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Mausi_liest

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2025

Vom tönenden Schwingen eines unbespielten Flügels

Die Summe unserer Teile
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Drei Frauen, drei Generationen, drei Länder – eine Familie: verbunden über die Mutterlinie, getrennt durch ihr Schweigen. Wie dieses Schweigen durch einen Flügel, der zu groß ist für Lucys Studentenzimmer ...

Drei Frauen, drei Generationen, drei Länder – eine Familie: verbunden über die Mutterlinie, getrennt durch ihr Schweigen. Wie dieses Schweigen durch einen Flügel, der zu groß ist für Lucys Studentenzimmer und ihr die Luft zum Atmen raubt, aufgebrochen wird, ohne dass er selbst bespielt wird: davon erzählt dieser Roman.
Welche Stücke alle in den Saiten stecken, welche Töne zu der Familienmelodie gehören, die von den drei Frauen ganz unterschiedlich zusammengesetzt werden, erfahren die Leser*innen jeweils aus der Perspektive von Lucy, ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Aus den einzelnen Versatzstücken entsteht ein Lied sowohl über die jeweilige Frau als auch über die Verbindungen untereinander.
In klarer, präziser Sprache zeichnet Paola Lopéz ihre Figuren facettenreich mit all ihren Brüchen, ihren Gefühlen und ihren Leerstellen. Dadurch wirken sie auf mich alle authentisch, und ich konnte ihr Verhalten gut nachvollziehen. Die Schauplätze der Handlung stecken voller Bilder, die auch die weggedrückten Gefühle der Protagonistinnen symbolisieren. Die innere Willenskraft der Frauen ist stets spürbar. Diese und die Kraft der Bindung werden auch mit den farbigen Pinselstrichen des Portraits auf dem Cover ausgedrückt, was somit gut zum Inhalt des Buches passt.
Ein dichter, mitreißender Roman, dessen Hauptfiguren tief und eindrücklich ausgeleuchtet werden, obgleich sie selbst Schatten werfen. Als psychologisch interessierte Person wird man in diesem Buch viele Anregungen finden zum Thema Verhaltensmuster und deren ungewollte Weitergabe an die nachfolgende Generation.

Veröffentlicht am 17.02.2025

Es ist selten so, wie es scheint.

Dunkle Momente
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Gut meint es die Autorin Elisa Hoven mit ihrer Protagonistin Eva Herbergen nicht. Fast gnadenlos lässt sie die Strafverteidigerin in ihren geschilderten neun Fällen an die Grenzen des Erträglichen gehen ...

Gut meint es die Autorin Elisa Hoven mit ihrer Protagonistin Eva Herbergen nicht. Fast gnadenlos lässt sie die Strafverteidigerin in ihren geschilderten neun Fällen an die Grenzen des Erträglichen gehen um aufzuzeigen, in welchem Spannungsfeld diese arbeitet und mit welchen ethischen Fragen sie dabei unweigerlich konfrontiert wird. Getrieben von dem Bedürfnis, keine Unschuldigen ins Gefängnis gehen zu sehen, und dem Ehrgeiz, ihre Aufgabe, ihren Mandanten möglichst eine hohe Strafe zu ersparen, gut zu meistern, versucht Eva Herbergen trotzdem ihr Empfinden für Gerechtigkeit und Unrecht nicht zu verletzen. Dabei blickt sie auf menschliche Tragödien, aber auch in seelische Abgründe.
All das wird spannend, facettenreich und verknüpft durch die Frage, welchen schwerwiegenden Fehler sie niemals wiederholen will, erzählt. Als Leserin erhalte ich sowohl Einblicke in die Motive, Bedürfnisse und Lebensumstände der Mandanten als auch in das Innenleben und die persönlichen Hintergründe der Strafverteidigerin, sodass deutlich wird, was alles Einfluss auf ihre Prozessführung und ihr Engagement hat.
Dem Anspruch der Autorin, die Geschichten hinter den Straftaten zu erzählen, wird das Buch vollkommen gerecht. Darüber hinaus gibt es viele Anregungen für Gedanken über Schuld und Wiedergutmachung, Rechtfertigung und Unrecht, den Sinn von Strafe für den Täter und die Gesellschaft.
Das Buch hat mich tief beeindruckt und ich kann es jedem empfehlen, der sich für ethische Fragen von Recht und Gesetz interessiert.

Veröffentlicht am 05.02.2025

Eine tödliche Reise in die Vergangenheit

Sing mir vom Tod
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Florida hat ihre Entlassung aus dem Gefängnis im Kopf schon tausendmal durchgespielt. Dort sitzt sie wegen Körperverletzung. Und dann kommt alles anders, als sie sich erträumt hat. Wegen der Coronapandemie ...

