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Veröffentlicht am 06.06.2025

Persönlich

Meine deutsche Geschichte
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Mihail Groys kam als siebenjähriger jüdischer Junge 1998 mit seinen Eltern aus der Ukraine nach Deutschland. In diesem Buch beschreibt er seine Erfahrungen und Ansichten zu seinem neuen Heimatland.

Nachdem ...

Mihail Groys kam als siebenjähriger jüdischer Junge 1998 mit seinen Eltern aus der Ukraine nach Deutschland. In diesem Buch beschreibt er seine Erfahrungen und Ansichten zu seinem neuen Heimatland.

Nachdem eine Lehrerin ihm prophezeit hatte, dass aus ihm niemals etwas werden könne, erwachte sein Ehrgeiz, er machte das Abitur, studierte und arbeitete in verschiedenen Institutionen.

Das Titelbild zeigt gut, in welcher Situation er sich seit seiner Auswanderung befand und immer noch befindet. Zwei Seelen wohnen - ach - in seiner Brust, einerseits sieht er Vieles in Deutschland distanziert aus der Außenperspektive, andererseits fühlt er sich aber als Deutscher, der mit den schönen und schlechten Seiten des Landes klarkommen muss. Besonders der zunehmende Antisemitismus macht ihm und uns allen Sorgen. Manchmal ernst und fast verzweifelt und manchmal anekdotisch und witzig zeigt er auf, mit welchen Problemen ein Junge in einem fremden Land zu kämpfen hat.

Ein besonderes Kapitel ist der Entwicklung in der Ukraine seit dem russischen Überfall gewidmet und der Frage, wie es dazu kommen konnte. Das ist in der heutigen politischen Situation besonders erhellend, allerdings fehlt mir da der persönliche Bezug, den Groys in den vorigen Kapiteln immer betonte.

Das Buch ist gut geschrieben und lässt sich leicht lesen. Manchmal hätte der Autor allerdings etwas mehr in die Tiefe gehen können.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Undercover

Devil's Kitchen
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In einer New Yorker Feuerwehreinheit gibt es Probleme. Man hat den Verdacht, dass die Männer auf eigene Rechnung bei Bränden Raubüberfälle begehen oder sogar Brände legen, um sich zu bereichern und unbequeme ...

In einer New Yorker Feuerwehreinheit gibt es Probleme. Man hat den Verdacht, dass die Männer auf eigene Rechnung bei Bränden Raubüberfälle begehen oder sogar Brände legen, um sich zu bereichern und unbequeme Mitwisser ermorden. Deshalb wird die freiberufliche Ermittlerin Andy Nearland auf die Truppe angesetzt und schleust sich als Mitarbeiterin ein.
Dabei trifft sie auf Ben, der seine Freundin und deren Sohn vermisst und verspricht ihm nach den beiden zu suchen. Das alles ist keine einfache Aufgabe, zumal alle auf ihre eigene Art traumatisiert sind. Andy hat bei einem Raubüberfall ihre Eltern verloren und Matt, der Chef der Feuerwehrgruppe, war bei 9/11 dabei. Bens Eltern waren drogenabhängig und er musste sich um seinen kleinen Bruder kümmern. So fließen viele Nebenhandlungen in den Thriller ein, die aber so geschickt verwoben sind, dass sie die Spannung noch erhöhen.
Das Buch besticht durch seine spannende Handlung und die immer neuen und manchmal verblüffenden Wendungen. Manchmal ist es etwas verwirrend, aber alle Fragen lösen sich am Ende auf.
Ich hatte schon einige Bücher von Candice Fox gelesen und auch dieses hat mir wieder sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Spannend!

The Surf House
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Bea ist ein gefragtes Model und eines Tages, als sie einen Job in Marokko hat, schmeißt sie von einem Moment zum anderen alles hin. Sie verschwindet in den Gassen von Marrakesch, wird überfallen und Marnie ...

Bea ist ein gefragtes Model und eines Tages, als sie einen Job in Marokko hat, schmeißt sie von einem Moment zum anderen alles hin. Sie verschwindet in den Gassen von Marrakesch, wird überfallen und Marnie rettet sie vor den Angreifern. Marnie besitzt ein Surferhotel an der Küste und nimmt Bea mit dorthin, damit sie erst einmal zur Ruhe kommen kann. Doch dann taucht Seth auf, der seine verschwundene Schwester sucht, die vor einiger Zeit genau hier zuletzt gesehen wurde. Bea wird immer misstrauischer gegenüber den Menschen um sich herum.
Das Buch ist - wie bei Lucy Clarke eigentlich immer - sehr spannend geschrieben und man kann kaum aufhören zu lesen.
Die Beschreibungen der Stadt Marrakesch und der Surferszene sind eindringlich und man sieht alles genau vor sich. Clarke kennt sich in der Szene gut aus und das spürt man auch als Laie, denn die Faszination des Wellenreitens überträgt sich auch auf die Leserinnen und Leser, die selbst diesem Sport fremd gegenüberstehen.
Im Mittelteil gibt es ein paar Längen, aber auch überraschende Wendungen, insgesamt ist das Buch sehr spannend bis zum Schluss.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Sehr spannend

