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Veröffentlicht am 09.06.2025

Mehr Atmosphäre als Spannung

Commissario Gaetano und der lügende Fisch
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Buchmeinung zu Fabio Nola – »Commissario Gaetano und der lügende Fisch«

»Commissario Gaetano und der lügende Fisch« ist ein Kriminalroman von Fabio Nola, der 2025 bei dtv erschienen ist. Dies ist der ...

Buchmeinung zu Fabio Nola – »Commissario Gaetano und der lügende Fisch«

»Commissario Gaetano und der lügende Fisch« ist ein Kriminalroman von Fabio Nola, der 2025 bei dtv erschienen ist. Dies ist der Auftaktband der Reihe um den neapolitanischen Commissario Salvatore Gaetano.

Zum Autor:
Fabio Nola ist das Pseudonym eines deutschen Historikers (*1982). Er hat in Neapel studiert und wohnte zusammen mit fünf neapolitanischen Jurastudenten mitten im wilden, bunten Centro Storico. Diese Zeit inspirierte ihn zu seiner Krimireihe um den feinfühligen Commissario Salvatore Gaetano.

Zum Inhalt:
Während der Feierlichkeiten zu Ehren des Stadtheiligen San Gennaro wird ein Mann enthauptet am Tisch in seinem Apartment aufgefunden. Der Ermorderte, ein Norditaliener, war am Tag noch hilfesuchend bei Commissario Gaetano aufgeschlagen. Nun ermittelt Gaetano mit seinem Team in diesem spektakulären Mordfall.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mit zu Beginn ausgezeichnet gefallen. Commissario Gaetano war mir mit seiner ruhigen Art sympathisch und sein überlastetes Team unterstützt ihn nach Kräften, auch wenn ihnen der ein oder andere Fehler unterläuft. Die Figuren sind Typen mit deutlichen Mängeln und Macken, aber auch mit Herz. Manche Figuren wirken überzeichnet, bilden aber ein interessantes Ensemble. Gaetano leitet sein Team und hält seine schützende Hand bereit. Eine wesentliche Nebenhandlung wird durch die Absicht seiner Nichte geprägt, die ihren pflegebedürftigen Vater zurück zur Familie holen will. Gaetano hegt deutliche Bedenken, aber er ist gezwungen, über das Verhältnis zu seinem Bruder nachzudenken. Gaetano agiert nicht immer liebenswert, ist aber engagiert und ein Kind Neapels. Für ihn zählt sein Bauchgefühl und sein Gerechtigkeitssinn. Lange Zeit passiert wenig in den Ermittlungen, was die atmosphärische Schilderung Neapels nur bedingt ausgleichen kann. Gegen Ende hin nimmt der Fall Fahrt auf, das Tempo steigt und Gaetano kommt in Schwung. Es wird auch deutlich, dass es einige Pannen, Fahrlässigkeiten und Fehler bei den Ermittlungen gegeben hat. Die Auflösung ist nachvollziehbar, wenn auch ein bisschen krumm.
Der Schreibstil ist angenehm, mit viel Gefühl und reichlich Atmosphäre. Für mich waren es aber zu viele Nebenhandlungen, die mit einem deutlichen Spannungsverlust einher gingen.

Fazit:
Ein atmosphärisch beeindruckender Krimi mit lebendigen, aber auch überzeichneten Figuren, der nach starkem Beginn deutlich nachlässt. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (65 von 100 Punkten). Wer atmosphärische Krimis mag, sollte einen Blick in das Buch riskieren.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Die Welt aus der Sicht einer Sättigungstaucherin

Die Kammer
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Buchmeinung zu Will Dean – »Die Kammer«

»Die Kammer« ist ein Kriminalroman von Will Dean, der 2025 bei Hoffmann und Campe in der Übersetzung von Sepp Leeb erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe ...

Buchmeinung zu Will Dean – »Die Kammer«

»Die Kammer« ist ein Kriminalroman von Will Dean, der 2025 bei Hoffmann und Campe in der Übersetzung von Sepp Leeb erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet »The Chamber« und ist 2024 erschienen.

