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Veröffentlicht am 06.12.2022

Unerwartet Spicy aber ausbaufähig

Neon Gods - Hades & Persephone
1

Persephone, die Göttin des Frühlings wird von ihrer Mutter Demeter überraschend zu einer Hochzeit mit Zeus gedrängt, dessen Ruf nicht so gut ist, wie man zunächst vielleicht denkt.
Sie entflieht dieser ...

Persephone, die Göttin des Frühlings wird von ihrer Mutter Demeter überraschend zu einer Hochzeit mit Zeus gedrängt, dessen Ruf nicht so gut ist, wie man zunächst vielleicht denkt.
Sie entflieht dieser Zwangsheirat sehr überstürzt, überquert den Styx und läuft Hades geradezu in die Arme. Der Gott der Unterwelt, der bisher nur ein Gerücht war, wird Teil von Persephones Plan ihre Freiheit zurück zu bekommen.

Der Grund, warum dieses Buch mein Interesse geweckt hat war, dass aus den zwei Ich-Perspektiven von Hades und Persephone geschrieben wird. Nach diesen ersten 50 Seiten hatte ich das Gefühl, dass sich um einen Romantasy Roman handelt und die Geschichte auf jeden Fall in Richtung verbotene Liebe gehen wird. Katee Robert zieht hier mit den göttlichen Figuren sowie der Ober- und Unterstadt eine fantastische Welt auf, die jedoch eher das Randthema bleibt. Hier wäre einiges mehr an Potential da gewesen, die Orte weiter auszuschmücken. Nach den ersten 100 Seiten bin ich dann absolut überrascht worden. Da Zeus aufgrund der politischen Lage nicht in die Unterstadt kann, entwickelt sich nach und nach ein kleines Dilemma, da Persephone auf keinen Fall zurück möchte und ihrem Wunsch nach Freiheit folgen möchte. Sie schlägt deswegen einen Plan vor mit dem ich nicht gerechnet habe. Und da Hades Teil ihres Plans sein soll, wird die Geschichte plötzlich ziemlich, ziemlich… ziemlich spicy. Dabei hatte ich jedoch irgendwann das Gefühl, dass diese Szenen überwiegen und zum Ende hin schnelle und einfache Problemlösungen gesucht wurden. Die Spannung, die quasi das ganze Buch über aufgebaut wurde, ist für mich recht schnell mit dem Ende verpufft und hat mich etwas unzufrieden zurückgelassen. So war die Handlung relativ berechenbar, gradlinig und die Pageturner haben mir gefehlt. Im Reich der Götter hatte ich mit etwas mehr Intrigen gerechnet.
Trotzdem habe ich das Buch super schnell lesen können, denn Kattee Robert schreibt mit einem angenehm flüssigen Schreibstil.
Persephone ist in diesem Buch eine wirklich starke und selbstbewusste Figur, die sich für ihr göttliches Leben eine Fassade aufbauen musste. Ich mag ihre Figurenentwicklung vom Sonnenschein, hin zu ihrer „dunklen“ Seite. Hades wirkt zwar zunächst recht düster, jedoch erfährt man nach und nach immer mehr über die Fassade, die er sich aufbauen musste und warum. Ziemlich überraschend war Hermes, die als weibliche Figur dargestellt wird und mich durch ihre witzige Art und Weise immer wieder zum schmunzeln gebracht hat. Zudem war es spannend, wie die beiden Gefühlswelten durch den Perspektivwechsel immer wieder gegenüber gestellt wurden. Insgesamt kann ich sagen, dass mich das Buch gut unterhalten und kurzzeitig in eine andere Welt mitgenommen hat.

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  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 11.09.2025

Ein akademischer Höllenmarsch

Katabasis
2

Alice Law studiert analytische Magie in Cambridge und steht vor einem gewaltigen Problem: bei einem magischen Unfall, an dem sie eventuell nicht ganz unschuldig war, wurde Prof. Grimes, ihr Doktorvater, ...

Alice Law studiert analytische Magie in Cambridge und steht vor einem gewaltigen Problem: bei einem magischen Unfall, an dem sie eventuell nicht ganz unschuldig war, wurde Prof. Grimes, ihr Doktorvater, getötet. Und da sie bei ihm ihre Dissertation zum Abschluss bringen möchte fasst sie den Entschluss in die Hölle hinabzusteigen und nach ihm zu suchen. Jedoch sie ist dabei nicht allein, sondern bekommt Gesellschaft von Peter Murdoch, ihrem studentischen Rivalen.