Der irische Fremde
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Als Mary am Flughafen in Oslo zufällig einen Mann trifft, der ihr bekannt vorkommt, reißt das alte Wunden wieder auf. Vor 25 Jahren kamen ihre Eltern bei einem Brand in ihrem Hotel in Irland ums Leben, ...

Als Mary am Flughafen in Oslo zufällig einen Mann trifft, der ihr bekannt vorkommt, reißt das alte Wunden wieder auf. Vor 25 Jahren kamen ihre Eltern bei einem Brand in ihrem Hotel in Irland ums Leben, Mary gibt sich die Schuld daran, dass sie sie nicht retten konnte. Sie wuchs danach bei einer Tante in Frankfurt auf und ist nie wieder nach Irland zurückgegangen. Nun aber will sie wissen, was es mit diesem Mann auf sich hat und was damals wirklich geschah. Damit bringt sie nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern auch alle, die sie damals kannte. Erst ganz langsam erfährt sie, wer der geheimnisvolle Fremde ist und was wirklich hinter dem Tod ihrer Eltern steckte.

Das Buch beginnt etwas verhalten, man geht einige Nebenwege, bis man zum Kern der Sache vorstößt. Dann aber wird es richtig spannend und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil ist eingängig und lässt sich leicht lesen, das erleichtert natürlich alles. Mir haben auch die Schilderungen der irischen Landschaft gut gefallen, sie runden das Bild ab.

Insgesamt also ein lesenswerter und ungeheuer spannender Krimi, der uns nach Irland entführt.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Spannende Zeitgeschichte

Im Wind der Freiheit
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Die Geschehnisse von 1848 sind im Bewusstsein der Deutschen kaum verankert, man hat mal von "Märzrevolution" oder dem Barrikadenbau gehört, aber da die Sache bitter gescheitert ist und die Restauration ...

Die Geschehnisse von 1848 sind im Bewusstsein der Deutschen kaum verankert, man hat mal von "Märzrevolution" oder dem Barrikadenbau gehört, aber da die Sache bitter gescheitert ist und die Restauration danach sehr gründlich war, ist sie kein Datum, das im Gedächtnis der Deutschen weiterlebt. Dabei wäre sie es wert, viel mehr im Fokus zu stehen, denn nach den Bauernkriegen war es die erste kleine Revolution gegen die Macht der Fürsten und die Zensurgesetze Metternichs.
Tanja Kinkel erzählt in diesem Buch gekonnt wie immer diese Geschichte aus der Sicht von zwei Frauen. Louise Otto ist in privilegierte Verhältnisse hineingeboren worden, sie ist Schriftstellerin und schreibt für Zeitungen, ihre Freunde sind aktiv für die Freiheit und einige schaffen es in das Paulskirchenparlament, z.B. Robert Blum. Das Parlament ist allerdings auch zerstritten, einige Mitglieder wollen mit Gewalt neue Verhältnisse herbeiführen, andere lieber neue Gesetze erlassen. Doch auch die Fürsten unter der Führung Preußens sind nicht untätig.
Die zweite Hauptperson Susanne lebt in Sachsen und muss in einer Weberei schuften, die Frauen dort haben keinerlei Rechte. Als sie sich für eine Freundin einsetzt, wird sie entlassen und muss ihr Leben als Prostituierte fristen. Als ein Mann sie als Spionin anwerben will, ist das ihre große Chance auf ein besseres Leben und sie schließt Bekanntschaft mit Louise, um sie und ihren Freundeskreis auszuforschen.
Viele Dinge, die in dem Buch angesprochen werden, wusste ich so nicht. Auch die Rolle der Frauen, die eine große Rolle spielten, war mir unbekannt. So habe ich durch das Buch nicht nur viel gelernt, sondern mich auch gut unterhalten gefühlt.
Kinkels Sprache ist der Zeit angemessen manchmal etwas umständlich und das Buch hat auch ein paar Längen, aber insgesamt hat es mir gut gefallen.
Auch heute müssen wir die Freiheit des Wortes immer wieder verteidigen, dadurch hat das Buch auch einen aktuellen Bezug.

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