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Veröffentlicht am 30.05.2025

Loslassen

Ocean – Gefangen im Blau
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Die engagierte Lehrerin Helen überlebt einen Bombenanschlag durch die Hilfe eines Unbekannten, erleidet dabei dennoch einen großen Verlust. Vorher hat Helen sich sehr über ihre Ehe identifiziert, was im ...

Die engagierte Lehrerin Helen überlebt einen Bombenanschlag durch die Hilfe eines Unbekannten, erleidet dabei dennoch einen großen Verlust. Vorher hat Helen sich sehr über ihre Ehe identifiziert, was im Prolog deutlich wird, aber nun ist sie sich selbst entfremdet und ihrem eigenen Leben, nur die ständigen Gedanken an James, den Unbekannten, von dem sie nur den Namen weiß, und der Wunsch, ihn zu finden, halten sie aufrecht. Um die Familie und die Beziehung zueinander zu retten, kommt Helens Mann Frank auf die Idee, mit der Yacht Innisfree, auf der sie sich kennen und lieben lernten und glücklich waren, eine Reise über den Atlantik zu unternehmen.
Erzählt wird aus Helens Ich-Perspektive, wodurch ich ihr Leid und ihre Verzweiflung unmittelbar mit erlebe. Ihre Gefühle haben mich sehr berührt und betroffen gemacht, wiederholt musste ich beim Lesen eine Pause einlegen. Polly Clark schreibt einfühlsam, eindringlich und emotional, Helens Veränderung ist schmerzhaft und quälend, dabei durchaus glaubwürdig, und auch die Figurenzeichnung der anderen Charaktere um Helen überzeugt, sie sind lebensnah und vielschichtig.

Die Reise auf der Innisfree beginnt etwa ab der Hälfte des Buchs. Zu Helens Kampf um Heilung kommen die Herausforderungen des Segelns auf dem Ozean und die Konflikte des Zusammenlebens mit Frank, dem gemeinsamen Sohn Nicholas und der Pflegetochter Sindi auf engstem Raum. Der packende und bildhafte Schreibstil der Autorin hat mich praktisch mit auf die Yacht versetzt, wo ich die Ereignisse fasziniert verfolge. Die Gefahren durch die Elemente verlangen Helen das Äußerste ab und die dramatische Geschichte bleibt spannend bis zum Schluss. Da wird die Frage, ob Helen irgendwann loslassen kann und bereit für Neues ist, fast zur Nebensache.

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Spannungsroman mit überraschenden Wendungen

Die unsichtbare Hand
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Die Ghostwriterin Olivia braucht aus finanziellen Gründen dringend einen neuen Auftrag und so nimmt sie trotz großer Bedenken an, als der erfolgreiche Autor Vincent Taylor sie anfragt, denn es handelt ...

Die Ghostwriterin Olivia braucht aus finanziellen Gründen dringend einen neuen Auftrag und so nimmt sie trotz großer Bedenken an, als der erfolgreiche Autor Vincent Taylor sie anfragt, denn es handelt sich um ihren Vater, zu dem sie seit fast 20 Jahren keinen Kontakt mehr hat.
Als sich herausstellt, dass es sich nicht um ein Romanprojekt, sondern die Memoiren des kranken Schriftstellers handelt, hofft Olivia herausfinden zu können, was vor fast 50 Jahren passiert ist, als die beiden Geschwister des Vaters ermordet wurden und Vincent kurzzeitig unter Tatverdacht geriet.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt – 1975 und heute – und aus verschiedenen Ich-Perspektiven, so dass ich die Gedanken und Gefühle der Protagonisten unmittelbar teile. Das Lebensgefühl Jugendlicher und die Atmosphäre der 70er Jahre fängt Julie Clark gut ein. Und sie zeigt sehr deutlich, wie die Vergangenheit die Gegenwart prägt und auch die Entwicklung der Persönlichkeit bei den damals Beteiligten. Der flüssige Schreibstil ist einfühlsam und ruhig, der Handlung angepasst. Die Figurenzeichnung ist gelungen, die Charaktere sind komplex und glaubwürdig.
Sich steigernde Spannung entsteht nicht nur durch die ungeklärten Ereignisse in der Mordnacht, wobei ich als Leser bis zum Ende miträtseln kann, sondern auch auf psychologischer Ebene, hier vor allem, aber nicht nur, bei Olivia.

