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Veröffentlicht am 03.04.2025

Schrille Satire

Daily Soap
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„Daily Soap“ der Debütroman von Nora Osagiobare
Verlag: Kein & Aber

Das Cover und der Klappentext haben mich sofort gecatcht.

Die Autorin liefert eine schrille Satire über Familienchaos, Rassismus ...

„Daily Soap“ der Debütroman von Nora Osagiobare
Verlag: Kein & Aber

Das Cover und der Klappentext haben mich sofort gecatcht.

Die Autorin liefert eine schrille Satire über Familienchaos, Rassismus und Homosexualität – voller Absurditäten.
Toni hat stechende Kopfschmerzen, und ihre Mutter – eine Impf- und Abtreibungsgegnerin – behandelt diese abartigen Schmerzen mit Globuli. Ruhe für ihren Kopf findet Toni nur beim Fernsehen.
Sie liebt die Soap „Sturm der Triebe“ und verdrängt damit die chaotischen Verhältnisse in ihrer Familie, in der ständig Streit herrscht.
Ihr Vater Thor, ein zeugungsunfähiger Nigerianer, und ihre Schweizer Mutter leben in einer Ehe aus Leidenschaft und Eifersucht. Nach der Trennung ziehen Toni und ihre Mutter mit dem Pornodarsteller und Schwager Prince Okiti zur betrügerischen, jedoch reichen Tante Frieda.
Gleichzeitig gerät das Modeunternehmen Banal & Bodeca in einen Shitstorm aufgrund von Rassismusvorwürfen. Die eiskalte Geschäftsführerin Zita Bodeca versucht verzweifelt, das Image zu retten – auf Kosten ihres Sohnes Paul. Doch die Farce wird Realität, und das Chaos nimmt seinen Lauf.
Als sich die Wege beider Familien kreuzen, überschlagen sich die Ereignisse. Der Roman erinnert an eine überdrehte TV-Serie mit grotesken Figuren.
Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig; erst im letzten Drittel fand ich Zugang dazu.
Die Geschichte selbst ist mit schrägem Humor ausgestattet, was nicht jedermanns Sache ist. Auch gibt es viele fragwürdige Fußnoten, die teils lustig, teils sarkastisch sind.
Die Charaktere sind sehr außergewöhnlich gezeichnet – alle ProtagonistInnen sind schräge und ungewöhnliche Persönlichkeiten.
Schallend lachen musste ich nicht; vielleicht fehlt mir hier der Humor für diese Satire.
Man wird unterhalten, und sobald man sich an den extravaganten Schreibstil der Autorin und ihre Erzählweise gewöhnt hat, plätschert die Story dahin. Man möchte erfahren, wie diese chaotische Geschichte weitergeht bzw. endet. Ob die Liebe oder die Scham siegt, ob Leidenschaft von Obsession zu Liebe wird und ob eine tief verwurzelte Liebe die Krater des verrückten Alltags überbrücken kann.
Jedoch wurde es mir im letzten Drittel zu viel an bizarren Handlungen.
Ich verstehe die satirische Überspitzung: Die Kritik an Rassismus, alten Denkmustern, Homöopathie, Machtgier und Abhängigkeiten ist klar erkennbar. Dennoch konnte mich die Geschichte nicht vollends überzeugen.
Das Ende war für mich eher traurig. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Buch, das sicherlich seine Fans findet.
Auf dem Cover wird es als „das lustigste, schlaueste, coolste Buch in diesem Frühjahr“ angepriesen – für mich trifft das leider nicht zu.
Für LeserInnen von skurrilen Satiren sicher ein Lesegenuss, für mich jedoch zu chaotisch. 





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Veröffentlicht am 21.04.2024

Denkmuster

Der Junge und die Kakerlake
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„Der Junge und die Kakerlake“ von Matthew Maxwell wurde unglaublich schön und feinfühlig von Allie Daigle illustriert.

Der Autor schreibt über einen Jungen, der am Küchentisch sitzt und plötzlich eine ...

„Der Junge und die Kakerlake“ von Matthew Maxwell wurde unglaublich schön und feinfühlig von Allie Daigle illustriert.

Der Autor schreibt über einen Jungen, der am Küchentisch sitzt und plötzlich eine Kakerlake vor seinem Teller entdeckt. Er ekelt sich und will, dass das hässliche Geschöpf weg geht. Seine Gedanken schweifen zu sich selbst und als er abgewiesen wurde.
Er empfindet Mitgefühl und überdenkt mit einfachen Fragen seine Ansichten, Denkmuster und Glaubenssätze.

Viele Glaubenssätze sind seit frühester Kindheit verankert und der Junge erinnert sich an Situationen aus seinem Leben, die für ihn sehr negativ waren. Mit der Kakerlake vor sich, stellt er sich Fragen, warum er vieles so negativ beurteilt. Ist seine Sichtweise korrekt? Und wer bestimmt, was richtig oder falsch ist?

