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Veröffentlicht am 07.05.2025

zwischen Roadtrip und Thriller

Killer Potential
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Mit diesem Thriller hat Hannah Deitch ein Romandebüt vorgestellt, welches eine Mischung aus Roadtrip und Thriller ist. Außerdem ist es das Porträt der neunundzwanzigjährigen Frau Evie Gordon mit ihrem ...

Mit diesem Thriller hat Hannah Deitch ein Romandebüt vorgestellt, welches eine Mischung aus Roadtrip und Thriller ist. Außerdem ist es das Porträt der neunundzwanzigjährigen Frau Evie Gordon mit ihrem Lebensweg, ihren Ansichten, ihrer Familie und alldem, was sie liebt und hasst.

Evie ist Nachhilfelehrerin und sorgt dafür, dass Kinder, die in den Reichtum hineingeboren wurden, die Prüfungen zur Aufnahme an einer Uni schaffen. Sie gibt auch bei einer Familie in Beverly Hills Nachhilfestunden, bei den Victors, die Mutter Dinah ist Hollywood-Schauspielerin und der Vater Peter ist Investmentbanker. Serena ist Evies Schützling.

Als Evie eines Tages das Haus der Victors im noblen Stadtteil Beverly Hills von Los Angeles betritt, ist es merkwürdig ruhig im Haus. Die ruft nach ihren Arbeitgebern, nach ihrer Schülerin, aber es ist nichts zu hören. Sie streift durch die Zimmer auf der Suche nach ihnen. Doch dann entdeckt sie Dinah und Peter tot und blutüberströmt dahingestreckt. Dinah liegt am Koi-Teich. Was ist zu tun? Kopflos überlegt sie und ruft nach Samantha. Dann hört sie ein leises Wimmern. Und war da nicht auch ein leiser Hilferuf?

Evie öffnet eine Kammer und entdeckt eine apathisch wirkende Frau, die zudem gefesselt ist. Evie befreit die Frau von den Fesseln und versucht, sie zu betuhigen. Doch aus deren Mund kommt kein einiges Wort. Da wird die Hausdtür geöffnet und Serena stürmt nichtsahnend herein. Sie entdeckt ihre Lehrerein und die andere Frau und sieht die Leichen ihrer Eltern. Fest der Meinung,. dass dier Frauen ihre Eltern bei einem Einbruch umgebracht haben, zetert sie los. Es kommt zum Handgemenge und Samantha bricht zusammen. Gleich darauf erscheint der Freund von Serena, der ebenfalls von einem Einbruch ausgeht. Er wird von Evie und der Frau in Schach gehalten.

Schließlich ist beiden Frauen Klar, dass sie in jedem Fall des Mordes verdächtigt werden. Sie haben ja keinerlei Beweise, die dagegen sprechen. Ihnen wird man nicht glauben.

Als Zweckgemeinschaft steigen sie in ein Auto und begeben sich auf die Flucht. Nur weg von dem Haus in dem Nobelviertel Los Angeles’. Kurze Zeit darauf tönt es aus allen Medien, dass die Nachhilfelehrerin und eine fremde Frau die Victors umgebracht haben. Der Freund des Mädchens wird interviewt. Er war mit dem Schrecken davongekommen. Für beide steht fest, dass sie entweder fliehen oder selbst den Mord an den Victors aufklären müssen.

Hannah Deitch schildert in »Killer potential« haarklein aus der Sicht von Evie über deren Leben und deren Gedanken. Sehr plausibel und nachvollziehbar und immer wieder ihr Leben analysierend, wird beschrieben, wie es zu dieser Situation in Leben der Protagonistin gekommen war. Während es für lange Zeit nur um Evie Gordon geht, weil die Frau, die offenbar im Haus der Victors gefangen gehalten wurde und auch nach Tagen kein Wort spricht, obwohl sie durchaus sprechen kann, kommen später auf der Flucht durch mehrere Bundesstaaten auch die Lebensereignusse dieser Frau hinzu.