Kuang ist es wieder außerordentlich gut gelungen eine magische Welt zu kreieren, die trotz allem sehr realitätsnah erscheint. Nach ihrem Roman Babel, in dem die Kolonisierung von Sprache ein zentrales Thema darstellte, widmet sie sich nun den Machtstrukturen im wissenschaftlichen Bereich und in wie weit Frauen hier benachteiligt werden. Ihr Stil ist auch hier wieder recht anspruchsvoll gehalten und gleicht an der ein oder anderen Stelle fast einer Abschlussarbeit, was natürlich die zentrale Thematik unterstreicht. Dementsprechend bringt sie viele Bezüge zu anderen Schriftstellern, Soziologen und philosophischen Denkern mit ein und gibt fast immer genug Kontext dazu, um diese nachvollziehen zu können. Zudem bezieht sie sich ebenfalls auf unterschiedliche Religionen und Weltanschauungen, die sie in ihre Konstruktion einfließen lässt. Daraus konstruiert sie eine sehr interessante Darstellungsweise der acht Höllenkreise, die an Dantes Inferno angelehnt sind. Der Autorin gelingt es trostlose Bilder der Höllenkreise zu erschaffen, deren Inhalt daraus besteht, die eigene Dissertation über die eigenen Vergehen und die Frage nach dem Guten zu schreiben. Geradezu grotesk, denn der ein oder andere Höllenkreis, könnte genauso in der eigenen Universität zu finden sein. Alice erscheint zunächst als ein Idealbild der perfekten Studentin, was ihr schließlich in der Zusammenarbeit mit Grimes zum Verhängnis wird.
„Ja, solange sie der Verbesserung des Selbst gewidmet war, war Freizeit erlaubt. Doch Vergnügen um des Vergnügens willen - wie nutzlos, wie beschämend“ (S. 161). Das Zitat zeigt wohl am besten die akademische Hochgestochenheit und Kuang rechnet damit ab.
Wohingegen Alice bei ihrem Marsch durch die Hölle nicht immer sympathisch wirkt, sorgen einige längere Rückblenden dafür, sich ihr näher zu fühlen und gewisse Ansichten nachvollziehen zu können. Einige philosophische Ausschweifungen ließen das Gefühl aufkommen, auf der Stelle zu stehen. Doch gleichzeitig haben diese Aspekte zum Setting der Geschichte gepasst und anhand Alice innerer Monologe konnte ihre Auseinandersetzung mit sich selbst sehr gut verfolgt werden. Damit ist ebenso die Erschöpfung der Protagonisten deutlich geworden.
„Hatte das Ganze nicht eine perverse Schönheit? Welch Überzeugung. Unrecht zu tun, und zwar aus Überzeugung, das war doch viel kühner, als aus bloßer Angst Gutes zu tun“ (S. 523).
Die unterschiedlichen Charaktere und ihre Beziehungen zueinander werden sehr intensiv bearbeitet und doch dauert es einen ganzen Höllenmarsch, um zu einer Erkenntnis zu gelangen. In der Aufarbeitung der Vergangenheit und Zukunft findet sich quasi das Licht, auf das Alice versucht zuzustreben. Und genauso Bedarf es bei den Lesenden Ausdauer, diesen Weg des Buches zu bestreiten.

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  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 07.04.2025

Seltsame Konstruktionen

HEN NA E - Seltsame Bilder
2

Der Student Sasaki stößt auf einen mysteriösen Blog. Dort schreibt ein werdender Vater unter dem Pseudonym Ren (das japanische Pendant zu „Max Mustermann“) über das Leben mit seiner Frau. Doch im Verlauf ...

