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Veröffentlicht am 06.04.2025

Mit Elise

Und dann springen wir
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Daran stirbt man heutzutage nicht mehr. Den Gedanken mag Rosa nicht mehr denken, denn ihre Mutter Else ist trotzdem gestorben. Ihre Mutter war noch nicht alt und sie wollte immer mit Rosa zurückkehren ...

Daran stirbt man heutzutage nicht mehr. Den Gedanken mag Rosa nicht mehr denken, denn ihre Mutter Else ist trotzdem gestorben. Ihre Mutter war noch nicht alt und sie wollte immer mit Rosa zurückkehren nach Mostar, wo die beiden einen schönen Urlaub verbracht haben als Rosa dreizehn war. Und immer wollten sie zurückkehren und von der Brücke in Mostar springen. Und jetzt? Rosa entschließt sich noch einmal nach Mostar zu fahren. Nach der Trauerfeier verbringt sie etwas Zeit mit ihrem Vater und seiner neuen Familie. Sie hält es kaum aus und doch ist das jetzt ihre Familie, die sie herzlicher willkommen heißt als sie erwartet hätte.

Tragisch ist der relativ frühe Tod ihrer Mutter. Rosa, die zwar erwachsen, aber doch noch jung ist, fällt in tiefe Trauer. Auch wenn ihre Mutter Elise ein schwieriger Mensch war, die mit Problemen zu kämpfen hatte, so war sie doch ihre Mutter. Und Rosa vermisst ihre Mutter. Der Schmerz ist so groß. Mit ihrer Freundin Emma, die sie gerade erst kennengelernt hat, reist Rosa gen Osten, da wo die Wurzeln liegen. In Städte und Länder, die einen Krieg überstehen mussten. Für Rosa ist Elise immer gegenwärtig und spürbar.

Bei dem Titel und dem farbenfrohen Umschlagbild mit den Mandarinen denkt man vielleicht eher an eine heitere Geschichte. Ganz so ist dieser Roman dann nicht. Doch er hat eine berührende Erzählung zu bieten von Müttern und Töchtern, von Vätern, die gehen, von Familien, die gefunden werden. Und auch von der Trauer um die Mutter Elise, die viel zu früh starb. Nachdem die erste kleine Enttäuschung verflogen ist, freut man sich über diesen emotionalen Roman. Eine unerwartete kleine Perle, die in einem Erinnerungen weckt, die an Urlaub denken lässt und einen mit einem Lächeln zurücklässt. Hier gibt man gerne eine Leseempfehlung und wünscht diesem Debütroman eine größere Aufmerksamkeit.

Veröffentlicht am 29.03.2025

Geheimnis der Bilder

HEN NA E - Seltsame Bilder
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Der junge Ren, nein, seinen wirklichen Namen veröffentlicht er nicht, beginnt voller Freude mit seinem Blog. Er freut sich über seine Frau Yuki, ihren ersten Hochzeitstag und die Schwangerschaft. Doch ...

Der junge Ren, nein, seinen wirklichen Namen veröffentlicht er nicht, beginnt voller Freude mit seinem Blog. Er freut sich über seine Frau Yuki, ihren ersten Hochzeitstag und die Schwangerschaft. Doch mit der schockierenden Nachricht, dass Yuki die Geburt nicht überlebt hat, bricht Ren seine Aufzeichnungen ab. Zwei Studenten, die Jahre später auf den Blog stoßen, versuchen die geheimnisvollen Worte und Zeichnungen zu entschlüsseln. Wie konnte das Glück des jungen Paares in der heutigen Zeit so abrupt enden? Als die Studenten scheinbar eine Lösung gefunden zu haben, trennen sich ihre Wege. Doch ein Journalist macht sich auf die Suche, um die Hintergründe eines Mordes aufzuklären.

Mit diesem ungewöhnlichen Roman, der auch Zeichnungen und Bilder enthält, entwickelt sich eine Geschichte, bei der man die Zusammenhänge nur nach und nach erkennen kann. Das Internet vergisst nichts und so beginnen die Studenten Sasaki und Kurihara aus Tokyo über die Rätsel nachzudenken, die in dem Blog stecken. Tatsächlich finden sie logische Erklärungen für das, was zunächst unergründlich erscheint. Auch im weiteren Verlauf werden unfassbare Ereignisse entdeckt.

Wenn man Krimis von asiatischen Schriftstellern mag, wird einem dieses Buch schnell auffallen. Man kann wegen des grafischen roten Covergestaltung fast nicht anders als das Buch in die Hand zu nehmen und mal reinzublättern und dann kann es schon um einen geschehen sein. Die Beschreibung, die Zeichnungen, das macht eben neugierig. Um die Gestaltung herum entwickelt sich dann eine Erzählung, die es in sich hat. Mit den wenigen versteckten Informationen entschlüsseln unterschiedliche Menschen die Schicksale anderer Personen. Das Drama ist allgegenwärtig und man ist gefesselt, weil man endlich alles erkennen will. Geschickt wird schließlich die ganze unglaubliche Story zusammengeführt. Dieser Kriminalroman macht mit seiner speziellen Gestaltung wirklich Spaß besonders wegen etlicher Überraschungen, mit denen er aufwartet.