Zum Autor:
Will Dean arbeitete nach seinem Studium an der London School of Economics einige Zeit in der englischen Hauptstadt, bevor es ihn der Liebe wegen nach Schweden zog, wo er seither mit seiner Familie in einem Holzhaus in den Wäldern nördlich Göteborgs wohnt.

Zum Inhalt:
Ein Team von sechs Sättigungstauchern soll Arbeiten an einer Ölpipeline durchführen. Kurz nach Beginn der Arbeiten kommt es zu einem Todesfall in der Dekompressionskammer, in der die Taucher leben. Die Mission wird abgebrochen und der Aufstieg eingeleitet. Es bleibt aber nicht bei einem Toten.

Meine Meinung:
Dieses Buch gewährt einen faszinierenden Einblick in die Welt der Sättigungstaucher, der durch viele Wiederholungen von Aktivitäten und einer belastenden Enge des Zusammenlebens geprägt ist. Die Geschichte wird aus der Sicht der einzigen Taucherin an Bord erzählt und lässt deren Gefühle und Ängste greifbar werden. Deutlich wird auch die Abhängigkeit der Taucher von den sie betreuenden Mitarbeitern auf dem Schiff. Eingestreut werden Episoden über Vorfälle aus anderen Missionen, in denen Taucher zu schaden gekommen ist. Physische und psychische Belastungen nehmen deutlich zu, als es zu Todesfällen in der eingeschworenen Gemeinschaft in der Kammer kommt. Der Leser ist ähnlich ratlos wie die Erzählerin und versteht und erlebt die zunehmende Beklemmung der Taucher. Trotzdem empfand ich lange Zeit keine besondere Spannung, weil es trotz weiterer Leichen kaum neue Erkenntnisse gab. Am Ende wird eine Lösung präsentiert, die aber sogleich mit Zweifeln befeuert wird. Das hat einen gewissen Reiz, aber auch einen Makel. Der Erzählstil ist leicht verdaulich mit einer kräftigen Prise schwarzen Humors bei den Gesprächen im Team. Ich habe viel über das Sättigungstauchen erfahren und fand diesen Bereich interessanter als die Auflösung des Kriminalfalls.

Fazit:
Ein Krimi, der in der Welt der Sättigungstaucher spielt und eher mit Wissen als mit Spannung überzeugt. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Tauchfreunde könnten Gefallen an dieser Geschichte finden.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Erst in der zweiten Hälfte überzeugend

Allein gegen die Lüge
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Buchmeinung zu Alex Finlay – »Allein gegen die Lüge«

»Allein gegen die Lüge« ist ein Kriminalroman von Alex Finlay, der 2025 bei Goldmann in der Übersetzung von Leo Strohm erschienen ist. Der Titel der ...

Buchmeinung zu Alex Finlay – »Allein gegen die Lüge«

»Allein gegen die Lüge« ist ein Kriminalroman von Alex Finlay, der 2025 bei Goldmann in der Übersetzung von Leo Strohm erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet »Every Last Fear« und ist 2021 erschienen.

Zum Autor:
Alex Finlay hat Spannungsromane geschaffen, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Der Autor schreibt unter einem Pseudonym und ist ein prominenter Anwalt in Washington, D.C., der Klienten in über vierzig Fällen vor dem Obersten Gerichtshof der USA vertreten hat.

Klappentext:
Die Nachricht trifft Matt Pine wie ein Schock: Bei einem Urlaub in Mexiko kam fast seine gesamte Familie ums Leben. Die örtliche Polizei behauptet, es sei ein Unfall gewesen, doch das FBI bezweifelt das. Allerdings wollen sie Matt den Grund für ihre Skepsis nicht verraten. Das Drama rückt Matts Familie erneut ins Rampenlicht der Medien. Vor sieben Jahren war sein älterer Bruder Danny wegen Mordes an seiner Highschool-Freundin zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Danny hatte stets seine Unschuld beteuert, und eine große True-Crime-Doku nährte den Verdacht, er könnte zu Unrecht im Gefängnis sitzen. Nun scheint es eine Verbindung zwischen dem rätselhaften Tod seiner Familie und Dannys Fall zu geben, und Matt ist entschlossen, die Wahrheit herauszufinden. Selbst wenn er dafür sein eigenes Leben aufs Spiel setzen muss ...