Als Leser folgt man gedanklich den Spuren, die die Autorin gelegt hat. Es scheint alles plausibel zu sein. Bis dann eine Wendung geschieht und alles das, was man bishetr dachte, über den Hausfen geworfen werden muss. Das ist Dramaturgie! Und Hannah Deitch schafft dies nicht unbedingt mit einem Knall, sondern behutsam, aber umso brachialer. Und dann passt es gestalterisch wieder hervorragend dazu, dass der dritte Teil des Romans auf den letzten hudnert Seiten teilweise auch aus der Perspektive der zweiten Frau und Protagonistion erzählt wird. Nach dem „Boah“ muss alles wieder etwas zurechtgerückt werden. Das ist super gemacht!

Der plötzliche Fund von zwei Leichen entfesselt eine panische Fluchtreaktion bei den Findern und katapultiert sie in ein atemberaubendes Abenteuer quer durch die USA, sowohl zu Land als auch zu Wasser. Auf der verzweifelten Flucht vor den Behörden hinterlassen sie eine blutige Spur, die immer weiter wächst. Diese packende Mischung aus Spannung, Nervenkitzel und unerwarteten Wendungen ist ein Muss für jeden Thrillerfan. Verpasst nicht die Gelegenheit, in diese fesselnde Geschichte einzutauchen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2025

Jean Perdu geht online

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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Nina George kam zurück auf das Bücherschiff und erzählt mit »Die geheime Sehnsucht der Bücher« erneut einen stillen, poetischen, äußerst besinnlichen Roman geschaffen, der dem Roman „Das Lavendelzimmer“ ...

Nina George kam zurück auf das Bücherschiff und erzählt mit »Die geheime Sehnsucht der Bücher« erneut einen stillen, poetischen, äußerst besinnlichen Roman geschaffen, der dem Roman „Das Lavendelzimmer“ in nichts nachsteht. Es ist ein Roman der leisen Töne, bei dem der Humor absolut nicht zu kurz kommt. Stets wird dem Leser ein Schmunzeln entlockt.

Francoise, elf Jahre alt, lebt in ihrer eigenen Fantasiewelt. Ihre Leidenschaft gilt Büchern und Wörtern, aus denen sie ihre eigenen Geschichten webt. Sie ist ein kluges Mädchen, das jedes Buch verschlingt, dennoch bleiben viele unbeantwortete Fragen, die sie mittlerweile nicht mehr stellt, da sie keine Antworten erwartet.

Leser von »Die geheime Sehnsucht der Bücher« werden wohl kaum überrascht sein, dass der Kater namens Schiller mit den Nichten und Neffen der Staubflusenmäuse spielt.

Francoise wächst in der Obhut ihrer Mutter auf. Eines Tages stellt ihr die Mutter ihren Vater vor, den Francoise jedoch nur als „den Mann“ bezeichnet und dessen Existenz sie lieber ignorieren würde. Zu diesem Zeitpunkt ahnt sie noch nicht, wie viel sie noch lernen wird. Francoise hat stets das Gefühl, dass ihre Mutter sie nicht wirklich versteht. Während ihre Mutter sich in alltäglichen Dingen verliert, ist ihr die Welt ihrer Tochter fern. Auch wird Francoise von ihrer Mutter stets als Frankie angesprochen, obwohl sie darauf besteht, Francoise genannt zu werden. Dennoch zögert sie, ihre Mutter ständig zu korrigieren.

Francoise fühlt sich meist einsam in ihrer eigenen Welt. Eines Tages entdeckt sie jedoch, dass ihre Mutter ein ganz anderer Mensch ist. Durch die Enthüllung, dass ihre Mutter eine Schwester namens Camille hat, sieht sie ihre Mutter plötzlich in einem neuen Licht. Obwohl sie zuvor nichts von dieser Schwester wusste, begleitet Francoise ihre Mutter in Paris, um Camille zu treffen – und plötzlich ändert sich alles um sie herum.