Veröffentlicht am 14.03.2025

Der Podcast

Blutsbande
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Zu Alec Salters fünfzigstem Geburtstag soll eine große Party stattfinden. Die Einzige, die nicht auftaucht, ist Alecs Frau Charlie. Am meisten Sorgen macht sich Charlies Tochter Etty. Noch während die ...

Zu Alec Salters fünfzigstem Geburtstag soll eine große Party stattfinden. Die Einzige, die nicht auftaucht, ist Alecs Frau Charlie. Am meisten Sorgen macht sich Charlies Tochter Etty. Noch während die Party läuft, ruft sie bei der Polizei an. Die tut ihre Besorgnis ab, schließlich ist Etty erst fünfzehn und Charlie auf ihre Art bekannt. Es ist die Weihnachtszeit 1990, während der Frauen und Kinder nicht so viel zählen. Erst über dreißig Jahre später beginnt einer von Ettys damaligen Kumpeln mit einem Podcast über die Ereignisse. Damit werden alte Wunden wieder aufgerissen. Die Kinder von Alec Salter sind auch wieder vor Ort. Ihr an Demenz leidender Vater soll ins Pflegeheim und das Haus soll verkauft werden.

Dass es sich bei diesem Roman um den Start einer Reihe handelt, merkt man lange nicht. Die Handlung setzt im Jahr 1990 ein und das Verschwinden von Charlotte Salter beherrscht das Leben im Ort. Zunächst wird es abgetan, auch weil ihr Mann eher abfällig reagiert. Als dann eine weitere Person zu Tode kommt, scheint die Sache klar, wenigstens für die Polizei. Doch die Kinder von Charlie haben ihr Verschwinden auch nach über dreißig Jahren nicht verwunden. Erst als Alec nicht mehr alleine bleiben kann, kommen sie wieder in Glensted zusammen. Morgen, der journalistisch tätig ist, beginnt mit der Produktion seines Podcasts.

Im Jahr 2022 rollt Detective Inspector Maud O’Connor den Fall neu aufrollen. Und wie sie an das Vorhaben herangeht, ist wirklich beeindruckend und spannend. Sie als Außenstehende und Frau muss sich erstmal bei den örtlichen Polizisten durchsetzen. An dieser Haltung hat sich in dreißig Jahren nicht so viel geändert. Die dilettantische Ermittlung aus den Neunzigern geradezubiegen im Rahmen eines aktuellen Falls ohne die Ortspolizei allzu sehr anzugehen, ist alles andere als einfach. Man kann sehr gut verstehen, dass Maud manchmal einfach die Wahrheit sagen möchte und bewundert ihre Selbstbeherrschung. Wenn es doch im Privaten auch so gut liefe. Berührend ist auch wie Etty und ihre Brüder mit der Schwere umgehen, die das Verschwinden ihrer Mutter verursacht hat. Und irgendwann ist es soweit, dass Maud eine Ahnung bekommt, was damals tatsächlich geschehen ist. Ab dem Punkt muss man den Roman einfach inhalieren und mit einem Wow! beschließen.

4,5 Sterne

Veröffentlicht am 01.03.2025

Der Nebel

Der letzte Mord am Ende der Welt
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In einer postapokalyptischen Welt neben nur noch etwas über hundert Personen auf einer kleinen Insel. Eine geheimnisvolle Barriere schützt sie vor einem tödlichen Nebel. Die Wissenschaftlerin und Lehrerin ...

In einer postapokalyptischen Welt neben nur noch etwas über hundert Personen auf einer kleinen Insel. Eine geheimnisvolle Barriere schützt sie vor einem tödlichen Nebel. Die Wissenschaftlerin und Lehrerin Niema hält das Gemeinwesen zusammen. Emory, die immer Niemas Lieblingsschülerin war, ist noch dabei, ihren Weg zu finden. Auch sie hat schon eine Familie gegründet. Bei einigen Talenten hat sie festgestellt, dass sie diese eher nicht besitzt. Lehrerin zu werden, ist nun fast die letzte Möglichkeit. Doch wofür Emory steht, ist das Stellen von Fragen. Ihr Wissensdurst ist schier unersättlich und sie versucht, die Gedanken in die richtige Reihe zu bringen. Als Niema tot aufgefunden wird, könnte gerade das es sein, was die kleine Gemeinschaft retten könnte.

Die drei Wissenschaftler allen voran Niema führen und leiten die kleine Inselpopulation. Sie geben den Weg vor und die anderen halten sie an die Empfehlungen. Damit führen sie nach der Katastrophe ein zwar hartes und entbehrungsreiches, aber doch angenehmes und sicheres Leben. Durch den hinterhältigen Mord gerät das ganze Gefüge durcheinander. Die Lage wird dadurch erschwert, dass sich keiner an den vorangegangenen Abend erinnern kann. Emory fällt nun die heikle Aufgabe zu, das Rätsel zu lösen. Zeit hat sie dafür nur 107 Stunden, denn mit Niemas Tod ist auch die Schutzbarriere heruntergefahren worden und der Nebel rückt näher.

