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Veröffentlicht am 12.04.2025

Märzrevolution 1848 - spannend und unterhaltsam nahe gebracht

Im Wind der Freiheit
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1848 Europa ist in Bewegung. Erneut gab es eine Revolte in Frankreich gegen die Monarchie und für die Republik. Das war das Fanal, auf das alle gewartet zu haben scheinen.

Die Autorin lässt die daraus ...

1848 Europa ist in Bewegung. Erneut gab es eine Revolte in Frankreich gegen die Monarchie und für die Republik. Das war das Fanal, auf das alle gewartet zu haben scheinen.

Die Autorin lässt die daraus folgenden Ereignisse für mich lebendig werden und wählt als Hauptpersonen zwei unterschiedliche Frauen. Und dies aus gutem Grund, denn Frauen haben eine tragende Rolle gespielt, auch wenn das wieder in Vergessenheit geraten ist. Da ist Louise Otto, eine reale Person aus gutem Hause und finanziell unabhängig, die schon immer widerspenstig war , sich der Vormundschaft ihres Schwagers nach dem Tod der Eltern verweigert und sich mit ganzem Herzen der Freiheitsbewegung verschrieben hat und als Schriftstellerin arbeitet. Ihr zur Seite gestellt wird die fiktive Figur Susanne Grabasch, Tochter einer armen Witwe. Mit 13 wird sie vergewaltigt, arbeitet in einer Weberei für einen Hungerlohn unter menschenunwürdigen Bedingungen und verliert die Stelle, weil sie einer Freundin hilft. Kurz zuvor lernt sie durch Zufall Louise kennen, die von den Arbeitsbedingungen schockiert ist.

Diese Begegnung wird für beide schicksalshaft. In einer prekären Situation wendet sich Susanne an Louise um Unterstützung, genau zu dem Zeitpunkt als die deutschen Fürsten das Zugeständnis eines Parlaments machen. Und so erlebe ich die folgenden Ereignisse zusammen mit den beiden Frauen. Wir reisen nach Frankfurt. Schreiende Ungerechtigkeit, Frauen dürfen den Versammlungsort "Paulskirche" nicht betreten. Wenn es um Rechte und Freiheit geht, ist immer nur der männliche Teil der Bevölkerung gemeint. Ich treffe Friedrich Hecker, den Helden der badischen Revolution und ich mochte ihn nicht. Interessant war meine Begegnung mit dem Ehepaar Struve, die meine Hochachtung gewinnen konnten. In meinen Augen war Amalie die radikalere und treibende Kraft der Eheleute. Was mich überrascht hat, dass die Freiheitsbewegung auch Österreich ergriffen hat Hierüber lerne ich einiges, als ich zusammen mit Susanne und Louise nach Wien reise, um den Freund und Mitkämpfer Robert Blum zu treffen. Doch alle Kämpfe sind umsonst. Die Revolution endet mit der Ausrufung des Kaiserreiches mit Preußen an der Spitze.

Ich habe viel gelernt und fand es spannend so viele führende Köpfe der Freiheitsbewegung zu treffen. Dass so viele Frauen beteiligt waren und vieles bewegt haben, hätte mich nicht überraschen sollen, aber in der Schule habe ich davon nichts gehört. Besonders dankbar bin ich für die Figur der Susanne. Zum einen setzt sie eine fesselnde Handlung in Gang, bei der ich nie wusste, welche Wendung sie nimmt. Susanne ist eine vielschichtige Persönlichkeit, die ich respektiere, aber nicht wirklich ins Herz geschlossen habe. Ihr Verdienst ist für mich, dass sie einen wichtigen Gegenpart zu den Idealisten der Freiheitsbewegung einnimmt. Sie stellt wichtige Fragen, wie ob es die Toten wert war, was ist mit der realen Situation der Arbeiter , warum werden Frauen nicht gesehen .

Mich hat der Roman in wie eine Zeitmaschine in diese turbulente Zeit versetzt. Manche der Abliegen von damals sind meiner Meinung nach auch heute noch von Bedeutung. Und ein weiterer dicker Pluspunkt des Buches ist, dass es perfekt unterhält.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Tödliche Schönheit

Blutige Puppen (Thriller)
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Kriminalkommissarin Jana Bein wird aus dem Urlaub geholt, was sie schon mal nicht mag und dann bekommt sie auch noch aus heiterem Himmel einen neuen Kollegen zugeteilt, Oliver Markquart, den sie unbedingt ...

