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Veröffentlicht am 17.01.2026

Atmosphärisch

Sophie L.
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„Sophie L.“ von Matthew Blake

Verlag: Fischer Scherz

Nach „Anno O.“ war meine Erwartung an „Sophie L.“ entsprechend hoch.

Der Einstieg überzeugt schnell. Der Schreibstil ist flüssig und sehr gut lesbar, ...

„Sophie L.“ von Matthew Blake

Verlag: Fischer Scherz

Nach „Anno O.“ war meine Erwartung an „Sophie L.“ entsprechend hoch.

Der Einstieg überzeugt schnell. Der Schreibstil ist flüssig und sehr gut lesbar, bereits der frühe Anruf aus Paris erzeugt Spannung und Neugier.

Die kurzen Kapitel und die Zeitsprünge sind klug eingesetzt und sorgen für einen starken Lesesog, man liest immer noch ein Kapitel mehr.

Im Zentrum steht Olivia, Gedächtnisexpertin und Mutter, die einen verstörenden Anruf eines Pariser Kommissars erhält.

Ihre Großmutter sitzt im Hotel Lutetia, behauptet, sie heiße Sophie Leclerc, und gesteht, vor vielen Jahren genau dort einen Mord begangen zu haben. Diese Aussage ist von enormer Tragweite und bildet den starken Ausgangspunkt der Geschichte. Olivia reist nach Paris, um sich um ihre Großmutter zu kümmern, einst eine berühmte Malerin und um der Wahrheit hinter Erinnerung, Schuld und Verdrängung näherzukommen.

Die Grundidee des Romans ist wirklich stark. Besonders der Perspektivwechsel gefällt mir sehr gut und bringt Bewegung in die Handlung. Dennoch hat sich das Buch für mich weniger wie ein Thriller gelesen, sondern eher wie ein atmosphärisch dichter, gut konstruierter Krimi. Die Spannung ist konstant, aber eher leise als nervenzerreißend.

Was mich deutlich enttäuscht hat, ist der Umgang mit Olivias fachlicher Expertise. Als Gedächtnisexpertin hätte sie eine viel aktivere, analytischere Rolle einnehmen können, gerade im Hinblick auf Erinnerung, Schuld und Manipulation. Stattdessen bleibt dieses Thema erstaunlich blass und für den Fortgang der Handlung fast nebensächlich.

Auch emotional blieb ich stellenweise auf Distanz. Olivias Art, mit den belastenden Ereignissen umzugehen, empfand ich als befremdlich. Die Aussage ihrer Großmutter, die alles ins Rollen bringt, ist von enormer Tragweite, dennoch wirkte Olivias Reaktion für mich überraschend kontrolliert und kühl. Obwohl die Beziehung zwischen den beiden als eng beschrieben wird, kam die emotionale Erschütterung bei mir nicht immer an.

Ähnlich ging es mir mit mehreren Nebenfiguren, vor allem mit Tom. Diese Figur blieb für mich über weite Strecken zu blass, entwickelte wenig Präsenz und wirkte eher funktional als wirklich greifbar. Für mich konnte diese Figur ihr Potenzial jedoch nicht vollständig entfalten.

Auch der familiäre Hintergrund, insbesondere das Schicksal von Olivias Mutter und die Schuldgefühle, die Olivia mit sich trägt, wird zwar angesprochen, aber nicht wirklich ausgearbeitet. Diese Themen hätten der Geschichte emotional deutlich mehr Gewicht verleihen können.

Einige Entwicklungen waren für mich relativ früh absehbar, wodurch die Spannung zum Ende hin etwas an Kraft verliert. Die Auflösung selbst empfand ich als zu knapp und psychologisch nicht so tiefgehend, wie es die Geschichte eigentlich hergegeben hätte.

