick in das Paris des 19. Jahrhunderts und das Buch hat mir Lust auf eine erneute Reise in die Stadt der Kunst und der Liebe gemacht. Ein paar kleine Längen zogen sich durch die zweite Hälfte, aber dennoch bekommst du von mir überzeugte vier Sterne verbunden mit der Vorfreude auf den zweiten Band, der ja schon Ende des Jahres erscheinen soll. Vielen Dank, liebe Marie für diese schöne Reise. Ich wünsche dir viel, viel Erfolg mit dem Buch!

Veröffentlicht am 01.04.2025

Indien ... ein Land der Gegensätze, damals wie heute ...

Pfauenprinzessin
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Dank einer Lesechallenge durfte ich mal wieder ein Uralt-Schätzchen von meinem Stapel ungelesener Bücher befreien. Und so tauchte ich tief ein ins Indien vor guten vierhundert Jahren. Schnell merkt man, ...

Dank einer Lesechallenge durfte ich mal wieder ein Uralt-Schätzchen von meinem Stapel ungelesener Bücher befreien. Und so tauchte ich tief ein ins Indien vor guten vierhundert Jahren. Schnell merkt man, dass es zwei Welten gibt, die der Reichen und noch Reicheren und die der Armen, die aus lauter Not heraus genötigt sind, ihr neugeborenes Baby am Straßenrand abzulegen in der Hoffnung, dass sich jemand erbarmt. So geschehen war es in Mehrunnisas Familie, in der der Vater nicht mehr wusste, wie er die Familie ernähren sollte. Während ihrer Flucht aus Persien verlor er auch noch den Rest seines Geldes und seiner Würde und so war dieser Schritt unabdingbar. Doch das Glück war auf der Seite des kleinen unschuldigen Mädchens und so konnte sie nicht nur überleben, nein auch mit der gesamten Familie ging es stetig bergauf. Mehrunnisa wächst zu einer wunderschönen jungen Frau heran und verliebt sich ausgerechnet in den einen Mann, den sie nicht haben kann, den Kronprinzen Jahangir. Auch er findet Gefallen an ihr, doch diese Liebe darf nicht sein. Und so beginnt Mehrunnisas langer Weg in einer vorbestimmten Ehe mit einem Mann, der sie weder achtet noch liebt und einem Körper, der ihr keine Kinder schenken kann und will …

„Pfauenprinzessin“ ist der erste Band einer Trilogie rund um Mehrunnisa und Jahangir, der seine Leserschaft ins ferne Indien entführt und versucht, uns als Leser im hier und jetzt diese uns doch sehr fremde Kultur näher zu bringen. Ich fühlte mich zu Anfang auch gleich mitgerissen und klebte an den Seiten des Romans. Je tiefer ich jedoch eintauchte, umso mehr musste ich dann aber feststellen, dass es mir schwerfiel, die vielen fremdländischen Namen auseinander halten zu können. Während ich zuerst noch dachte, auf jeden Fall alle Teile der Trilogie lesen zu wollen, habe ich mich entschlossen, davon Abstand zu nehmen. Die Geschichte ist sehr interessant, aber andere Bücher auf meinem SuB rufen einfach ein wenig lauter. Von mir bekommt das Buch von 3,5 auf 4 gerundete Sterne verbunden mit einer Leseempfehlung an alle, die auch ein wenig mehr von der indischen Kultur kennenlernen wollen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 28.03.2025

Every cloud has a silver lining ...

Wenn die Tage länger werden
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Der neueste Roman der von mir sehr geliebten Autorin Anne Stern dreht sich diesmal primär um zwei Frauen. Zum einen lerne ich Lisa kennen, die sich als alleinerziehende Mutter durchs Leben schlägt und ...

Der neueste Roman der von mir sehr geliebten Autorin Anne Stern dreht sich diesmal primär um zwei Frauen. Zum einen lerne ich Lisa kennen, die sich als alleinerziehende Mutter durchs Leben schlägt und von dem Kindsvater zwar Unterhalt, sonst jedoch recht wenig Unterstützung erhält, da er aus der ehemals gemeinsamen Umgebung weggezogen ist. Lisa ist Musiklehrerin, nachdem es mit der Karriere als Berufsmusikerin, die allerdings nur die Mutter, nie sie selbst anstrebte, nicht funktioniert hat. Sie ist frustriert und fast einem Burnout nahe, so sehr überfordert sie die jetzige Situation. Als ihr Exmann Janusz Lisa überraschend das Angebot macht, den gemeinsamen Sohn Paul in den Sommerferien für ein paar Wochen mit nach Polen zu den Großeltern zu nehmen, versetzt sie das in leichte Panikstimmung. Wie soll sie die Zeit ohne Paul überbrücken? Ist er nicht ihr ein und alles? Plötzlich beginnt Lisa ihr eigenes Leben in Zweifel zu stellen. Wofür lebt sie? Wofür brennt sie? Warum ist ihr Verhältnis zu ihrer eigenen Mutter so angespannt und was hat das alles mit der Vergangenheit und ihrem Großvater zu tun, der zu Kriegszeiten ein strammer Nazi war?