Eines Tages erfährt Francoise über das Internet von Jean Perdu und seiner literarischen Apotheke, in der Bücher als Heilmittel und Medizin für die Seele präsentiert werden. Diese Idee fasziniert sie, ebenso wie der Mann im Video. Entschlossen, die Apotheke zu besuchen, bereitet sie einen besonderen Satz vor, in der Hoffnung, dass sie den Apotheker damit bewegen kann, ihrer Mutter zu helfen.

Bei ihrer Ankunft auf dem Boot wird sie jedoch zuerst von Pauline, der Auszubildenden in der literarischen Apotheke, begrüßt. Francoise ist überrascht, dass solch ein Beruf erlernt werden kann, besteht aber darauf, den Meister Jean Perdu persönlich zu treffen. Als sie schließlich mit ihm spricht, kann sie nur den vorbereiteten Satz herausbringen, bevor sie fluchtartig das Weite sucht. Sie ist überwältigt von dem Mann, der Bücher als Heilmittel anbietet.

Jean Perdu kehrt mit seiner Apotheke zurück ins Herz von Paris und sieht sich einer digitalen Revolution gegenüber. Seine Azubine Pauline und die neugierigen jungen Leserinnen überrumpeln ihn geradezu. Trotz seiner anfänglichen Naivität und Skepsis lässt er sich auf die Online-Welt ein und präsentiert seine Medizin in Videos. Diese ungewöhnliche Kombination sorgt für wahrlich amüsante Momente.

Nina Georges‘ Schilderungen vom Pariser Leben auch in »Die geheime Sehnsucht der Bücher« wecken die Sehnsucht nach einem erneuten Besuch in der Stadt der Liebe. Ihre Worte lassen uns in der Geschichte »Die geheime Sehnsucht der Bücher« zu Hause fühlen und erinnern uns an eigene Erlebnisse. Alles wirkt vertraut und herzlich. Die Autorin zaubert das einzigartige französische Flair aufs Papier. Die Straßen und Gassen von Paris, die Nachbarn in der Rue Montagnard Nummer 27, die Menschen– alles fühlt sich so bekannt an. Diese Geschichte verdient höchste Anerkennung.

Für die Spannung braucht es nicht viel, denn man möchte von Anfang an wissen, wie es mit den Figuren weitergeht. Für den Spannungsbogen sorgt die Geschichte um Francoise. Leser erleben, wie sie sich, ihre Mutter, ihre Familie und ganz viele neue Freunde kennenlernt. Nina George hat dafür gesorgt, dass beim Lesen genügend Fragen im Kopf entstehen, um an der Geschichte kleben zu bleiben. Witz und Humor wurde nicht vergessen, so mancher Situation, so manche wörtliche Rede zaubert ein Schmunzeln auf’s Gesicht. Wird sich die Liebe und Freundschaft zwischen einer Frau und zwei Männdern wiederholen wie bei Perdu selbst? Wird die literarische Apotheke auch mit den neuen Medien Schritt halten? Wird Francoise zufriedener und wenig mürrischer durch Paris gehen?

Nina George enttäuscht nicht, wenn man sinnliche Romane voller Emotionen und hinreißenden Gedanken erwartet. Sie bleibt sich treu und schafft ein wahres Gemälde aus Worten. Zitate-Liebhaber werden viele markante Passagen finden. Nina George erzählt gefühlvoll und eindrucksvoll, sodass Leser alle Sinne einsetzen können, sei es beim Essen, den Landschaften oder den Straßenzügen. Alles wird spürbar, riechbar und schmeckbar.

Nina George verdient ein herzliches Dankeschön dafür, dass sie uns mit »Die geheime Sehnsucht der Bücher« die Fortsetzung der Geschichte von Monsieur Perdu näher gebracht hat. Der Roman ist eine emotionale und liebevolle Empfehlung.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 01.05.2025

Privat oder dienstlich – jeder Strang ist spannend

Die Tote Nr. 12
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Den Auftakt in diesem Thriller »Die Tote Nr. 12« macht die Geburt eines kleinen Menschenlebens. Dies ist eine Komponente aus den privaten Hintergrundsträngen dieser Romanreihe. Aber keine Banke, man muss ...