Trotz aller Kritikpunkte hat mich „Sophie L.“ gut unterhalten. Der Stil ist atmosphärisch, die Idee stark und der Roman insgesamt gut lesbar. Meine Erwartungen waren nach dem Vorgänger allerdings höher. Für mich bleibt es ein solides Buch, das eher als Krimi denn als Thriller überzeugt; mit einer sehr guten Grundidee, der an mehreren Stellen mehr Tiefe und Konsequenz gutgetan hätten.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Stimmige Botschaften

Jetzt gerade ist alles gut
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„Jetzt gerade ist alles gut“ von Stephan Schäfer. 
Das Hörbuch wird von Götz Otto gelesen.
Verlag: Hörbuch Hamburg Verlag
Ich habe die Geschichte sehr gerne gehört, vor allem, weil sie mich daran erinnert ...

„Jetzt gerade ist alles gut“ von Stephan Schäfer. 
Das Hörbuch wird von Götz Otto gelesen.
Verlag: Hörbuch Hamburg Verlag
Ich habe die Geschichte sehr gerne gehört, vor allem, weil sie mich daran erinnert hat, wieder bewusster zu leben, das Leben als Geschenk zu sehen und die vielen kleinen Augenblicke mehr zu schätzen.
Der Erzähler, ein Familienvater, verletzt sich zu Beginn am Finger, etwas völlig Harmloses. Doch kurz vor dem geplanten Familienurlaub entwickelt sich genau daraus eine Sepsis. Dieses Erlebnis, das ihn fast das Leben gekostet hätte, verändert seinen Blick auf vieles, was vorher selbstverständlich schien; auf seine Familie, auf Freundschaften und auf die vielen kleinen Situationen, die den Alltag eigentlich ausmachen.
Im weiteren Verlauf erzählt der Ich-Erzähler von Momenten, die man gut wiedererkennt; ein Freund, der sich einfach nicht mehr meldet; ein Nachmittag nur mit der Schwiegermutter, der plötzlich erstaunlich nah und wertvoll wird; kleine Beobachtungen, bei denen man merkt, wie sehr man manchmal einfach durchrauscht und wie gut es tut, bewusster hinzuspüren.
Aus diesen Szenen entsteht ein ruhiger, nachdenklicher Blick auf das eigene Leben, achtsam, manchmal ein bisschen melancholisch, aber immer warm und ehrlich.
Die Botschaft kommt klar rüber, und auch wenn mir dieses Hörbuch gut gefallen hat, hat mich „25 letzte Sommer“ emotional etwas stärker erreicht. Trotzdem ist auch dieser Titel schön anzuhören und regt an, sich selbst und den Alltag wieder ein Stück bewusster wahrzunehmen.
Besonders hervorheben möchte ich den Sprecher Götz Otto, ein Schauspieler, der mit seiner einfühlsamen, angenehm ruhigen Stimme genau den richtigen Ton trifft. Er trägt die Stimmung der Geschichte wunderbar und macht viele Passagen noch berührender.
Ein schönes, leises Hörbuch mit einer stimmigen Botschaft.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Beängstigend

Schwachstellen
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„Schwachstellen“ von Yoshai Sarid
Verlag: Kein & Aber

Rani Bulka, Inhaber eines privaten Nachrichtendienstes, beschäftigt Mitarbeiter:innen aus der Technologiebranche, viele von ihnen mit Militärhintergrund. ...