Kriminalkommissarin Jana Bein wird aus dem Urlaub geholt, was sie schon mal nicht mag und dann bekommt sie auch noch aus heiterem Himmel einen neuen Kollegen zugeteilt, Oliver Markquart, den sie unbedingt wieder loswerden will. Der Fall selbst ist in seiner Grausamkeit kaum zu überbieten. Der Täter lässt junge Frauen verhungern, misshandelt sie und stellt sie dann öffentlich zu Schau. Ihr Fehler war, dass sie schön waren. Und es gibt noch mehr Opfer, was den Ermittlungsdruck und den Schrecken zusätzlich erhöht. Der Fall wird persönlich, als die beiden Ermittlern zu ihrem Entsetzen erkennen müssen, dass der Mörder mit ihnen spielt und mehr über sie weiß, als ihnen lieb sein kann. Plötzlich sind ihre Angehörigen in Gefahr und Janas Schwester passt vortrefflich in das Beuteschema des Verbrechers. Als Bilder eines neuen Opfers im Darknet auftauchen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, den die Beamten unbedingt gewinnen wollen, denn das Opfer ist keine Unbekannte.

Der Autor schickt ein neues Ermittlerduo ins Rennen, das mich mit seinem bizarren Fall komplett überzeugen konnte. Anfangs habe ich mich mit Jana schwer getan. Ich fand die Art und Weise, wie sie ihren neuen Kollegen behandelt ungerecht und fast schon kindisch. Umso mehr habe ich Oliver bewundert, dass er sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Ich mochte ihn sofort und er war bei den Ermittlungen mehr als hilfreich. Ich war geradezu erleichtert, dass die beiden sich zusammen raufen und gut ergänzen. Überzeugend fand ich das Katz- und Mausspiel des Täters. Das war spannend und ich wusste bis kurz vor Schluss nicht, wer es war. Die Taten selber waren schockierend , um so mehr als die Opfer willkürlich gewählt waren. Ziemlich schnell war zumindest klar, dass der Mörder psychische Probleme haben muss, was mich nicht in Mitleid ausbrechen ließ Vielleicht auch, weil ich mehrfach die Möglichkeit hatte, in die Gedankenwelt des Psychopathen einzutauchen, was ich als verstörend empfunden habe. Der Thriller bleibt in meinen Augen bis zur letzten Seite fesselnd und hat mich wunderbar unterhalten.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Unterhaltsame Familiengeschichte erzählt auf zwei Zeitebenen

Vor hundert Sommern
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Beim Ausräumen der Wohnung ihrer Mutter Elisabeth fallen Anja einige Erinnerungsstücke und auch alte Unterlagen in die Hände, die ihre Mutter Elisabeth dazu bewegen, die Geschichte ihrer Tante Clara zu ...

Beim Ausräumen der Wohnung ihrer Mutter Elisabeth fallen Anja einige Erinnerungsstücke und auch alte Unterlagen in die Hände, die ihre Mutter Elisabeth dazu bewegen, die Geschichte ihrer Tante Clara zu erzählen. Besonders Anjas Tochter Lena zeigt großes Interesse und fühlt sich auf besondere Weise mit ihrer Großtante Clara verbunden.
Claras Geschichte beginnt im Jahr 1924. Die Familie lebt in Berlin. Massenarbeitslosigkeit und beengte Wohnverhältnisse bestimmen das Leben. Clara arbeitet als Flaschenreinigerin in einer Brauerei. Dort lernt sie Helene kennen. Die beiden bleiben Freundinnen bis ans Lebensende. Gemeinsam überstehen sie die Schikanen des Vorarbeiters und später die Heimsuchung durch die Gestapo. Helene habe ich aufrichtig bedauert, denn ihr Schicksal hat mich sehr berührt. Um so mehr habe ich gefeiert, dass sie zum richtigen Zeitpunkt Stärke beweist. Clara verliert ihre Arbeit, weil sie sich gegen den böswilligen Vorarbeiter zur Wehr setzt und macht durch eine glückliche Fügung die Bekanntschaft mit der Inhaberin eines Hundesalons. Dort ist sie glücklich und übernimmt später das Geschäft. Hier gibt es eindeutige Parallelen zu Lena, die sich unter Menschen unwohl und fehl am Platze fühlt . Sie nimmt während ihres Studiums einen Minijob ebenfalls in einem Hundesalon an.
Zeit ihres Lebens steht Clara zwischen zwei Männern. Da ist der Exilrusse Aleksei, überzeugter Kommunist und Aktivist, unter der NS-Herrschaft ständig in Gefahr. Willy, der Bruder ihrer Freundin Anna, ist bodenständig und schwärmt für Autos. Er gibt Sicherheit und ist verlässlich. Dann kommt es durch die politischen Umstände zu einem Zerwürfnis zwischen Clara und ihrer Schwester Mathilde, Elisabeths Mutter. Die Familie wird auseinander gerissen und Mathilde gibt Clara die Schuld. Das habe ich nicht verstanden, denn verantwortlich war das Unrechtsregime in meinen Augen. Vermutlich ist es einfacher, eine Person zu hassen als ein abstraktes Gebilde.