Den Auftakt in diesem Thriller »Die Tote Nr. 12« macht die Geburt eines kleinen Menschenlebens. Dies ist eine Komponente aus den privaten Hintergrundsträngen dieser Romanreihe. Aber keine Banke, man muss als Neueinsteiger in diese Reihe nicht den vergangenen Verlauf wissen. Man beginnt einfach mit diesem Strang, der, obwohl er das Privatleben einer der Protagonistinnen beleuchtet, einen wesetnlichen Teil der Spannung ausmacht. Dabei scheint dieser Teil mit Lindsay Boxer und ihrem Mann Joe Molinari zu Beginn noch eine Kommödie zu werden. Doch schon bald wird man eines Besseren belehrt.

Neben diesem privaten Strang, der ebenso zum Konzept dieser Reihe gehört geht es dann mit weiteren Strängen in die kriminelle Szene San Franciscos.

Zunächst ist da die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin Yuki Castellano, japanisch-italienischer Abstammung, aber in San Francisco gebürtig. Sie freut sich darauf, einen Verbrecher hinter Gitter zu bringen und zeigt siegessicheren Optimismus zu Beginn des Prozesses. Dieser Fall scheint für sie wasserfest und todsicher zu sein. Doch der Verteigiger des Angeklagten ist anderer Meinung.

Schließlich gibt es den Fall einer jungen Mutter und Ehefrau Faye Farmer eines berühmten Football-Spielers der San Francisco 49ers. Sie wurde tot aufgefunden und die kleine Tochter Lily ist spurlos verschwunden. Allerdings gehen sowohl die Polizei als auch die Öffentlichkeit davon aus, dass die Tochter ebenfalls tot ist. Nur ist bislang ihr Leichnam noch nicht aufgetaucht. In diesem Fall verucht Cindy Thomas vom San Francisco Chronicle am Ball zu bleiben, besonders ab dem Moment, als die Leiche aus der Gerichtsmedizin verschwunden war. Völlig unerklärlich ist aber nicht nur die Leiche verschwunden, sondern auch eine Angestellte der Gerichtsmedizin. Die Chefin, Claire Washburn, wird derweil ihres Postens enthoben und bekommt selbst einen Chef vorgesetzt.

Und dann gibt es auch noch den zerstreuten Professor, der dem Team von seinen Träumen erzählt, in denen er beobachtet, wie Frauen getötet werden. Leider sieht er in den Träumen nie den Täter. Aber schnell wird klar, dass man seinen Träumen Glauben schenken sollte.

So hat jede der vier Frauen im Club der Ermittlerinnen eine Aufgabe in diesem Thriller. Gerne verweise ist an dieser Stelle auf meinen Artikel Thriller-Reihe um den »Women’s Murder Club« von James Patterson, in dem ich einen Überblick über die Hauptfiguren und das Setting der Reihe gebe.

Der fesselnde Thriller zieht den Leser mit seinen extrem kurzen Kapiteln von ein bis drei Seiten in seinen Bann. Jeder Handlungsstrang wird am Ende aufgelöst, doch bis dahin bleibt unklar, ob sie möglicherweise zusammenhängen und alles auf eine einzige Lösung hinausläuft. Um diesem Rätsel auf den Grund zu gehen, ist es unumgänglich, Seite für Seite zu verschlingen und den Hinweisen und Schlüssen zu folgen. Immer wieder fesselnd ist es zu beobachten, wie vielfältig die Autoren in den Erzählungen punkten. Besonders bei mehreren Handlungssträngen könnte man vermuten, dass sie schließlich alle in einem einzigen Strang zusammenlaufen. Doch ob das auch bei »Die Tote Nr. 12« so ist, steht erst ganz am Schluss.