Der Autor schreibt sehr flüssig und die einzelnen Geschichten regen zum nachdenken an. Leider sind die Erzählungen immer im gleichen Schema und einige Sätze in (fast) identischem Wortlaut, was mich als Leser:in nicht mehr abholen konnte und ich habe über diese Passagen hinweggelesen. Die Botschaften sind sehr klar und doch fehlt mir etwas die Tiefe.

Die Illustrationen sind unglaublich fein, zart und wunderschön anzusehen. Sie werten das Buch und die Geschichten des Jungen sehr auf und berühren mich als Leser:in.

Ein schön illustriertes Buch, das uns anregt, unsere Wahrheiten zu hinterfragen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Unterhaltsam

The Exes
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„The Exes“ von Leodora Darlington, gesprochen von Benito Bause, Sandrine Mittelstädt, Viola Müller

Verlag: Hörbuch Hamburg
„The Exes“ erzählt die Geschichte von Natalie, die verzweifelt auf der Suche ...

„The Exes“ von Leodora Darlington, gesprochen von Benito Bause, Sandrine Mittelstädt, Viola Müller

Verlag: Hörbuch Hamburg
„The Exes“ erzählt die Geschichte von Natalie, die verzweifelt auf der Suche nach Liebe ist. Doch irgendwas läuft hier richtig schief. Ihre Ex-Freunde sterben auf mysteriöse Weise und genau als sie denkt, endlich James gefunden zu haben, holt sie ihre Vergangenheit ein. Stück für Stück, durch Rückblicke, Briefe und Zeitsprünge, setzt sich das ganze Chaos zusammen, und man merkt, hinter Natalies Leben steckt mehr, als man zuerst ahnt.
Das Hörbuch selbst ist ein echtes Highlight. Die Sprecher:innen hauchen jeder Figur Leben ein, transportieren die Emotionen perfekt und machen die Wendungen richtig greifbar. Ich habe oft mitgefiebert und gerätselt, was als Nächstes passieren könnte.
Die Zeitsprünge zwischen Gegenwart, Rückblicken und Briefen fand ich besonders gelungen, sie machen den Thriller abwechslungsreich und lassen einen nach und nach das ganze Bild von Natalies Leben zusammensetzen. Atmosphärisch zieht uns die Autorin hinab in die düsteren schwarzen Abgründe der menschlichen Psyche.
Trotzdem hat das Buch seine Schwächen. Die erste Hälfte zieht sich ein wenig, manche Kapitel wirken überladen und einige Szenen wirken ein bisschen unrealistisch.
Die kleinen Spannungsbögen konnten mich nicht immer packen. Vielleicht hätte man hier und da den Thriller etwas kürzer, dafür spannungsreicher gestalten können.
Aber dann kommt das letzte Drittel und ich konnte den Atem kaum anhalten. Die überraschenden Wendungen haben den Thriller und das Ende richtig spannend gemacht.
Es ist kein Buch, das man durchgehend atemlos hört, aber durch psychologische Spannung, interessante Charaktere und unerwartete Entwicklungen bleibt dieses Debüt definitiv hängen. Die Autorin punktet mit ihrem flüssigen Schreibstil und den verschiedenen Zeitebenen. Spannend werden auch die Geschichten der drei Ex-Freunde erzählt und vor allem Natalies Briefe lassen uns bereits vermuten, was passierte. Doch ist dies wirklich die Realität?
Für mich ein unterhaltsames Debüt mit unerwarteten Wendungen

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Nicht immer wird aus einer Zitrone Limonade …

Alles ganz schlimm
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„Alles ganz schlimm“ von Julia Pustet /
Verlag: Haymon

„Weißt du, ich habe auch Grenzen, von denen ich mir manchmal wünsche, dass man sie wahren würde.“ (Seite 165)

Ich habe mich mit diesem Roman schwergetan. ...

„Alles ganz schlimm“ von Julia Pustet /
Verlag: Haymon

„Weißt du, ich habe auch Grenzen, von denen ich mir manchmal wünsche, dass man sie wahren würde.“ (Seite 165)

Ich habe mich mit diesem Roman schwergetan. Die Themen sind ohne Zweifel wichtig und interessant: psychische Probleme, Gewalt, Prostitution, Einsamkeit, aber die Umsetzung war für mich nicht leicht zugänglich.

Susanne als Hauptfigur blieb mir fremd. Ihr Leben ist geprägt von Einsamkeit, Gewalt und Sex, sie wirkt unnahbar und nicht besonders sympathisch. Besonders irritierend fand ich, dass ihre Freundin Stella Susannes Text über ihre Vergangenheit stiehlt, ihn als eigenen veröffentlicht und sich dann auch noch in Susannes Familie hineinspielt. Sie beginnt eine Beziehung mit Jens, Susannes Bruder, und sitzt am Ende mit den Eltern beim Kaffee.