Die Geschichte in der Gegenwart beginnt Anfang 2024. Aufgrund des Überfalls der Hamas und Israels Reaktion kommt es verstärkt zu antisemitischen Vorfällen. Manches erinnert an den wachsenden Judenhass in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Anja arbeitet an der Bremer Uni und die Vorfälle zwingen sie zu einem Überdenken, der eigenen Situation. Auch Lena bleibt von den Ereignissen nicht unberührt.
Da die Erzählerin zwischen den beiden Zeitebenen hin und her springt, ist es nie langweilig und es entstehet ein Spannungselement, da man jeweils den Erzählstrang an einem entscheidenden Punkt verlässt. Clara war mir sehr sympathisch. Ich fand, sie war eine starke Persönlichkeit und bleibt sich selbst treu. Anja hat mich dadurch überzeugt, wie sie sich im Laufe des Romans von fremden Erwartungen emanzipiert. Das hat mich beeindruckt. Leider muss ich zugeben, dass Lena mir unsympathisch war. Ich habe sie zu oft als egoistisch, selbstgerecht und wenig verständnisvoll empfunden.
Wie gewohnt und mit Freude erwartet, spricht die Autorin viele verschiedene Aspekte der beiden Zeitebenen an und nennt prägende Ereignisse. Das gefällt mir gut, weil dadurch ein weiter umfassendes Bild der jeweiligen Zeit entsteht. Bei der Fülle der Informationen bleibt manches oberflächlich , das hat aber meiner Lesefreude keinen Abbruch getan. Der Roman will und soll unterhalten , was er in meinen Augen absolut macht

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Wenn die Gerechtigkeit unter die Räder kommt

Die Vergangenheit kennt kein Ende
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1956 Der 2. Weltkrieg ist seit ein paar Jahren zu Ende und alle wollen die Vergangenheit vergessen und ein normales Leben führen. Aber manchmal steigen unverhofft die alten Seilschaften aus dem braunem ...

1956 Der 2. Weltkrieg ist seit ein paar Jahren zu Ende und alle wollen die Vergangenheit vergessen und ein normales Leben führen. Aber manchmal steigen unverhofft die alten Seilschaften aus dem braunem Sumpf und verbreiten Angst und Schrecken.

Mehringer ist Kommissar bei der Polizei in Traunstein. Als auf einem armseligen Bauernhof die Bauersleute auf brutale Weise umgebracht werden, lernt auch er die Macht der Vergangenheit kennen. Für den Mord sind sofort die Schuldigen gefunden. Die Zigeuner waren es, was Mehringer bezweifelt. Da rückt ein Holzfäller durch einen anonymen Hinweis in den Fokus und eine regelrechte Hetzjagd beginnt.