„Schwachstellen“ von Yoshai Sarid
Verlag: Kein & Aber

Rani Bulka, Inhaber eines privaten Nachrichtendienstes, beschäftigt Mitarbeiter:innen aus der Technologiebranche, viele von ihnen mit Militärhintergrund. Mit den notwendigen Lizenzen gründete er eine technologische Abteilung und so wurde Siv, noch während seines Wehrdienstes, kontaktiert und eingestellt. Seine Aufgabe: Sicherheitslücken in Telefon- und Computernetzwerken aufzuspüren. Und Siv war nicht nur gut, er war brillant!
Die Aufträge wurden immer heikler, dubioser, politisch brisanter. Sein Chef schickte ihn in entfernte Länder, in Staaten, deren Moral oft sehr zweifelhaft war. Doch Siv, der Anerkennung braucht und sie auch genießt, verschließt die Augen. Er macht seinen Job. Und diesen macht er unglaublich gut.
Privat kann er es nicht lassen, sein Wissen einzusetzen. Ein einsamer Nerd, der in den Lücken von Smartphone-Netzen herumstöbert. Zunächst, um seiner Schwester zu helfen, die in Schwierigkeiten steckt. Doch bald betrifft es auch Freunde und die eigene Familie.
Bis er auf einen Algorithmus stößt, den er nur zu gut kennt. Und plötzlich dreht sich das Blatt.
Yishai Sarid zeigt in diesem Roman die Skrupellosigkeit von IT Konzernen, die fatalen Auswirkungen von Technologien, die Macht und Gefährlichkeit brillanter IT-Mitarbeiter:innen. Es ist ein unglaublich guter und zugleich beängstigender Roman. Er macht deutlich, wie leicht man sich in Smartphones und Computer einhacken, welchen Schaden man anrichten kann und welches Wissen damit gewonnen wird.
Beängstigend real, weil wir längst wissen, dass uns unsere Handys belauschen. Aber dass unsere Bilder, Texte und Gespräche nicht sicher sind und gegen uns verwendet werden könnten, erscheint uns noch immer zu weit weg. Doch was kann die Technologie tatsächlich, was wir gar nicht wissen (oder nicht wissen wollen)?
Siv, der Ich-Erzähler, lässt uns tief in seine Gedanken und Gefühle blicken. In seine Einsamkeit, seine Schuldgefühle, seine Sehnsüchte und Hoffnungen. Genau dadurch entsteht eine Nähe, die beklemmend wirkt, weil man merkt, wie dünn der Grat zwischen Genie und Missbrauch von Macht ist.
Der Autor zieht uns in einen Technologie-Krimi, der atemlos macht, uns die Augen öffnet und zugleich unsere eigene Verwundbarkeit zeigt.
Was für eine Story! Beängstigend, hochaktuell und für mich: ein Buch, das nachhallt.
Ich bin begeistert von Sarid!

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Intensiver Thriller

Die Lektorin - Ich schreibe dein Ende!
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“Die Lektorin” von T.J. Hammann 

Herausgeber: beTHRILLED

Diese Geschichte zieht einen sofort in ihren Bann – schon der Klappentext macht klar: Weglegen ist keine Option.
Der Schreibstil ist klar, einfach ...

“Die Lektorin” von T.J. Hammann 

Herausgeber: beTHRILLED

Diese Geschichte zieht einen sofort in ihren Bann – schon der Klappentext macht klar: Weglegen ist keine Option.
Der Schreibstil ist klar, einfach und strukturiert, sodass man sehr gut und flüssig durch die Seiten kommt. 
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, man rätselt von Anfang an mit: Wer steckt hinter den beängstigenden Manuskripten, die Lilli, eine Lektorin, erhält?
Wer verschafft sich Zugang zu ihrem Haus? 
Die offensichtlichen Verdächtigen scheiden nach und nach aus, was die Spannung zusätzlich erhöht.
Teilweise fand ich Lillis Gedanken und Handlungen allerdings etwas sprunghaft. Der Bezug zu ihrer Arbeit als Lektorin wurde nicht gut hervorgehoben. Hier hätte ich mir eine detailliertere Ausarbeitung gewünscht. Lilli darf die Polizei laut Angaben im zweiten Manuskript, nicht mehr einbeziehen – die Drohungen gegen ihre Kinder und ihren Ex-Mann werden immer konkreter. Ihre Angst um deren Leben lässt sie nur noch nach den Anweisungen handeln.

Lilli versucht zwar, dem Unbekannten auf die Schliche zu kommen, doch das Motiv bleibt lange unklar: Geht es um das neue Drehbuch ihres Ex-Mannes? Um Ruhm? Rache? Oder etwas ganz anderes?

Die Bedrohung spitzt sich zu, als ihr Ex-Mann auf einer Benefizveranstaltung vergiftet wird. Lilli bleibt nichts anderes übrig, als den Forderungen aus den Manuskripten Folge zu leisten – und trotzdem kann sie nicht alle schützen. Es fühlt sich an, als wolle ihr jemand eine Falle stellen und sie für alles verantwortlich machen.
Der Thriller ist sehr gut aufgebaut, mit gelungenen Spannungsbögen und überraschenden Wendungen.