Insgesamt zeigt sich, dass jeder Strang – sei es aus dem privaten oder beruflichen Leben – eine faszinierende und spannende Entwicklung durchläuft. Die Spannung bleibt bis zum letzten Moment erhalten, während die Figuren ihren Weg gehen, oft auf unerwarteten Pfaden. Nicht jeder Charakter findet das Glück, das er sucht, was die Geschichte umso fesselnder macht. Was wird aus den Verbindungen? Werden sie sich am Ende vereinen oder getrennt bleiben? Diese Fragen lassen uns bis zur letzten Seite gespannt warten.

Die Spannung in diesem Thriller ist einfach unglaublich, das Lesen fühlt sich an wie das Miterleben eines packenden Films. Es ist kein Zufall, dass die Thriller dieser Buchreihe mich stark an beliebte US-amerikanische Polizeiserien wie Criminal Minds, The Mentalist oder FBI erinnern. Wer auf der Suche nach fesselnder Lektüre ist, sollte unbedingt »Die Tote Nr. 12« lesen – ein absolut empfehlenswerter Thriller.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 03.04.2025

Trickreich strukturiert auf Spannung bedacht

Tochterliebe
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Kimberly McCreights Thriller fügt sich nahtlos in die Reihe ihrer herausragenden Werke wie »Eine perfekte Ehe«, »Freunde für immer« und »Eine perfekte Mutter«. Meine vorherigen Artikel über die Autorin ...

Kimberly McCreights Thriller fügt sich nahtlos in die Reihe ihrer herausragenden Werke wie »Eine perfekte Ehe«, »Freunde für immer« und »Eine perfekte Mutter«. Meine vorherigen Artikel über die Autorin und den Extrabeitrag über Kimbery McCreight zeigen verdeutlichen bereits, wie sehr ich ihre Romane schätze. Daher war ich voller Vorfreude auf ihr neues Werk.

Cleo erhielt eine eindringliche Nachricht ihrer Mutter, die sie sofort zu sich rief. Obwohl Cleo die dramatischen Anrufe ihrer Mutter Kate kennt, klang es dieses Mal besonders dringend. Daher brach sie sofort auf.

Als Cleo vor der Haustür steht und klingelt, öffnet ihre Mutter nicht. Cleo schreibt ihr schnell, dass sie bereits seit geraumer Zeit vor der Tür steht und sie solle bitte öffnen, wenn sie schon so schnell herbeigeeilt ist. Beim Klopfen an die Tür stellt Cleo fest, dass sie nur angelehnt ist und sich leicht öffnen lässt. Sie tritt ein und ruft in die Wohnung ihrer Mutter, dass die Tür offen stand und sie jetzt da sei.

In der Küche schellt der Rauchmelder und im Herd verkohlen wohl Hähnchenteile zu Stein. Cleo öffnet Fenster udn stellt den Rauchmelder ab, zumal der Nachbar unentwegt gegen die Wand bollert wegen des Lärms aus dieser Wohnung.

Doch kein Zeichen, kein Ton von Kate. Cleo muss konstatieren, dass ihre Mutter nicht in der Wohnung ist. Aber Kate hätte den Herd nie eingeschaltet gelassen, wenn sie die Wohnung verlassen hätte. Es muss irgendetwas passiert sein.

Der Thriller ist detailreich strukturiert. Nach dem Einstieg gibt es die erste Rückblene auf acht Tage zuvor, die erklären soll, warum es zur Situation im ersten Kapitel gekommen ist. Der Prolog geht weitaus weniger auf irgendwann zuvor Geschehenms ein, sonder bestimmt fads Thema des Romans: Das Verhältnis von Müttern zu ihren Kindern. Zwischen den Kapiteln werden uimmer wieder Zitate aus Akten, Dokumenten und Portalen, die Hintergrundwissen zum Geschehen und den Motiven der Handelnden liefern. Diese Abschnitte sind sehr gut durch eine andere Schrifttype gekennzeichnet.