In Frankfurt bittet ein Rechtsanwalt den Journalisten Seiffert um Hilfe bei der Suche nach einem ehemaligen SS-Schergen, der im Raum Traunstein untergetaucht sein soll. Seiffert wittert eine interessante Story und reist in das Nest Beching, wo der Verdächtige leben soll. Obwohl Mehring ihn nach einem informativen Gespräch dringend zur Abreise rät, bleibt er, wohl der Liebe wegen. Auch Mehringer ist überzeugt, dass sein Mordfall mit dem ehemaligen SS-Mann zusammenhängt. Der lebt auf großem Fuß und genießt großes Ansehen in der Dorfgemeinschaft. Doch es gibt keine Beweise und keine Zeugen und somit auch kein Verfahren. Mehringer kann sich nur schwer damit abfinden, dass das für ihn personifizierte Böse ohne Strafe bleibt und der zudem die Gerechtigkeit verhöhnt. Was kann man tun, wenn einem diese Ungerechtigkeit nachts nicht schlafen lässt ? Pläne werden gemacht und alle Beteiligten zahlen einen hohen Preis, damit die Gerechtigkeit triumphieren kann.

Mir hat der Krimi sehr gut gefallen. In meinen Augen zeichnet der Autor ein realistisches Bild der damaligen Verhältnisse. Nur nicht an der Vergangenheit rühren, das Leben geht schließlich weiter. Und die, die früher das Sagen hatten, sind erneut oben auf. Ich konnte mich gut in Mehringer hinein versetzen, seine zunehmende Wut, Verzweiflung verstehen angesichts eines brutalen Mörders, der mit seinen Taten davon kommt, weil es niemand wissen will. Mir hat das Ende sehr gut gefallen, auch wenn es kein Happyend ist. Was für mich ein weiterer Pluspunkt war, Autor schildert die Geschehnisse und überlässt das Urteil dem Leser.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Durch Höhen und Tiefen zu einem guten Ende

Die Frauen der Villa Sommerwind. Die Liebe am Horizont
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Die Villa Sommerwind hat das Dritte Reich und die ersten Nachkriegsjahre überstanden. Gerda Grabens würde gerne Medizin studieren , bekommt aber eine Absage von der Universität und unterstützt zur Überbrückung ...

Die Villa Sommerwind hat das Dritte Reich und die ersten Nachkriegsjahre überstanden. Gerda Grabens würde gerne Medizin studieren , bekommt aber eine Absage von der Universität und unterstützt zur Überbrückung ihre Tante Julia bei der Führung des Hotels. Gerda ist nicht glücklich und von ständiger Wut erfüllt. Sie hat nie akzeptiert, dass ihre Eltern sie allein gelassen haben und möchte sie deshalb unbedingt suchen und Fragen stellen. Doch das Schicksal hat erstmal andere Pläne. Wegen eines Unfalls muss Gerda weiter ihre Tante unterstützen und dann kann sie tatsächlich Medizin studieren. So gehen die Jahre dahin. Aber sie hat die Liebe ihres Lebens gefunden. Henning hat ihre Mutter im Exil gekannt und ist bereit, Gerda bei ihrer Suche zu begleiten. Als sie endlich aufbrechen können, ist die Reise emotional und endet dennoch mit einer Enttäuschung. Gerda und Henning kehren mit leeren Händen zurück. Während sich familiäre Höhen und Tiefen abwechseln, entwickelt sich der Timmendorfer Strand weiter. Gerda macht sich für eine Rehaklinik zur Behandlung von Herz- Kreislaufbeschwerden stark. Bevor ihr Traum sich erfüllt, kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall , der mich wirklich überrascht hat. Zumindest bringt das Ereignis Gerdas Mutter zurück. Doch Gerda kann ihr die lange Abwesenheit nicht verzeihen. Ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich habe verstanden, dass die Ereignisse während des Krieges für Christine traumatisch waren, aber ihre Schuldgefühle, die ihre Rückkehr verhindert haben, habe ich nicht nachvollziehen können. Auch hier heilt die Zeit alte Wunden und Gerda und ihre Mutter söhnen sich aus

Das Buch endet im Jahr 1989 und alle Personen, die mit der Villa Sommerwind verbunden sind, sind, sofern sie noch leben, wieder dort vereint. Das war für mich ein sehr versöhnlicher und harmonischer Abschluss. Ich fand den Roman sehr unterhaltsam. Er verbindet historische Ereignisse gekonnt mit der privaten Geschichte der Frauen der Villa Sommerwind. Das macht einiges der historischen Ereignisse besser vorstellbar und ruft manches wach, was man vergessen hatte, wieder ins Gedächtnis. Besonders gut gefallen hat mir, dass starke Frauen im Mittelpunkt stehen, die über ihr Leben im Rahmen des möglichen selbst bestimmen. .

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