Ich habe das berührende Familiendrama gern gelesen, es hat mich gut unterhalten. Interessant und mir neu war die Beschreibung der Arbeitsweise und -bedingungen einer Ghostwriterin und die damit verbundenen Risiken für ihr berufliches Ansehen.

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Veröffentlicht am 12.04.2025

Spannend und unterhaltsam

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Natalie wundert sich eines Morgens, als ihre Kollegin Dawn nicht am Schreibtisch sitzt, ist Dawn doch normalerweise auf die Minute pünktlich und immer korrekt. Natalie Beunruhigung wird größer, als ein ...

Natalie wundert sich eines Morgens, als ihre Kollegin Dawn nicht am Schreibtisch sitzt, ist Dawn doch normalerweise auf die Minute pünktlich und immer korrekt. Natalie Beunruhigung wird größer, als ein kurzer telefonischer Hilferuf eingeht. Sie versucht heraus zu finden, was mit Dawn los ist.

Von Beginn an werde ich in die Handlung gezogen und teile Natalies Gedanken, da aus ihrer Ich-Perspektive erzählt wird. In Rückblenden kommt Dawn zu Wort, sie schreibt mails an ihre Freundin Mia, in denen sie von Natalie erzählt. Diese Rückblenden nähern sich den Ereignissen in der Gegenwart monatsweise an, diese Annäherung, die wechselnden Perspektiven und kurze Kapitel tragen zur Spannung bei.

Natalie erscheint wie eine unzuverlässige Erzählerin, sie macht vage Andeutungen und ihre Erinnerungen weichen oft von denen anderer Figuren ab, das verunsichert mich zunehmend, je weiter ich lese. Mehr und mehr treten auch Charakterzüge auf, die sie in anderem Licht erscheinen lassen.
Auch Dawn macht es mir nicht leicht, sie zeigt autistisches Verhalten und ist sozial unbeholfen, ihre langen mails an Mia geben mir auch zu denken.

Freida McFadden Schreibstil ist einfach, eingängig und schnell zu lesen. Die Handlung ist spannend und wendungsreich, auch durch viele Fragen, die sich beim Lesen stellen und mich mit rätseln lassen und durch die Entwicklung der Protagonisten, die immer neue Seiten zeigen und zunehmend schwerer einzuschätzen sind. Sympathisch ist mir keiner der Charaktere geworden.

Nach einer überraschenden Wendung werden mir die Zusammenhänge endlich klar, die Autorin hat es wieder geschafft, mich zu verblüffen.
Sogar der Epilog hält noch eine kleine McFadden-typische Enthüllung bereit.

Das schwarz-rote Cover mit der Silhouette einer Frau und dem roten Farbschnitt passt sehr gut zum Buch. Den Anfang der Geschichte fand ich etwas lang gezogen, aber dann hat mich 'Die Kollegin' gefesselt und bis zum Ende nicht mehr los gelassen.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Lieber Stralsund als New York?

Stralsund ermittelt - Falsche Koffer lügen nicht
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Mir haben die Voraussetzungen gefallen, von denen die Geschichte ausgeht. Nele Silber kehrt New York nach 15 Jahren der Liebe wegen den Rücken und zieht nach Stralsund. Doch schon am Flughafen bei der ...

Mir haben die Voraussetzungen gefallen, von denen die Geschichte ausgeht. Nele Silber kehrt New York nach 15 Jahren der Liebe wegen den Rücken und zieht nach Stralsund. Doch schon am Flughafen bei der Ankunft gesteht Peter ihr, dass er sich unsterblich in Friedhelm verliebt hat und Nele findet sich einsam und allein in der online gekauften Jugendstilvilla am Knieperteich wieder. Nele ist Psychologin und kann zwar ihre Gefühle der Trauer, Enttäuschung und Wut analysieren, aber was hilft das, die Gefühle sind da.

Für Ablenkung sorgen Hektor, der Gärtner, den Nele mit dem Haus übernommen hat, und Fanny, die die ahnungslose Nele darüber aufklärt, warum oft Fremde vor der Villa stehen, wurden hier doch sechs Staffeln der erfolgreichen TV-Serie 'Stralsund ermittelt' um Detektiv Weingold gedreht. Als die Theaterschauspielerin Laura, die natürlich vergeblich versucht hat, die Detektei Weingold zu beauftragen, einige Tage später ermordet aufgefunden wird, fühlt Nele sich verpflichtet, dem Fall nachzugehen.