Als Leser nähert man sich einerseits und entfernt sich andererseits mit jedem Kapitel dem ersten Kapitel. MIt den Kapiteln aus Kates Sicht nähert man sich dem Geschehen, angefangen acht Tage zuvor. Mit Cleos Kapitel entfernt man sich minuten-, stunden- und tageweise vom Geschehen und beobachtet, wie sie das Leben ihrer Mutter ergründet.

Der Stil von Kumberley McCreight ist also auch in »Tochterliebe« ist ein faszinierendes Verwirrspiel. Leser, die mit den unterschiedlichen Perspektiven nicht so gut klarkommen, sollten die Finger von diesem Thriller lassen. Ich persönlich fand dieses Verwirrspiel sehr strukturiert.

Aus welcher Perspektive ein Kapitel geschildert wird, wird durch den Namen der Figur als Kapitelüberschrift angezeigt. Zusätzliche Angabe in der Kapitelüberschrift geben Orientierung.

Aber keine Bange, man verliert nicht den Überblick, man muss nur die einzelnen Puzzle-Teilchen an die richtige Stelle rücken. Dabei hat dieser Thriller aber auch gar nichts mit cosy crime zu tun. Er ist einfach verdammt gut konstruiert und hält am Ende viele Überraschungen parat, mit denen man zu Beginn auf keinen Fall gerechnet hätte.

Keine Sorge, aufmerksame Leser werden den Faden nicht verlieren. Es genügt, die einzelnen Puzzleteile passend zusammenzufügen. Dieser Thriller gehört jedoch keineswegs zum Genre des gemütlichen Verbrechens. Er ist äußerst geschickt aufgebaut und birgt am Ende viele unerwartete Wendungen, mit denen man zu Beginn keinesfalls gerechnet hätte.

Für Liebhaber von verwirrend spannenden Thrillern sollte dieser ein Muss sein.

Insgesamt zeigt sich, dass die Geschichte um Tochterliebe und das Geheimnis in der Familie einen superguten Plot bietet. Die Erzählung beginnt sanft und entwickelt sich immer weiter, während die Spannung durch unerwartete Wendungen und Überraschungen gesteigert wird. Durch Kat, die in der Ich-Perspektive ab acht Tage vor ihrem Verschwinden spricht, und Cleo, die als Ich-Erzählerin in Stundentakt ihre Recherchen vorantreibt, wird der Leser in eine emotionale Achterbahn mitgenommen. Cleos Misstrauen gegenüber ihrer Umwelt verstärkt das Gefühl der Unsicherheit und der Dramatik.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 18.03.2025

hochbrisant und aktueller denn je

Das Vaterland
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Dieder Roman von Heinz Liepmanns zählt zu den älteren Werken, da er erstmals 1933 von einem deutschen Juden im Exil verfasst wurde. Die besondere Relevanz des Romans liegt in seiner brisanten Aktualität, ...

Dieder Roman von Heinz Liepmanns zählt zu den älteren Werken, da er erstmals 1933 von einem deutschen Juden im Exil verfasst wurde. Die besondere Relevanz des Romans liegt in seiner brisanten Aktualität, die sich angesichts des zunehmenden Einflusses der AfD und des umstrittenen US-Präsidenten zeigt. Diese Aktualität vermag durchaus zu beunruhigen.

Zur Weihnachtszeit im Jahr 1932 sticht das kleine Fischereischiff mit elf Besatzungsmitgliedern in See, um Heringe zu fangen. Nach drei Monaten kehrt die „Kulm“ schließlich nach Hamburg in ihren Heimathafen zurück. In der Zwischenzeit wurde Adolf Hitler Ende Januar zum Reichskanzler ernannt. Die Seeleute kehren in ein Deutschland zurück, das sich seit ihrer Abreise an Weihnachten stark verändert hat.