Meine Meinung:
Dieses Buch wechselt permanent zwischen zwei Zeitebenen, der Gegenwart und der Vergangenheit. Meist ist damit die Zeit von vor sieben Jahren gemeint, als Matts Bruder Danny den Mord an seiner Highschoolliebe gestanden hat. Der Leser erfährt mehr und mehr Einzelheiten aus dieser Zeit, aber auch zur Familiengeschichte. Matts Vater Evan glaubt an einen anderen Täter. Zudem ist er in den Fokus des FBI gekommen. Agentin Keller hofft ihn als Zeugen für ein Geldwäscheverfahren gewinnen zu können. Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven als jeweiliger Ich-Erzähler gestaltet. Die Handlung ist komplex und mehrere Nebenhandlungen tragen ihren Teil dazu bei. Eine Crimedoku bringt Ausschnitte aus Verhören und Informationen über Menschen, die unschuldig schwere Vergehen gestanden haben. Man merkt, welch hoher Druck auch auf den Ermittlern lastet.
Die FBI-Agentin Keller wirkt kompetent, hartnäckig und sympathisch. Matt scheint zu Beginn eher desinteressiert an den Ermittlungen zu sein, auch weil er seinen Bruder für schuldig hält. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam und Tempo und Spannung waren moderat. Erst im weiteren Verlauf fühlte ich mich gut unterhalten, aber halt erst nach der Hälfte. Nach einigen überraschenden Wendungen ist der Fall am Ende vollständig aufgeklärt und der Autor gönnt den verbliebenen Protagonisten noch ein Happy End.

Fazit:
Die zweite Hälfte hat mit gut gefallen, aber die erste Hälfte konnte mich nicht überzeugen. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Eher eine Familientragödie

Die Allee
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Buchmeinung zu Florentine Anders – »Die Allee«

»Die Allee« ist ein Roman von Florentine Anders, der 2025 bei Galliani-Berlin erschienen ist.

Zum Autor:
Florentine Anders, geboren 1968 in Berlin, ist ...

Buchmeinung zu Florentine Anders – »Die Allee«

»Die Allee« ist ein Roman von Florentine Anders, der 2025 bei Galliani-Berlin erschienen ist.

Zum Autor:
Florentine Anders, geboren 1968 in Berlin, ist Enkelin der Henselmanns. Sie studierte an der Universität Leipzig und der Université Assas in Paris. Danach absolvierte sie die Journalistenschule Centre de Formation des Journalistes (CFJ) in Paris und arbeitete als freie Journalistin in Frankreich und Deutschland. Sie schrieb für verschiedene Zeitungen und ist jetzt Redakteurin beim Studio ZX, ein Unternehmen des Zeit Verlags. Seit 2022 ist sie Vorstandsmitglied der Hermann-Henselmann-Stiftung.

Zum Inhalt:
Hermann Henselmann ist ein von den Ideen des Bauhauses geprägter Architekt, der neuen Ideen und Bauweisen offen gegenüber steht. Er wird zum Chefarchitekten Ost-Berlins und sein Name ist mit etlichen Großbauten verbunden. Er hat beste Kontakte zur Politprominenz der DDR und muss doch hart kämpfen, um einige seiner Ideen umsetzen zu können. Unterstützt wird er von seiner Frau Isi, selbst hochbegabt, die ihm mit ihrer Arbeit den Rücken freihält und sich um die immer größer werdende Kinderschar kümmert. Ihre Tochter Isa leidet sehr unter dem cholerischen Vater und geht früh eigene Wege.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich nach einem gelungenen Auftakt doch ziemlich enttäuscht. Henselmanns Ideen als Architekt werden nur angedeutet, während das ausschweifende Leben des Casanovas in den Mittelpunkt zu rücken scheint. Er vernachlässigt Frau und Kinder, insbesondere wenn er neue Projekte angeht. Er ist eine intensiver Arbeiter, der seine Energie auch aus Affären zu gewinnen scheint. Seine Frau Isi versucht Ordnung in das Leben ihres Mannes zu bringen, zieht sich von ihm zurück und kehrt doch immer wieder. Sie sucht sich zunehmend eigene Aufgaben und führt mehr und mehr ihr eigenes Leben. Ihre Tochter Isa geht früh eigene Wege aus Angst vor dem Vater und weil sie sich von ihrer Mutter allein gelassen fühlt. Ihr Leben ist von unglücklichen Beziehungen und wiederholten Neuanfängen geprägt. Diese Wiederholungen prägen meinen Eindruck von diesem Titel und am Ende waren es mir zu viele davon.