Fanny, Nele und Hektor werden zum Team Weingold und Hektors unauffällige Achtsamkeit, Fannys IT-Können und Neles analytische Fähigkeiten helfen, aus kleinen Anhaltspunkten erste Schlüsse zu ziehen. Dabei entstehen immer wieder Szenen voller Situationskomik und unterhaltsame Gespräche. Durch Rückblicke in die Vergangenheit der drei liebenswerten Protagonisten bekommen die Charaktere Tiefe und Glaubwürdigkeit. Dazu trägt auch Annabel Ravens einfühlsamer Schreibstil bei. Die Autorin schreibt lebendig und bildhaft, ich trinke mit Nele zusammen eine Limonade am Strand und erlebe sie beim Beachvolleyball. Wenn Nele New York und Stralsund vergleicht, hat die Kleinstadt am Strelasund immer die Nase vorn, trotzdem kann Nele sich nicht entscheiden, wo sie in Zukunft leben will. Das Setting und die vielen interessanten Figuren haben mir gefallen, vermisst habe ich etwas mehr Stralsunder Lokalkolorit.

Die Perspektivwechsel haben meinen Lesefluss häufig eher unterbrochen als die Spannung gesteigert und es wurden einige Fragen nicht beantwortet, dazu kommt es hoffentlich in einem Folgeband. Insgesamt hat mich 'Stralsund ermittelt – Falsche Koffer lügen nicht' mit seinem schönen, passenden Cover gut unterhalten und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Nele, Hektor und Fanny.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Spannende Geschichte mit ungewöhnlicher Protagonistin

The Florist
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Amy Mackenzie hat Erfolg mit ihrem Luxus-Blumengeschäft, aber sie ist ehrgeizig und wünscht sich noch zahlungskräftigere Kunden. Als James Elliott, ein erfolgreicher Architekt, sie mit dem Blumenschmuck ...

Amy Mackenzie hat Erfolg mit ihrem Luxus-Blumengeschäft, aber sie ist ehrgeizig und wünscht sich noch zahlungskräftigere Kunden. Als James Elliott, ein erfolgreicher Architekt, sie mit dem Blumenschmuck für die Überraschungsgeburtstagsfeier für seine Schwägerin Izzy beauftragt, die in seinem prächtigen Haus stattfinden wird, hofft Amy, ihrem Ziel ein weiteres Stück näher zu kommen.
Amy informiert sich im Netz über Izzy und es gelingt ihr, die Bekanntschaft der weltgewandten und charismatischen Frau zu machen, sich mit ihr anzufreunden und in Izzys Kreise aufgenommen zu werden. Auf der Geburtstagsparty kommt es dann zu einem folgenreichen Vorfall.

Bisher führte Amy ein einsames Leben ohne soziale Kontakte, wegen eines Geheimnis in ihrer Vergangenheit ist sie sehr zurückhaltend. Sie erzählt kaum etwas von sich, ist andererseits neugierig und fasziniert von Menschen, die sie kennenlernt. Sie wirkt offensichtlich oft merkwürdig auf andere und erschien mir vor allem in der ersten Hälfte des Romans wie eine unzuverlässige Erzählerin, wobei die Geschichte aus ihrer Ich-Perspektive auf verschiedenen Zeitebenen geschildert wird, eingeschoben sind Transkriptionen verschiedener Zeugenaussagen.

Die Figurenzeichnung der Protagonisten ist gelungen, wobei sich bei mir Sympathie für keinen der Charaktere entwickelt hat. Sehr interessant fand ich Informationen aus der Floristik, hier kann Amy mich mit ihrem Wissen und ihren Überzeugungen beeindrucken. Sie ist eine Protagonistin mit Ecken und Kanten, die mir Rätsel aufgibt, mich aber auch berührt.

Nicht unerwähnt bleiben soll das schöne, gleichzeitig düstere Cover, vom Motiv her und mit den 'Schnitten' und den Bluttropfen passt es perfekt zum Buch.

C. L. Pattison schreibt lebendig, bildhaft und eindringlich, die Geschichte mit ihrer erst subtilen und sich dann steigernden Spannung und der überraschenden Auflösung ist packend und hat mich gut unterhalten.

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