Die Veröffentlichung bescherte Stella Einladungen zu Fernsehshows und sie kündigte sogar an, eine Autobiografie mit dem Titel „ Alles ganz schlimm“ zu schreiben. Was für eine Farce!

Diese Entwicklung war für Susanne ein Schlag in den Magen, kaum nachvollziehbar. Die Freundschaft war bereits vorher zerbrochen, die mediale Aufmerksamkeit des gestohlenen Textes schrie nach Gerechtigkeit und doch war auch die Angst da, vor weiteren Brüchen und Isolation.

Hasstiraden im Netz, anonyme Hetze, Mobbing, Beleidigungen und Drohungen gegen S. sind keine Kritik, sondern ein Brechen der Persönlichkeit.

„Ein Meme über jemanden ist schnell gemacht und schnell vergessen. Außer für die Person, die darauf bloßgestellt wird.“ (Seite 196)

Was den Suizid von S. betrifft, sind Susanne die genaueren Umstände nicht bekannt. Das sie stirbt wollte niemand.

Der Schreibstil ist sehr anspruchsvoll: lange Kapitel, verschachtelte Sätze, viele Zeitsprünge. Dadurch kam bei mir kein richtiger Lesefluss auf, und ich habe immer wieder zum Prolog oder vorherigen Kapiteln zurückgeblättert, um den Zusammenhang zu verstehen.

Es ist definitiv kein Buch für zwischendurch, man muss konzentriert lesen. Trotzdem hat mich Susannes Tragik nicht so berührt, wie ich es mir bei diesen Themen gewünscht hätte.
Gesellschaftlich relevante Aspekte sind vorhanden, das sehe ich. Aber durch die fehlende Struktur und die fragmentarische Erzählweise blieb ich am Ende etwas ratlos zurück.

Ein ambitioniertes Werk mit schwierigen Themen, sprachlich und erzählerisch herausfordernd, das mich persönlich leider nicht fesseln konnte.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Lesenswerter Debütroman

Toyboy
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„Toyboy“ von Jonas Theresia/ Debütroman
Verlag: Kein & Aber
222 Seiten

Solide, aber nicht ganz überzeugend
Der Roman hat definitiv Potenzial, konnte mich aber letztlich nicht komplett mitreißen. Jonas ...

„Toyboy“ von Jonas Theresia/ Debütroman
Verlag: Kein & Aber
222 Seiten

Solide, aber nicht ganz überzeugend
Der Roman hat definitiv Potenzial, konnte mich aber letztlich nicht komplett mitreißen. Jonas Theresia erzählt die Geschichte von Levin und Gregor mit sprachlicher Präzension und klaren, pointierten Sätzen. Besonders gelungen ist das Verhältnis der beiden Brüder: Trotz all ihrer Unterschiede, trotz Distanz und Missverständnissen bleibt eine tiefe, wenn auch komplizierte Liebe spürbar.
Der Schluss bringt dies noch einmal besonders gut zum Ausdruck.
Allerdings fehlte mir insgesamt die emotionale Wucht. Levin hinterlässt in seinem Leben einen Scherbenhaufen nach dem anderen, doch die Gründe für sein Handeln bleiben oft zu vage. Wieso er sich für die Erotikbranche entscheidet, obwohl es ihm offensichtlich nicht gut tut, oder warum Gregor sich so stark in seine virtuelle Welt zurückzieht, darauf gibt der Roman kaum Antworten.
Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.
Der Autor beschreibt die Szenen sehr bildlich, insbesondere Levin wird mit großer Genauigkeit gezeichnet. Jedes Detail seines Körpers wird beschrieben, allerdings in einem sachlichen, strukturierten Ton, der keine Erotik aufkommen lässt. Dadurch vermittelt der Roman die Härte und Erschwernisse der Branche. Gregor, der kleine Bruder wurde in seinem Kinderzimmer mit seiner Kinderbettwäsche und seinen pornografischen Lektüren sehr authentisch von Theresia dargestellt. Man kann sich in jede Szene, sei es beim Dreh eines Pornos, in Gregors Zimmer oder im Wald, mühelos hineinversetzen. Der flüssige Schreibstil macht das Buch leicht zugänglich.
Es gibt trotzdem viele interessante Aspekte, etwa die absurden Einblicke in die Erotikbranche oder die skurrile Figur der Oxana, einer Domina, mit ihrem armen Hund.
Auch wenn mich das Buch nicht vollständig überzeugen konnte, bleibt es ein lesenswertes Debüt mit einigen starken Momenten.

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