Der Student Sasaki stößt auf einen mysteriösen Blog. Dort schreibt ein werdender Vater unter dem Pseudonym Ren (das japanische Pendant zu „Max Mustermann“) über das Leben mit seiner Frau. Doch im Verlauf des Blogs bahnt sich eine Katastrophe an: die Frau von Ren stirbt bei der Geburt. Gleichzeitig scheint er ein Geheimnis aufgedeckt zu haben, was die Vermutung aufwirft, dass statt einem tragischen Tod, ein Mord geschehen sein könnte. Die Lösung scheint hinter gezeichneten Bildern verborgen zu sein und Sasaki nimmt sich vor, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen.
Sehr gelungen ist der Prolog, in dem die Psychologin Tomiko den Lesenden einen kleinen Vortrag hält. Sie zeigt, wie sie eine Psychoanalyse mit Hilfe der Zeichentestmethode durchgeführt hat. Sehr nahbar wird dies, indem ihre Rede durch vergrößerte Bildausschnitte begleitet wird. In dieser Art und Weise werden immer wieder kleine Bilder und Notizen eingebracht, die das Rätseln plastischer machen. Uketsu hat die Geschichte in vier Kapitel aufgeteilt, wobei in über drei Kapiteln scheinbar unzusammenhängende Geschichten erzählt werden. Der Schreibstil ist sehr berichtend und klar gehalten, wodurch auch die Figuren eher unnahbar wirken. Jedoch trägt dies ebenso zu dem ein oder anderen Gänsehautmoment bei. Insbesondere mit dem ersten Kapitel konnte sehr viel Spannung aufgebaut werden. Dagegen wurde dann Kapitel 3 sehr langatmig, denn generell werden viele Wiederholungen von Details benutzt, was eher Langeweile ausgelöst hat als sinnvoll zum Plot beizutragen. Leider wirkten zum Ende hin manche Handlungen sehr unglaubwürdig. Trotz der Wiederholungen war stellenweise nicht nachvollziehbar, wie die Figuren auf ihre Ideen und Theorien kamen. Ein Bogen und Verbindungen wurden zwar zum Anfang gespannt, die Auflösung wurde jedoch sehr vorhersehbar. Ja, die Idee dieser Art von Krimi ist sehr gut, allerdings ist da noch sehr viel Luft nach oben.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 29.10.2025

Für Fans

HEN NA IE - Das seltsame Haus
3

Der Grundriss eines Hauses und eine Frage: „Verstehen Sie, was ungewöhnlich an diesem Grundriss ist?“ womit Uketsu seinen neuen Kriminalroman eröffnet. In seinem zweiten Werk geht es um einen Journalisten, ...

Der Grundriss eines Hauses und eine Frage: „Verstehen Sie, was ungewöhnlich an diesem Grundriss ist?“ womit Uketsu seinen neuen Kriminalroman eröffnet. In seinem zweiten Werk geht es um einen Journalisten, der auf Spukhäuser spezialisiert ist und von einem Freund ebenjenen Grundriss vorgelegt bekommen hat, um ihn sich etwas genauer anzusehen. Daraufhin konsultiert er Kurihara, der sich auf die Analyse von Grundrissen spezialisiert hat.
Die stärke des Autors liegt definitiv im Spannungsaufbau seiner Geschichten. Was mir definitiv deutlich vor Augen gehalten wurde: Ich kenne mich wenig mit der japanischen Kultur aus und es fiel mir dementsprechend schwer, mich in so manche Handlung, Erklärung, Erzählweise oder Herleitung hineinzufinden und es ist gut möglich, dass ich so manche Anspielung schlichtweg nicht verstanden habe.
Uketsu bedient sich einer recht interessanten Erzählweise und lässt die Geschichte zum Großteil über Dialoge und Bilder von Grundrissen erzählen. Dadurch erhält man nur wenig Einblick in die Charakterzüge der einzelnen Figuren, was eine eher distanzierende Wirkung erzielt. Was am Anfang lediglich Spekulationen des Journalisten und dem Ich-Erzähler sind, wird schnell zu einem düsteren Sog. Indem innerhalb der Gespräche Fragen aufgeworfen und immer wieder Bilder eingebaut werden, regt dies zwar dazu an eigene Thesen zu entwerfen. Doch leider wurden aufblühende Überlegungen und Interpretationen viel zu schnell selbst erklärt und aufgelöst, ohne dass viel Raum für eigene Spekulationen blieb. Und dazu stellten sich diese recht übertrieben wirkenden Vermutungen immer als direkt richtig heraus. Dadurch kam zwar zu Beginn das Gefühl auf, an die Hand genommen und sanft durch die Geschichte geleitet zu werden auf. Jedoch wurde recht schnell die Tür zu den dunklen Geheimnissen einer Familiendynastie aufgestoßen. An dieser Stelle wurde die Geschichte, die eigentlich einen spannenden Einstieg hatte, zu einer mit einer absurden, unglaubwürdigen sowie überladenen Abhandlung. Hier wären weniger die immer gleichen Grundrisse oder Teilausschnitte derer hilfreich gewesen, sondern vielmehr zusätzliche Erklärungen zu den immer verstrickter werdenden Familienverhältnissen.
Das Buch wird wahrscheinlich interessierte Leser*innen finden, aber mich konnte es leider nicht abholen.

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