Der Schreibstil bleibt durchgehend angenehm und flüssig. Leider konnte mich das Ende nicht überzeugen: 
Die Auflösung wirkte auf mich zu konstruiert und war zu weit hergeholt. Schade – hier hätte ich mir ein stärkeres, nachvollziehbareres Finale gewünscht.
Insgesamt ein intensiver Thriller mit einer starken Grundidee und spannender Umsetzung, der jedoch am Ende etwas an Kraft verliert.




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Veröffentlicht am 03.04.2025

Schrille Satire

Daily Soap
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„Daily Soap“ der Debütroman von Nora Osagiobare
Verlag: Kein & Aber

Das Cover und der Klappentext haben mich sofort gecatcht.

Die Autorin liefert eine schrille Satire über Familienchaos, Rassismus ...

„Daily Soap“ der Debütroman von Nora Osagiobare
Verlag: Kein & Aber

Das Cover und der Klappentext haben mich sofort gecatcht.

Die Autorin liefert eine schrille Satire über Familienchaos, Rassismus und Homosexualität – voller Absurditäten.
Toni hat stechende Kopfschmerzen, und ihre Mutter – eine Impf- und Abtreibungsgegnerin – behandelt diese abartigen Schmerzen mit Globuli. Ruhe für ihren Kopf findet Toni nur beim Fernsehen.
Sie liebt die Soap „Sturm der Triebe“ und verdrängt damit die chaotischen Verhältnisse in ihrer Familie, in der ständig Streit herrscht.
Ihr Vater Thor, ein zeugungsunfähiger Nigerianer, und ihre Schweizer Mutter leben in einer Ehe aus Leidenschaft und Eifersucht. Nach der Trennung ziehen Toni und ihre Mutter mit dem Pornodarsteller und Schwager Prince Okiti zur betrügerischen, jedoch reichen Tante Frieda.
Gleichzeitig gerät das Modeunternehmen Banal & Bodeca in einen Shitstorm aufgrund von Rassismusvorwürfen. Die eiskalte Geschäftsführerin Zita Bodeca versucht verzweifelt, das Image zu retten – auf Kosten ihres Sohnes Paul. Doch die Farce wird Realität, und das Chaos nimmt seinen Lauf.
Als sich die Wege beider Familien kreuzen, überschlagen sich die Ereignisse. Der Roman erinnert an eine überdrehte TV-Serie mit grotesken Figuren.
Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig; erst im letzten Drittel fand ich Zugang dazu.
Die Geschichte selbst ist mit schrägem Humor ausgestattet, was nicht jedermanns Sache ist. Auch gibt es viele fragwürdige Fußnoten, die teils lustig, teils sarkastisch sind.
Die Charaktere sind sehr außergewöhnlich gezeichnet – alle ProtagonistInnen sind schräge und ungewöhnliche Persönlichkeiten.
Schallend lachen musste ich nicht; vielleicht fehlt mir hier der Humor für diese Satire.
Man wird unterhalten, und sobald man sich an den extravaganten Schreibstil der Autorin und ihre Erzählweise gewöhnt hat, plätschert die Story dahin. Man möchte erfahren, wie diese chaotische Geschichte weitergeht bzw. endet. Ob die Liebe oder die Scham siegt, ob Leidenschaft von Obsession zu Liebe wird und ob eine tief verwurzelte Liebe die Krater des verrückten Alltags überbrücken kann.
Jedoch wurde es mir im letzten Drittel zu viel an bizarren Handlungen.
Ich verstehe die satirische Überspitzung: Die Kritik an Rassismus, alten Denkmustern, Homöopathie, Machtgier und Abhängigkeiten ist klar erkennbar. Dennoch konnte mich die Geschichte nicht vollends überzeugen.
Das Ende war für mich eher traurig. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Buch, das sicherlich seine Fans findet.
Auf dem Cover wird es als „das lustigste, schlaueste, coolste Buch in diesem Frühjahr“ angepriesen – für mich trifft das leider nicht zu.
Für LeserInnen von skurrilen Satiren sicher ein Lesegenuss, für mich jedoch zu chaotisch. 





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