Die Mannschaft der „Kulm“ setzt sich aus Mitgliedern mit verschiedenen sozialen und weltanschaulichen Hintergründen zusammen, darunter Sozialdemokraten, Kommunisten, Juden und Nationalsozialisten. Diese Differenzen spielten bisher auf See keine Rolle, da sie alle ihre Pflicht als Seeleute erfüllen und miteinander auskommen mussten. Die Situation ändert sich jedoch, als sie sich Hamburg nähern und einen Mann aus dem Wasser retten.

In diesem Roman, in dem es nicht nur einen Protagonisten gibt, werden in verschiedenen, sehr packenden Episoden die Schicksale einiger Besatzungsmitglieder erzählt. Nun sind die Nationalsozialisten an der Macht und herrschen mit Gewalt und Willkür.

Heinz Liepman beschreibt unerbittlich, wie die Besatzungsmitglieder mit den neuen Machtgefügen konfrontiert werden. Stellenweise sind diese Beschreibungen sehr schonungslos, insbesondere wenn die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten dargestellt wird. Neben den schockierenden Begegnungen mit den Nazis thematisiert der Autor auch die persönlichen Konflikte der Betroffenen. So wird zum Beispiel die Geschichte eines Mannes erzählt, der eine Jüdin geheiratet hat und selbst zum Nazi wird, was zu Konsequenzen für die Ehe führt. Die Frau entscheidet sich dazu, sich scheiden zu lassen, doch selbst der Anwalt, der sie seit Jahren kennt, verweigert ihr jegliche Hilfe, weil er jetzt ebenfalls ein Nazi ist. Für die Frau scheint es keinen Ausweg mehr zu geben.

Die Schicksale sind äußerst belastend und im Grunde geht es für jeden der Betroffenen nur um das nackte Überleben in dieser gewalttätigen und menschenverachtenden Gesellschaft. Dies könnte auch auf denjenigen angewendet werden, der rasch zu einem höheren Rang als Verbrecher bei der SA aufgestiegen ist.

Der Schriftsteller, der von 1905 bis 1966 lebte, konnte durch die Schilderung von Szenen wie dem Erwachen des Hamburger Hafens oder der Fahrt der „Kulm“ die Elbe hinauf, Emotionen bei den Lesern wecken, jenseits des reinen Handlungsablaufs.

Die Thematik dieses Buches hat mich besonders betroffen und immer wieder in bestimmten Szenen an die gegenwärtigen Ereignisse in Deutschland und weltweit erinnert. »Das Vaterland« ist ein aufrüttelnder Roman, der eindringlich vor Augen führt, was geschehen kann. Seine Erzählungen sind wie ein Geschichtslektion, die sich jedem tief ins Gedächtnis einprägen sollte.

Der Pendragon Verlag hat diesen Roman erneut veröffentlicht, was großartig ist. Durch kleine Anpassungen in der Sprache ist er nun auch für junge Leser gut lesbar.

Wilfried Weinke verfasste ein zwanzigseitiges Nachwort, das das Leben und Werk von Heinz Liepman beschreibt und in den historischen Kontext einordnet.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 ist ein düsteres Kapitel unserer Geschichte, das auch heute noch Angst und Schrecken auslösen kann. Die schonungslose Beschreibung der damaligen Ereignisse zeigt, wie das Schicksal vieler Menschen durch Manipulation und Gewalt beeinflusst wurde. Diese Geschichten wecken Emotionen und machen die Vergangenheit für uns greifbar. Durch eine moderat angepasste Sprache wird die Geschichte lebendig und spannend, auch für heutige Generationen. Die Aktualität dieser Themen ist unbestreitbar und verlangt danach, dass wir sie nicht vergessen. Offanbar wurden die Lehren aus der Vergangenheit nicht gezogen. Dabei sollten sie dafür sorgen, dass sich solche Gräueltaten niemals wiederholen. Folgt unseren Social Media Accounts, um auch über andfere lesenswerte Romane informiert zu werden!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025