Fazit:
Eine bewegte Familiengeschichte, die meine Erwartungen nicht erfüllen konnte. Wesentliche Architekturerkenntnisse erkannte ich nicht, bekam aber leicht modifizierte Wiederholungen des unschönen Privatlebens geboten. Deshalb bewerte ich denn Titel mit wohlwollenden drei von fünf Sternen (55 von 100 Punkten). Eine Leseempfehlung mag ich nicht geben.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Aufgedeckte Geheimnisse

Nachtflut
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Buchmeinung zu Stina Westerkamp – »Nachtflut«

»Nachtflut« ist ein Kriminalroman von Stina Westerkamp, der 2025 bei Ullstein erschienen ist.

Zum Autor:
Stina Westerkamp ist das Pseudonym einer erfolgreichen ...

Buchmeinung zu Stina Westerkamp – »Nachtflut«

»Nachtflut« ist ein Kriminalroman von Stina Westerkamp, der 2025 bei Ullstein erschienen ist.

Zum Autor:
Stina Westerkamp ist das Pseudonym einer erfolgreichen Thrillerautorin. Schon während ihres Psychologiestudiums hat sie die Frage fasziniert, wie ein Mensch zum Mörder werden kann. Bis heute beschäftigt sie sich aus beruflichen Gründen mit der Psyche von Tätern und Opfern. Stina Westerkamp lebt mit ihrer Familie im Rheinland.

Zum Inhalt:
Die psychisch angeschlagene Elisa wird zusammen mit einem Nachbarpaar von einer schweren Sturmflut an ihr Dorf gefesselt. Parallel dazu brechen mehrere Schwerverbrecher aus ihrem Gefängnis aus und ihr Exmann Max, der beim THW aktiv ist, macht sich auf zur Rettung. Die Wege kreuzen sich im Haus der Nachbarn und alle müssen um ihr Überleben kämpfen.

Meine Meinung:
Der Einstieg in die Geschichte ist mir leicht gefallen und ich habe die atmosphärischen Schilderungen genossen. Die Hauptfigur Elisa ist schwer tablettensüchtig und wird von Panikattacken gebeutelt. Ihre Nachbarn hüten ein Geheimnis und die Spannungen zwischen dem Paar nehmen kontinuierlich zu. Paul gelingt mit einigen Schwerverbrechern der Ausbruch aus der JVA, der von einer Gewaltwelle geprägt ist. Paul versuchte mäßigend einzugreifen und war mir durchaus sympathisch. Max tritt als erfolgreicher Retter auf und wirkt ebenfalls sympathisch. Elisa war mir zu leidend dargestellt und konnte kaum Sympathiepunkte sammeln. Die Geschichte wird aus den Perspektiven von Elisa, Paul und Max erzählt. Alle Beteiligten hüten Geheimnisse und die Spannung steigt. Aufgelockert wird die aktuelle Schilderung durch Passagen aus dem Tagebuch einer weiblichen Person. Nach dem Deichbruch kulminieren die Ereignisse beim Zusammentreffen der fünf Personen im Haus der Nachbarn während der Sturmflut. Die Autorin spielt mit den Erwartungen des Lesers und hat einige Überraschungen parat. Dennoch ließ mein Lesevergnügen deutlich nach, weil die Figuren recht flach gezeichnet wirkten. Am Ende waren alle Geheimnisse offenbart und Vieles war anders als zunächst gedacht.

Fazit:
Meine Begeisterung für den Titel nahm zunehmend ab trotz einiger spannender Momente. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten) uns spreche keine Leseempfehlung aus.

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