Zum anderen begegne ich Ute auf ihrem Kirschenhof, die ihrerseits – vor allem bedingt durch ihre raumeinnehmende Krankheit – mit sich hadert. Sie lebt allein mit ihrem alten Vater, der sich immer mehr in seiner Werkstatt und tief in seinem eigenen Inneren vergräbt und seiner Tochter gefühlsmäßig wenig beistehen kann. Als schließlich Lisa und Paul in Utes Kirschgarten stehen, scheint für sie ein wenig die Sonne aufzugehen und ein klitzekleiner Hoffnungsstreif zeigt sich am Horizont …

Aus abwechselnden Perspektiven erfahre ich im Laufe der 33 Kapitel, die sich auf 382 Seiten verteilen, mehr über die beiden Protagonistinnen, die beide schwer an ihrem seelischen und, wie in Utes Fall, körperlichem Gepäck zu tragen haben. Ich tauche mit ihnen ein in die Vergangenheit, versuche aber auch mit Lisa und Ute ihre Gegenwart zu verarbeiten, immer in der Hoffnung, dass das Leben doch eigentlich so viel mehr zu bieten hat, als die Beiden in ihrer jetzigen Situation zu sehen vermögen. Während ich Lisa am Anfang einfach nur schütteln wollte mit ihrem ewigen Gejammer über ihre doch so furchtbare Situation, hatte ich für Ute von Anfang an ein wenig mehr Sympathie, wenn auch manchmal wenig Verständnis. Umso begeisterter war ich miterleben zu dürfen, wie sich Beide im Laufe der Story weiterentwickeln und am Ende alles doch sehr viel positiver aussieht.

Wie von Anne Stern gewohnt, war auch „Wenn die Tage länger werden“ wieder in einem sehr bildhaften und flüssigen Stil geschrieben. Ich flog durch die Geschichte und war ganz überrascht, wie schnell ich das Ende erreicht hatte. Ich vergebe hier sehr gerne absolut verdiente vier Sterne verbunden mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 10.03.2025

Ein trauriger Rollentausch ...

22 Bahnen
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Manche Kinder haben es nicht leicht im Leben und manche Frauen sollten vielleicht lieber keine Kinder in die Welt setzen. Aber wer bin ich, mich hier als Moralapostel aufspielen zu wollen? Das möchte ich ...

Manche Kinder haben es nicht leicht im Leben und manche Frauen sollten vielleicht lieber keine Kinder in die Welt setzen. Aber wer bin ich, mich hier als Moralapostel aufspielen zu wollen? Das möchte ich mitnichten. Dennoch erfahre ich in dem Roman „22 Bahnen“ von Caroline Wahl, wie es sein kann, wenn man nicht in eine „Abendbrot Familie“ hineingeboren wird. Tilda und die kleine Ida können ein Lied davon singen. Ihre Mutter ist schwer Alkohol abhängig und verbringt ihre Tage mehr oder weniger im Wachkoma. An guten Tagen schleppt sie fremde Männer an und es steigen Partys in der kleinen Wohnung, an schlechten Tagen schläft sie nur. Man fragt sich, ob sie sich eigentlich überhaupt noch daran erinnert, dass sie Kinder hat?! So bleibt eben alles an Tilda hängen, der Großen, der Vernünftigen, die sich um Mutter, Haushalt, kleine Schwester, ihren Job an der Kasse und – ach Mensch! – einfach um alles kümmern muss. Tilda funktioniert oft selbst wie auf Autopilot und als Hörerin habe ich sie mehr als einmal bewundert, wie sie zielstrebig ihr Ding durchzieht. Doch auch eine junge Tilda stößt an ihre Grenzen, auch eine jungen Tilda ist nur ein Mensch, der ganz viel Liebe braucht. Kann sie diesen Kampf nicht nur ums Überleben, sondern auch ums Leben gewinnen?
Das Buch ist natürlich ein Roman, aber man weiß ja, dass solche beschriebenen Fälle keine Ausnahme sind. Beim Hören schwankte ich immer zwischen Mitleid und Bewunderung und war so stolz auf Tilda, die nach außen hin so stark scheint. Die Story berührt unheimlich und ich hätte sehr gerne die Bestnote vergeben, dazu war mir allerdings der Schreibstil ein wenig zu skurril. Ich habe mich für vier sehr verdiente Sterne entschieden und freue mich schon auf den Nachfolgeband „Windstärke 17“, in dem die Autorin den Fokus auf die kleine Schwester Ida gelegt hat.