Florida hat ihre Entlassung aus dem Gefängnis im Kopf schon tausendmal durchgespielt. Dort sitzt sie wegen Körperverletzung. Und dann kommt alles anders, als sie sich erträumt hat. Wegen der Coronapandemie wird sie vorzeitig aus der Haft entlassen. Nicht nach Los Angeles, wo sie herkommt; sie wird von der Gefängnisverwaltung in einem Motel einquartiert, das sie nicht verlassen darf. Entgegen allen ihren Bewährungsauflagen macht sie sich in einem illegal verkehrenden Bus auf nach Los Angeles. Die Fahrt nach Kalifornien führt sie in ein gelähmtes Land, in dem Angst und Verunsicherung herrschen. Und die Geister ihrer Vergangenheit begleiten sie.
Ivy Pochoda hat ein zum Teil erschreckendes, atmosphärisch dichtes Buch geschrieben, das mehr als ein Thriller ist. Sie taucht ein in die Schattenseiten des Menschen. In der Zeit der Isolation und der Vereinzelung in der Gesellschaft beschreibt Pochoda mit meisterhafter Genauigkeit, wie erfahrene Verletzungen, Wut und Ausweglosigkeit zur Triebfeder menschlichen Handelns werden. Verstrickt in ihr individuelles Schicksal sind alle Protagonisten Gefangene ohne Chance auf Veränderung.
"Sing mir vom Tod" hat mir sehr gut gefallen, weil es sich von der üblichen Thrillerkost durch seine Tiefe abhebt. Dabei ist es spannend bis zu letzten Seite.

Veröffentlicht am 03.02.2025

Eine tödliche Reise in die Vergangenheit

Sing mir vom Tod
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Florida hat ihre Entlassung aus dem Gefängnis im Kopf schon tausendmal durchgespielt. Dort sitzt sie wegen Körperverletzung. Und dann kommt alles anders, als sie sich es erträumt hat. Wegen der Coronapandemie ...

Florida hat ihre Entlassung aus dem Gefängnis im Kopf schon tausendmal durchgespielt. Dort sitzt sie wegen Körperverletzung. Und dann kommt alles anders, als sie sich es erträumt hat. Wegen der Coronapandemie wird sie vorzeitig aus der Haft entlassen. Nicht nach Los Angeles, wo sie herkommt; sie wird von der Gefängnisverwaltung in einem Motel einquartiert, das sie nicht verlassen darf. Entgegen allen ihren Bewährungsauflagen macht sie sich in einem illegal verkehrenden Bus auf nach Los Angeles. Die Fahrt nach Kalifornien führt sie in ein gelähmtes Land, in dem Angst und Verunsicherung herrschen. Und die Geister ihrer Vergangenheit begleiten sie.
Ivy Pochoda hat ein zum Teil erschreckendes, atmosphärisch dichtes Buch geschrieben, das mehr als ein Thriller ist. Sie taucht ein in die Schattenseiten des Menschen. In der Zeit der Isolation und der Vereinzelung in der Gesellschaft beschreibt Pochoda mit meisterhafter Genauigkeit, wie erfahrene Verletzungen, Wut und Ausweglosigkeit zur Triebfeder menschlichen Handelns werden. Verstrickt in ihr individuelles Schicksal sind alle Protagonisten Gefangene ohne Chance auf Veränderung.
"Sing mir vom Tod" hat mir sehr gut gefallen, weil es sich von der üblichen Thrillerkost durch seine Tiefe abhebt. Dabei ist es spannend bis zu letzten Seite.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Ein Vergnügen für Leser mit und ohne Katzenerfahrung

Die Magnolienkatzen
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Als eine namenlose Straßenkatze fünf Junge in Norika Morishitas Garten zur Welt bringt, ist eines für Mutter und Tochter Morisita klar: dort sollen sie nicht bleiben. Der Versuch, die unerwünschte Streunerin ...

Als eine namenlose Straßenkatze fünf Junge in Norika Morishitas Garten zur Welt bringt, ist eines für Mutter und Tochter Morisita klar: dort sollen sie nicht bleiben. Der Versuch, die unerwünschte Streunerin schnellstmöglich dem Tierheim zu übergeben, eilen. Die Katzen bleiben im Garten unter dem Magnolienbaum. Die Hoffnung, dass Katze und Junge weiterziehen, zerschlägt sich schnell. Die noch blinden Katzenwelpen geraten in Lebensgefahr.
Was bleibt den beiden Frauen anderes übrig, als zu deren Rettung zu eilen.
So kommen die Katzen ins Haus und von dort aus in die Herzen von Mutter und Tochter, die doch nie Katzen haben wollten.
Moriko Morishita schreibt über die Übernahme von Verantwortung. Über die Verantwortung, die Menschen für Lebewesen haben, die ihrer Art nach "Haustiere" sind und damit auf das Zusammenleben mit Menschen angewiesen. Manchmal zärtlich, manchmal sentimental, aber nie das Tier vermenschlichend, erleben wir, wie das Zusammenleben mit ihren Katzen ihr Leben verändert. Und wie die Liebe zwischen zwei Lebewesen heranwächst.
Mir hat dieses Katzenbuch, das sich durch die Schilderung des alltäglichen Lebens mit Katzen wohltuend von anderen Titeln diesen Genres abhebt, gut gefallen. Punktabzug gibt es dafür, dass Sätze sich wörtlich wiederholen. Das ist selten, aber störend. Man könnte vermuten, dass die einzelnen Kapitel schon einmal in einem anderen Format veröffentlicht wurden.