Welch schönes Idyll könnte der verbliebene Rest der Welt sein, könnte man bei Anblick des farbenfroh gestalteten Covers denken. Man sieht den Leuchtturm, die Seilbahn, ein Boot, eine Hai-Finne. Eine Hai-Finne? Ganz so ungefährlich ist das Leben auf der Insel wohl doch nicht. Doch wie wird Emory mit der Bedrohung, die Gemeinschaft durch den Mord erfährt, fertigwerden? Kann sie dieser Aufgabe überhaupt gewachsen sein? Wer könnte die Macht und die Mittel gehabt haben, eine so gemeine Tat zu begehen? Emory ist eine, die anpackt. Als Leser möchte man sich gerne mit ihr identifizieren, auch wenn man erfährt, dass das aus gewissen Gründen eigentlich nicht geht. Auch einige Ungereimtheiten, die eher auf mathematischer Ebene liegen, werden im Verlauf geklärt. Überhaupt entwickelt sich der postapokalyptische Kriminalfall auf ganz andere Weise als man vermuten könnte. Neben der einfachen Aufklärung eines Mordes, die alles andere als einfach ist, geht es auch um eine Fortentwicklung. Wer sollte in einer Welt das Sagen haben? Und was wäre, wenn es einmal nicht die üblichen Verdächtigen wären? Ein Gedanken-Experiment, das hier gewagt wurde und dem man viel Erfolg wünschen möchte. In der heutigen Zeit beginnt man bald, sich zu fragen, auf welche Insel man fliehen sollte und ob die Gegenwart, den Autor nicht beinahe schon eingeholt hat. Die Schlussfolgerung, die man vielleicht ziehen kann, ist irgendwie hoffnungslos und hoffnungsfroh zugleich. Ein lesenswerter Roman, der sich nicht hundertprozentig einem Genre zuordnen lässt.

Veröffentlicht am 21.02.2025

Der Pilot

Nacht der Ruinen
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Während des letzten großen Angriffs auf Köln im März 1945 wird ein amerikanischer Bomber abgeschossen. Einer der Piloten kann sich mit einem Fallschirm retten. Kurze Zeit später wird der amerikanische ...

Während des letzten großen Angriffs auf Köln im März 1945 wird ein amerikanischer Bomber abgeschossen. Einer der Piloten kann sich mit einem Fallschirm retten. Kurze Zeit später wird der amerikanische Soldat Joe Salmon, der früher Joseph Salomon hieß, nach Köln geschickt, um einen Lynchmord aufzuklären. Salmon stammt aus Köln. Glücklicherweise konnte er nach der Kristallnacht noch aus Deutschland fliehen. Und jetzt durchstreift er mit dem britischen Kriegsreporter George Orwell die zerstörte Stadt. Zur Tarnung soll für die wenigen in den Trümmern lebenden Kölner eine Zeitung herausgegeben werden. Doch insgeheim begibt sich Joe auf die Suche nach dem Mörder und nach dem, was noch von seiner Vergangenheit übrig ist.

Der Krieg ist noch nicht ganz vorbei, aber das tausendjährige Reich ist in Köln zum Glück beendet. Joe Salmon erkennt seine Stadt kaum wieder. Nahezu alles ist zerstört. Wasser und Strom gibt es kaum. Das bekommen auch die Amerikaner zu spüren, die sich in den weniger noch stehenden Häusern einquartiert haben. Auf der Suche nach dem vermeintlichen Mörder erfährt Salmon wie es nun in Köln zugeht. Viele wollen die Nazi-Zeit möglichst schnell vergessen, daran, dass sie selbst mitgemacht haben, erinnern sie sich lieber nicht. Nur wenige Menschen haben es geschafft, aufrecht die Zeit zu überstehen.

Mit seinem neuen Roman bringt Cay Rademacher seinen Lesern eine weit entfernte, aber vielleicht nicht so ferne Zeit nahe. Die Zerstörungen sowohl an Leib und Leben als auch an Häusern und der ganzen Infrastruktur einer Stadt werden sehr eindrücklich und bildhaft geschildert. Hinzu kommt die spannende Suche nach einem Mörder. Kleinste Puzzleteile müssen zusammengefügt werden, um auf eine Geschichte zu kommen, von der man annehmen kann, dass Joe nicht sicher ist, ob er sie überhaupt wissen wollte. Beklemmend wird es, wenn Joe bei seinen Ermittlungen erfährt, wie die Nazis ihre Mitmenschen, auch Kinder, bewerteten und darüber urteilten, ob ihr Lebens des Lebens wert ist. Manchmal gerät die Erzählung etwas kleinteilig. Doch die dramatischen Ereignisse ergreifen einen beim Lesen und man hofft, dass man so eine Zeit nie erleben muss.